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IEA-Bericht lässt böses erahnen Ölpreise unter Druck: Ölnachfrage in China so niedrig wie vor 30 Jahren

Ölpreise unter Druck: Ölnachfrage in China so niedrig wie vor 30 Jahren

Die Ölpreise stehen seit Wochen unter Druck, da Rezessionsängste die Ölnachfrage ausbremsen. Auch in China bricht nun die Ölnachfrage deutlich ein. Nicht nur in Europa und den USA wachsen die Sorgen vor einem Wirtschaftsabschwung, sondern auch in China, wo die strenge Covid-Politik und die anhaltende Immobilienkrise für ein nachlassendes Wachstum sorgen. Angesichts der zahlreichen Probleme in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt droht die Nachfrage nach Öl weiter zurückzugehen.

Die Internationale Energieagentur (IEA) meldete heute in ihrem monatlichen Ölmarktbericht, dass China vor dem größten jährlichen Rückgang der Ölnachfrage seit mehr als drei Jahrzehnten steht. Dies sind keine guten Nachrichten für die globale Konjunktur – schwächelt China, dann stottert der Wachstumsmotor der Weltwirtschaft. Die chinesische Regierung versucht zwar den Binnenmarkt anzukurbeln, aber die strengen Corona-Maßnahmen belasten weiterhin die Wirtschaft. Derzeit befinden sich schätzungsweise 70 Millionen Menschen in China im Lockdown. Vor allem die Metropole Chengdu und die Region Xinjiang sind betroffen.

Rückgang der Ölnachfrage in China

Die weitreichenden Lockdowns wirken sich nicht nur auf die globalen Lieferketten aus, sondern führen angesichts der nachlassenden Industrieproduktion zu einem Rückgang der Ölnachfrage, was wiederum die Ölpreise belastet. Laut Bloomberg wird die chinesische Ölnachfrage in diesem Jahr um 420.000 Barrel pro Tag oder 2,7 % zurückgehen. Dies wäre der größte jährliche Rückgang seit 1990 und der einzige Rückgang in den IEA-Aufzeichnungen seit 1984.

Dazu meldet Bloomberg: Der prognostizierte Rückgang in China veranlasste die IEA, in ihrem jüngsten monatlichen Marktbericht die Prognosen für die weltweite Ölnachfrage zu senken. Das Land war in den letzten zwei Jahrzehnten der Motor des weltweiten Ölverbrauchs und konnte nach Angaben der IEA sogar während der Finanzkrise 2008-2009 und der Pandemie 2020 wachsen.

„Im Moment belasten ein sich verschlechterndes wirtschaftliches Umfeld und wiederholte Covid-Sperren in China die Marktstimmung“, so die Agentur, die die meisten großen Volkswirtschaften berät.

Der weltweite Ölverbrauch wird zwar in diesem Jahr um 2 Millionen Barrel pro Tag steigen – aber etwa 110.000 pro Tag geringer sein als prognostiziert – und durchschnittlich 99,7 Millionen Barrel pro Tag erreichen, so die IEA. Im Jahr 2023 wird die Nachfrage in etwa um den gleichen Betrag steigen, so die IEA.

Ölpreise geben seit Wochen nach

Der Ölpreis für die Nordseesorte Brent ist in den letzten drei Monaten deutlich unter die 100-Dollar-Schwelle gefallen und notiert aktuell bei 94,20 USD, während die amerikanische Sorte WTI bei 87,00 USD handelt. Seit den Juni-Hochs sind die Ölpreise um rund 25 Prozent gefallen. Dies kann man gut und gerne als Anzeichen für eine weltweite Konjunkturabkühlung werten. Vor dem Hintergrund der sich eintrübenden Konjunktur hat die OPEC+, ein Zusammenschluss von Produzenten unter der Führung Saudi-Arabiens, einen Schwenk von der Erhöhung des Angebots zurück zu dessen Verknappung vollzogen und signalisiert, dass sie in den kommenden Monaten weitere Kürzungen vornehmen könnte, so Bloomberg. Die Maßnahmen dienen dazu, die Ölpreise zu stabilisieren.

Der chinesische Abschwung wird laut IEA teilweise durch die „robuste“ Nutzung von Erdöl in vielen Ländern für die Stromerzeugung ausgeglichen, da sie von teurem Erdgas abrücken. Dies wird im vierten Quartal und Anfang 2023 etwa 700.000 Barrel pro Tag ausmachen, doppelt so viel wie vor einem Jahr. Der Ölmarkt wird in der zweiten Jahreshälfte mit einem prognostizierten Überschuss von 1 Million Barrel pro Tag konfrontiert sein, dennoch bleiben raffinierte Produkte wie Diesel knapp.

Brent und WTI im Abwärtstrend - Ölnachfrage in China belastet

Knapper Diesel

Laut Bloomberg haben die IEA-Mitglieder wie die USA ihre Notvorräte aufgestockt. Die russischen Exporte erwiesen sich indessen als erstaunlich widerstandsfähig gegen die internationale Reaktion auf die Invasion in der Ukraine, so die Energieagentur. Die Versorgung mit Diesel, der für Lastkraftwagen verwendet wird, und Düsentreibstoff ist jedoch nach wie vor außergewöhnlich knapp“, so die Agentur. Durch die Exportbeschränkungen Chinas und Indiens sind die Dieselmärkte verknappt worden. Die Ölmärkte könnten in den kommenden Monaten immer noch angespannt sein, da die Sanktionen der Europäischen Union gegen russische Verkäufe Anfang Dezember in Kraft treten, warnte die Internationale Energieagentur.

FMW/Bloomberg



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2 Kommentare

  1. Das G20-Mitgliedsland Volksrepublik China ist in Sachen Chipindustrie entsprechend aufgestellt. Von daher sind Staatspräsident Xi Jinping und das Politische Präsidium der Kommunistische Partei Chinas aufgerufen, im Vorfeld des anstehenden G20-Gipfels in Indonesien Konzepte zu entwickeln, die die Automobilindustrie/Ölindustrie stimulieren. Das deutsche Handwerk könnte hierbei als Automobilzulieferer mitwirken.

  2. Da ist bei der Überschrift aber etwas schief gelaufen, nicht der tägliche Rohölverbrauch ist in China auf ein 30 Jahrestief gefallen, sondern die Änderung der chinesischen Rohölnachfrage in Prozent ausgedrückt!

    Es ist also alles viel weniger dramatisch.

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