Marktkommentare

Perpetuum Mobile Reloaded, Teil1

Von Kilian Kimmel

Asset Backed Securities (ABS) sind forderungsbesicherte Wertpapiere und machen Unternehmen unabhängig von Banken, wenn es um Geldbeschaffung geht. Firmen nehmen Forderungen aus ihren Bilanzen und verkaufen sie an eine eigens zu diesem Zweck gegründete Finanzierungsgesellschaft, sogenannte Special Purpose Vehicle (SPV). Die SPV verwandelt die aufgekauften Forderungen in Wertpapiere (Verbriefung) und handelt diese verbrieften Forderungen als strukturierte Anleihe auf dem Kapitalmarkt, dem CDO-Markt oder auch Tranchen-Markt genannt. CDO steht für Collateralized Debt Obligation.
Neben den forderungsbesicherten Wertpapieren handeln SPV`s auch mit Finanzderivaten (synthetische CDO`s), in der Regel sogenannte Credit Default Swaps (CDS). CDS sind Kreditausfallversicherungen, Finanzinstrumente mit denen Kreditrisiken gehandelt werden.

Gemäss den Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel umfasst der CDO-Handel Stand Mitte 2013 weltweit ein Volumen von 700 Billionen US-Dollar. Der Anteil der EU-Banken beträgt 220 Billionen US-Dollar.

Die SPV-Anleihen werden in verschiedene Risikoklassen, sog. Tranchen ausgegeben. „Equity“ ist die Tranche mit dem höchsten Risiko, „Mezzanine“ hat mittleres und „Senior“ geringes Risiko. „Senior“ ist die oberste Tranche und wird von den Ratingagenturen in der Regel mit Triple-A bewertet.
Die Forderungsverkäufer kommen aus dem Bereich der Wohn- und Gewerbeimmobilien, dem Leasinggeschäft und dem Autokreditgeschäft. Auch Kreditkartenforderungen werden verbrieft. Forderungskäufer waren in erster Linie Hedgefonds und Geschäftsbanken – und so Gott will demnächst auch die EZB.

Bereits Mitte 2013 hatte die EZB entschieden auch minderwertige Wertpapiere (ABS) als Sicherheiten für Kredite zuzulassen, also auch Wertpapiere aus der Equity- und Mezzanine-Tranche. Jetzt, in 2014, will die EZB im Verbund mit der Bank von England den Asset-Backed-Securities Markt wieder beleben. Die Idee dahinter: Geschäftsbanken können wieder verstärkt Kredite an die Privatwirtschaft geben, diese nach Risiko, Größe und Branche sortieren und verbriefen. Auf dem CDO-Markt tritt dann die EZB auf und kauft den Banken diese hochriskanten Kreditbündel, sog. strukturierte Kreditderivate ab. Nicht Staatsanleihen werden am Markt erworben wie beim Quantitative Easing, sondern ABS, toxischer Müll, der für die Endlagerung in den Bad Banks vorgesehen war. Hierbei geht es nicht mehr um Milliarden, sondern um Billionen.

Damit verwandelt sich die EZB endgültig selbst in eine Bad Bank und zeigt auch die anscheinend katastrophale Lage der europäischen Banken. Wie dieser ABS-Markt genau funktioniert und wie er scheiterte, zeigt ein Blick zurück auf die Subprime-Krise.



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