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OPEC-Entscheidung in der Nachbetrachtung: Schlussfolgerungen und Aussichten

Die OPEC-Entscheidung fiel gestern Abend genau so aus, wie es der Markt erwartet hatte. Verlängerung der Kürzungen gegenüber dem Niveau von Oktober 2016 um 1,8 Millionen Barrels…

Redaktion

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Von Claudio Kummerfeld

Die OPEC-Entscheidung fiel gestern Abend genau so aus, wie es der Markt erwartet hatte. Verlängerung der Kürzungen gegenüber dem Niveau von Oktober 2016 um 1,8 Millionen Barrels (inklusive Russland und anderen externen Partnern). Die bisherige Dauer bis März 2018 wird verlängert bis Ende Dezember 2018. Mit 57,60 Dollar ist der WTI-Preis aktuell genau dort, wo er gestern Nachmittag vor dem Beginn des OPEC-Meetings war.


Saudi-Arabiens Öl-Minister al-Falih gestern bei der OPEC-PK in Wien. Foto: OPEC

Das zeigt, dass der Markt letztlich genau das erhielt, was er erwartet hatte. Denn wie immer plaudern im Vorfeld zu viele Teilnehmer das Ergebnis schon aus, das eh in den Tagen und Wochen vor dem Meeting zwischen einzelnen Teilnehmern abgestimmt wird. Und was lernen wir nun aus der gestrigen Entsheidung? Wichtig sind wie immer die Detailaussagen „drum herum“.

Die graue Eminenz der OPEC, Saudi-Arabiens Öl-Minister Al-Falih, der bei der PK neben Russlands Energieminister Novak als Hauptfigur auf dem Podium vor der Presse saß, war die zentrale Figur des Tages (eigentlich wie immer). Am Wichtigsten kann man wohl seine Aussage bewerten, die er auf Nachfrage von Journalisten nach der steigenden Fracking-Förderung in den USA machte. Die Fracker könnten doch ruhig und gerne die rückläufige Förderung der OPEC ausgleichen. Sie werden aber laut Al-Falih in den nächsten Jahren nicht mal ansatzweise in der Lage sein die steigende Nachfrage alleine zu befriedigen.

Im Wortlaut sagte Al-Falih entspannt, dass die globale Nachfrage „Jahr für Jahr für Jahr“ jeweils um 1,5 Million Barrels pro Tag ansteige. Die Fracker könnten diese Nachfrage nicht alleine befriedigen. Al-Falih wies hin auf das globale Bevölkerungswachstum. Das war auch schon in diversen Studien von IEA und anderen Organisationen zuletzt ein Thema. Trotz massivem Ausbau erneuerbarer Energien und alternativer Antriebe wird die Bevölkerung global derart explodieren, dass die OPEC sich sicher ist, dass der Bedarf nach Öl Jahr für Jahr deutlich zunimmt.

Und genau deshalb sieht man die Lage relativ entspannt. Die Zeit arbeitet für die Golfstaaten, so könnte man seine Gedankengänge ausdrücken. Trotz steigender Frackingmenge bleibt demnach noch mehr als genug Platz auf der Angebotsseite für die OPEC. Die Nachfrage steigt einfach so schnell (Jahr für Jahr für Jahr), dass die Amis es nicht alleine wuppen können – so die einfache Logik dahinter. Und ja, Al-Falih konnte sich die Bemerkung nicht verkneifen, die inhaltlich auch stimmt – wohl kaum jemand habe damit gerechnet, dass der OPEC-Deal funktionieren werde.

Auch wir Kleingläubigen bei FMW hatten deutliche Zweifel (die nicht verschwunden sind). Denn die Fracker erhöhen ihre Förderung immer weiter, die USA sind nun ganz kurz davor die 10 Millionen Barrels pro Tag zu erreichen. Wie gesagt: Die Rechnung der OPEC geht auf, wenn das globale Nachfragewachstum ständig kräftig weiter steigt, wie gedacht! Das ist anscheinend entscheidend.

Wie in den letzten Monaten wurde auch gestern erneut erwähnt, dass die entscheidende Kennzahl für die OPEC nicht der Ölpreis ist, sondern die Höhe der Öl-Lagerbestände. In den OECD-Staaten seien sie immer noch 150 Millionen Barrels zu hoch. Bei der nächsten OPEC-Sitzung im Juni wird man einen genaueren Blick auf diese Kennzahl werfen, und schauen ob diese Zahl deutlich reduziert werden konnte. Vielleicht gibt es dann eine „Anpassung“ des Deals, und Russland schert aus? Vielleicht auch Partner innerhalb der OPEC?

Aber auch dafür hatte Al-Falih gestern seine Lösung parat. Auf Nachfrage betonte er eindeutig, dass die Saudis ihre Rolle als Vorreiter des Deals beibehalten würden, und auch 2018 bereit seien ihre eigene Fördermenge deutlich stärker zu reduzieren, als sie es zugesagt hätten. Alleine die Saudis hätten bereits 700.000 Barrels pro Tag zu den Kürzungen beigetragen. Durch die saudischen Reduzierungen kann man also Erhöhungen bei anderen Staaten ausgleichen.

Der Kürzungs-Deal soll also (wenn man das große Gesamtbild betrachtet) die Balance zwischen Angebot und Nachfrage so lange aufrecht erhalten, bis die ständig steigende Nachfrage (Jahr für Jahr für Jahr) Kürzungen überflüssig macht – so könnte man die unterschwellige Botschaft in Worte fassen. Also, können wir uns auf weiter steigende Ölpreise einstellen, weil die Nachfrage die Angebotsseite überflügeln wird, und die OPEC vorher die Angebotsseite noch niedrig hält? Das ist die Kernfrage!

Die OPEC kann mit ihrer Strategie recht haben. Aber wir meinen: Man vergesse nicht die Fracker und eine Nachfrageseite, die vielleicht doch nicht ständig zulegt. Das sind Unwägbarkeiten, die heute niemand definitiv vorhersagen kann – oder haben Sie eine Glaskugel? Hier auszugsweise Original-Aussagen aus der offiziellen OPEC-Verkündung:


Noting that OPEC and participating non-OPEC countries accepted the recommendation of the JMMC, composed of Algeria, Kuwait, Venezuela, Saudi Arabia and two participating non-OPEC countries –the Russian Federation and Oman–, chaired by Kuwait, and co-chaired by the Russian Federation, and decided that the JMMC should continue monitoring conformity levels, as well as market conditions and its immediate prospects, and recommend further actions, if deemed necessary; and furthermore, that the JTC, supported by the OPEC Secretariat, shall continue to provide its monthly technical assistance to the Bodies of the Declaration of Cooperation;

Recognising the desire of OPEC and the participating non-OPEC countries to achieve oil market stability in the interest of all oil producers and consumers;

Recognising the importance of conforming to the content of the Declaration of Cooperation;

Convinced of the necessity to jointly cooperate to help stabilize the oil market;

OPEC and the aforementioned non-OPEC producing countries have reached the following commitment:

1. OPEC maintains its decisions made on 30th November 2017;

2. The Declaration of Cooperation is hereby amended to take effect for the whole year of 2018 from January to December 2018, while pledging full and timely conformity of OPEC and participating non-OPEC countries in accordance with voluntary agreed production adjustments.

3. In view of the uncertainties associated mainly with supply and, to some extent, demand growth it is intended that in June 2018, the opportunity of further adjustment actions will be considered based on prevailing market conditions and the progress achieved towards re-balancing of the oil market at that time.

4. Azerbaijan, Kingdom of Bahrain, Brunei Darussalam, Kazakhstan, Malaysia, Mexico, Sultanate of Oman, the Russian Federation, Republic of Sudan, Republic of South Sudan maintain to continue to adjust their respective oil production, voluntarily or through managed decline.

5. Pledge to fulfil their full commitment under this Declaration of Cooperation, individually and collectively;

6. To strengthen their cooperation through a dynamic and transparent framework, including regular monitoring, joint analyses and outlooks for a sustainable market stability in the medium- to long-term, for the benefit of producers and consumers;

7. To support the extension of the mandate of the Joint Ministerial Monitoring Committee (JMMC) composed of Algeria, Kuwait, Venezuela, Saudi Arabia and two participating non-OPEC countries of the Russian Federation and Oman, chaired by Saudi Arabia, co-chaired by the Russian Federation, and assisted by the Joint Technical Committee at the OPEC Secretariat, to closely review the status of and conformity with the Declaration of Cooperation and report to the OPEC – non OPEC Conference;

8. To ensure continuity and proactive cooperation through established regular meetings at technical and ministerial levels.

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Marcus

    1. Dezember 2017 14:30 at 14:30

    Die OPEC geht von Wahrscheinlichkeiten aus die überhaupt nicht gesichert sind. Das ist Kaffeeesatzleserei und sonst gar nichts. Der Ölpreis selbst ist mindestens 10 Dollar zu teuer, wenn nicht gar 15 Dollar. Außerdem enthält der Preis sehr spekulatives wenn man mal die Netto-Long Positionen bei Brent betrachtet.

  2. Avatar

    jora

    2. Dezember 2017 13:14 at 13:14

    Ein Trauerspiel mit Happyend:

    Der größte Kartoffelbauer des Landes ist sehr traurig, die laufenden Kosten mürben ihn auf. Um seinen Hof weiter am Laufe halten zu können muss er mehr Kartoffel verkaufen oder höhere Preise verlangen. Die ertragreichen Ernten der letzten Jahre haben ihm einen riesigen Kartoffelberg eingebracht, doch die Kundschaft kauft einfach nicht schnell genug und dann noch die Konkurrenzprodukte, die Preise fallen und seine Kosten steigen. Er ist sehr traurig, denn sehr ungern möchte er die großen Gewinne sowie fetten Jahre missen.

    Sein Nachbar ist sehr um das Wohlbefinden des Kartoffelbauern besorgt. Ohne den Kartoffelbauer gibts keine Kartoffeln und ohne Kartoffeln gehts auch ihm schlecht, wer soll dann seine Kartoffelmaschinen einsetzen?

    So langsam beginnt auch das ganze Land die Sorgen des Kartoffelbauers und seines Nachbarn zu verstehen. Was wird den die arme Verkäuferin an der Ecke verkaufe, wenn es keine Kartoffeln mehr gibt?
    Also geht es dem ganzen Land schlecht. Niedrige Kartoffelpreise sind schlecht für die Wirtschaft.

    Nachgrübeln bringt die Lösung. Der riesige Kartoffelberg muss weg, so das die Preise wieder steigen und alle wieder glücklich ihrer sinnlosen Arbeit in ihrem bescheidenen Leben nachgehen können.

    Sie kommen gemeinsam zur folgenden Übereinkunft:
    1. die nächste Ernte fällt schlechter aus
    2. Nachfragesteigerung, egal ob sinnvoll oder verschwenderisch
    3. alle gucken nur noch auf den Kartoffelberg beim Kartoffelbauer, da dieser den Preis beeinflusst
    4. alle gucken weg, wenn der Kartoffelbauer die Hälfte seiner Kartoffeln günstig an Dritte abgibt. Bevorzugt dorthin wo Kartoffelalternativen entstehen.

    Alle sind happy! Besonders der Nachbar ist glücklich, denn er hilft der Wirtschaft besonders. Er kauft dem Kartoffelbauer eine ganze Menge Kartoffeln ab. Der Lagerbestand sinkt und die Preise fangen sofort an zu steigen. Jetzt kann der Nachbar die gekauften Kartoffeln an die Bewohner des Landes weiterverkaufen und muss keine Sorgen mehr haben, denn die niedrigen Lagerbestände des Kartoffelbauers gefährden nie mehr die Wirtschaft.

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Indizes

Dax: Jahresausblick – Anleger sehen mehr Gefahren als Chancen

Stephan Heibel

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Der Dax ist 2021 bereits angesprungen, der Bitcoin hatte die 40.000 USD geknackt und Tesla konnte in den ersten Tagen des neuen Jahres bereits um 30% zulegen!

Der Quadratmeter Bauland wird in meiner Nachbarschaft auf 2.200 Euro taxiert, ich war bis vor kurzem von 800-1.000 Euro ausgegangen. Ja, liebe Notenbanken, von Inflation keine Spur, oder? Ich habe gelesen, dass die EZB im Rahmen ihrer strategischen Neuausrichtung nach Möglichkeiten sucht, den Zins für langfristig laufende Anleihen zu beeinflussen, ohne über den Geldmarkt gehen zu müssen. Abenteuerlich.

Für uns Anleger sind das goldene Zeiten, wobei der Gradmesser der Inflation, das Gold, tatsächlich nicht anschlägt. Die Feinunze Gold verlor diese Woche 1,4%. Ich denke, die überschüssige Liquidität der Anleger wandert derzeit eher in den Bitcoin als ins Gold. Den Bitcoin können Sie problemlos über Landesgrenzen mitnehmen, beim Gold ist das nicht so einfach.

Durch Disruption zum Milliardär

„Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.“ Mahatma Gandhi

1990-2000:

Es ist nicht leicht, Milliardär zu werden: Bill Gates lief sich in der Industrie die Hacken wund, niemand wollte Computer für den Privatanwender bauen. Das solle man den Profis überlassen, war die Antwort und IBM hatte eine ganze IT-Industrie erschaffen, die von den Personal Computern nichts wissen wollte. Der IBM Mainframe fristet heute ein Nischendasein, Bill Gates wurde mit seinem Betriebssystem für Personal Computer, dem Windows, zum reichsten Mann der Welt.

2000-2010:

Man muss in Büchern herumblättern, wenn man sich eine Kaufentscheidung bilden möchte, so das Dogma des Buchhandels vor 20 Jahren. Jeff Bezos bot die Bücher im Online-Versand an und hatte nicht nur alle Buchhändler der Welt, sondern später auch alle Einzelhändler der Welt gegen sich. Eine kleine Nische, die kaum Potential habe, urteilten viele damals. Amazon liefert heute so ziemlich alles, was das Herz an materiellen Wünschen hat. Jeff Bezos löste Bill Gates als reichsten Mann der Welt ab.

2010-2020:

Wenn Sie sich einmal die Ölindustrie und deren weltweite Logistiknetze anschauen, dann können Sie sich vorstellen, dass nicht nur die Autoindustrie gegen die Ablösung der Verbrennermotoren war: Als wichtiger Abnehmer der Ölindustrie liefen also gleich mehrere Branchen weltweit Sturm gegen das Elektroauto. Elon Musk peitschte sein Projekt durch, baute weltweit mangels Kooperationswillen in der Ölindustrie (denen gehören die meisten Tankstellen) ein eigenes Netz an Ladesäulen auf, die weltweit größten Batteriefabriken (Giga-Factories). Durch den Kurssprung in den Tesla-Aktien löste Elon Musk gestern Jeff Bezos als reichten Mann der Welt ab.

2020-2030:

Vielleicht steht der nächste Milliardär ja schon in den Startlöchern. Der Erfinder des Bitcoin ist nicht bekannt. Die mRNA-Technologie wird von mehreren Unternehmen genutzt, aber Moderna und BionTech scheinen die Nase vorn zu haben. Beyond Meat krumpelt die Nahrungsmittelindustrie um. Und Zoom Video und Twilio verändern die Art und Weise, in der wir untereinander kommunizieren. Spannend! Und es lohnt sich, am Ball zu bleiben.

Ich habe den Eindruck, dass die Coronakrise in einigen Bereichen Entwicklungen der kommenden Jahre vorweg genommen hat. So konnten die Aktien von BionTech, Zoom Video usw. im vergangenen Jahr exorbitant anspringen. Im Jahr 2021 wird sich zeigen, welche Entwicklungen tatsächlich beschleunigt wurden, und welche lediglich eine Sonderkonjunktur erfuhren.

Dax: Jahresausblick 2021

Bereits seit sechs Jahren führe ich die Jahresumfrage unter Lesern des Handelsblatts durch. Im Sinne der Sentiment-Theorie interpretiere ich die Mehrheitsmeinung dahingehend, dass es unwahrscheinlich ist, dass genau diese Erwartung eintritt. Vielmehr haben Untersuchungen gezeigt, dass an den Finanzmärkten in der Regel das Unerwartete passiert.

Das Ergebnis meiner Analyse der Jahresumfrage vor einem Jahr war die Erwartung, dass der DAX frühzeitig im Jahr 2020 ausverkauft würde, um dann bis in den November hinein stark anzusteigen. Den Jahresschlusskurs hatte ich sodann auf knapp unter das Jahreshoch taxiert. Optisch betrachtet habe ich damit ziemlich gut gelegen.

Wenn wir jedoch die Beschriftung der X-Achse zufügen, könnte ich nicht schlechter gelegen haben: Das Tief hatte ich auf über 12.000 festgelegt und als Jahreshoch hielt ich die 15.000 Punkte für möglich.

Nun könnte man sagen, die Corona-Pandemie hat ohnehin alles auf den Kopf gestellt. Doch gerade solche unvorhersehbaren Ereignisse sollen ja mit Hilfe technischer Instrumente, wie beispielsweise dieser Jahresumfrage, berücksichtigt werden. Dennoch würde ich sagen, dass wir den Verlauf recht gut prognostiziert haben, wenngleich die Intensität durch Corona nach unten verstärkt wurde. Heute werden wir untersuchen, ob der Lauf in Richtung 15.000 nur um ein Jahr verschoben wurde, oder ob sich nach Corona eine vollständig neue Situation ergibt.

Bei unserer Jahresumfrage vor einem Jahr wurde die Anlage in Immobilien als beste Investmentchance bezeichnet, gefolgt von Aktien und Edelmetallen. Industriemetalle (bspw. Kupfer) und Nahrungsmittel (bspw. Getreide) wurden als mäßig attraktiv betrachtet.

Tatsächlich haben gerade Industriemetalle (+26%) und Nahrungsmittel (+16%) im abgelaufenen Jahr eine gute Performance gezeigt. Der DAX konnte sich auf Jahressicht knapp ins Plus retten (+3,5%).

Immobilien muss man für das Jahr 2020 detailliert betrachten: Bauland zeigt mit +13% den stärksten Wertzuwachs, gefolgt von Wohnimmobilien mit +8%. Gewerbeimmobilien litten stark unter der Corona-Pandemie, wobei Büroimmobilien Einbußen erlitten, während Flächen für logistische Nutzung gefragt waren.

Wenngleich der Wertzuwachs bei Wohnimmobilien nicht mit Industriemetallen und Nahrungsmitteln mithalten konnte, so ändert sich das Bild wenn wir berücksichtigen, dass Immobilien in der Regel zu einem großen Teil finanziert werden. Die Wertentwicklung des Eigenkapitals ist, auch nach Abzug der derzeit niedrigen Zinsen, deutlich höher anzusetzen.

Hier die Jahresperformance:

· Kupfer +26%

· Getreide +16%

· Gold +12%

· Immobilien 8%

· DAX +3,5%

· Anleihen +0,5%

· Öl -25%

· Dow Jones +6%

· Nikkei +16%

· Shanghai A-Aktien +12%

In einem Punkt haben die Umfrageteilnehmer vor einem Jahr gut gelegen: Der Median der Umfrageerwartung von vor einem Jahr erwartete einen DAX-Jahresschluss 2020 bei 13.750 Punkten, was einem Plus von 3,8% entsprochen hätte. Mit dem tatsächlichen Jahresschlusskurs von 13.719 (+3,5%) wurde dieser Median ziemlich gut getroffen.

In den vergangenen 50 Jahren hat der DAX nur fünfmal mit einem so kleinen Plus (kleiner 5%) geschlossen.

Nun hat die Corona-Pandemie zu einem durchweg überraschenden und untypischen Börsenjahr geführt, sowohl im Ergebnis als auch im Verlauf. Ich wäre daher vorsichtig, unseren Umfrageteilnehmern vorschnell eine hohe Trefferquote zuzusprechen: Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn.

Gedämpfte Erwartungen für Aktien im Jahr 2021

Für das Jahr 2021 erwarten Anleger nicht viel vom Aktienmarkt: zum Jahresende dürfte sich der DAX in etwa erneut auf dem aktuellen Kursniveau bewegen, wenn unsere Umfrageteilnehmer Recht haben.

Wo steht der Dax Ende 2021?
Abbildung 1: Jahresumfrage Handelsblatt: Jahresschlusskurs DAX

Die meisten gehen von einem Jahresschlusskurs im Bereich von 13.600 bis 13.900 aus, was im Mittel einem Jahresplus von mageren 0,2% entspräche. Wenn wir die durchschnittliche Erwartung unter Einbeziehung aller Antworten errechnen, ergibt sich sogar nur ein Wert von 13.726 Punkten, also +0,1%.

Interessant dabei ist, dass die Streuung der Erwartungen sehr gering ist: 60% aller Teilnehmer erwarten einen Jahresschlusskurs zwischen 13.500 und 14.400 Punkten. Werte außerhalb dieses Bereiches wurden nur vereinzelt ausgewählt. Einen Schlusskurs unter 13.000 befürchtet fast keiner mehr. Nach oben gibt es vereinzelte Stimmen, die sogar einen DAX bis 16.000 Punkte erwarten.

Wo wird der Höchststand beim Dax 2021 sein?
Abbildung 2: Jahresumfrage Handelsblatt: Jahreshoch im DAX

Das Jahreshoch wird gemäß der Erwartung unserer Umfrageteilnehmer mindestens über 13.950 Punkten liegen, im Mittel wird ein Jahreshoch bei 14.250 (+3,9%) Punkten erwartet. Berechnen wir den Durchschnitt aller Erwartungen, so erhalten wir einen Wert von 14.385 Punkten (+4,9%). Ein Jahreshoch über 14.850 Punkte (+8,2%) hält kaum jemand für möglich.

Wo wird das Tief beim Dax sein?
Abbildung 3: Jahresumfrage Handelsblatt: Jahrestief im DAX

Auch beim Jahrestief sind die Erwartungen etwas pessimistischer: Unter 12.750 Punkte (-7,1%) sollte der DAX nach der Erwartung unserer Umfrageteilnehmer mindestens nochmals rutschen. Im Mittel wird sogar ein zwischenzeitliches Abrutschen bis auf 12.150 Punkte (-11,4%) befürchtet. Das durchschnittlich erwartete Tief im Jahr 2021 liegt bei 11.910 Punkten (-13,2%). Immerhin fürchtet kaum jemand ein erneutes Abrutschen unter 11.250 Punkte (-18%).

Ich finde dieses Ergebnis merkwürdig: Im Jahr 2019 sprang der DAX um 25% an. Im Corona-Jahr 2020 betrug die Schwankungsbreite im DAX über 60%! Für das Jahr 2021 gehen Anleger jedoch nur von einer maximalen Schwankungsbreite von 24% aus, die meisten erwarten eine Schwankungsbreite von nur 17%. Es wäre schön, wenn’s so kommt.

Für den DAX erwarten die meisten Anleger das Jahreshoch im Mai. „Sell in May and go away…” heißt eine Börsenweisheit, die sich offensichtlich in den Köpfen der Anleger festgesetzt hat. Doch in den vergangenen Jahren galt diese Regel kaum.

Das Jahrestief wird im August erwartet, ebenfalls entsprechend der obigen Börsenregel: „… and always remember to come back in September”.

Bis zum Jahresschluss würde der DAX dann wieder in Richtung seiner Höchststände marschieren, wenn wir der Erwartung unserer Umfrageteilnehmer glauben. Soweit wird hier eine durchaus typische Jahresentwicklung erwartet.

Untypisch ist jedoch die Befürchtung eines unmittelbar anstehenden Ausverkaufs zum Jahresbeginn: Verhältnismäßig viele Anleger befürchten, dass wir bereits im Februar das Jahrestief sehen können. Daraus können wir zwei Schlussfolgerungen ziehen:

Zum einen wird der Markt aktuell als überhitzt wahrgenommen, so dass kurzfristig keine weiteren Kurssteigerungen erwartet werden. Nach dem Jahresschlussspurt wird nun eine Konsolidierung bis hin zu einer Korrektur erwartet.

Zum anderen spiegelt die Erwartung der Kurstiefs bereits so früh im Jahr die optimistische Erwartung der Anleger wider, dass die Kurse im Jahr 2021 überwiegend steigen werden.

Diese Erwartung widerspricht offensichtlich der weiter oben formulierten Erwartung der geringen Sprunghöhe im DAX: Wenn der DAX schon in den kommenden Wochen sein Tief sieht und dann für den Rest des Jahres steigt, dann erscheint das Kursziel bis zum Jahresende bei durchschnittlich 13.726 Punkten (+0,1%) sehr konservativ. Einzige Erklärungsmöglichkeit wäre ein heftiger Ausverkauf in den kommenden Wochen, so dass der DAX von tiefem Niveau aus dann das ganze Jahr steigen kann, ohne über die 14.000 Punkte zu springen.

Das wäre eine Entwicklung, die der DAX-Entwicklung aus dem Pandemie-Jahr 2020 entspräche. Ich halte das für sehr unwahrscheinlich.

Umfragen zum Dax im Jahr 2021

 

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Finanznews

Aktienmärkte: Warum fallen sie denn? Marktgeflüster (Video)

Markus Fugmann

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Ja warum fallen sie denn, die Aktienmärkte? Dass die so verwöhnte Wall Street (und auch der Dax) heute unter Druck kommt, hat mehrere Gründe: erstens Zweifel, ob Biden wirklich sein Stimulus-Programm verwirklichen kann. Dann, zweitens, wieder schwache US-Einzelhandelsumsätze – und schließlich die Nachricht, dass Pfizer deutlich weniger Impfstoff in den nächsten Wochen für die EU liefern wird. Im Grunde sind angesichts der absehbaren Verschärfungen der Lockdowns in Europa die Prognosen für ein starkes wirtschaftliches Jahr 2021 schon jetzt obsolet. Aber ein Rücksetzer der Aktienmärkte war ohnehin überfällig, zuletzt fehlte es deutlich an Dynamik auf der Oberseite. Vielleicht spielt auch die Unruhe vor der Amtsübernahme von Biden schon eine Rolle, man fürchtet erneute Ausschreitungen..

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Aktien

Aktien: Die Rally und die Cocktail-Theorie von Peter Lynch

Ibrahim Sonay

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am

Klar, Corona ist das Gesprächsthema Nummer-Eins, doch dicht auf den Fersen folgt derzeit schon das Thema Aktien!

Aktien: Woher stammt die Cocktail-Theorie?

Der berühmte Magellan-Fonds Manager Peter Lynch, ein Maestro der Investment-Welt aus den 80er-Jahren, stellte damals die Interessante Cocktail-Theorie auf, um die unterschiedlichen Marktprognosen darzulegen, die er über Jahre entwickelt hatte, während er auf Partys herumstand.

Phase Eins

Gar nicht über Aktien sprechen die Leute in der ersten Phase, eines leichten Marktanstiegs, nachdem sie längere Zeit am Boden lagen, ohne Bewegung und Beachtung. Fragte man Lynch auf der Party, was er denn so beruflich treibe, antwortete er, dass er einen Aktienfonds manage. Daraufhin nickten die Leute freundlich und gingen weiter, um sich mit dem Nächsten auf der Party über Belangloses zu unterhalten. War dies der Fall, so wusste Lynch, dass der Markt vor einer Erholung stand.

Phase Zwei

Nachdem Lynch seinen Beruf nannte, blieben die Partygäste meist etwas länger – aber auch nur so lange, um ihn klar zu machen, wie gefährlich doch Aktien seien. Danach sprachen die Partygäste wieder übere andere Themen. Auch dies beobachtete er und stellte somit fest, dass die Börse in der zweiten Phase steckt, denn die Aktien stiegen bereits, doch es interessierte (noch) niemanden.

Phase Drei

Der Markt war bereits um 30 % gestiegen und Lynch wusste, dass ihn auf der Party eine neugierige Schar von Menschen umringen würde. Viele euphorische Zeitgenossen nahmen ihn beiseite, um herauszufinden, in was sie denn nun investieren sollten und fast jeder sprach von Aktien. Damit war klar, Phase Drei ist erreicht.

Phase Vier

In der vierten Phase umzingelten ihn die Leute erneut, aber diesmal nicht um zu erfragen, worin sie investieren sollten, sondern um ihn Tipps und Ratschläge zu geben, welche Aktien er kaufen solle. Erfuhr er Tage später, dass die Empfehlungen der Partygäste aufgingen, so erkannte Lynch, dass der Markt in Phase Vier steckt: Das Hoch war erreicht – ein Rückschlag der Märkte stand kurz bevor.

Das aktive Zuhören kann sehr wertvoll sein. Halten Sie also ihre Augen und Ohren auf. Auf lange Sicht sollte jeder für sich selber entscheiden, worin er sein Geld investieren möchte – ob er dabei Prinzipien, Ethik oder Trends berücksichtigt. Eines zeigt uns die Vergangenheit der Aktienmärkte jedoch: wenn man Aktien von Qualitäts-Unternehmen findet und das zu einem guten Preis, erzielt man über Jahre Rendite.

Aktien und die Cocktail-Theorie

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