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Rohstoffe gegen Rubel – was das für die Weltleitwährung US-Dollar bedeuten würde

Rubel Dollar Rohstoffe

Müssen „unfreundliche“ westliche Staaten bald alle russischen Rohstoffe in Rubel bezahlen – und wenn ja, welche Folgen hätte das für den US-Dollar?

Da Wladimir Putin im Westen nichts mehr zu verlieren hat, schickt sich der Präsident des größten und rohstoffreichen Landes an, das dollarzentrische Weltwährungssystem ins Wanken zu bringen.

Der Rubel als Handelswährung für Rohstoffe

Mit geschätzten Reserven im Wert von 75 Billionen US-Dollar gilt Russland als „Rohstoffschatzkiste“ der Welt. Das flächenmäßig größte Land verfügt über die größte Bergbauindustrie, die hauptsächlich fossile Energieträger, Edel- und Industriemetalle sowie seltene Erden fördert und damit essenziell für den Anfang der globalen Wertschöpfungskette ist. Darüber hinaus produziert und exportiert das Land im großen Stil Düngemittel und Agrargüter.

Rohstoffe - Rubel als Ersatz für Dollar?

Die wichtigsten Exportgüter Russlands waren im Jahr 2021 Rohöl (74.4 Mrd. US$), $), raffiniertes Erdöl (48 Mrd. US$), Erdgas (19,7 Mrd. US$), Gold (18,7 Mrd. US$) und Kohle (14,5 Mrd. US$).

Außerdem ist das Land ein führender Produzent von Aluminium, Nickel, Palladium, Kupfer, Stahl, Zement, Diamanten, Magnesium und Verbindungen wie Stickstoff, Silizium und Vanadium. Bei den Seltenen Erden war Russland im Jahr 2021 der zweitgrößte Exporteur der Welt.
Insgesamt führte Russland vor dem Ukraine-Krieg Rohstoffe im Wert von ca. 340 Milliarden US-Dollar pro Jahr aus.

Sollte die russische Staatsführung tatsächlich als Gegensanktion und zur Stabilisierung der Landeswährung damit beginnen, die Bezahlung wichtiger Exportgüter wie Erdgas und Agrargüter schrittweise für bestimmte „unfreundliche“ Staaten, wie z. B. Deutschland in Rubel zu verlangen, könnte das einen Dominoeffekt auslösen, der die Weltleitwährung US-Dollar in seiner Bedeutung als Handels- und Reservewährung weiter zurückdrängt. Der Rubel könnte zu einer der wichtigsten und stärksten Rohstoffwährungen avancieren. Schon jetzt erlebt die russische Landeswährung eine dynamische Aufwertung.

Rubel gegen den Dollar als Währung für Rohstoffe?

Mit einem starken Rubel wäre die russische Zentralbank (Bank Rossii) wiederum in der Lage, die Zinsen zu senken und die Rubel-Geldmenge zu erhöhen, ohne dass es zu einem Kollaps der Währung käme. Damit könnte die russische Wirtschaft stabilisiert und Transferleistungen finanziert werden, um den sozialen Frieden im Land zu wahren – quasi ein gekaufter Frieden. Vorausgesetzt, die Abnehmer im Westen sind nach dem Erreichen einer bestimmten ökonomischen und politischen Schmerzgrenze oder einer akzeptablen Übergangsfrist tatsächlich dazu bereit, Rohstoffe in Rubel zu bezahlen. Dann würde die Nachfrage nach der russischen Währung deutlich zunehmen. Der Rubel würde quasi zum „Petro-Rubel“ werden.

Das Weltleitwährungs-Privileg des US-Dollars bröckelt

Die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben würden, könnten auch andere rohstoffreiche Staaten und Länder mit hohen Exportüberschüssen wie China, Saudi-Arabien oder die Vereinigten Arabischen Emirate dazu bewegen, ihre wertvollen Bodenschätze und Güter in Zukunft vermehrt gegen Yuan, Dirham oder Riyal zu veräußern, anstatt gegen US-Dollar. Ihre Währungen würden damit ebenfalls an Bedeutung und Stabilität gewinnen und den jeweiligen Zentralbanken völlig neue Spielräume eröffnen.

Aktuell gilt noch für 40 Prozent aller Handelstransaktionen, dass Staaten, Unternehmen und Privathaushalte zunächst US-Dollar am Devisenmarkt erwerben müssen, bevor sie am Weltmarkt Rohstoffe, Güter und Dienstleistungen einkaufen können. Dieser Umstand sorgt für eine stetige und enorme Nachfrage nach der Weltleitwährung.

Das ist auch ein wesentlicher Grund dafür, warum der US-Dollar trotz einer Inflationsrate von 7,9 Prozent in den USA und einer Gesamtverschuldung (privat und öffentlich) in Höhe von 88,3 Billionen US-Dollar bzw. 380 Prozent des US-Bruttoinlandsprodukts bei einem effektiven Leitzins von kaum wahrnehmbaren 0,33 Prozent pro Jahr stabil bleibt und sogar aufwertet, da der US-Dollar in Krisenzeiten noch als sicherer Hafen gilt.

Seit dem Jahr 1944 dominiert der US-Dollar das nach dem Zweiten Weltkrieg etablierte weltweite Währungs- und Wechselkurssystem von Bretton-Woods (Ort der Gründungskonferenz). Auch die Abkopplung des Dollars vom Gold im Jahr 1971 und der der Zusammenbruch des ersten Bretton-Woods-Währungssystems 1973 konnte die Dominanz des Dollars nicht brechen.

Die Amerikaner haben der Welt die Privilegien einer Weltleitwährung vorgelebt indem sie seit Jahrzehnten als größter Nettoschuldner des Planeten und mit einem gigantischen Handelsbilanzdefizit auf Rekordhoch weit über ihre Verhältnisse leben und ihren Lebensstandard zu großen Teilen aus der Notenpresse finanzieren, ohne dass der US-Dollar kollabiert.

Ein solches Privileg weckt natürlich auch bei anderen Staaten Begehrlichkeiten. Doch der Versuch des irakischen Diktators Saddam Hussein, den US-Dollar aus dem Handel mit seinem Land, vor allem mit Rohöl, ab dem Jahr 2000 zu „verbannen“, wurde von den USA nicht toleriert. Unter nachweislich falschen Beweisen führten die USA, Großbritannien und eine „Koalition der Willigen“ drei Jahre später Krieg gegen das Land (dritter Golfkrieg). Am 30. Dezember 2006 wurde eine zuvor gegen Saddam Hussein verhängte Todesstrafe vollzogen und somit ein klares Exempel statuiert.

Die Botschaft war deutlich: Der US-Dollar soll die dominierende Transaktions-, Reserve-, Finanzierungs- und Anlagewährung bleiben. Diese Vormachtstellung des Dollars wird zur Not auch mit Waffengewalt verteidigt. Ironischerweise mit dem teuersten Militär der Welt, dass nur dank des Weltleitwährungsprivilegs aus der digitalen Notenpresse finanziert werden kann. Ohne das Dollar-Privileg würde die Weltleitwährung deutlich abwerten und die USA geopolitisch und ökonomisch stark an Bedeutung verlieren.

Fazit und Ausblick

Putin kennt diese Zusammenhänge und weiß, um was es für die USA und damit die NATO und den Westen insgesamt geht. Daher käme die Umstellung eines wesentlichen Teils Handels der Rohstoffe mit Russland auf Rubel einer Kriegserklärung gegen den Westen auf finanzieller Ebene gleich. An diesem Punkt sind die USA am verwundbarsten und eine solche Entscheidung daher geopolitisch sehr bedeutsam.

Der schleichende Bedeutungsverlust des US-Dollars ist spätestens seit der von den USA ausgehenden Weltfinanzkrise ohnehin bereits in Gang. Putin könnte diesen Bedeutungsverlust aber durch den Verkauf von Rohstoffen gegen Rubel sowie das das Starten eines Nachahmer-Dominoeffekts durch andere Staaten mit hohen Außenhandelsüberschüssen und Rohstoffreichtum signifikant beschleunigen. Das Schweigen Chinas und vieler Golfstaaten zu der Invasion Russlands und die Weigerung, ebenfalls Sanktionen gegen Russland umzusetzen, sind in diesem Zusammenhang vielsagend.



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28 Kommentare

  1. Sg hr Zipfl wie immer sehr spannende Einsichten von Ihnen. Im Mainstream kommt sowas nicht vor. Schade daß ihre Analysen auf YouTube nur mehr selten zu hören sind. Danke jedenfalls.

  2. Na endlich mal eine sachliche Analyse zum Thema Russland.

    Wenn ihr jetzt noch berichten würdet , dass es Biowaffenlabore gibt in der Ukraine, dann wäre das ne ausgeglichene Sache und net Grimm’s Märchenstunde
    Geht doch….

    1. Das dürfte wohl der Idioten-Kommentar des Monats sein!

      1. Das es dort die Biowaffenlabore gibt ist seit Montag offiziell. In den USA läuft jetzt auch ein Verfahren gegen Hunter Biden an. Die Sache, die im Wahlkampf 2020 totgeschwiegen wurde, war doch keine Russenpropaganda.

        Wenn ich Kommentare wie diesen von Grimm & Co. lese, frage ich mich immer, was da schief gegangen ist? Und was treibt solche Leute zur Finanzmarktwelt? Diese Seite ist ja super, aber doch nur nützlich, wenn man bereit ist, sich zu informieren und selbst eine Meinung zu bilden.

        1. @Felix
          Wenn alles so eindeutig und «offiziell» ist, dann liefern Sie doch einfach Beweise jenseits einer vagen Diskussion und Spekulation über die Aussagen einer Staatssekretärin oder Moskaus UNO-Botschafter Wassili Nebensia. Lassen Sie die FMW-Gemeinschaft teilhaben an Ihren Informationsquellen, untermauern Sie Ihre unerschütterliche Selbst-Bildungs-Meinung. Bitte, Sie Hochinformierter, lassen Sie ein paar Beweise durchsickern, dann glauben wir Ihnen.

          Beweise für seine Behauptungen legte der russische Botschafter dem Sicherheitsrat zumindest nicht ansatzweise vor. Nichts, gar nichts, ist seit Montag offiziell. Auf der von Russland beantragten Dringlichkeitssitzung des Rates «zu biologischen US-Aktivitäten in der Ukraine» wiederholte Moskaus UNO-Botschafter Wassili Nebensia lediglich die Behauptung, die USA betrieben in der Ukraine in Kooperation mit der Regierung in Kiew «ein Netz von 30 Laboren, die sehr gefährliche biologische Experimente mit dem Ziel ausführen, virale Krankheitserreger von Fledermäusen auf den Menschen zu übertragen».
          China unterstützt diese Darstellungen als Verdacht. Uuups! China, Fledermäuse, Labore…

          Wie viele andere Länder verfügt auch die Ukraine über öffentliche Gesundheitslabore, die erforschen, wie die Bedrohung durch gefährliche Krankheiten – zuletzt auch Covid-19 – verringert werden kann. Die Labore wurden auch von den USA, der Europäischen Union und der WHO unterstützt.

          Nun machen Ihresgleichen aka die russische Propaganda daraus Biowaffenlabore, und wer das nicht glaubt, ist uninformiert und unfähig, sich eine eigene Meinung zu bilden. Das ist inzwischen so abgedroschen, langweilig, öde, durchsichtig und hirnrissig. Und was hat das mit der Finanzmarktwelt zu tun? Dürfen sich hier nur Leute tummeln, die Putins Lügen blind vertrauen? Wie gesagt, liefern Sie Beweise, wenn das doch seit Montag «offiziell» ist. Bis dahin weiterhin viel Spaß im Paralleluniversum von QAnon

          https://www.sueddeutsche.de/politik/biowaffen-sicherheitsrat-verschwoerung-1.5546189

          1. @Felix
            Du brauchst mit den schmal-Spur Ideologen nicht zu diskutieren…die haben immer recht und wenn nicht, gehts rund.

            @q(uatsch)cannon
            Glauben Sie ehrlich, dass die Sueddeutsche (ein linksgerichtetes und regierungsnahes Blatt, welches bei c Themen öfter daneben lag als der Karl)….sich ausgerechnet mit dem jetzigen Thema intensiv auseinander setzt?

            Scheinbar haben viele Grüne ihre Bildung aus der Bild ( so ähnlich haben es die Ärzte mal gesungen)

            Mit freundlichen Grüßen

          2. Bemühen Sie sich doch mal selbst abseits Ihrer tendenziösen Medien. Sie haben doch Internet, oder?
            Nebenbei: nennt man eine Quelle, kann man ja inzwischen verantwortlich gemacht werden, wenn diese Quelle etwas falsches äußert. Selbst, wenn es mit dem eigentlichen Thema nichts zu tun hatte. Für jemanden, der die SZ angibt, ist das natürlich derzeit kein Problem, obwohl die jede Menge Bullshit vom Stapel lassen.

  3. Bye Bye Dollar….
    Von dem Euro seit heute ganz zu schweigen (aber was hat man erwartet…bzw. wie soll die „Rettung“ überhaupt noch funktionieren)

    Ich würde sagen….3:0 Putin, wenn es dann so kommt.

    Mit freundlichen Grüßen

  4. Geld ist immer ein Kredit, also ein Schuldschein und entsteht nicht durch die Herstellung von Geldsymbolen, genauer gesagt „standardisierten staatlich beglaubigten Schuldscheinvordrucken“, also dem was Banken produzieren, sondern durch den Beginn einer nicht geschlossene Tauschtransaktion (Hintausch ausgeführt => Geld entsteht, Rücktausch wird ausgeführt => Geld verschwindet). Das gilt auch für „besichertes = gedecktes Geld“, weshalb Gold eben Geld ist. Genauso wie die als Besicherung dienende Immobilie kein Geld ist. Gold ist schlicht ein Gut und hat einen Tauschwert. Geld dagegen IST ein Wert, HAT aber keinen Wert. (Geld ist eben auch gerade kein Wertaufbewahrungsmittel, aber das begreifen Ökonomen und Finanzschrauber wahrscheinlich nie).
    Die umlaufende Geldmenge ist daher nichts anderes als die Summe aller unbezahlten Rechnungen. Wer Geld (gegen die Abgabe von Gütern und Dienstleistungen) annimmt gewährt daher immer einen Kredit, während der Käufer seine offenen Transaktionen schließt und seinen Kredit weitergeht. Das funktioniert nur so lange wie der Geldannehmer davon ausgeht das irgendjemand anderes in der Lage UND Willens die Transaktion ihm gegenüber zu schließen, also den Kredit zu tilgen.

    Hat man verschiedene Währungen (unterschiedliche bunte Zettel) wird man alle die „Währungen“ nutzen, bei denen man die größte Sicherheit hat das diese Bezahlung sichergestellt wird. Und das ist in der Regel immer der Staat der über die leistungsfähigste Wirtschaft verfügt (weil er dann die Tauschgüter am ehesten bereitstellen kann), über die größte Machtbasis verfügt (weil er dann die Schulden notfalls mit Gewalt eintreiben kann) und /oder über eine gute Reputation verfügt, weil er über lange Zeit immer seinen Verpflichtungen nachgekommen ist.

    Das galt lange für den römischen Aureus, das britische Pfund und heute den Dollar. Und das gilt eben nicht für den venezolanischen Pesos oder die Währung von Zimbabwe. Deswegen können die nur gegen Dollar kaufen. Was sie wiederum dazu bewegt auch ihre eigenen Auslandsverkäufe nur gegen Dollar zu tätigen (denn irgendwo müssen sie den ja herbekommen).
    Die Leitwährung bietet dem emittierenden Land immer einen enormen Vorteil. Er kann nämlich hierdurch eine, wie ich es nenne, Imperialrendite einfahren, wie es die USA seit den 70ern tun und auf die sie inzwischen existentiell angewiesen sind.

    Die Leitwährung kann aus zwei Gründen wechseln oder verschwinden. Es entsteht eine „vertrauenswürdigere“ Währung (siehe oben) oder die Alte verliert vertrauen. Eine neue Leitwährung kann aber nur entstehen, wenn diese frei konvertibel und vor allem aus dem Ursprungsland „abziehbar“ ist. Das bedingt das der jeweilige Staat seinen „Außenhandel“ staatlich nicht zu steuern versucht. Weshalb z.B. die chinesische Wirtschaft erst mal als Alternative ausfällt, denn die Regierung dort wird diese Bedingung nicht erfüllen.
    Entsteht keine neue Leitwährung entfällt der „Vertrauensanker“ und der zwischenstaatliche Handel geht deutlich zurück, da das Risiko steigt. Geschäfte werden kurzfristiger, man geht keine langfristigen Verpflichtungen mehr ein und sieht zu das man die Kohle möglichst schnell wieder los wird. Devisenreserven funktionieren dann auch nicht mehr gegenüber „allen“ Handelspartnern, sondern nur noch gegenüber bestimmten. Im schlimmsten Fall muss man Devisenbestände in allen Währungen der Welt halten.

    Ich gehe mit dem Autor konform, das die Bedeutung des Dollar abnehmen wird, sehe aber nicht unbedingt eine Alternative. Die Folge könnte daher tatsächlich eine Verringerung des Welthandels, damit der Arbeitsteilung, damit der Produktivität und des globalen Wohlstandes. Aber das wird nicht auf einen Schlag passieren, sondern nur nach und nach.

    Viel bedrohlicher für die USA ist aber der Verlust der Imperialrendite. Denn das wird auf jeden Fall zu einem signifikanten Wohlstandsverlust in den USA führen und entzieht dem Land die Mittel um weiterhin als Hegemonialmacht, zumindest im bisherigen Umfang, auftreten zu können.

    1. Sehr gute Analyse, da habe ich noch dazugelernt

      1. Vielen Dank! Toll erklärt.

    2. @ thinkself

      Super Analyse. Nur das Geld immer ein Kredit ist, stimmt nur für Fiatgeld. Ursprünglich war Geld ein Gut, dass sich zum Tauschen und Aufbewahren eignete. Aristoteles hat uns die Überlegungen der Menschen in den Jahrtausenden v. Chr. in einer sehr scharfen Analyse hinterlassen und erklärte, warum GOLD sich am besten als Geld eignet.
      Im übrigen: Was wirklich spannend ist, wird sowieso immer aus vorher erspartem Geld finanziert, und nicht aus Kredit. Für Innovation gibt keine Bank Kredit. Kredit gibt es nur gegen Sicherheit. (Kein Start Up bekommt Kredit, es sei denn jemand mit Sicherheiten bürgt. Was an sich seltsam ist, denn wer Sicherheit stellen kann, kann auch direkt investieren. Das Risiko ist gleich, aber das Gewinnpotential ist minimiert. Ich glaube sowas macht nur unser Staat.) Wer eine Unternehmung gründen will oder etwas neu entwickeln will, braucht Geld, dass bereits angespart wurde. Deswegen waren die Zeiten des Goldstandards auch Zeiten großer Fortschritte.

      Deswegen würde ich den Gedanken ergänzen: Russland nimmt jetzt Rubel. Klar soweit. Was ist, wenn Russland im nächsten Schritt den Rubel mit Gold deckt? Ein durchschnittlicher Schachspieler denkt sieben Züge voraus.

    3. @thinkself – ganz richtig, es müssen mehrere Voraussetzungen erfüllt sein, damit sich eine Währung als Weltleitwährung etablieren kann. Eine ganz wichtige Voraussetzung scheint mir dabei die Größe und Stabilität der Wirtschaft des Landes zu sein, zumal man (als Ausland) in dem Land ggf. auch auf Einkaufstour gehen will. Russland scheint mMn diese Voraussetzung nicht zu erfüllen, zumal es nur Öl, Gas und andere Rohstoffe zum Verkauf anbieten könnte, die auch nur über einen längeren Zeitraum geliefert werden könnten (aufgrund von limitierten Transport- und Speicherkapazitäten). China würde da schon eher die Bedingung einer großen und starken Wirtschaft erfüllen, allerdings sind da andere Bedingungen für eine Weltleitwährung nicht gegeben.

      1. Young Global Leader

        @Lausi, man sollte Funktionen von Fremdwährungen im eigenen Währungsraum unterscheiden:

        * Leitwährung – Bindung einer Währung an eine andere, die dadurch zur Leitwährung wird. Das war sogar mal CHF mit dem EUR passiert. Ich arbeitete damals für eine Schweizer Firma. Tauschen musste ich meine elenden EUR dennoch in CHF.

        * Ersatzwährung – Zahlungen in einer Fremdwährung werden praktisch überall akzeptiert. Machen Sie den Test und gehen in einen normalen deutschen Supermarkt (Rewe, Aldi, Edeka …) und versuchen dort mit USD zu zahlen. Wenn es klappt ist der USD Ersatzwährung für EUR.

        * Petrowährung – der internationale Handel mit Rohstoffen, allen voran Erdöl, wird in einer bestimmten Währung abgewickelt. Das ist eine sinnvolle Erfindung, denn Rohstoffe lassen sich gut standardisieren und dann ist es dem Kunden letztlich egal, wo sie gekauft werden. Das ist der Fall, um den es hier gerade geht.

        Es kann für eine Währung nur eine Leitwährung i.o.S. geben. Es sind mehrere Ersatzwährungen möglich, z.B. USD + BTC. Es können auch mehrere Petrowährungen nebeneinander bestehen. Saudi-Arabien könnte Zahlungen in USD + RUB akzeptieren, Russland nur in RUB, die USA nur in USD usw.

    4. Super Analyse, vielen Dank. Allein der Begriff „Imperialrendite“ erhellt die Interessenlage der globalen Akteure sehr deutlich.

      Aber auch die Gefahren! Was passiert, wenn z.B. „spekulative Ersatz-bunte-Scheine“ auftauchen“ wie z.B. Bitcoin oder andere digitale Komstrukte. Das sind keine Währungen! Aber sie unterhöhlen bei evtl. Massenakzeptanz noch mehr die Monopolstellung der traditionellen Fiat-Währungen. Wird die Flucht in digitale Kryptos bei einem Finanzcrash die Sache nicht essentiell beschleunigen. Vielleicht sogar als self-fullfilling-prophesie sogar erst starten?

  5. Kann mir bitte jemand erklären was der Unterschied zw. Folgenden 2 Situationen ist:

    Der Westen muss sich am Markt Rubel besorgen damit er Energie usw kaufen kann.

    Und

    Russland nimmt einfach die Fremdwaehrung und tauscht selber in Rubel…

    Im Endeffekt das gleiche denke ich oder?

    Also warum dann die Aufregung!? Wenn Sie den Rubel stärken wollen waer es so doch ein leichtes…

    1. Ich sehe auch keinen Unterschied, ob in Dollar/Euro oder in Rubel bezahlt wird: Im Endeffekt werden russische Energieexporte immer in Euro oder Dollar bezahlt, bzw. erhält Russland immer Dollars oder Euros für seine Öl-& Gas-Exporte: Mal landen die Euros/Dollars bei irgendwelchen russischen Geschäftsbanken (bei Zahlung in Euro/Dollar) und mal bei der russischen Zentralbank (durch den Tausch Dollar zu Rubel). Wer hat sonst schon genügend Rubel zum Umtausch außerhalb von Russland.

    2. Young Global Leader

      „Wenn Sie den Rubel stärken wollen waer es so doch ein leichtes…“

      Wie das? Wenn der Kunde kein RUB nachfragt, wie soll dann der Preis für RUB ( im vgl zum USD ) steigen?

    3. @ Prem

      Russland nimmt einfach die Fremdwaehrung und tauscht selber in Rubel…

      Aber was soll Russland mit der Fremdwährung bzw. Dollar/ Euros anfangen, wenn durch die Sanktionen keine oder nur noch eingeschränkte Geschäfte im Ausland möglich sind oder schlimmstenfalls das Vermögen direkt beschlagnahmt wird?

      Dollar/ Euro könnten für Russland wertlos sein oder nicht?

    4. Der Westen muss sich am Markt Rubel besorgen damit er Energie usw kaufen kann.
      -> der Westen kann nicht alle russischen Banken sanktionieren, Russland will ja liefern aber Westen kann nicht bezahlen ´-> schwarzer Peter Westen, man muss keine $ mehr Vorrätig halten

      Russland nimmt einfach die Fremdwaehrung und tauscht selber in Rubel…
      -> es ist Russlands Problem wie sie die Fremdwährung loswerden, man kann die Konten mit FW/Devisen einfrieren, wie jetzt geschehen, Russland liefert eventuell Rohstoffe ohne Gegenwert, weil die FW ihr nichts nützt, kann ja dafür auch nichts kaufen (wegen Saktionen) -> Russland will nichts verschenken und stellt den handel ein -> schwarzer Peter Russland, Vertrauen in Rubel schwindet

  6. Pingback: Aktuelles vom 31.03.2022 | das-bewegt-die-welt.de

  7. Die Dollar ,€ Zahlung an Russland wird aber eingefroren,damit kann Russland gar nichts kaufen und somit wären die gaslieferungen derzeit gratis.
    Und ich glaube nicht,dass Putin damit einverstanden ist.

  8. Die beste Dollaranalyse die ich je gelesen habe!

    1. @Paul, dann scheinst du nicht allzu viel zu lesen 😄

  9. Young Global Leader

    Der russische Rubel hat das Vorkriegsniveau erreicht. Unterdessen wird den Deutschen von Black Rock und der Bundesregierung geheißen im Kampf für die Freiheit den Gürtel enger zu schnallen. Ist das noch im Plan? Ich bin zunehmend verwirrt. Wer ist jetzt eigentlich Freund, Feind und Rivale?

    Vielleicht sollte ich meinen Mentor, Klaus Schwab, kontaktieren und ihn dazu befragen.

    1. Der Klaus ist im Moment selbst verwirrt. Er ist nicht sicher, ob Russland, China und all die anderen nur so getan haben, als ob sie ihn toll finden. Vielleicht wollten die nur einen Winterurlaub auf Staatskosten, da wo´s schön ist.

    2. Young Global Leader

      Putins Popularität wächst gerade in Russland. Eigentlich hätte sie doch fallen sollen:

      https://www.wsj.com/livecoverage/russia-ukraine-latest-news-2022-03-30/card/putin-s-approval-rating-jumps-after-invasion-poll-shows-fm8f4uSdiVfTxORQOE0v

      Ja, die Russen. Ich paraphrasiere George W.Bush: die Russen hassen uns, weil wir frei sind. In jedem Falle dürfte es eng werden für den geplanten Volksaufstand gegen den Autokraten.

      Worauf jetzt hoffen? Darauf, dass der Krieg noch lange dauert, damit die Zustimmung wieder sinkt?

  10. Großartig!
    Die westliche Geldkonzepte (EU, Japan und VS) haben sich seit 15.8.1971 mutiert in eine krankhafte Surfmethode an der Wellenflanke, während die östliche Geldkonzepte (China und SU) den Reset zum bewährten, stabileren Segelmethode üben.
    Ich habe das Modell beschrieben in:
    https://de.scribd.com/document/568222722/Das-ewige-Surfen-mit-dem-Wind-oder-das-endliche-Surfen-auf-einer-Welle

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