Folgen Sie uns

Märkte

Ölpreis: Trump pusht kräftig nach oben – merkt er überhaupt, was er tut?

Avatar

Veröffentlicht

am

Schon drei Mal dieses Jahr hatte Donald Trump per Twitter bei der OPEC gebettelt und auch gedroht. Der Ölpreis müsse endlich runterkommen, und deswegen müsse die OPEC mehr Öl auf den Weltmarkt bringen (mehr Angebot = sinkende Preise). Diese Drohungen und Bitten ignorierte die OPEC aber stets. Man hat ein eigenes Agreement die Fördermenge zu senken, welches man bis jetzt schon deutlich übererfüllt hat. Zusammen mit Russland wollte man seit Jahresanfang um 1,2 Millionen Barrels pro Tag senken.

Werbung: Gratis in Aktien und ETFs investieren. Null-Provision, Null-Aufwand! Erhalten Sie eine Gratisaktie im Wert von bis zu 100€

Donald Trump hatte mit seinen Tweets ganz klar zum Ausdruck gebracht, dass ihm die amerikanischen Konsumenten am Wichtigsten sind, die an der Zapfsäule möglichst wenig für Benzin zahlen sollen. Dass bei einem sinkenden Ölpreis auch seine heimische Fracking-Industrie leiden würde, hat er offenbar nicht im Blick. Und ob er aktuell überhaupt merkt, dass er seine Wähler schädigt, weil er selbst den Ölpreis weiter nach oben treibt?

USA machen Schluss mit Ausnahmen

Denn nun hat die US-Regierung angekündigt endgültig ernst zu machen in Sachen Iran-Sanktionen. Man hatte bereits Sanktionen gegen Öl aus dem Iran verhängt. Und noch wichtiger: Allen Staaten drohte man bereits massiv mit Vergeltungsmaßnahmen, sollten sie weiterhin Öl aus dem Iran importieren. Aber: Von jetzt auf gleich allen Öl-Importeuren auf dem Planeten zu “verbieten” (das ist eh schon ein starkes Stück) Öl aus dem Iran zu beziehen, das hätte den Ölpreis schon vor Monaten viel stärker nach oben gepusht.

Und so hatte die US-Regierung zahlreichen Käufern von Iran-Öl Ausnahmeregelungen zugestanden. Wie nett von den Amerikanern, die offenbar bestimmten, welches Land von welchem Land Öl kaufen darf? Gewisse reduzierte Mengen konnten noch aus dem Iran gekauft werden, ohne dass die USA gegen diese Importländer Sanktionen verhängen. Damit ist jetzt Schluss. Wer ab dem 2. Mai noch Öl aus dem Iran importiert, solle die volle Härte von US-Maßnahmen zu spüren bekommen, so die US-Administration.

Ob sich Großkunden wie Iran oder China daran halten werden? Unklar. Aber auf jeden Fall interpretiert der Terminmarkt dieses Zeichen der US-Regierung so, dass die gesamte Angebotsmenge am Weltmarkt abnehmen wird. Zwar hat Donald Trump Zuversicht gezeigt, dass die OPEC die fehlenden Iran-Mengen durch mehr Förderung ausgleichen wird (Tweet).

Aber vor allem die Saudis gaben in den letzten Wochen kaum Anzeichen dafür, dass sie mehr Öl fördern wollen. Generell hört man von ihrer Seite nur, dass sie Engpässe nicht zulassen würden. Also, käme es wirklich viel zu wenig Angebot auf dem Weltmarkt, würden sie wohl mehr fördern. Aktuell gibt es die Aussage vom saudischen Öl-Minister Al-Falih, dass man sich mit anderen Förderländern abstimmen werde um sicherzustellen, dass angemessene Angebotsmengen für die Abnehmer vorhanden seien. Die Saudis wollen wie die anderen Golfstaaten einen deutlich höheren Ölpreis, um die eigenen Staatsdefizite stopfen zu können. Es ist gut möglich, dass sie erstmal zuschauen, ob denn wirklich eine Unterversorgung am Weltmarkt eintritt.

Ölpreis reagiert wie man es erwarten konnte

Das Ölpreis reagiert derzeit wie man es erwarten kann bei dieser Gemengelage. Es geht aufwärts. Gegenüber Donnerstag (letzter Handelstag vor dem Oster-Wochenende) steigt WTI-Öl von 64 auf aktuell 66,14 Dollar. Ob Donald Trump überhaupt merkt, dass er das verschuldet hat? Denn so recht scheint der Markt nicht zu glauben, dass die OPEC die Lücke wirklich schließen wird. Im folgenden Chart seit Februar sieht man gut, wie das Niveau von 64,70 Dollar nun auch überschritten wurde. Der Weg ist weiter frei nach oben.

Ölpreis seit Februar

Im folgenden Chart, der bis Juli 2018 zurückreicht, sieht man: Es ist noch gut Luft nach oben bis 70 Dollar, und 77 Dollar als alter Hochpunkt ist ein härterer Widerstand. Wie immer gilt: Der Ölmarkt ist und bleibt unberechenbar. Ob und wann ein plötzlicher Dreh zur Erholung eines überkauften Marktes kommt, kann man schwer vorhersagen.

Ölpreis seit 2018

7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    Columbi

    23. April 2019 10:55 at 10:55

    Trump weiß genau was er tut. Er bereitet den nächsten großen Deal mit dem Iran vor. Immer der gleiche Ablauf, zuerst fürchterlich poltern, daß man sich so richtig erschreckt und sogar glaubt , morgen gehe die Straße von Hormus zu und die Welt unter. Dann aber erscheint die Lichtgestalt und trifft Irans Staatschef, den besten aller Freunde und handelt mit ihm den wunderbarsten aller wunderbaren Deals aus. Das Öl wird billig, die Aktien steigen und alle sind glücklich. Solange Trump regiert, haben schwarze Schwäne, Bären und Crashpropheten wahrlich nichts zu lachen.

  2. Avatar

    Roberto

    23. April 2019 13:02 at 13:02

    @ Columb(i)o ?, das ist sehr gut möglich. Seine Startegie ist kein Geheimnis mehr.

    • Avatar

      leftutti

      23. April 2019 14:07 at 14:07

      @Roberto, @Columbo, genau aus dem Grund, weil diese “Strategie” inzwischen jeder kennen dürfte, frage ich mich, wer darauf noch hereinfallen sollte. Sind die Leute an den Börsen tatsächlich so naiv bis dämlich?

      • Avatar

        Columbo

        23. April 2019 14:57 at 14:57

        @leftutti
        Der Ölpreis und der Markt reagieren ziemlich gelassen auf das Trumpgezwitschere. Sie fallen immer weniger darauf herein.

        • Avatar

          leftutti

          23. April 2019 19:50 at 19:50

          @Columbo, jetzt bin ich verwirrt!

          Oben haben Sie geschrieben: Dann aber erscheint die Lichtgestalt und trifft Irans Staatschef, den besten aller Freunde und handelt mit ihm den wunderbarsten aller wunderbaren Deals aus. Das Öl wird billig, die Aktien steigen und alle sind glücklich. Solange Trump regiert, haben schwarze Schwäne, Bären und Crashpropheten wahrlich nichts zu lachen.

          Jetzt auf einmal die Gelassenheit und Kursresistenz bei Öl- und Aktienmärkten?!
          ???????

          • Avatar

            Columbo

            23. April 2019 20:07 at 20:07

            @leftutti
            Sie haben Recht, ist etwas widersprüchlich. Ich meinte, die Märkte machen eine Art Lernkurve durch und fallen mit der Zeit immer weniger auf die Trump‘sche Strategie herein.

          • Avatar

            Michael

            23. April 2019 22:43 at 22:43

            @leftutti, wer drei Mal lügt…
            Selbst der kognitiv eher unterdurchschnittlich langsam reagierende Mensch hatte nach der 300sten Lüge nach 3 Wochen Amtszeit der großen Lichtgestalt bereits realisiert, dass die Evolution eine perverse Kreuzung des Baron von Münchhausen und Ludwig XIV. hervorgebracht hat. 30 Monate später begeben sich selbst die Märkte in eine Art Lernkurve mit maximaler Steigung von 3%, wie sie es auch nach fast 3000 Tagen des Gesülzes von Draghi ab und zu in Andeutung gebracht haben.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Devisen

Rüdiger Born und Andre Stagge mit Blick auf Dax, Gold, Euro, Öl

Avatar

Veröffentlicht

am

Rüdiger Born und Andre Stagge melden sich im folgenden Video direkt vor der Frankfurter Börse. Laut Andre Stagge steckt die Börse derzeit kräftig im Sommerloch. Seit Montag steckt der deutsche Markt in einer Handelsrange. Gold sei derzeit spannender. Der Euro sei fürs Trading einen Blick wert. Beim Trading im Öl hat er einen interessanten Handelsansatz. Wollen Sie meine täglichen Analysen im “Trade des Tages” erhalten? Dieses Angebot ist für Sie völlig kostenfrei! Melden Sie sich dafür einfach hier an.

weiterlesen

Aktien

Aktienrückkäufe: Wie CEOs ihre Unternehmen aufs Spiel setzen

Avatar

Veröffentlicht

am

An der Wall Street sieht man Aktienrückkäufe als normales Instrument an

In den vergangenen Jahren gab es zwei von Top-Managern initiierte Schemata, die beide die von ihnen geführten Unternehmen aufs Spiel setzten: Aktienrückkäufe (verlorenes Jahrzehnt?) und für Kredite als Sicherheit hinterlegte Aktien! Beide Schemata fliegen den Unternehmen nun reihenweise um die Ohren. Im ersten Fall fehlt den Unternehmen nun das Geld in der Krise, im zweiten Fall können die als Kreditsicherheit hinterlegten Aktien schlimmstenfalls einen Abwärtstrend in der Aktie noch zusätzlich verstärken.

Aktienrückkäufe leerten die Konten der Unternehmen, ohne Nutzen zu stiften

Aktienrückkäufe waren über etliche Jahre beim Management zahlloser Unternehmen Mittel der Wahl, um angeblich Aktionäre am Unternehmenserfolg zu beteiligen. Hunderte Milliarden US-Dollar wurden ausgegeben, um Aktien zurückzukaufen. Dieser Rückkäufe erhöhen temporär den Preis einer Aktie, da die Nachfrage nach den Papieren erhöht wird. Und wenn die Unternehmen die Aktien nach dem Rückkauf vernichten, dann haben die verbliebenen Aktionäre auch einen größeren Anteil am Unternehmen. Eventuelle Dividenden verteilen sich auf weniger Aktien und bei unverändertem Unternehmenswert sollte jede Aktie aus dem kleiner gewordenen Pool aller Aktien mehr wert sein. Um Steuern zu sparen und gemachte Gewinne nicht versteuern zu müssen, nahmen Unternehmen wie Apple sogar Kredite im Umfang dutzender Milliarden US-Dollar auf, um die eigenen Aktien zu kaufen.

Die Kredite sind bei Apple weniger ein Problem, da das Unternehmen gleichzeitig auf enormen Barreserven sitzt. Andere Unternehmen wie Boeing haben es deutlich schwieriger. Geld, das in den vergangenen Jahren für Aktienrückkäufe ausgegeben wurde, fehlt dem Unternehmen nun. Es wurde ausgegeben, ohne dadurch zusätzliches Wachstum für das Unternehmen zu generieren. Es ist das Mittel der Wahl für faule Manager, die keine Ideen haben, wie sie die vom Unternehmen erwirtschafteten Gewinne so reinvestieren können, dass Aktionäre dadurch langfristig profitieren. Dabei wäre die Mehrung des Unternehmensvermögens genau das, wofür das Management von den Aktionären eingesetzt wurde.

Dividenden-Ausschüttungen würden dem Unternehmen zwar auch Kapital entziehen, ohne dadurch zusätzliches Wachstum zu generieren. Doch Dividenden fließen den Aktionären wenigstens direkt zu. Von Aktienrückkäufen haben Aktionäre real höchstens dann etwas, wenn sie ihre eigenen Aktien zum künstlich gepushten Kurs veräußern.

Aktienrückkäufe lassen vor allem das Management profitieren

Dividenden haben zudem den Vorteil, dass das Management nicht überproportional davon profitiert. Genau das tut es aber bei Aktienrückkäufen. Denn inzwischen machen Optionskomponenten den Großteil der Managervergütungen aus. Je höher der Aktienkurs des Unternehmens ist, umso mehr wert sind auch die zugeteilten Aktienoptionen. Manche Aufsichtsräte waren sogar so verrückt, die Managervergütung direkt an den Aktienkurs zu koppeln – bei Tesla Motors zum Beispiel. Das Management hat damit einen maximal großen Anreiz, den Aktienkurs kurzfristig zu erhöhen.

Aktien-Optionen haben zudem den Nachteil, die Anteile der Altaktionäre zu verwässern. Denn jede ausgeübte Aktien-Option führt dazu, dass mehr Aktien im Umlauf sind. Vom gleichen Management durchgeführte Aktienrückkäufe neutralisieren somit erstens die Verwässerungseffekte der eigenen Aktien-Optionen und führen zweitens zu temporär höheren Aktienkursen, die die vom Management gehaltenen Optionen mehr wert werden lassen – oder wie im Falle von Tesla überhaupt erst zur Zuteilung der Optionen führen. Fehlt den Unternehmen nach den Rückkäufen dann auch noch das Geld in der nächsten Krise, wie bei Boeing, dann hat das Management die Unternehmenszukunft aufs Spiel gesetzt, um sich selbst Vorteile zu verschaffen.

Manager verpfänden ihre Aktien, um den eigenen Lebensstil steuerfrei zu finanzieren

Ein zweites gern von Managern genutztes Schema der Bereicherung zum Nachteil des Unternehmens ist abseits der Aktienrückkäufe die Kreditaufnahme für persönliche Zwecke. Manager wie Elon Musk von Tesla oder Markus Braun von Wirecard zahlen ungern Steuern. Und sie geben auch ungern das Steuer „ihres“ Unternehmens aus der Hand. Gleichzeitig pflegen oder pflegten sie jedoch gern einen opulenten Lebensstil. Um den zu finanzieren, müssten sie eigentlich einen Teil ihrer Aktien verkaufen. Dabei müssten die Kursgewinne versteuert werden und sie hätten anschließend weniger Stimmrechte auf der nächsten Aktionärsversammlung.

Liebend gern boten und bieten Banken daher an, doch einfach einen (großen) Teil der eigenen Aktien als Kreditsicherheit zu hinterlegen. Für Kredit fallen keine Steuern an, die Stimmrechte bleiben beim Aktienbesitzer und trotzdem ist der Lebensstil gesichert. Im aktuellen Niedrigzinsumfeld werden die Zinsen dafür gern gezahlt.

Doch die Sache hat einen kleinen Haken: Das Schema funktioniert nur solange, wie der Aktienkurs nicht crasht. Tut er das, werden die Banken irgendwann nervös. Reicht der Wert der als Sicherheit hinterlegten Aktien nicht mehr aus, um den Kredit zu besichern, folgt der Margin Call. Der Kreditnehmer muss dann neue Sicherheiten hinterlegen. Kann er das nicht, werden die Kreditsicherheiten, also die Aktien, verwertet. Das heißt, die Bank wirft die Aktien auf den Markt. Alle. Zur gleichen Zeit. So wie bei Wirecard vor einigen Tagen. Diese Notverkäufe befeuern einen ohnehin bestehenden steilen Abwärtstrend zusätzlich. Je niedriger der Aktienkurs ist, umso schwieriger werden jedoch Kapitalerhöhungen. Denn für den gleichen neu eingeworbenen Betrag müssen viel mehr neue Aktien verkauft und damit der Anteil der Altaktionäre auch stärker verwässert werden.

Der Anteil der verpfändeten Aktien kann dabei durchaus enorme Werte annehmen. Bei Elon Musk sind es 54% all seiner Tesla-Aktien, von denen er rund 20% besitzt. Bei Softbanks Masayoshi Son sind es 60%. Son hält 27% an Softbank. Und Steven Rales, CEO der Danaher Corporation, hat 74% seiner Aktien verpfändet. Er hält 6,2% an Danaher. Sein Bruder Mitchell Rales hält weitere 5,1% an Danaher, von denen wiederrum volle 90,7% für Kredite verpfändet wurden.

weiterlesen

Aktien

Tesla – die Wiederauferstehung der Dotcom-Blase!

Avatar

Veröffentlicht

am

Die Euphorie um Tesla erinnert stark an die Dotcom-Blase: damals wurde alles gekauft, was mit Internet zu tun hatte – heute ist an die Stelle des Internets die Euphorie um die Elektromobilität getreten. Vor allem Tesla steigt von Allzeithoch zu Allzeithoch – aber dieser Anstieg basiert auf zwei eher unwahrscheinlichen Prämissen: erstens dass Elektroautos den Markt klar dominieren werden in Zukunft, und zweitens dass kein anderer Hersteller in der Lage sein wird, Tesla wirklich Konkurrenz zu machen..

weiterlesen

Meist gelesen 7 Tage