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Ölpreis steigt spürbar – wieder zurück im Aufwärtstrend?

Ein Bohrturm für Öl

Der Ölpreis steigt. Nach einen Rückfall am Freitag und dem Tief an diesem Montag bei 51,74 Dollar geht es bis jetzt rauf auf 53,38 Dollar im WTI-Öl. Damit sind zwei Hochpunkte aus letzter Woche bei knapp unter 54 Dollar (sichtbar im Chart) wieder in Reichweite. Hier ein Blick auf die aktuelle Lage.

Viele Argumente sprechen für weiter steigenden Ölpreis

Vorgestern besprachen wir die Möglichkeit, dass die kurzfristige Schwäche im Ölpreis am letzten Freitag nur eine kurze Schwäche sein könnte, und dass der Aufwärtstrend der letzten Wochen weitergehen könnte. Mit ein Grund dafür könnte sein, dass die neue Biden-Administration in den USA die Umweltvorschriften deutlich verschärft, und so die Öl-Industrie (vor allem beim Fracking) ausbremst. Dies könnte weniger Öl-Förderung bedeuten, was natürlich positiv für einen steigenden Ölpreis wäre.

Der US-Dollar, der seit einigen Tagen am Ansteigen war, schwächelt seit Anfang dieser Woche. Dies unterstützt kurzfristig den steigenden Ölpreis. Ebenfalls positiv für Öl zu werten sind die inzwischen seit fünf Wochen fallenden Lagerbestände für Öl in den USA, die großen Stimulus-Hoffnungen an den neuen US-Präsidenten, und vor allem die zusätzlichen freiwilligen Kürzungen der Öl-Fördermenge durch Saudi-Arabien (minus 1 Million Barrels pro Tag für Februar und März) – vor allem diese letzte Nachricht half dem Ölmarkt bis letzte Woche weiter nach oben.

Und nun scheint es weiter zu gehen mit der guten Laune am Ölmarkt. Die ab heute neu eingesetzte US-Finanzministerin Janet Yellen sagte gestern in ihrer Online-Rede vor dem US-Kongress, dass man umfangreich agieren müsse bei den wirtschaftlichen Hilfs- und Stimulus-Maßnahmen. Das bedeutet für Öl: Voraussichtlich mehr Nachfrage, wenn die Wirtschaft so kräftig stimuliert wird. Obwohl das keine echte Neuigkeit ist, scheint die gestrige Yellen-Rede dennoch derzeit Öl zu helfen.

Lagerbestände einen Tag später

Zu den Lagerbeständen für Öl sei gesagt: Da am Montag in den USA Feiertag war, verschieben dort so ziemlich alle Statistiker wie üblich in so einem Fall ihre Veröffentlichungen um einen Tag nach hinten. Deswegen wurden gestern Abend auch nicht die privaten API-Lagerbestände veröffentlicht – die kommen erst heute Abend. Und die staatlichen Lagerbestände für Öl erhalten wir aus den USA erst am morgigen Donnerstag Nachmittag, und nicht wie üblich am Mittwoch. Fünf Wochen am Stück sind die Lagerbestände nun schon rückläufig. Geht dieser Trend weiter, wäre das erneut ein Argument für einen weiter steigenden Ölpreis.

Aktueller Analystenkommentar

Eugen Weinberg von der Commerzbank ist vielleicht der beste Rohstoff-Experte in Deutschland. Hier auszugsweise sein ganz aktueller Kommentar zur aktuellen Lage im Ölpreis:

Die Ölpreise haben auf die gestrigen Aussagen der designierten US-Finanzministerin Yellen sowie eine damit einhergehende USD-Schwäche positiv reagiert und um rund 2% zugelegt. Die Rechung ist einfach: Höhere fiskalische Unterstützung bedeutet mehr Wachstum und eine höhere US-Ölnachfrage. Deshalb hat der Ölmarkt auf die nochmalige Senkung der Nachfrageprognose seitens der Internationalen Energieagentur IEA, die ihre Schätzung für das erste Quartal 2021 wegen der weltweiten Lockdowns um 600 Tsd. und für das Gesamtjahr um 300 Tsd. Barrel täglich reduzierte, kaum reagiert.

Wir erachten den jüngsten Preisanstieg bei Öl jedoch als stark spekulativ getrieben – in der Woche zum 12. Januar ist die Zahl der Netto-Long-Positionen der Großanleger bei Brent erneut um 26 Tsd. Kontrakte bzw. 9% auf fast 315 Tsd. Kontrakte gestiegen, ein 11-Monatshoch. Deshalb dürfte eine Preiskorrektur trotz des Anlegeroptimismus nur eine Frage der Zeit sein.

Chart zeigt Ölpreis-Kursverlauf seit dem 5. Januar
Im Chart sehen wir den Verlauf im WTI-Ölpreis seit dem 5. Januar.



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