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WTI-Öl unter 80 Dollar Ölpreis schmiert kräftig ab – mehrere Gründe

Der Ölpreis schmiert heute kräftig ab. Dafür gibt es mehrere Gründe. Schauen wir den Dollar, genug Öl-Angebot und auf die Nachfrageseite.

Der Ölpreis verliert aktuell deutlich. Das amerikanische WTI-Öl rutscht sogar unter 80 Dollar mit aktuell 79,24 Dollar – heute früh waren es noch 83,60 Dollar. Das europäische Brent-Öl verliert seit heute früh von 90,40 Dollar auf 87,24 Dollar. Ein wichtiger Grund für diese Schwäche ist der sehr feste US-Dollar. Dank der jüngsten US-Zinsanhebung von vorgestern und weltweiten Rezessionssorgen wird der Dollar verstärkt nachgefragt, und mit 112 Indexpunkten notiert der Währungskorb Dollar-Index auf einem Allzeithoch. Aber da ist noch mehr. Blicken wir auf die Angst vor weniger Öl-Nachfrage und ausreichendes Öl-Angebot.

Ölpreis rutscht ab – aussagekräftiger Chart

Der folgende Chart sagt schon viel aus. Der WTI-Ölpreis (blaue Linie) verliert seit Juni von über 120 Dollar auf jetzt unter 80 Dollar. Ebenfalls seit Monaten am Fallen ist der Aktienmarkt (orange Linie S&P 500 Index). Türkis sieht man die Entwicklung des US-Leitzinses. Je höher die Zinsen, desto düsterer sind die Konjunkturaussichten. Denn Unternehmenskredite und Konsumkredite für Verbraucher werden teurer, und für Verbrauchen wird es verlockender wieder Geld in Sparanlagen anzulegen, als Geld zu verkonsumieren oder Aktien zu kaufen. Die Rezessionsgefahr nimmt in den westlichen Industrienationen immer weiter zu. Und das bedeutet dann auch weniger Öl-Nachfrage, was den Ölpreis weiter fallen lässt. Was als Rezession erst noch ansteht, wird am Terminmarkt schon vorher eingepreist.

Grafik vergleich seit Jahresanfang Ölpreis mit Aktienmarkt und US-Zinsen

Aktuelle Bloomberg-Aussagen

Laut aktueller Aussage von Bloomberg steuert der Ölpreis auf die längste Zeitspanne von wöchentlichen Verlusten in diesem Jahr zu, da die Zentralbanken weltweit ihren Kampf gegen die Inflation auf Kosten des Wachstums verstärken, was die Aussichten für die Energienachfrage verdüstert. Die US-Notenbank signalisierte in dieser Woche am deutlichsten, dass sie bereit ist, eine Rezession in den USA als Gegenleistung für die Wiedererlangung der Kontrolle über die Inflation zu tolerieren, während Großbritannien, Norwegen und Südafrika ebenfalls die Zinsen anhoben.

Damit steuert der Ölpreis auf seinen ersten Quartalsverlust seit mehr als zwei Jahren zu. Die Preise werden auch durch einen steigenden Dollar gedrückt – der Bloomberg Dollar Spot Index stieg am Freitag auf ein Rekordhoch – was die in dieser Währung gehandelten Rohstoffe für die Anleger teurer macht. Der Ölpreis-Rückgang wird durch einen stärkeren Dollar und „die aggressive Straffung der Geldpolitik“ angetrieben, sagte Giovanni Staunovo, Rohstoffanalyst bei der UBS Group AG.

Sollte der Ölpreis weiter sinken, könnte die OPEC gezwungen sein die Produktion zu drosseln, sagte Nigerias Ölminister Timipre Sylva. Die Gruppe und ihre Verbündeten hatten sich Anfang des Monats auf die erste Förderkürzung seit mehr als einem Jahr geeinigt.

Mit einem drohenden Verbot der EU für russisches Öl könnte es zu weiteren Turbulenzen kommen. Unabhängig davon bemühen sich die Mitgliedstaaten, innerhalb weniger Wochen eine politische Einigung zu erzielen, die eine Preisobergrenze für russisches Öl vorsieht. Der Vorstoß gewann an Dynamik, nachdem Präsident Wladimir Putin diese Woche eine Mobilisierung von Truppen ankündigte und den Krieg in der Ukraine eskalieren ließ.

Einige der größten Banken der Welt prognostizieren jedoch eine Erholung für den Ölpreis aufgrund niedriger Lagerbestände und einer anhaltenden Nachfrage trotz Rezessionssorgen. JP Morgan Chase prognostiziert für das letzte Quartal 2022 einen Brent-Ölpreis von 101 US-Dollar pro Barrel, während Goldman Sachs Group 125 US-Dollar erwartet.

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„Dies wird ein sehr, sehr unbeständiges letztes Quartal sein“, sagte Amrita Sen, Chefanalystin für Öl bei Energy Aspects Ltd. in einem Bloomberg-Fernsehinterview. Es gebe „einfach zu viele verschiedene und widersprüchliche Faktoren, die die Preise derzeit antreiben“, fügte sie hinzu.

Genug Ölangebot vorhanden – wichtiger Faktor für fallenden Ölpreis?

Ist der Weltmarkt derzeit ausreichend mit Öl versorgt? Und genug Ölangebot hilft aktuell dabei den Ölpreis weiter fallen zu lassen? Die Rohstoffexperten der Commerzbank (CoBa) schrieben heute früh, dass die hohen Konjunkturrisiken in einem ohnehin gut versorgten Ölmarkt den Ölpreis in Schach halten. Die ersten umfragebasierten Schätzungen der OPEC-Produktion im September dürften laut der CoBa zeigen, dass sich die Versorgungslage zuletzt kaum geändert hat. Offiziell sollte die tägliche OPEC+-Produktionsquote zwar im September gegenüber dem August um 100.000 Barrel steigen.

Aber das dürfte sich bei den teilnehmenden OPEC-Staaten kaum bemerkbar machen. Hier bremst laut CoBa ohnehin die zuletzt unter 1 Mio Barrel pro Tag gefallene nigerianische Produktion. Sie lag damit 850.000 Barrel pro Tag unter der Quote, und die IEA sei unter anderem wegen zu geringer Investitionen für die weitere Entwicklung der Produktion skeptisch. Allerdings würden diese Ausfälle nichts an der guten Versorgungslage des Marktes ändern.

FMW/Bloomberg/Commerzbank/Chart von TradingView

Öl-Förderpumpen von Chevron
Öl-Förderpumpen von Chevron. Photographer: David Paul Morris/Bloomberg


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2 Kommentare

  1. Auf daß es dem chinesischen Yuan und dem britischen Pfund gelingt, die Dominanz des US-Dollar im Ölgeschäft zu beenden. Der Finanzplatz London ist bedeutsamer als die Wall Street.

  2. Was nützt es mir, wenn der Ölpreis abschmiert aber mein Heizölpreis nicht ? Letzten Dezember noch 80 ct gezahlt, das Jahr zuvor 47 ct, und jetzt sind es momentan 155 ct/liter. Wer macht denn hier das Geschäft ?

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