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Ohhh Wunder! Aufsicht verlängert „legalen Bilanzbetrug“ für Banken um 3 Monate

Claudio Kummerfeld

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am

Türme von Banken in Frankfurt

Eine entscheidende Aussage der Bankenaufsicht aus März rettet derzeit womöglich zahlreiche Banken vor dem Kollaps, und das, ohne das wir alle es merken. Denn da verkündete die BaFin mitten in der Coronakrise die große Erleichterung für die Banken. Man sagte den Banken, dass ein Schuldner „nicht zwingend als ausgefallen einzustufen ist, wenn bei einem Kredit Kapitaldienst und Zinsen in Folge des Corona-Virus gestundet werden“. Konkret heißt das: Im Normalfall muss die Bank Kredite (aus ihrer Sicht Vermögenswerte) als Verlust abschreiben, wenn die Schuldner nicht mehr zahlen können.

Banken können weiterhin saubere Bücher ausweisen

Derzeit muss die Bank diese Zahlungsausfälle nicht als Solche verbuchen – von daher wissen wir als Außenstehende gar nicht, wie viele Kredite bei Banken in Deutschland bereits wertlos sind. Denn sie könnten derzeit noch als ganze normale werthaltige Vermögensgegenstände in den Büchern der Banken stehen – und das ganz legal, weil die BaFin als Bankenaufsicht dies auch mit Rückendeckung der EU-Aufseher erlaubt hat. Markus Krall nannte dieses Vorgehen den „legalisierten Bilanzbetrug“ (siehe hier dazu seine jüngsten Ausführungen).

Basieren tut diese gigantische Erleichterung für die Banken auf einem Papier der EU-Aufseher (European Banking Authority oder EBA) vom 25. März (hier nachzulesen). Dort wird genau diese Richtlinie beschrieben, dass bei aktuellen Kredit-Stundungen und Zahlungsausfällen wegen der Coronakrise Kredite von Banken nicht zwingend als Zahlungsausfall klassifiziert werden müssen. Diese wenigen Worte könnten derzeit für zahlreiche Banken (rein symbolisch gesprochen) Gold wert sein!

Verlängerung um 3 Monate – und danach erneut?

Tja, aber es ist wie im richtigen Leben auch. Kommt man erstmal auf den Geschmack, will man gleich noch einen Nachschlag vom leckeren Essen haben! Und die Coronakrise? Ist die inzwischen beendet? Nee, aus finanzieller Sicht läuft die ja weiter? Und sie könnte ja auch nächstes Jahr noch weiter gehen? Jedenfalls verkündet die BaFin ganz frisch, dass die europäischen Aufseher der EBA die „Geltungsdauer ihrer Leitlinien zu Moratorien“ für Banken um drei Monate verlängern, und zwar für die Monate von Juli-September. Puhhh, gerade noch rechtzeitig vor Ende Juni hat man also die finanzielle Coronakrise offiziell bis Ende September verlängert.

Und bis Ende September können nun also weiterhin völlig wertlose Kredite in den Büchern der Banken als werthaltige Vermögensgegenstände verbucht bleiben. Wir haben da schon eine Idee. Ende September wird man (ganz überraschend?) feststellen, dass die Auswirkungen der Coronakrise dann immer noch eine Sonderwirkung auf Wirtschaft und Kredite haben, und dass diese „Sonderregelung“ nochmal um drei Monate verlängert wird. Oder vielleicht gleich um 6 Monate? Praktisch für die Banken wäre es, wenn bis mindestens Ende Dezember diese Regel gelten würde. Dann nämlich könnte man für das komplette Geschäftsjahr 2020, welches man im Frühjahr 2021 als Bilanz präsentiert, schöne „saubere“ Bücher mit gesunden Krediten präsentieren.

9 Kommentare

9 Comments

  1. Avatar

    ST

    19. Juni 2020 16:12 at 16:12

    Warum werden diese eigentlich Wertlosen Kredite nicht verbrieft und an amerikanische Retail-Trader verkauft? ;)

  2. Avatar

    Marcus

    19. Juni 2020 16:52 at 16:52

    Natürlich wird diese Regelung immer weiter verlängert, gar keine Frage. Ich würde sogar fast wetten, dass was dies betrifft komplett neue Regulierungsvorschriften erlassen werden um nicht ständig verlängern zu müssen. Europas Banken haben kein Kapital um faule Kredite abzuschreiben dass würde ja eine Bankenrettung erfordern, was man aber dem Wahlvolk nicht verkaufen kann. Also bedient man sich einer Taktik wo es nicht auffällt, weil 95% der Bevölkerung von sowas sowieso keine Ahnung haben.

  3. Avatar

    thinkSelf

    19. Juni 2020 17:43 at 17:43

    Markus Krall hat vor kurem in einem Interview mal geschätzt das in Europa 15% der Kredite und 30% der Anleihen ausgefallen sind. Er hat ja immer noch Kontakte in den Finanzmarkt.
    Das bedeutet, das das gesamte europäische Bankensystem bereits mehrfach pleite ist.

    Die triviale Lösung des Problems: „Nimm mal an, alle sind Pleite und alle ignorieren das einfach“

    Aber kann man das einfach ignorieren? Also bei einem Auto das einem entgegenrast funktioniert das nicht.

    Aber bei Schulden verhält sich das etwas anders. Denn Schulden sind lediglich ein Versprechen. Und ein Versprechen kann man dadurch unendlich aufrecht erhalten indem der Versprechensnehmer die Einlösung des Versprechens einfach nicht einfordert. Dabei ist es völlig unerheblich das der Gläubiger weiß, dass das Versprechen nicht gehalten werden kann. Und es ist auch unerheblich das der Schuldner weiß, dass der Gläubiger das weiß. Nur aussprechen darf es keiner.

    Wie lange das gut gehen kann? Im Prinzip für immer. Dummerweise wird der Zufall irgendwann dafür sorgen das es einer aus nichtigem Anlass ausspricht. Und dann sind alle auf der Stelle Pleite. Aber der Zeitpunkt und der Anlass sind nicht vorhersehbar. Auch die Auswirkungen nicht. Daher stellt sich schon die Frage ob man das Ganze nicht einfach ignorieren sollte.

    • Avatar

      Columbo

      20. Juni 2020 14:43 at 14:43

      In Japan geht das seit 20 Jahren so und keiner weiß genau, warum und wie lange noch?
      Mich würde interessieren, ob die Japaner eigene Krall‘s und Friedrich‘s haben, die ihnen täglich die Laune verderben.
      Oder haben die schon so viel Gold und Whisky im Keller und „Acker und Wald-ETF‘s“(!!!) im Depot, daß sie den ganzen Tagen lachen?

      • Avatar

        thinkSelf

        21. Juni 2020 22:20 at 22:20

        Es geht aber eben auch in Japan nicht gut. Seit 20 Jahren fallen dort die Realeinkommen um etwa 1% pro Jahr. Es handelt sich also um einen langsamen Verarmungsprozess. So müssen die meißten Japaner auch im hohen Alter zumindest noch Teilzeit arbeiten. Und das nicht weil sie das wollen, sondern weil sie es müssen.

        In Japan hat die homogene Gesellschaft plus in der Breite hochgradig funktionierende Familiensysteme größere Verwerfungen bisher verhindert. Fragt sich wie das in 10 Jahren aussieht.

  4. Avatar

    Japser

    21. Juni 2020 11:47 at 11:47

    Japan ist hauptsächlich im eigenen Land verschuldet. Das ist wie wenn die Söhne beim Vater Schulden hätten. Bleibt also in der Familie, also ein Nullsummenspiel.Zur Erinnerung , trotz allen extremen Massnahmen ( Nullzinsen, Verschuldung des Staates,Käufe von Aktien u.Anleihen der Notenbanken ) ist der Nikkei weit unter dem 1990 Höchsstand von ca.39000.
    Gruss an die Permabullen u.an Onkel Sam. Darum spricht man oft davon, dass diese Japanifizierung weltweit folgen könnte oder müsste.

    • Avatar

      Lausi

      21. Juni 2020 21:03 at 21:03

      @Jasper – genauso ist das! Eine Verschuldung im eigenen Land ist eigentlich gar keine Verschuldung, bzw. man ist dann bei sich selber verschuldet. Kritisch wird es erst bei überbordenden Auslandsschulden, was ja bei so manchen Ländern der Fall ist.

  5. Avatar

    Kritisch on fire

    26. Juni 2020 11:52 at 11:52

    Schönen Tag!
    Diese Verschiebung im Umgang mit notleidenen Krediten ist doch nur als Zeitgewinn für die Banken zu sehen. Die europäischen Banken haben sich in den letzten Wochen mit 1,3 Bio EZB Geld vollgesogen. Diese Summen werden nun sukzessive als mit Staatshaftung versehenen Darlehen an notleidene Betriebe ausgereicht. Durch die Staatshaftung können die Banken diese Kredite natürlich mit geringstmöglichen Risiko raten. Dadurch wird ein Gegengewicht im Eigenkapital in den Bankbilanzen zu den über kurz oder lang auszubuchenden Kredite aufgebaut und alles ist wieder gut – natürlich nur dann wenn die Höhe der Ausfälle nicht die neuen Kredite übersteigt.
    Ein weiterer wesentlicher Faktor ist, dass die EZB Geldmenge dadurch in die M3 Geldmenge übergehen wird, was die Umlaufgeschwindigkleit des Geldes erhöht – Inflation steigt.
    Die ganzen Maßnahmen der Währungshüter kommen mit ein bisschen so vor wie in Goethes Zauberlehrling. Leider sehe ich aber keinen „Alten-Hexenmeister“ der den ganzen Spuk beenden könnte

  6. Pingback: Banken: Auch dank staatlicher Passivität mit Volldampf in die Katastrophe? – Zinshelfer

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US-Wahl: Was passieren muß, damit Trump gewinnt!

Markus Fugmann

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am

Die US-Wahl rückt immer näher, laut Umfragen liegt Donald Trump derzeit recht deutlich hinter Joe Biden. Eines scheint klar: wenn Trump die US-Wahl gewinnen will, muß er zwingend den Bundeststaat Florida gewinnen – gewönne Biden in Florida, wäre ein Wechsel im US-Präsidentenamt praktisch sicher. Die Zwischenstände aus Florida werden also extrem wichtig – es gibt sogar einen kleinen Wahlbezirk in diesem Bundeststaat, der schon früh die Richtung anzeigen dürfte.

US-Wahl – das sind die Szenarien

Die US-Seite https://fivethirtyeight.com/ zählt zu den führenden Prognose-Quellen in den USA. Sie bietet ein interaktives Tool an, mit dem man Szenarien durchspielen kann: gewinnt etwa Biden den swing state Pennsylvania, dann hat das einen positiven Einfluß auch auf seine Sieges-Chancen auch in Nachbar-Bundestsaaten. Sehen Sie hier, was passieren muß, damit Trump gewinnen kann:

 

Und so ist die Lage in den USA unmittelbar vor der US-Wahl – es ist ein gespaltenes, zerrissenes Land, wie folgende ARTE-Dokumentation zeigt:

 

Was muß passieren, damit Trump die US-Wahl gewinnt?

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Aktien

Banken: Es hagelt sensationell gute Quartalsergebnisse!

Claudio Kummerfeld

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am

Hochhäuser von Banken im Londoner Viertel Canary Wharf

Was ist das los? Gerade in der schlimmsten Rezession seit Jahrzehnten sollten sich die Banken doch in einer dramatischen Schieflage befinden? Denn Kreditausfälle müssten aus Quartalsgewinnen eigentlich Verluste machen und damit folglich das Eigenkapital der Banken angreifen? Dieses Szenario steht womöglich bevor, wenn die anstehende Pleitewelle Löcher in die Bücher der Banken reißt.

Aber noch ist es nicht soweit. Derzeit hagelt es sensationell gute Quartalszahlen von Banken weltweit. Vor allem fällt auf, dass gerade die Banken tolle Zahlen melden, die stark im Kapitalmarktgeschäft tätig sind, und eher weniger im Privat- und Firmenkundengeschäft mit Krediten, wo Probleme mit Kreditausfällen drohen, und wo die Banken sich derzeit mehr denn je mühen neue Kundeneinlagen abzuweisen – weil sie selbst sonst Strafzinsen zum Beispiel bei der EZB entrichten müssten.

Banken mit starkem Kapitalmarktgeschäft im Vorteil

Wie gesagt. Wer stark im Kapitalmarktsegment engagiert ist, der feiert die Krise. Zum Beispiel lässt sich derzeit viel Geld machen mit den globalen Schuldenorgien. Wo die Banken zum Beispiel in Europa in den Erstauktionen der staatlichen Schuldenagenturen Staatsanleihen aufkaufen, können sie mutmaßlich schön und entspannt Gewinn machen mit dem Weiterverkauf der Anleihen an die EZB am Sekundärmarkt. Auch in vielen anderen Bereichen des Kapitalmarkts war die letzten Quartale viel los. Man beachte in diesem Zusammenhang die sensationell guten Quartalszahlen von Goldman Sachs vom 14. Oktober. Der Quartalsgewinn konnte gegenüber dem Vorjahresquartal verdoppelt werden (hier die Details). Bei den anderen großen US-Banken gab es keine Katastrophen-Meldungen. Und dann am Dienstag dieser Woche meldete die Schweizer Großbank UBS ebenfalls eine Gewinn-Verdoppelung (hier die Details).

Barclays

Heute nun hat die britische Großbank Barclays ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Der Gewinn liegt mit 611 Millionen Pfund gut drei Mal so hoch wie erwartet, und auch dramatisch besser als im Vorjahr. Da war es noch ein Verlust von 292 Millionen Pfund – auch wenn man hier berücksichtigen muss, dass der Verlust aufgrund von Schadenersatzzahlungen an geschädigte Kreditnehmer zustande kam. Dennoch ist heute ein Gewinn, der drei Mal so hoch reinkommt wie erwartet, beachtlich. Außerdem hat Barclays wie viele andere Banken auch im dritten Quartal die Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle deutlich reduziert, nämlich auf 608 Millionen Pfund nach 3,7 Milliarden Pfund in den ersten sechs Monaten des Jahres.

Nordea

Bei der größten skandinavischen Bank Nordea könnte man glatt meinen, dass die Krise zeitlich auf den Kopf gestellt wurde. Auch hier gab es heute Quartalszahlen. Der operative Gewinn steigt binnen Jahresfrist von 875 Millionen auf 1,09 Milliarden Euro. Die Gründe für die guten Zahlen: Einerseits mehr Kreditvergabe-Volumen in der Krise – andererseits nicht mehr vorhandene Belastungen durch Schrottkredite (331 Millionen Euro Belastung im Vorjahresquartal). Dennoch erwartet Nordea für das Gesamtjahr Kreditausfälle von gut einer Milliarde Euro. Es klingt wie ein Witz, dass jetzt Belastungen durch Kreditausfälle weggefallen sind. Aber aktuell wirkt es noch schlüssig. Es werden weltweit auch mit Staatshilfen viele neue Kredite vergeben, wo die Kreditnehmer natürlich erstmal wieder liquide sind und auch die monatlichen Raten einige Zeit lang zahlen können.

Noch sieht es gut aus

Wenn die große Pleitewelle bei Unternehmen denn kommen sollte, dürfte sich die Lage für die Banken verdunkeln. Banken wie Goldman Sachs mit fast null klassischem Privatkundengeschäft könnten auch in einer Pleitewelle gut da stehen, weil man ja keine Kreditausfälle verkraften müsste. Und die deutschen Banken? Die Commerzbank meldet ihre Quartalszahlen am 5. November, die Deutsche Bank am 28. Oktober. Es ist möglich, dass sie schon vorab als Ad Hoc-Meldung ihre Finanzdaten berichten, wenn sie zu stark von den Erwartungen abweichen. Es könnte sein, dass auch die beiden deutschen Großbanken jetzt halbwegs akzeptable Zahlen melden, und dass die bitteren Verluste der Kreditausfälle erst noch anstehen, wenn die Pleitewelle wie von vielen Experten erwartet demnächst einsetzt. Aber es kann vielleicht noch einige Zeit dauern, bis eine Pleitewelle wirklich auf die Quartalszahlen der Banken durchschlägt. Denn bis die Bank wirklich einen Kredit als Verlust abschreibt, muss erstmal der Schuldner den Bach runtergehen, dann gibt es Verhandlungen über Umschuldungen usw. Also, kurzfristig könnten auch Deutsche Bank und Commerzbank noch akzeptable Quartalszahlen melden.

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Sahra Wagenknecht über die große Krise, und wie man sie lösen kann

Redaktion

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Sahra Wagenknecht hat den Ruf wirklichen wirtschaftlichem Sachverstand zu besitzen. Bei ihr kann man erkennen: Es wird nicht stumpf das sozialistische Lied abgespielt. Bei ihren Aussagen merkt man, dass sie das Gesamtbild im Blick hat und auch versteht. Natürlich kann und darf man über ihren Lösungsansatz für das große Gesamtproblem streiten. Aber auch ihren Lösungsansatz begründet sie inhaltlich nachvollziehbar.

Sahra Wagenknecht mit Bestandsaufnahme der Krise

In ihrem aktuellsten Video (am Ende dieses Artikels) wirft Sahra Wagenknecht die Frage auf, ob eine große Finanzkrise bevorsteht. Dafür arbeitet sie sich an vielen Ungleichgewichten und wirtschaftlichen Schieflagen ab, die in dieser Form in der Tat auch bestehen. So bespricht sie die gigantische Geldschwemme der Notenbanken, in der Europa verursacht durch die EZB. Diese sorge für einen riesigen Push bei den Aktienkursen. Profitieren würden vor allem die Reichen, die in großem Umfang Aktien besitzen. Der Kleinsparer, der sein Geld nur auf dem Sparkonto parkt, würde durch Nullzinsen (neuerdings immer öfters auch Negativzinsen) und Inflation laut Sahra Wagenknecht real jedes Jahr Geld verlieren.

Die Großkonzerne würden in der Coronakrise mit billigem Geld überschwemmt, so dass sie gar keine Probleme hätten durch diese Krise zu kommen (ja, dafür gibt es zahlreiche Beispiele). Gleichzeitig haben es laut Sahra Wagenknecht kleine Unternehmen und Unternehmer derzeit sehr schwer überhaupt an Geld zu kommen, um die Krise überleben zu können. Demnach seien die großen Konzerne die Krisengewinner, die kleinen Betriebe die Verlierer. Sahra Wagenknecht nennt in diesem Zusammenhang auch die Anleihekäufe der EZB, wo auch in großem Stil Unternehmensanleihen gekauft werden. Und hier geht es eben um Anleihen großer Unternehmen, und nicht um Schulden kleiner Betriebe, die eh keine Anleihen ausgeben.

Als weiteres Ungleichgewicht benennt Sahra Wagenknecht auch die Immobilienblase. Bei den niedrigen Zinsen lohne sich die große Spekulation, welche die Preise immer weiter nach oben treibe. Und letztlich beleuchtet sie die (von uns bei FMW oft angesprochene) steigende Bedrohung für das Bankensystem in Europa. Schon vor der Krise habe es laut Sahra Wagenknecht 600 Milliarden Euro Volumen an faulen Krediten bei Banken in Europa gegeben – jetzt drohe diese Summe auf 1,4 Billionen Euro zu steigen.

Problemlösung

Was sei nun die Lösung des Problems? Laut Sahra Wagenknecht seien immer neue Schulden und immer tiefere Zinsen nicht die Lösung des Problems. Die Wirtschaft könne auch nicht so kräftig ansteigen, dass Volkswirtschaft und Staat aus dem gigantischen Schuldenberg „herauswachsen“ könnten, wie sie es formuliert. Inflation sei auch keine Lösung, da hierbei die kleinen Leute mit ihren Sparguthaben enteignet würden. Die reichen Leute würden mit ihren Immobilien und Betriebsvermögen ihren Wohlstand behalten, während die kleinen Leute bei einer spürbaren Inflation den Preis bezahlen müssten.

Für Sahra Wagenknecht gibt es nur eine Lösung des Problems. Und da kommt natürlich die linke Politik wieder zum Vorschein. Man müsse die enorme angehäufte Schuldenlast restrukturieren, und zwar zu Lasten der wirklich Vermögenden. Dazu kann man anmerken: Das ist eine politische Frage, was man will. Diese Lösung kann man befürworten, oder eben auch nicht. Ansichtssache. Aber abgesehen davon: Die anderen Alternativen sind auch nicht berauschend. Man darf vermuten: So wie die aktuelle Merkel-Regierung wird wohl auch ein Nachfolger wie Herr Laschet keinen großen Wurf machen, sondern stillschweigend zusammen mit der EZB auf die Lösung setzen, die auch die Amerikaner seit Jahrzehnten praktizieren, wenn es um Problemlösungen geht. „Kick the can down the road“ – die Dose die Straße weiter runter kicken. Das Problem also in die Zukunft verschieben. Also jetzt immer neue Rettungsprogramme auflegen (letztlich finanziert durch die EZB, das neue EU-Schuldenprogramm uvm), – und diese Probleme darf irgendwer in ferner Zukunft abzahlen.

Sahra Wagenknecht
Sahra Wagenknecht. Foto: Ferran Cornellà CC BY-SA 4.0

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