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Droht jetzt eine Insolvenz-Welle? Signa läuft Zeit davon – letzte Rettungsversuche am Wochenende

Signa Prime, Selfridges & Co - Foto: Jose Sarmento Matos/Bloomberg
Signa Prime, Selfridges & Co - Foto: Jose Sarmento Matos/Bloomberg

Die Signa-Gruppe des österreichischen Immobilienmoguls René Benko beginnt zusammenzubrechen. Eine deutsche Tochter der Signa Prime, die Signa Real Estate Management Germany, meldete am Freitag Insolvenz an, nachdem bereits die Sparte Signa Sports United Konkurs gemeldet hatte. Damit hat die Zahlungsunfähigkeit nun auch das Immobiliengeschäft erfasst. Einige Banken und Investoren müssen jetzt um ihr Geld bangen. Kommt die Insolvenz-Welle jetzt ins Rollen?

Wie Bloomberg berichtet, suchte die Signa-Gruppe am Wochenende weiter nach einer Rettungsleine, mit der in letzter Sekunde eine Insolvenz-Welle von René Benkos Immobilien- und Handelsimperium abgewendet werden kann.

Signa: Insolvenz droht

Eine deutsche Tochter der Edelimmobilien-Sparte Signa Prime Selection hat laut einem Bericht des Spiegels bereits am Freitag Insolvenzantrag gestellt. Es war nicht die erste Insolvenz in der Gruppe, aber das erste Mal, dass die Zahlungsunfähigkeit nicht nur Signas Handelsbereich erfasst, sondern auch das Immobiliengeschäft. Weitere Insolvenzen könnten Insidern zufolge in den nächsten Wochen folgen.

Die jüngsten Gespräche zur Deckung des kurzfristigen Liquiditätsbedarfs von bis zu 600 Millionen Euro sind laut den Insidern, die über Signas Bemühungen informiert sind, ins Stocken geraten. Einige Gespräche dauern zwar noch an und andere Optionen werden erwogen. Doch die Wahrscheinlichkeit einer Einigung ist gering, heißt es. Unter anderem Signas komplexe Struktur erschwere das Finden einer Lösung.

Unter den Investoren, die in den letzten Wochen angesprochen wurden, waren die Staatsfonds des Emirats Abu Dhabi (Mubadala Investment) und des Königreichs Saudi-Arabien (Public Investment Fund), sowie zwei Spezialfonds für in Schwierigkeiten geratene Firmen, Attestor und Elliott Investment Management.

Signa reagierte nicht auf Anfragen.

Opfer der Immobilienkrise

Das Imperium des Tiroler Schulabbrechers und Selfmade-Milliardärs könnte eines der prominentesten Opfer der Immobilienkrise in Europa werden, die durch steigende Zinsen und fallende Bewertungen, aber auch durch strukturelle Änderungen im Gewerbeimmobilienmarkt ausgelöst wurde.

Als in den letzten zwei Jahren einige Immobilienfirmen schon anfingen, einen Gang zurückzuschalten, setzte Benko immer noch einen drauf. In London kaufte er gemeinsam mit dem thailändischen Konzern Central Group für rund 4 Milliarden Pfund (4,6 Milliarden Euro) den Luxustempel Selfridges. In Hamburg erhielt er die Baugenehmigung für den auf fast eine Milliarde Euro budgetierten Elbtower. Seine Strategie basierte immer auf der Behauptung, nur der Papst und die Queen verfügten über ein vergleichbares Portfolio einzigartiger Standorte.

In den letzten Wochen wurde der Gegenwind allerdings zu stark. Anfang November drängten Benkos Mitgesellschafter in der zentralen Signa Holding darauf, den Sanierungsexperten Arndt Geiwitz zu Rate zu ziehen. Bis Ende November versprach Geiwitz ein Sanierungskonzept für die Gruppe. Dabei blieb lange unklar, welche Kompetenzen Geiwitz hatte und welche Rolle Benko weiter spielte. Die Austria Presse Agentur meldete am Sonntag, Geiwitz habe offiziell immer nur als Berater gewirkt. Auch der als“Chief Restructuring Officer“ zur Unterstützung von Geiwitz engagierte Ralf Schmitz hat informierten Kreisen zufolge diese Position letztlich gar nicht angetreten, sondern Signa eher informell beraten.

Signa-Insolvenz würde weite Kreise ziehen

Eine Insolvenz der unübersichtlichen und ineinander verschränkten Signa-Gruppe würde weite Kreise ziehen und zahlreiche Investoren Geld kosten. Gesellschafter und Aktionäre würden wie bei Insolvenzen üblich als erste leer ausgehen, darunter Benko selbst und einige europäische Superreiche wie der österreichische Baumagnat Hans Peter Haselsteiner, der deutsche Logistikmilliardär Klaus-Michael Kühne oder der französische Auto-Clan Peugeot. Kühne überlegt laut Handelsblatt, den Hamburger Elbtower zu übernehmen, bei dem die Bauarbeiten aufgrund finanzieller Rückstände ins Stocken geraten sind.

Beim Fremdkapital entfällt der größte Teil auf Banken, die überwiegend besicherte Kredite für einzelne Bauprojekte und den Erwerb von Immobilien bereitstellten. Auch wenn sie in der vergleichsweise besten Position sind, könnte eine Insolvenz Gewinne schmälern, Bilanzen schwächen und die Institute in die wenig beliebte Position bringen, Liegenschaften womöglich eine Zeitlang selbst übernehmen zu müssen.

Risiken der Banken

Der Zerfall des Immobilienimperiums erhöht indessen das Bankenrisiko (hier ein Überblick der betroffenen Banken). Einen Vorgeschmack auf die ins Haus stehenden Schwierigkeiten bekam bereits das Schweizer Bankhaus Julius Bär. Dessen Aktien stürzten seit vergangenem Montag um 16% ab, weil die Bank einen sprunghaften Anstieg der Risikokosten meldete. Informierten Kreisen zufolge sind der Hauptgrund dafür ausstehende Signa-Kredite in Höhe von rund 600 Millionen Euro. Andere Banken, die Signa Geld geliehen haben, sind etwa die österreichischen Raiffeisen-Genossenschaftsbanken, die UniCredit und mehrere deutsche Landesbanken.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat wegen des Engagements bereits vor Monaten Banken mit Signa-Risiken auf dem Buch aufgefordert, die Bewertungen der unterliegenden Sicherheiten niedriger anzusetzen und ausreichend Kreditrisikovorsorgen zu bilden, wie Bloomberg im August berichtete.

Schlechter gestellt sind die Inhaber von rund 1,76 Milliarden Euro an Genussrechten — hybriden Papieren, die zwischen Eigen- und Fremdkapital stehen. Wer das ist, ist allerdings nicht bekannt. Einige Signa-Töchter haben vorrangige, unbesicherte Anleihen begeben, von denen eine privat platzierte der Signa Prime mit rund 200 Millionen Euro Volumen am 30. November zurückgezahlt werden muss. Die einzige öffentlich gehandelte wurde von der Signa Development begeben und läuft bis 2026. Ein großer Posten des insgesamt 300 Millionen Euro schweren Bonds gehört informierten Kreisen zufolge dem Hedgefonds Arini, wie Bloomberg berichtet hat.

FMW/Bloomberg



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