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Saudi-Arabien: „Linke Tasche Rechte Tasche“, und ein Gewinn von 111 Milliarden Dollar

Was ist da los in Saudi-Arabien? Ein merkwürdiges „Linke Tasche Rechte Tasche“-Geschäft. Aber von Anfang an. Die gestrige Nachrichte lautete quasi überall in den Medien (sinngemäß): Wow, Saudi-Aramco, die 100%ige Öl-Tochter des saudischen Staates (also des Königs), hat im Jahr 2018 111 Milliarden Dollar Gewinn gemacht. Das ist doch mal ein Zahl. Andere Headlines wiesen darauf hin, dass Saudi-Aramco damit so viel verdient hat wie zum Beispiel Exxon, Apple und Google zusammen. Das mag ja auch stimmen.

Nur hat Saudi-Aramco beziehungsweise König davon kaum etwas. Der Kronprinz hat zwar bereits ein großes Innovationsprogramm aufgelegt, welches für Diversifizierung in Saudi-Arabien sorgen soll. Die Einnahmen des Staates sollen also aus vielen verschiedenen Quellen kommen. Aber aktuell sieht es so aus, dass dieser wunderschöne Gewinn wie sonst jedes Jahr auch direkt in den saudischen Staatshaushalt überführt wird, als so ziemlich einzige bedeutende Einnahmequelle. Um die Bürger, die allesamt nicht wählen dürfen, bei Laune zu halten, versorgt der Staat einen guten Teil von ihnen mit gut bezahlten Tätigkeiten. Dies geht aber nur, wenn Saudi-Aramco kräftig Gewinne macht.

Und in den letzten Jahren bei schwachen Ölpreisen war das ein echtes Problem. Aber jetzt kommen wir mal langsam einen Schritt weiter. Öffentlich zugänglich gemacht hat Saudi-Aramco sein Zahlenwerk nicht aus einem Schub an Transparenz in der Chefetage. Nein, Saudi-Aramco gab letzte Woche bekannt den zweitgrößten saudischen Konzern SABIC (Petrochemie) zu 70% kaufen zu wollen. Dafür muss Saudi-Aramco 69 Milliarden Dollar hinblättern.

Aber wie will Saudi-Aramco 69 Milliarden Dollar für SABIC hinblättern, wenn man seine ganzen Gewinne an den Staat abführt? Richtig, man macht Schulden. So verkündet man aktuell, dass Saudi-Aramco trotz der Mega-Gewinne Anleihen begeben will. Und wer Anleihen ausgibt, braucht (leider) ein Rating der so grandios genialen Ratingagenturen aus dem westlichen Ausland. Und die wollen natürlich in die Bücher schauen, weshalb der Gewinn von Saudi-Aramco nun öffentlich wurde.

Aber eine merkwürdige Sache ist uns da aufgefallen. Kaufen tut Saudi-Aramco SABIC nicht etwa von Privateigentümern, sondern vom Public Investment Fund of Saudi Arabia, also dem Staatsfonds von Saudi-Arabien. Also macht der Staat de facto Geschäfte mit sich selbst. Die 100% staatliche Saudi-Aramco kauft dem 100% staatlichen Staatsfonds etwas ab für 69 Milliarden Dollar. Was hat das zu bedeuten? Nun, neues Geld in den saudischen Geldkreislauf hinein kommt durch die Anleihe-Emissionen von Aramco, die nun verkündet wurden.

So kann der Staat letztlich in sein „geschlossenes System“ über Anleihen aus dem Ausland Geld reinbekommen. So muss der Staat keine Anleihen begeben, sondern eben Saudi-Aramco für den „Kauf eines Unternehmens“. Das hilft wohl die Lücken im Staatsbudget zu decken, bis der Ölpreis weiter gestiegen ist? Das ist natürlich eine völlig unbewiesene Mutmaßung. Oder werden die 69 Milliarden Dollar wirklich im Staatsfonds verbleiben und für zukünftige Generationen sinnvoll investiert? Sollten wir falsch liegen, dann schon mal sorry vorab!

Da kann sich jeder Beobachter natürlich sein eigenes Urteil bilden. Übrigens will Saudi-Arabien ja seit einigen Jahren 5% von Saudi-Aramco an internationalen Börsen als handelbare Aktie platzieren. Wie der Ölminister Al-Falih jüngst im Januar dazu sagte, könnte es im Jahr 2021 so weit sein. Will man jetzt die Anteile „nicht unter Wert“ verkaufen, und erhofft sich in zwei Jahren viel höhere Ölpreise, und somit einen viel höheren Verkaufserlös für die Aramco-Aktien? Ja, alles nur Mutmaßungen.

Saudi-Arabien
Die Hauptstadt Riad bei Nacht. Foto: BroadArrow CC BY-SA 3.0



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