Anleihen

Pandemie: Anleihen vor dem Ausfall? Das Geschäft mit Katastrophen

Die Welt erlebt derzeit eine Pandemie – und an den Finanzmärkten werden Produkte gehandelt, die für ein solches Katastrophen-Szenario geschaffen wurden. Dieses Anleihespektrum gibt es schon geraume Zeit, das Volumen hat im Jahr 2019 bereits 100 Milliarden Dollar erreicht. Die Rede ist von Cat Bonds, oder Katastrophenanleihen, das sind Papiere, die für den Anleger hohe Zinsen bieten, beim Eintritt einer Naturkatastrophe aber zu einem Ausfall für die Investoren führen.

Genau so eine Anleihegattung steht gerade im Fokus, denn im Jahre 2017 hatte die Weltbank zwei so genannte Pandemie-Anleihen aufgelegt, die bis zum Jahr 2021 laufen und den betroffenen Ländern zugute kommen sollen. Covid-19 ist so ein potenzieller Fall, nur muss die WHO die Verbreitung der Lungenkrankeit zur Pandemie hochstufen. Über das Thema hat FMW bereits in einem Artikel von Dirk Schumanns berichtet.

Das Konzept der Bonds für eine Pandemie

Die Idee hinter den Papieren: Kommt es zu einer Pandemie, kann die Weltbank auf das Geld zurückgreifen, um ärmere Länder im Kampf gegen die Seuche zu unterstützen. Im Gegenzug lockte die Weltbank die institutionellen Anleger mit hohen Zinsen.

Die Konditionen der Anleihen

Diese Wertpapiere sind für institutionelle Anleger wie Pensionsfonds, Investments- oder Hedgefonds konzipiert, die Mindestanlagesumme beginnt bei 250.000 Dollar. Man bietet für diese Cat Bonds hohe Zinsen, das Ausfallrisiko ist hoch – und nur beim Ausbleiben der Katastrophe erhalten die Investoren nach Ablauffrust ihre Investitionssumme zurück.

An den Pandemie-Anleihen gab es im Ausgabejahr 2017 ein großes Interesse seitens der Hedgefonds. Die erste Tranche von 225 Millionen Dollar war deutlich überzeichnet, der Zinssatz betrug 6,5 Prozent. Ein Ausfall würde dann erfolgen, wenn bei einer Pandemie 2500 Todesfälle auftreten.

Bei der zweiten Tranche bot man sogar über 11 Prozent, allerdings für ein höheres Risiko, denn man deckte mehrere Krankheiten ab und die Fälligkeit sollte schon bei 250 Toten ausgelöst werden.

Damit könnte man meinen, dass beide Anleihen infolge der Verbreitung des Coronavirus fällig wären und die Weltbank bis zu 200 Millionen Dollar aus der so genannten „Pandemic Emergency Financing Facility“ abziehen könnte, um Entwicklungsländer bei der Bekämpfung der Seuche zu unterstützen.

Dieser Fall ist jedoch noch an weitere Bedingungen geknüpft.

Die Pandemie muss in mindestens acht Ländern ausgebrochen, die Ansteckungsgefahr hoch und es müssen 12 Wochen seit der ersten Meldung vergangen sein. Außerdem ist eine Einstufung der Ausbreitung der Krankheit zu einer Pandemie erforderlich, was die WHO im Falle von Covid-19 noch nicht getan hat.

Außerdem müssen spezielle Länder (IDA – benannt nach der Organisation International Development Association) betroffen sein, das sind Entwicklungsländer mit niedriger Kreditwürdigkeit und einem schwachen Bruttoinlandsprodukt, wie zum Beispiel der Sudan, aber auch Nepal.

Über die Erfüllung der Bedingungen entscheidet eine unabhängige Organisation, AIR Worldwide in Boston. Wird eine Bedingung nicht erfüllt, kommt es nicht zur Auszahlung, wie beim Ausbruch von Ebola im Kongo 2018, bei dem es 1800 Todesopfer in dem betroffenen Staat gab, im Nachbarland aber nur 20 Todesfälle.

Die Kritik an Katastrophen-Bonds

Diese Anleihen haben nicht überall einen guten Ruf – manch einer nennt sie eine Wette auf den Tod. Da die Pandemie-Anleihen infolge Corona auf 40 Prozent ihres Nennwertes gefallen sind, rücken sie aktuell wieder in den Fokus und in die Kritik von Organisationen. Die Summe sei zu klein, um eine Pandemie effektiv bekämpfen zu können, außerdem dauere es zu lange, bis das Geld ausgezahlt werde, denn schließlich brauche man das Kapital frühzeitig, um Maßnahmen gegen die Ausbreitung durchführen zu können, so einige Argumente.

Die heftigste Kritik kam ausgerechnet vom früheren Chefvolkswirt der Weltbank, der die Emission einen peinlichen Fehler nannte, der symptomatisch für die „finanzielle Verblödung“ in dieser Weltorganisation stehe. Starker Tobak, was immer auch der Grund für diese Entgleisung gewesen sein mag. Es gibt aber auch Befürworter dieser Anleihen, denn bei früheren Fällen, wie Ausbrüchen von schweren Krankheiten, habe es ewig lange gedauert, bis Hilfsgelder geflossen seien.

Investoren können mit Anleihen auf eine Pandemie wetten



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2 Kommentare

  1. Schreibt der Autor auch für andere Seiten oder nur für Finanzmarktwelt?

    Lg Soner

    1. @Soner, Wolfgang Müller schreibt nur für FMW

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