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Wende am Ölmarkt? Saudi-Arabien: Ölproduktion 11 Millionen Barrel pro Tag – Achtung Ölpreis

Saudi-Arabien hat seine Ölproduktion auf über 11 Millionen Barrel pro Tag gesteigert. Der Ölpreis fiel aber wochenlang. Steht eine Wende an?

Öl-Bohrinsel im Meer

Die OPEC hat heute ihren Monatsbericht September veröffentlicht, in dem die Daten zur Ölproduktion für den Monat August enthalten sind. Laut dem Bericht hat Saudi-Arabien im August 11,05 Millionen Barrel Öl pro Tag produziert, ein Plus von 236.000 Barrel pro Tag gegenüber Juli. Diese große runde Marke wird zum ersten Mal seit zwei Jahren wieder überschritten. Die OPEC insgesamt hat ihre Fördermenge binnen eines Monats um 618.000 auf 29,65 Millionen Barrel pro Tag erhöht. Vor allem Libyen konnte mit +426.000 Barrels im Vergleich zu Juli zu der deutlichen Steigerung beitragen. Der folgende TradingView Chart zeigt als blaue Linie die Entwicklung der Ölproduktion in Saudi-Arabien seit 2018. Dem gegenüber steht in orange der europäische Brent-Ölpreis.

Blick auf interessanten Chart – Fördermenge von Saudi Arabien vs Ölpreis

Interessant ist im Chart beim Blick auf die Coronakrise 2020: Der Ölpreis crashte, weil die Ölnachfrage weltweit rasant einbrach. Saudi-Arabien und die OPEC folgten daraufhin mit der Absenkung der Fördermenge – damit der Ölpreis sich wieder erholen konnte. Im Lauf der letzten zwei Jahre hat das Kartell die Fördermenge schrittweise auf alte Niveaus angehoben, so auch Saudi-Arabien – bis jetzt wie gesagt auf über 11 Millionen Barrel pro Tag. Man sieht, dass der Ölpreis in den letzten Wochen deutlich gefallen ist, aber die Ölproduktion in Saudi-Arabien legt weiterhin zu. Dies könnte darauf hindeuten, dass die Saudis womöglich an eine Kürzung der Fördermenge denken, um den Ölpreis wieder hoch zu pushen. Jüngst hat die OPEC bereits einen Mini-Schritt in diese Richtung angekündigt (-100.000 Barrels für Oktober), aber eine größere Kürzung könnte folgen.

Ölproduktion in Saudi-Arabien im Vergleich zum Brent-Ölpreis

Saudi-Arabien und OPEC vor größerer Wende in der Ölproduktion?

Bloomberg schreibt dazu aktuell: Es handelt sich um die höchste monatliche Fördermenge, die Saudi-Arabien der OPEC seit April 2020 gemeldet hat, als die Produktion während eines kurzlebigen Preiskriegs mit dem ebenfalls führenden OPEC+-Mitglied Russland 12 Millionen Barrel pro Tag überstieg. In den Jahrzehnten, in denen Saudi-Arabien als Ölexporteur tätig ist, hat die Fördermenge nur selten 11 Millionen Barrel erreicht.

Das Eintreffen der zusätzlichen Fässer ging mit einem Rückgang der Rohölpreise einher, die in den letzten drei Monaten rund 23 % verloren haben. Anfang Juni stiegen die Brent-Rohöl-Futures auf über 120 $ pro Barrel, da nach dem Einmarsch Russlands in der Ukraine eine Versorgungsunterbrechung befürchtet wurde. Inzwischen notieren sie bei 95 $ und dämpfen damit die Inflationswelle, die die Weltwirtschaft erfasst hat.

Die Einigung der OPEC+ auf eine beschleunigte Rückführung der letzten Tranche der während der Pandemie 2020 unterbrochenen Lieferungen folgte auf monatelange diplomatische Bemühungen von US-Gesandten. Ein bahnbrechender Besuch von Präsident Joe Biden in Saudi-Arabien im Juli brachte keine weitere Produktionssteigerung, aber er hat den Rückgang der Benzinpreise seit seiner Reise begrüßt.

Der Angebotsschub bei Öl scheint vorerst vorbei zu sein, denn Saudi-Arabien und seine Verbündeten drosseln angesichts der sich eintrübenden Wirtschaftslage erneut ihre Fördermengen. In der vergangenen Woche kündigte die 23 Nationen umfassende OPEC+-Allianz eine symbolische Drosselung um 100.000 Barrel pro Tag an, um der „höheren Volatilität und den gestiegenen Unsicherheiten“ auf dem Ölmarkt zu begegnen. Der saudische Energieminister Prinz Abdulaziz bin Salman sagte in einem Interview, die Gruppe werde weiterhin „aufmerksam, präventiv und proaktiv“ sein.

Die OPEC bekräftigte diese Ansicht in ihrem heutigen Monatsbericht und erklärte, dass die Ölterminkontrakte die Realität von Angebot und Nachfrage nicht getreu widerspiegeln, und die Möglichkeiten der Unternehmen zur Absicherung verzerren. „Der Markt befindet sich in einem Zustand der Schizophrenie, was zu einer Art Jo-Jo-Markt führt und falsche Signale aussendet“, hieß es. Die OPEC wird ihre nächste monatliche Sitzung am 5. Oktober abhalten.

Die OPEC hat ihre Prognosen für das weltweite Angebot und die Nachfrage in diesem und im nächsten Jahr gegenüber dem Bericht vom letzten Monat weitgehend unverändert gelassen. Sie geht von einem „robusten“ Nachfragewachstum von 3,1 Millionen Barrel pro Tag in diesem Jahr und 2,7 Millionen pro Tag im Jahr 2023 aus. Die Aussichten könnten durch fiskalische Unterstützungsmaßnahmen in Europa und China oder eine Lösung des Konflikts in der Ukraine gestützt werden, so der Bericht.

Ölpreis vor größerem Anstieg?

FMW-Anmerkung: Was könnte das für den Ölpreis bedeuten? Saudi-Arabien hat also seine Ölproduktion kräftig ausgeweitet. Und gleichzeitig ist der Ölpreis wochenlang deutlich gefallen. Bereits bei der letzten OPEC-Verkündung vom 5. September machte das Kartell klar, dass man bereit sei sich kurzfristig zu treffen um die Fördermenge anzupassen. Könnte es also eine spontane Kürzung der Fördermenge geben, um den Ölpreis wieder zum Ansteigen zu bewegen? Die Saudis jedenfalls mit ihrem historisch relativ hohen Niveau der Fördermenge hätten Luft für eine Senkung.

FMW/Bloomberg/OPEC



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3 Kommentare

  1. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    In der Fracking Krise fiel der Ölpreis von über 110 im Sommer 14 auf nur noch 25 im Februar 16. Der Grund war ganz einfach, die Saudis wollten die amerikanische Fracking Industrie kaputt machen.

    Denn die amerikanische Fracking Industrie war schon im September 14 zum größten Förderer fossiler Energieträger geworden.
    Also weitete man die Produktion aus und produzierte spätestens ab dem September 15 unter Selbstkostenpreis.
    Die Folge war ein massives Staatsdefizit Saudi-Arabiens, deshalb musste man ab Ende Februar 16 einlenken und die Produktion wieder drosseln.
    Dazu muss man wissen, das der Break Eaven bei der amerikanischen Fracking Industrie, Inclusive Nebenkosten, bei etwas über 35 US Dollar pro Barrel liegt.
    Das erscheint nicht viel, im Jahre 16 führte der Dumping Preis von unter 25 aber zu zahlreichen Pleiten.
    Man befürchtete einen zweiten Lehman Effekt. Der Dow Jones Industrial Average Index stürzte damals von über 18 Tds Punkten im Dezember 14 auf unter 16 Tds im Februar 16.DAX damals bei unter 8900.
    Das alles muss man wissen, wenn man die heutigen Ölpreise betrachtet.

  2. Wichtig hierbei ist, daß die Öl-Allianz OPEC+ unter der Leitung von Königreich Saudi-Arabien und Russische Föderation Handlungsfähigkeit beweist, aufgrund einer kürzlich verfassten Erklärung, man sei bereit, „sich jederzeit erneut zu treffen“, um die Marktentwicklung zu erörtern, falls erforderlich.

  3. Meiner Meinung nach wird der Ölpreis extrem kurzfristig stark runtergezogen durch eine
    weltweite Wirtschaftskrise,die auch vor dem Öl nicht halt machen wird.
    Da wird auch ein kurzfristiges Treffen der OPEC nichts daran ändern.
    Danach allerdings werden die Rohstoffpreise insbesondere das Öl langfristig in ungeahnte Höhen schießen.
    Dies ist natürlich eine Beurteilung,die viele teilen.
    Allerdings ist hier die gleiche Frage,die mit Sicherheit keiner exakt beantworten kann.
    Wann genau kommt der Einbruch (bis jetzt ja nur scheibchenweise – ein laues „Lüftchen“) ?

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