Allgemein

Powell killt die Rally und „opfert“ die Aktienmärkte – Kurzeinschätzung

 

Powell killt die Rally der Aktienmärkte

Hat Jerome Powell die Rally der Aktienmärkte absehbar gekillt? Mit dem FOMC-Protokoll sah alles noch gut aus für die Aktienmärkte: keine vorzeitigen Zinsanhebungen, kein großer (0,5%-)Zinsschritt – alles andere war ja erwartet worden (Tapering im März beendet, in Zukunft Bilanzreduzierung etc.).

Aber dann Powell in der PK mit der Betonung, dass die Inflation viel dauerhafter sei als erwartet – was die Fed in ihrer Geldpolitilk berücksichten müsse. Ergo: die Fed zieht die geldpolitische Straffung durch, komme was wolle – solange die Inflation so hoch ist. Und sie wird laut Powell lange hoch bleiben. Diese hawkishe Aussage hat die Märkte auf dem falschen Fuß erwischt – die Anleihemärkte haben heute in Reaktion auf die PK mit dem Anstieg der Renditen bereits den Weg vorgegeben!

Powell begründet seine Haltung damit, dass viele Amerikaner die Inflation hart trifft – und damit hat er recht! 40% der Amerikaner haben weniger als 1000 Dollar in Reserve, leben also von der Hand in den Mund. Der Anstieg der Inflation schießt diese Amerikaner aus dem Konsum heraus – und Biden hat Powell klar gemacht, dass die Zeiten vorbei sind, in denen die Wall Street immer den Vorrang hat. Das Mandat lautet: bekämpfe mir die Inflation!

Und Powell tut das – und „opfert“ damit die Aktienmärkte. Die Fed ist zunehmend politisiert – gesellschaftlich ist das gut, weil die sozialen Unterschiede in der US-Gesellschaft zum Zerreißen gespannt sind. Aber für Risiko-Assets, deren Besitzer jahrelang die große Profiteure waren, ist das schlecht. Also auch schlecht für die Aktienmärkte.

Faktisch ist die Fed also unter der Agenda der US-Demokraten und Bidens – diesen Zusammenhang hat mein gestriges Marktgeflüster thematisiert (siehe eingebettetes Video unten). Man darf gespannt sein, wie tief diesmal die Märkte fallen müssen, bis die Fed umsteuert. Da ist wohl noch viel Platz nach unten – denn die Fed ist absehbar vom Unterstützer der Märkte zur Gefahr für die Märkte geworden!



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

9 Kommentare

  1. Aber Marcus, die FED killt die Märkte ? Beim Markt waren doch, die üblichen Zinserhöhungen zu jeweils pro Quatarl eingepreist, dies moderat zu 0,25 % ? D.h. sogar der Dezember ist jetzt doch längst schon eingepreist, wegen der Inflation, habe ich etwas verpasst ?!?

    Klar, die EZB hängt hinten dran, aber solche Gerüchte von irgendwelchen Experten, dass die FED jetzt ganz klar zu 0, 5 % per Quartal, soga auch eventuell noch per Monat ? Hoch „zuschlägt“ (?!?), um die Inflation einzudämmen – das hört sich für mich abenteuerlich an ? -Da denke ich schon an Marktmanipulationen, könnte dies sein ?

    Was haben die beiden, die FED und die EZB eigentlich vorher gemacht .. ? Die haben sich jeweils ( die EZB mit Verzögerung) , wenn es zu Zinserhöhungen und Senkungen an die „Quartarlsregel gehalten.. ? Habe ich schon wieder was verpasst ?

  2. Und es kommt alles darauf an, wie es so weiter geht, Russland -Krise, Infaltion usw, aber :

    Wenn alles normal läuft, sollte die EZB im März 2023 zum ersten Mal die Zinsen erhöhen (und zwar zu 0,25 % pro Quartal), den ganzen Kram vorher ankündigen usw.. das hier am Markt keine Panik entsteht,
    Und danach müsste die EZB im gleichen Tempo reagieren, also jeweils zu 0,25 % pro Quartal hoch, bis zum Ende 2023.

  3. Schön war die Zeit.
    HINWEISGEBER FÜR BÖRSENBAISE, BOSE BASE.
    1999 2000
    Danke an DEN LEIDER VERSTORBENEN, BOLKO HOFFMANN, Herausgeber des EFFECTEN SPIEGEL.
    2007 2008
    Ja denk hin, mein SPARKASSENBERATER und WIRTSCHAFTSWOCHE.
    2019 2022
    Unser HERR FUGMANN
    1987 1988 das war ein Hammer, irgendwie weiß keiner warum.
    Aber zum Glück kam die WENDE.
    10 JÄHRIGE US, 1,867%
    Schaut auf den BUND von über 180 jetzt schleichend auf unter 170.

  4. Die Fed ist zunehmend politisiert? Man kann es auch so sehen: Oberstes Ziel / Oberste Aufgabe einer Zentralbank (auch der FED) ist es für Wertstabilität des Geldes zu sorgen! Politisch bedingt war eher das irrsinnige Aufblasen der ZB-Bilanzen, wo sich jetzt eben die Konsequenzen zeigen. Bei riesigen Blähungen gibt es halt riesige Fürze – oder es zerreißt einen… ;-)

  5. Herr Fugmann,
    der Einfluss der FED auf die Märkte wird einfach überschätzt. Die Marktzinsen und nicht die Leitzinsen
    sind maßgend. Dies nicht punktuell bei hawkischen Aussagen (nicht wirklichen Taten) anlässlich Noten-
    banksitzungen sondern permanent jeden Tag fortlaufend. Und die Marktzinsen kann die FED
    nicht bestimmen. Anlässlich von Notenbanksitzungen wird immer wieder Staub aufgewirbelt ohne
    dass wirklich etwas geschieht. Die Aktionsparamenter sind gewollte Erwartungen und Absichtserklärungen.
    Einfach Verbalerotik!

    1. Das sehe ich etwas anders. Die Leitzinsen (Fed-Funds-Rate) wirkt tatsächlich vorwiegend auf die Zinsen am kurzen Ende. Aber Quantitative Easing wurde ja explizit betrieben, um die langfristigen Zinsen zu beeinflussen. Wenn das im März wegfällt und im Jahresverlauf eventuell sogar umgekehrt wird, dann wird das eine Wirkung haben.

      1. Ich zitiere „Wenn das im März wegfällt und im Jahresverlauf eventuell sogar umgekehrt wird, dann
        wird das eine Wirkung haben“. Dies ist sachlich absolut richtig und mir schon klar.

        Wollen wir sehen, ob es im März wegfällt?

        Mir geht es darum, dass tendenziell überwiegend immer noch sich permanent wiederholende
        Absichtserklärungen im Raum sind.

        1. Es gibt keinen Grund, diesen Absichtserklärungen nicht zu glauben. Die Fed ist jetzt auf einer anderen Schiene als vor sechs Monaten und sie würde den Markt nicht durch diese Ankündigungen verunsichern, wenn sie es nicht auch so meinte. Das sind ja nicht einzelne Versuchballons, sondern ist eine konsistente Linie in den Verlaubarungen aller Mitglieder, die sich äußern. Solange es nicht zu wirklichen ernsten Abstürzen kommt, haben wir ein anderes Spiel.

          1. @rettich Wir werden sehen! Ich kann leider kein Glaubensbekenntnis abgeben.
            Ich verweise nur darauf, dass die FED sehr spät die Lage erkannt hat bzw. diese
            sehr spät zugegeben hat. Stichwort: Transitory!
            Wir können in ein paar Monaten die Lage werten. Wenn ich falsch liegen sollte,
            dann gebe ich dies zu.
            Nur eines steht für mich fest: Ich kann zur FED kein Vertrauen entwicklen. Ich würde
            dies gerne tun.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage