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Ölpreis stabil vor wichtiger OPEC-Tagung – Expertenmeinung

Öl-Pumpe vor Sonnenuntergang

Der Ölpreis zeigt sich die letzten Tage robust, nachdem man (endlich mal?) im Verlauf der letzten drei Wochen eine Korrektur sehen konnte, nach einer monatelangen Rallye. Der Ölpreis kam vom Hoch bei fast 68 Dollar am 8. März (im WTI-Öl) zurück auf 57,28 Dollar im Tief am 23. März. Aktuell hält sich WTI-Öl relativ gut bei 60,70 Dollar. Nachdem die kleine Krise rund um den Suezkanal bald wieder vergessen sein dürfte, blick der Ölmarkt auf die Konferenz der OPEC+ am Donnerstag.

Denn es geht erneut um die Frage: Sollen das Kartell und seine Partner (vor allem Russland) weiterhin auf eine Ausweitung der Fördermenge verzichten? Denn hält man sie weiterhin verknappt, kann man womöglich einen weiter steigenden Ölpreis erzielen. Und wenn man verschiedene Meinungen von Experten vergleicht, dann wirkt es so, als würde allen voran Saudi-Arabien an einer restriktiven Politik festhalten, und auch am Donnerstag erneut dafür plädieren, die Fördermenge nicht weiter zu erhöhen. Das könnte einen neuen Schub für den Ölpreis bedeuten.

Experte über Ölpreis-Beeinflussung durch OPEC-Sitzung

Aktuelle Daten zeigen, dass die OPEC ihre eigenen Ziele der gekürzten Fördermengen einhält. Wie geht es weiter am Donnerstag? Eugen Weinberg von der Commerzbank erwähnt in seinem heutigen Kommentar zu Öl, dass das OPEC-Treffen am Donnerstag derzeit den Ölpreis vorab positiv beeinflusse. Die OPEC+ werde beim Online-Treffen diskutieren, ob ein Teil der zurückgehaltenen Fördermenge von 8 Millionen Barrels pro Tag doch wieder „freigegeben“ werde, weil sich die Nachfrageaussichten zuletzt verbessert hätten.

Eigentlich hätte man dies schon vor einem Monat machen können, weil sich der Markt in einem Angebotsdefizit befindet und die Kunden nach zusätzlichen Mengen fragen, so Eugen Weinberg. Außerdem habe die Sperrung des Suezkanals über mehrere Tage – die Auflösung des Staus in dieser auch für den Ölmarkt wichtigen Transportarterie dürfte nach der Befreiung des havarierten Schiffes einige Tage dauern – diese Engpässe weiter verschärft. Doch anscheinend plädiere Saudi-Arabien dafür, die Kürzungen in der gegenwärtigen Höhe bis Juni beizubehalten. Darüber hinaus würde das Land selbst seine freiwilligen Produktionskürzungen von 1 Mio. Barrel täglich wahrscheinlich ebenfalls beibehalten. Aus Sicht der Experten der Commerzbank ist die einzige Erklärung solch gravierender Eingriffe in die Marktmechanismen der Wunsch der OPEC-Länder nach einem höheren Ölpreis.

Die häufig angeführten Argumente einer wegen der Corona-Pandemie anhaltend schwachen Nachfrage überzeugen Eugen Weinberg nicht. Wenngleich kurzfristig eine solche Strategie der künstlichen Verknappung durchaus zu höheren Ölpreisen führen könnte, wirke sie längerfristig nachfrage- und preisbelastend. Die Ölproduktion außerhalb der Allianz dürfte dadurch stärker als erwartet steigen. So nehme in den USA die Explorationsaktivität weiter zu. Laut Baker Hughes waren in der letzten Woche nämlich mit 324 so viele Bohrtürme aktiv wie seit Anfang Mai nicht mehr. Die US-Schieferölproduzenten dürften ihre Produktion angesichts WTI-Preisen von über 60 USD schneller als erwartet ausweiten.

Chart zeigt Ölpreis im Kursverlauf seit Oktober



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