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Selig sind die Armen im Geiste

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Planlos stürzt der Westen in einen Konflikt, den er nicht begreift!

 

Das Zitat aus Matthäus 5,3 ist sicher eines der vielen missverstandenen Bibelzitate. Es meint nicht: selig sind die Dummen – sondern bezieht sich auf die bereits im Alten Testament angelegte Armutstheologie. Gemeint ist vielmehr: die Armen und Bescheidenen sind diejenigen, die Gottes Segen haben.

Wir wandeln die Bedeutung des Zitats leicht ab und meinen ganz wörtlich: selig sind die Dummen! Denn die sind „all-in“ auf der Longseite, und kapieren nicht, welche Dimension der Konflikt mit Russland hat – was die heutige Marktreaktion einmal mehr offenbart.

Und die Amerikaner feiern, dass Obama Sanktionen unterzeichnet hat, die Russen betreffen, die Einfluss auf die Regierung haben – einige davon werden namentlich genannt. Als die Meldung bekannt wurde, stiegen die US-Märkte steil an, weil man das offensichtlich für ein Zeichen der Stärke hält und irgendwie glaubt, daß Putin – der wundersamerweise von den Sanktionen ausgenommen ist – jetzt einen Rückzieher macht. Das Gegenteil wird der Fall sein.

Dass man von den Amerikanern in der Ukraine-Frage wenig Einsicht in die wirklichen Sachverhalte erwarten kann, versteht sich angesichts der amerikanische Fixierung auf den eigenen Bauchnabel fast von selbst. Aber dass Europa überhaupt nicht kapiert, worum es geht, ist dann doch mehr als befremdlich.

Jörg Baberowski, Professor für die Geschichte Osteuropas, hat in einem Artikel für „Die Zeit“ die Dinge auf den Punkt gebracht: es gibt eine grundsätzlich unterschiedliche Erfahrung zwischen der Westukraine einerseits, die besonders unter Stalin gelitten hat und sich daher mehrheitlich zur Kooperation mit Nazi-Deutschland entschlossen hatte, um das Joch der Sowjets loszuwerden, und der Krim und der Ostukraine andererseits.

In beiden letzteren Gebieten dominiert die Erfahrung, zu einem russischen Großreich (Sowjetunion) gehört zu haben, das für das Selbstverständnis und Mentalität in diesen Gegenden nach wie vor maßgeblich ist. Daher wollen Krim und die Ostukraine mit ihrer Mehrheitsbevölkerung, wenn man den historisch belasteten Begriff verwenden darf, „heim ins Reich“. Die 1991 gegründete Ukraine ist ein völlig willkürlich zusammen gestellter Kunst-Staat, der jetzt auseinanderbricht. Es gibt letztlich kein zwingendes Argument, an der territorialen Integrität des bisherigen Staates festzuhalten, wenn die Mehrheit der Bewohner das nicht will.

Und für Russland geht es um ungleich mehr als für den Westen: man fühlt sich eingekreist vom Westen und seiner NATO, und fürchtet nicht zu Unrecht, daß die Ukraine als Gesamtheit Teil der NATO werden soll. Russland steht daher sprichwörtlich mit dem Rücken zur Wand, und wird daher potentiell aggressiv reagieren.

Und diese Dynamik ist, bis auf wenige Ausnahmen, im Westen nicht verstanden. Man hält die Abspaltung der Krim für verfassungswidrig, sieht aber den Umsturz eines sicher korrupten, unsympathischen und ineffizienten, aber demokratisch gewählten Janukowitsch für rechtmäßig. Aber leider eben war der Maidan-Umsturz nicht verfassungskonform – wenn die Abspaltung der Krim verfassungswidrig ist, muss es die Maidan-Revolution auch sein. Es macht also keinen Sinn, wie der Westen es tut, sich auf die Verfassung eines Staates zu berufen, der so ohnehin schon nicht mehr existiert, zumal man das Verfassungs-Argument je nach politischer Zielstellung instrumentalisiert.

Und der Westen hat ein entscheidendes Problem: er weiß gar nicht, was er will. Würde man im bisherigen Staat Ukraine wirklich freie Wahlen abhalten, ist es sehr wahrscheinlich, daß die russisch-stämmige Mehrheitsbevölkerung siegen und für einen Anschluss der Gesamtukraine an Russland votieren würde. Diese Tatsache ist dem Westen scheinbar nicht bewusst, weil man eben überhaupt keinen Plan hat, wie die Problematik angegangen werden könnte. Und das ist ein sehr schlechte Voraussetzung und ein weiteres Argument, warum dieser Konflikt heißer ist, als viele das wahrnehmen.

Schon ist der Optimismus wieder zurück: im Dax werden schon wieder die 10.000 Punkte ausgerufen. Und unsere Geschichts-Blinden aus den Banktürmen? „Die Krimkrise hat nicht das Potenzial, die Aktienmärkte nachhaltig unter Druck zu bringen“, sagt Jochen Schallmayer (Deka Bank, zitiert nach DOWJONES Newswires).

Jochen, ich gehe die Gegenwette ein! Denn sie sind Arme im Geiste..

 

5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    Gregor

    17. März 2014 18:59 at 18:59

    Ich bin vollständig ihrer Meinung.
    Es ist nur schwer zu verstehen,daß Europa Sanktionen gegen eine Supermilitärmacht
    beschließt.Sind unsere Politiker von allen guten Geistern verlassen?Europa schneidet sich ins eigene Fleisch.Wir haben beste Wirtschaftsbeziehungen mit Rußland und dann jetzt diese Reaktion.
    Bei den USA habe ich nichts anderes erwartet,das sind Rabauken,ohne irgendein Feingefühl für andere Nationen,aber von Europa,auch wenn nicht die intelligentesten Politiker heute hier das Sagen haben,hatte ich etwas anderes erwartet.Eventuell ist ihnen aber alles egal,da die finanzielle Katastrophe schon so ein Ausmaß angenommen hat,dann kommt es auf einen kleinen Krieg auch nicht mehr an.

  2. Avatar

    Argonautiker

    17. März 2014 19:22 at 19:22

    Ja, das hört man selten, daß dies Gleichnis richtig verstanden wird, und noch weniger erwartet man das auf einer Seite, welche mit dem Finanzmarkt verbandelt ist. Denn genau dieser könnte sich den Sinn dieses Gleichnisses durchaus mal zu Herzen nehmen.

    Es wird nämlich immer so getan als ginge es wirklich um Nationale Geschichten die zwischen USA-RUS-UKR-EUR geht. Das ist nicht so. Es ist vielmehr das kreditbasierte Zinssystem welches die Staaten dazu nötigt auf andere Staaten übergriffig zu werden.

    Ein Zinssystem arbeitet ja mehr oder weniger nach dem Prinzip des Reiskornes auf einem Schachbrett. Also das man, angefangen mit einem Reiskorn, den Reis von Feld zu Feld verdoppelt. Je öfter dieser Vorgang des verdoppeln vollzogen wird, desto irrwitziger wird dabei die Menge, die erbracht werden muß, um es zu verdoppeln, sodaß, wenn man am 64. Feld angekommen wäre, theoretisch mehr Reis auf dem 64. Feld läge, als die Welt überhaupt hergibt.

    Natürlich ist es bei den Zinsen nicht immer gleich eine Verdoppelung, sodaß es etwas länger dauert, aber das Prinzip ist das Gleiche, und das Finale ebenso, irgendwann bekäme ein gegebener Kredit so viel Zinsen, wie es gar nicht mehr zu erwirtschaften ist. Also muß die Hochfinanz der großen Länder übergriffig werden. Und das passiert gerade.

    Das ist das Haupt Problem. Gar nicht mal so sehr die Nationen und deren Unterschiede selbst. Es wird also nichts nützen, wenn die Politik der Nationen sich gegenseitig respektieren, sondern einzige Lösung derzeit, wäre, wenn sich die Politik der Nationen und die Völker vereinigen würden um gegen den Druck der Hochfinanz anzugehen.

    Selbst wenn man nun eine Befriedung zwischen RUS-UKR-USA erreichen würde, die Hochfinanz ist derzeit in der Situation, daß sie nicht mehr investieren kann, weil die zu erwartenden Gewinne einfach nicht mehr ausreichen. Viel zu viel Kapital ist derzeit nicht im Fluß, sondern, „geparkt“ und erzeugt dadurch einen enormen Mangel beim Volk. Sie müssen also drängen, und sie können drängen, weil alle Staaten bei ihnen per Kredit verschuldet sind.

    Aber selbst wenn es nun zum Krieg käme, die USA evtl. gewinnen würde, und RUS und den Osten schlucken würde,…, lassen sie von diesem Zinssystem nicht ab, dauert es nur eine Weile, bis zur nächsten Verdoppelung auf dem nächsten Schachfeld. Irgendwann ist einfach selbst die ganze Welt nicht mehr genug. Und bis zum nächsten Schachfeld dauert eben nicht lange, weil je größer die Einsätze sind, desto mehr Gewinn muß entsprechend rausspringen. Umgekehrt also wenn der Osten gewänne, natürlich auch, weil die Hochfinanz des Ostens funktioniert nicht anders.

    Die Lösung ist also ausschließlich durch Einsicht möglich, das solch ein monopolisiertes Zinssystem als Irrtum erkennt und von ihm ablässt. Und zwar im Sinne ALLER. Dann haben Staaten und deren Politik auch wieder eine redliche Chance friedlich miteinander auszukommen.

    Das ist das primäre Problem was wir derzeit haben. Wir haben mit dem monopolisierten Kreditgeld Monster erschaffen, die solch eine Dominanz ausübt, daß niemand sie bezwingen kann. Die Dinosaurier sind zurück, und wahrscheinlich werden sie ein ähnliches Ende finden, weil das Prinzip des Lebens eben doch ein anderes ist, und sie scheinbar wenig einsichtsfähig sind.

    Gruß aus Bremen

  3. Avatar

    Buerobedarf Bochum

    17. April 2014 14:44 at 14:44

    In allen fällen spielen die Finanzen immer die hauptrolle.

  4. Avatar

    Mila

    15. August 2014 12:44 at 12:44

    Ja na klar, alles dreht sich ums Geld.

    • Avatar

      Mike

      14. Juli 2015 12:01 at 12:01

      Ja natürlich, um was denn sonst. Gerechtigkeit? Liebe? nee

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Aktien

Aktuell: Lufthansa veröffentlicht Maßnahmen für weiteren Kahlschlag

Claudio Kummerfeld

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am

Der Lufthansa A380 wird wohl nicht mehr fliegen

Die Lufthansa hatte bereits Maßnahmen zum Kahlschlag angekündigt. Aber es ist wie es ist. Die Fluggastzahlen erholen sich nicht V-förmig wie (auf den ersten Blick) die Gesamtkonjunktur. Weltweit gibt es ständig neue Corona-Restriktionen und viele Unklarheiten. Und offenkundig haben zu viele potenzielle Flugreisende wohl einfach keine Lust auf diese ganze Unsicherheit und dazu noch auf stundenlanges Maskentragen an Flughäfen und im Flugzeug. Jetzt hat die Lufthansa vor wenigen Minuten die nächsten Maßnahmen zum Kahlschlag verkündet. Weiter Runter-Schrumpfen, um nicht in den Kosten zu versinken, so könnte man es ausdrücken. Hier drucken wir die wichtigsten Infos von der Lufthansa im Wortlaut ab. Die Headline-Aussagen:

– Erholung des Luftverkehrs deutlich langsamer als noch im Sommer erwartet
– Tiefere Einschnitte bei Flottengröße und für Personal
– Langfristig geparkte sowie zur Ausflottung vorgesehene Flugzeuge werden im dritten Quartal mit bis zu 1,1 Mrd. EUR wertberichtigt
– Operative Mittelabflüsse sollen um 100 Mio. EUR pro Monat reduziert werden

Details:

Der Kapazitätsausblick für die Passagierairlines wird deutlich nach unten korrigiert; die bisherige Annahme, im vierten Quartal des Jahres ein durchschnittliches Produktionsniveau von 50 Prozent des Vorjahreswertes zu erreichen, erscheint nicht mehr realistisch. Bei Fortsetzung des aktuellen Trends werden die angebotenen Sitzkilometer im Vorjahres-vergleich voraussichtlich nur noch in einer Spanne zwischen 20 und 30 Prozent liegen.

Die mittelfristige Flottenplanung wird angepasst und sieht aktuell ab Mitte des Jahrzehnts eine dauerhafte, konzernweite Kapazitätsreduktion von 150 Flugzeugen vor .

In Ergänzung der bereits kommunizierten Flottenentscheidungen wurde folgendes beschlossen: Nachdem bereits im Frühjahr sechs Airbus A380 endgültig außer Dienst gestellt worden sind, werden die verbleibenden acht Flugzeuge vom Typ A380 sowie zehn Flugzeuge vom Typ A340-600, die bislang noch für den Flugdienst vorgesehen waren, in einen sogenannten Langzeitparkmodus (long-term storage) überführt und aus der Planung genommen.

Aus den vorgenannten Flottenentscheidungen werden sich weitere Wertberichtigungen in einer Größenordnung von bis zu 1,1 Mrd. EUR ergeben. Der Betrag soll noch im dritten Quartal des laufenden Jahres verbucht werden.

Der bisher avisierte rechnerische Personalüberhang von 22.000 Vollzeitstellen erhöht sich in Folge der Entscheidungen für das dritte Paket des Restrukturierungsprogramms. Die Anpassung der dauerhaften Personalstärke in den Flugbetrieben wird an die weitere Marktentwicklung angepasst.

Die überarbeitete Finanzplanung sieht trotz des eingetrübten Ausblicks vor, die Mittelabflüsse durch striktes Kostenmanagement weiter zu senken. Der Liquiditätsabfluss soll von aktuell rund 500 Mio. EUR pro Monat auf durchschnittlich 400 Mio. EUR pro Monat im Winter 2020/21 gesenkt werden. Das kommunizierte Konzernziel, im Jahresverlauf 2021 wieder operativ positive Mittelzuflüsse zu erwirtschaften, wird bekräftigt.

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Heute fallen die Aktienmärkte – vor allem der lange so widerstandsfähige Dax mit einem rabenschwarzen Tag – aber auch der vermeintlich sichere Hafen Gold kommt stark unter Druck (Silber fällt sogar fast -10%). Für den Abverkauf gibt es vorwiegend zwei Gründe: erstens die Sorge um neue lockdowns in Europa, und zweitens wird ein Stimulus-Deal in den uSA zwischen US-Republikanern und US-Demokraten nach dem Tod der Verfassungsrichterin Ginsburg deutlich unwahrscheinlicher, weil die Trump-Administration noch vor der US-Wahl einen eigenen Kandidaten installieren will. Damit bestätugt sich bislang ein Schema für die Aktienmärkte: die Woche nach dem September-Verfall ist historisch unter den schwächsten Handelswochen des gesamten Jahres..

Werbung: Traden Sie smart mit Capital.com: https://bit.ly/316AkWq

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Rüdiger Born: Fallender Dow Jones – aktuelle Tradingchancen?

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Neben dem Dax schaue ich mir im folgenden Video vor allem ganz genau die aktuelle Entwicklung im Dow Jones an. Es geht gen Süden. Ist noch mehr Abwärtspotenzial vorhanden? Wollen Sie meine täglichen Analysen im „Trade des Tages“ erhalten? Dieses Angebot ist für Sie völlig kostenfrei! Melden Sie sich dafür einfach hier an.

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