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Rezessionsangst vs Verknappungsangst Ölpreis steigt deutlich – gefangen zwischen zwei großen Ängsten!

Der Ölpreis steigt deutlich seit letztem Donnerstag. Seit Wochen springt man am Ölmarkt Hin und Her zwischen zwei großen Ängsten.

Öl-Bohrstelle

Der Ölpreis steigt spürbar an. Seit dem Tief vom letzten Donnerstag bei 90,60 Dollar sehen wir bis heute einen Anstieg auf aktuell 102,98 Dollar im WTI-Öl. Der Anstieg im europäischen Brent-Öl vollzieht sich ähnlich mit einem Anstieg von fast 12 Dollar. Die Stimmungslage hat sich seit letztem Donnerstag (wieder einmal) gedreht.

Ölpreis nun im Fokus einer der Verknappungsangst

Tagelang war Öl stark gefallen, weil man am Markt Angst vor einer globalen Rezession hatte. Dies würde bedeuten, dass die Nachfrage nach Öl sinkt, was den Ölpreis fallen lässt. Jetzt aber erleben wir genau das Gegenteil. Und so geht es seit Wochen – es ist ein unfassbares Hin und Her. Mal ist der Ölmarkt in Rezessionsstimmung, und die Kurse fallen ein paar Tage lang kräftig. Jetzt sind wir wieder in der Stimmung einer Verknappungsangst, und die Kurse steigen. Man schaue dazu auf den folgenden TradingView Chart, der 30 Tage zurückreicht. Man sieht die Wellenbewegung.

Wird Gas von Russland verknappt? Stürzt sich dann alle Welt mehr denn je auf Öl als Brennstoff, und der höheren Nachfrage steht in westlichen Industrienationen zu wenig Angebot gegenüber? Diese Sichtweise kann sich in wenigen Tagen schon wieder drehen. Man denkt dann plötzlich wieder nur noch über die nahende Rezession nach, und der Ölpreis fällt. Man sollte sich also nicht all zu sicher sein, dass der jetzige Anstieg im Ölpreis nachhaltig ist. Dies zeigt alleine schon der Chart.

Analystenkommentar

In Sachen „Angst vor zu wenig Angebot“ blickt man derzeit auch auf das gescheiterte Vorhaben der USA, dass Saudi-Arabien doch bitte mehr Öl auf den Markt bringen soll. Dazu hier die aktuelle Aussage von Naeem Aslam, Chief Market Analyst beim Broker Avatrade. Er sagt aktuell zur Lage am Ölmarkt, dass der Ölpreis gestern eine sehr ordentliche Rallye verzeichnen konnte, weil US-Präsident Joe Biden mit leeren Händen von einem Treffen aus Saudi-Arabien zurückgekommen sei, und in Bezug auf die Ölversorgung nichts erreicht habe. Die Saudis gaben ihm die klare Antwort, dass es in Bezug auf die Ölversorgung keine einseitige Entscheidung gebe (für eine höhere Ölförderung), obwohl Saudi-Arabien der Hauptakteur im OPEC-Kartell ist. Der wichtige Preispunkt ist laut Naeem Aslam nach wie vor die 100-Dollar-Marke, und man sei der Meinung, dass Händler diese Marke genau im Auge behalten sollten, da sie den Unterschied zwischen einem Aufwärtstrend und einem Abwärtstrend beim Ölpreis ausmacht. Übrigens: Laut einer aktuellen Meldung sagt der saudische Außenminister, dass es auf dem Markt nicht zu wenig Rohöl gibt, sondern zu wenig Raffineriekapazitäten.

Steigende Risikoneigung?

Man kann natürlich auch behaupten: Seit letztem Donnerstag steigen die Aktienmärkte, und im Zuge dieser höheren Risikoneigung der Anleger wurde auch der Ölpreis mit hochgezogen. Auch wenn diese ein Grund sein mag – man kann mit Blick auf die Kursverläufe der letzten Monate aber auch sagen, dass dieser seit Donnerstag stattfindende Anstieg bei Aktien eine kleine Bärenmarktrally darstellt. Aus dieser Perspektive betrachtet sollte man sich auf die Aktienmärkte als stützenden Faktor für den Ölpreis nicht verlassen.

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Fallender US-Dollar hilft steigendem Ölpreis

Was dem Ölpreis derzeit beim Ansteigen hilft, ist der fallende US-Dollar. Vom Hochpunkt bei 109,12 Indexpunkten letzten Donnerstag fällt der US-Dollar-Index bis jetzt auf 106,71 Punkte. Das ist ein spürbarer Rückfall, der alles nach oben pusht, was in US-Dollar gehandelt wird, so auch Öl.

Kursverlauf im WTI-Ölpreis in den letzten 30 Tagen



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1 Kommentar

  1. Ich nehme mit Genugtuung zur Kenntnis, daß es dem 46. US-Präsidenten Joseph Robinette Biden im Rahmen seiner aktuellen Naher und Mittlerer Osten-Reise nicht gelungen ist, das Königreich Saudi-Arabien und die Russische Föderation innerhalb der OPEC+-Öl-Allianz auseinanderzudividieren.

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