Folgen Sie uns
Giovannie Cicivelli Tradingchancen

Märkte

Ölpreis: Trump pusht kräftig nach oben – merkt er überhaupt, was er tut?

Veröffentlicht

am

Schon drei Mal dieses Jahr hatte Donald Trump per Twitter bei der OPEC gebettelt und auch gedroht. Der Ölpreis müsse endlich runterkommen, und deswegen müsse die OPEC mehr Öl auf den Weltmarkt bringen (mehr Angebot = sinkende Preise). Diese Drohungen und Bitten ignorierte die OPEC aber stets. Man hat ein eigenes Agreement die Fördermenge zu senken, welches man bis jetzt schon deutlich übererfüllt hat. Zusammen mit Russland wollte man seit Jahresanfang um 1,2 Millionen Barrels pro Tag senken.

Werbung: Gratis in Aktien und ETFs investieren. Null-Provision, Null-Aufwand! Erhalten Sie eine Gratisaktie im Wert von bis zu 100€

Donald Trump hatte mit seinen Tweets ganz klar zum Ausdruck gebracht, dass ihm die amerikanischen Konsumenten am Wichtigsten sind, die an der Zapfsäule möglichst wenig für Benzin zahlen sollen. Dass bei einem sinkenden Ölpreis auch seine heimische Fracking-Industrie leiden würde, hat er offenbar nicht im Blick. Und ob er aktuell überhaupt merkt, dass er seine Wähler schädigt, weil er selbst den Ölpreis weiter nach oben treibt?

USA machen Schluss mit Ausnahmen

Denn nun hat die US-Regierung angekündigt endgültig ernst zu machen in Sachen Iran-Sanktionen. Man hatte bereits Sanktionen gegen Öl aus dem Iran verhängt. Und noch wichtiger: Allen Staaten drohte man bereits massiv mit Vergeltungsmaßnahmen, sollten sie weiterhin Öl aus dem Iran importieren. Aber: Von jetzt auf gleich allen Öl-Importeuren auf dem Planeten zu „verbieten“ (das ist eh schon ein starkes Stück) Öl aus dem Iran zu beziehen, das hätte den Ölpreis schon vor Monaten viel stärker nach oben gepusht.

Und so hatte die US-Regierung zahlreichen Käufern von Iran-Öl Ausnahmeregelungen zugestanden. Wie nett von den Amerikanern, die offenbar bestimmten, welches Land von welchem Land Öl kaufen darf? Gewisse reduzierte Mengen konnten noch aus dem Iran gekauft werden, ohne dass die USA gegen diese Importländer Sanktionen verhängen. Damit ist jetzt Schluss. Wer ab dem 2. Mai noch Öl aus dem Iran importiert, solle die volle Härte von US-Maßnahmen zu spüren bekommen, so die US-Administration.

Ob sich Großkunden wie Iran oder China daran halten werden? Unklar. Aber auf jeden Fall interpretiert der Terminmarkt dieses Zeichen der US-Regierung so, dass die gesamte Angebotsmenge am Weltmarkt abnehmen wird. Zwar hat Donald Trump Zuversicht gezeigt, dass die OPEC die fehlenden Iran-Mengen durch mehr Förderung ausgleichen wird (Tweet).

Aber vor allem die Saudis gaben in den letzten Wochen kaum Anzeichen dafür, dass sie mehr Öl fördern wollen. Generell hört man von ihrer Seite nur, dass sie Engpässe nicht zulassen würden. Also, käme es wirklich viel zu wenig Angebot auf dem Weltmarkt, würden sie wohl mehr fördern. Aktuell gibt es die Aussage vom saudischen Öl-Minister Al-Falih, dass man sich mit anderen Förderländern abstimmen werde um sicherzustellen, dass angemessene Angebotsmengen für die Abnehmer vorhanden seien. Die Saudis wollen wie die anderen Golfstaaten einen deutlich höheren Ölpreis, um die eigenen Staatsdefizite stopfen zu können. Es ist gut möglich, dass sie erstmal zuschauen, ob denn wirklich eine Unterversorgung am Weltmarkt eintritt.

Ölpreis reagiert wie man es erwarten konnte

Das Ölpreis reagiert derzeit wie man es erwarten kann bei dieser Gemengelage. Es geht aufwärts. Gegenüber Donnerstag (letzter Handelstag vor dem Oster-Wochenende) steigt WTI-Öl von 64 auf aktuell 66,14 Dollar. Ob Donald Trump überhaupt merkt, dass er das verschuldet hat? Denn so recht scheint der Markt nicht zu glauben, dass die OPEC die Lücke wirklich schließen wird. Im folgenden Chart seit Februar sieht man gut, wie das Niveau von 64,70 Dollar nun auch überschritten wurde. Der Weg ist weiter frei nach oben.

Ölpreis seit Februar

Im folgenden Chart, der bis Juli 2018 zurückreicht, sieht man: Es ist noch gut Luft nach oben bis 70 Dollar, und 77 Dollar als alter Hochpunkt ist ein härterer Widerstand. Wie immer gilt: Der Ölmarkt ist und bleibt unberechenbar. Ob und wann ein plötzlicher Dreh zur Erholung eines überkauften Marktes kommt, kann man schwer vorhersagen.

Ölpreis seit 2018

7 Kommentare

7 Comments

  1. Columbi

    23. April 2019 10:55 at 10:55

    Trump weiß genau was er tut. Er bereitet den nächsten großen Deal mit dem Iran vor. Immer der gleiche Ablauf, zuerst fürchterlich poltern, daß man sich so richtig erschreckt und sogar glaubt , morgen gehe die Straße von Hormus zu und die Welt unter. Dann aber erscheint die Lichtgestalt und trifft Irans Staatschef, den besten aller Freunde und handelt mit ihm den wunderbarsten aller wunderbaren Deals aus. Das Öl wird billig, die Aktien steigen und alle sind glücklich. Solange Trump regiert, haben schwarze Schwäne, Bären und Crashpropheten wahrlich nichts zu lachen.

  2. Roberto

    23. April 2019 13:02 at 13:02

    @ Columb(i)o ?, das ist sehr gut möglich. Seine Startegie ist kein Geheimnis mehr.

    • leftutti

      23. April 2019 14:07 at 14:07

      @Roberto, @Columbo, genau aus dem Grund, weil diese „Strategie“ inzwischen jeder kennen dürfte, frage ich mich, wer darauf noch hereinfallen sollte. Sind die Leute an den Börsen tatsächlich so naiv bis dämlich?

      • Columbo

        23. April 2019 14:57 at 14:57

        @leftutti
        Der Ölpreis und der Markt reagieren ziemlich gelassen auf das Trumpgezwitschere. Sie fallen immer weniger darauf herein.

        • leftutti

          23. April 2019 19:50 at 19:50

          @Columbo, jetzt bin ich verwirrt!

          Oben haben Sie geschrieben: Dann aber erscheint die Lichtgestalt und trifft Irans Staatschef, den besten aller Freunde und handelt mit ihm den wunderbarsten aller wunderbaren Deals aus. Das Öl wird billig, die Aktien steigen und alle sind glücklich. Solange Trump regiert, haben schwarze Schwäne, Bären und Crashpropheten wahrlich nichts zu lachen.

          Jetzt auf einmal die Gelassenheit und Kursresistenz bei Öl- und Aktienmärkten?!
          ???????

          • Columbo

            23. April 2019 20:07 at 20:07

            @leftutti
            Sie haben Recht, ist etwas widersprüchlich. Ich meinte, die Märkte machen eine Art Lernkurve durch und fallen mit der Zeit immer weniger auf die Trump‘sche Strategie herein.

          • Michael

            23. April 2019 22:43 at 22:43

            @leftutti, wer drei Mal lügt…
            Selbst der kognitiv eher unterdurchschnittlich langsam reagierende Mensch hatte nach der 300sten Lüge nach 3 Wochen Amtszeit der großen Lichtgestalt bereits realisiert, dass die Evolution eine perverse Kreuzung des Baron von Münchhausen und Ludwig XIV. hervorgebracht hat. 30 Monate später begeben sich selbst die Märkte in eine Art Lernkurve mit maximaler Steigung von 3%, wie sie es auch nach fast 3000 Tagen des Gesülzes von Draghi ab und zu in Andeutung gebracht haben.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Finanznews

Ohne Abverkauf kein Deal USA-China! Marktgeflüster (Video)

Die Märkte sind in einem Paradox gefangen: einen Deal kann es nur geben, wenn auch der Schmerz für die USA sehr groß ist, wenn die Wall Street abverkauft

Veröffentlicht

am

Ein substanzlos optimistischer Tweet von Donald Trump reicht am „magic risk free-Freitag“, um die Aktienmärktre nach oben zu bringen. Nach nichts sehnen sich die Aktienmärkte mehr als diesen angeblich immer wieder kurz vor dem Abschluß stehenden Deal zwischen den USA und China, der derzeit so weit wie noch nie entfernt ist! Und dabei sind die Märkte in einem Paradox gefangen: einen Deal kann es nur dann geben, wenn auch der Schmerz für die USA sehr groß ist, sprich wenn die Wall Street abverkauft – sonst hat Trump keinerlei Grund, seine harte Haltung gegenüber China aufzugeben (zumal die oppositionellen US-Demokraten Trumps harte Haltung teilen!). China aber wird Gespräche nur dann aufnehmen, wenn Trump bei Huawei einen Rückzieher macht..

Werbung: Gratis in Aktien und ETFs investieren. Null-Provision, Null-Aufwand! Erhalten Sie eine Gratisaktie im Wert von bis zu 100€

weiterlesen

Aktien

Aktienrückkäufe: Kontroverses Thema im Detail besprochen

Veröffentlicht

am

Von

Der Börsen-YouTuber Jens Rabe bespricht aktuell ausführlich das Thema Aktienrückkäufe. Und er sagt es ganz zu recht. Es ist ein kontroverses Thema! Im Video spricht er die Grundthematik an wie auch das Pro und Contra. Wir meinen: Kurzfristig und vordergründig mögen Aktienrückkäufe für die Aktionäre vielleicht reizvoll sein. Aber langfristig entziehen sie dem Unternehmen Cash, das man besser für Zukunftsinvestitionen nutzen sollte. Auch haben viele US-Konzerne in den letzten Jahren auf Pump (die tollen Niedrigzinsen) eigene Aktien zurückgekauft. Was für ein Wahnsinn. Und dann am Ende landen einige dieser Unternehmen im Voll-Desaster, siehe General Electric. Aber schauen Sie selbst das folgende Video (bitte erst ab Minute 3 gucken, dann ersparen Sie sich das Intro-Gelaber).

weiterlesen

Anleihen

Griechenland-Anleihen: Laut EuGH Enteignung zum Wohle des Finanzsystems

Veröffentlicht

am

Von

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat gestern ein in der medialen Öffentlichkeit wenig beachtetes Urteil gesprochen. Es geht um die Griechenland-Krise. Auf den zweiten und dritten Blick fördert der offiziell vom Gericht veröffentlichte Urteilstext Interessantes zu Tage. Aber nun erstmal zum ersten Blick auf das Urteil.

EZB gibt Meinung ab

Es geht um die schon Jahre zurückliegende Umschuldung von Anleihen des griechischen Staates. Mit dem überwiegenden Teil der privaten Gläubiger einigte sich Griechenland bestehende Anleihen quasi wertlos zu machen und den Gläubigern dafür neue Anleihen zu geben. Dabei kam es unter dem Strich zu Verlusten für die Gläubiger. Aber diejenigen Gläubiger, mit denen sich Griechenland nicht auf diese Art der Umschuldung einigte, sprachen von Enteignung. Und da Athen die EZB um Rat fragte, ob man für diesen Zweck extra ein Gesetz verabschieden könne, gab die EZB ihren Ratschlag, dass das in ihren Augen kein Problem sei.

Daher klagten diejenigen Gläubiger, die einer Umschuldung nicht zustimmen, gegen die EZB. Von ihr wollten sie Schadenersatz. Aber der EuGH lehnte einen Anspruch gegen die EZB ab. Vereinfacht ausgedrückt: Die EZB hat ja nur ihre Meinung kund getan, nach der sie gefragt wurde. Ansprechpartner für Ansprüche wäre hier wohl der griechische Staat. Tja, dass das EuGH der EZB eine Zahlungspflicht aufdrücken würde für die reine Preisgabe einer Meinung, das war eh unwahrscheinlich. Interessant aber ist wie gesagt der weiterführende Text des EuGH zur Gesamtthematik dieser Enteignung.

Griechenland hat enteignet, aber zum Wohle des Finanzsystems

Denn der EuGH stellt fest, dass es sich in der Tat um eine Enteignung durch Griechenland gehandelt habe! Aber dies sei geschehen zum Wohle des Finanzsystems, so darf man es vereinfacht ausdrücken. Da dieses hohe Gut (das Finanzsystem und Staatsgebilde) über dem Wohl der Investoren stehe, sei eine Enteignung halt in Ordnung gewesen. Der Eingriff in das Eigentumsrecht der Gläubiger sei nicht unverhältnismäßig gewesen, so der EuGH. Gut, sagen wir da. Es mag ok sein, dass sich vor allem auch Banken mal an den Kosten so einer Staatenrettung beteiligen. Doch bei so einer Argumentation könnten ja auch Privatpersonen mal eben so enteignet werden, wenn es der Schutz des Finanzsystems gebietet? Hier der EuGH im Wortlaut:

Insoweit stellt das Gericht fest, dass die in den Verträgen, die den fraglichen Schuldtiteln zugrunde lagen, nicht vorgesehene Ausweitung der Wirkung der mit bestimmten Gläubigern geschlossenen Vereinbarung über die Herabsetzung des Nominalwerts dieser Titel auf Gläubiger, die der Vereinbarung nicht zugestimmt hatten, zu einem Eingriff in das Eigentumsrecht der Gläubiger geführt hat. Jedoch entspricht eine solche Ausweitung der dem Gemeinwohl dienenden Zielsetzung, die Stabilität des Bankensystems des EuroWährungsgebiets in seiner Gesamtheit sicherzustellen, und stellt keinen unverhältnismäßigen und untragbaren Eingriff in das Eigentumsrecht dar.

Explizit weist der EuGH in seinem Text auch auf das Eigentumsrecht hin, welches in Artikel 17 Abs. 1 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union niedergeschrieben ist. Die Ausübung dieses Rechts (also auf den Schutz des Eigentums bestehen) könne beschränkt werden um dem Gemeinwohl dienende Ziele zu erreichen. Nochmal. Es mag ja gut sein, dass Banken hierdurch auch zur Kasse gebeten werden. Doch mit so einer Argumentation könnten auch einfache Privatpersonen enteignet oder teil-enteignet werden, wenn sie Forderungen gegen staatliche Schuldner haben.

weiterlesen
Bitte abonnieren Sie unseren Newsletter.


Anmeldestatus

Meist gelesen 30 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen