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Sind Bauarbeiter bald überflüssig? Dieser Roboter hat an einem Tag ein Haus gebaut, ganz ohne Menschen

Viele Menschen glauben sie seien dank ihres Jobs oder der Industrie, in der sie tätig sind, sicher vor Rationalisierung und Automatisierung. Das glaubten noch vor Kurzem wohl auch viele…

Redaktion

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am

FMW-Redaktion

Viele Menschen glauben sie seien dank ihres Jobs oder der Industrie, in der sie tätig sind, sicher vor Rationalisierung und Automatisierung. Das glaubten noch vor Kurzem wohl auch viele Angestellte in ganz normalen Bürojobs, da der große Trend der letzten Jahrzehnte darin bestand in großen Fabriken Menschen durch Roboter zu ersetzen. Seit Kurzem ersetzen Computerprogramme ganze Abteilungen, ob nun bei Banken oder Versicherungen. Was noch übrig bleibt, wird oft Richtung Osteuropa oder Indien verlagert wegen der niedrigeren Lohnkosten.


Der 3D-Druckroboter von Apis Cor. Foto: Apis Cor

Da hat man es zum Beispiel als Bauarbeiter doch richtig gut, oder? Denn der Bau von Häusern in Deutschland, der muss auch von fachkundigen Menschen vor Ort hier in Deutschland ausgeführt werden. Dachte man bisher. Aber auch hier scheint nun eine beängstigende Entwicklung Fahrt aufzunehmen. Das Thema 3D-Drucker ist den meisten Menschen ja schon geläufig. In einem Druckverfahren werden bislang oft nur kleine Statuen, Spielzeug oder Ähnliches nach und nach „gedruckt“. Sie sind später genau so verwendbar wie normal hergestellte Waren.

Dieses Video macht gerade im Netz die Runde. Die russisch-amerikanische Firma „Apis Cor“ hat anscheinend einen gigantischen 3D-Drucker für den Hausbau entwickelt, der drehbar und ausfahrbar ist. Er ist in der Lage ein kleines Haus an nur einem Tag fertigzubauen. Das Video zeigt dies sehr gut. Auch wenn es hier noch ein sehr kleines einstöckiges Haus ist: Derjenige, der bisher im Hausbau tätig war, dürfte wenig begeistert sein über das, was man hier zu sehen bekommt. Wie immer bei solchen Entwicklungen freuen sich die Erfinder der jeweiligen Innovation wie kleine Kinder, dass sie etwas tolles Neues erfunden haben.

Das Haus wurde mit dem im Video zu sehenden mobilen 3D-Drucker in nur 24 Stunden „gedruckt“. Die kreisrunde Bauweise soll die variable Verwendbarkeit des Druckers aufzeigen. Das 38 Quadratmeter kleine Haus inklusive Türen und Fenster kostet 9.500 Euro und ist eine Art Prototyp. Auf der Messe „CES 2017“ wurde schon das erste komplett von einem 3D-Drucker hergestellte Auto präsentiert. Jetzt dieser Meilenstein beim Hausbau, wo nicht einzelne Wände, sonder das ganze Haus quasi in einem Guss an nur einem Tag gebaut wird!

Der riesige Vorteil einer solchen Entwicklung liegt auf der Hand: Familien mit extrem niedrigen Einkommen könnten sich bald solche Häuser leisten. Werden die Drucker größer, und werden die Verfahren verbessert, kann man sich dann ein halbwegs anständiges neu „gedrucktes“ Haus für vielleicht sagen wir mal 30.000 Euro leisten, wo es bisher vielleicht 200.000 Euro kostet? Und wie immer bleibt die Frage: Wohin mit den Menschen, die am Ende so einer Innovations-Entwicklung keine Arbeit mehr auf der Baustelle haben? Durch „jede Menge Fortbildung“ wird man nicht alle entlassenen Bauarbeiter zu Roboteringenieuren umschulen können. Das ist illusorisch, denn so viele Millionen Ingenieure zum Warten der 3D-Drucker braucht man bestimmt nicht.

Wohin mit den Menschen? Darauf gibt es wie immer keine Antwort. Ob dieser schwenkbare und ausfahrbare 3D-Drucker wirklich die Bauindustrie revolutionieren und Millionen Bauarbeiter weltweit arbeitslos machen wird, vermögen wir in keinster Weise einzuschätzen. Aber bewahrheitet sich, dass man mit diesem Roboter wirklich so bauen kann, werden Konkurrenten nicht lange auf sich warten lassen. Größere und noch leistungsfähigere 3D-Drucker werden dann für den Hausbau folgen, so wie es bei allen Technologien geschieht. Finanzkräftige Konzerne greifen gute Ideen auf und entwickeln sie ständig weiter.

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15 Kommentare

15 Comments

  1. Avatar

    Reinhold

    10. März 2017 17:57 at 17:57

    Erschreckend und faszinierend zugleich! Erschreckend weil es überhaupt noch keine Antworten gibt, was dann mit den Menschen geschieht die dann ihre Arbeit verlieren. Faszinierend, was alles möglich wird.
    Und wer soll die ganzen schönen Dinge dann kaufen, wenn die Menschen keine Arbeit mehr haben?
    Ich hoffe die Verantwortlichen machen sich schon jetzt über Lösungen Gedanken, sonst „knallts“ wirklich gewaltigt wie in ihrem anderen Artikel “ Industrie 4.0 – Unqualifizierte werden nicht mehr gebraucht“ beschrieben.
    Und noch ein großes Lob für Ihre Website, solche guten interessanten Artikel findet man selten. Ihre Seite hebt sich wohltuend von der Masse der Finanzberichterstattung ab.
    Viele Grüße aus Niederbayern!

    • Avatar

      gdjhdfjg

      11. Juli 2017 21:24 at 21:24

      gibt ja noch einige andere Stellen wo Bauarbeiter tätig werden müssen als Gebäude

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    Bademeister

    10. März 2017 18:53 at 18:53

    …keine gute Perspektive für ein menschliches Leben….sind da vielleicht die Aliens (Satire) am Werk?

    Und nochwas zum Nachdenken: Überall hören wir, dass gute Qualifikation und höhere Bildung das beste Mittel gegen Armut, Arbeits- und Perspektivlosigkeit seien. Was geschieht, wenn (noch) mehr Menschen immer mehr können und wissen?
    Dann ist das Ganze noch weniger wert…in dieser unser kapitalistischen und neoliberalen Arbeitswelt.
    Internet und Smartphones wecken schon heute unerfüllbare Wünsche und generieren kapitalistische Wünsche……im letzten Kaff von Namibia.
    Das Internet wirds immer geben, vermutlich aber in 100 Jahren genauso illegal wie Heroin und Kokain, das man vor gut 100 Jahren noch in jeder gut sortierten Apotheke legal erwerben koñnte….schönes analoges Wochenende!

  3. Avatar

    Walter

    10. März 2017 19:50 at 19:50

    lch brauch den Drucker,denn am Land liegt es nicht…
    Ich bin baff….never saw it,geil!

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    micromegas

    10. März 2017 19:58 at 19:58

    Ich biin Maurer und vor solchen Spielzeughäusern und ihren Käufern habe ich keine Angst! Im Gegenteil, Maurer sterben gerade aus bzw gehen zum größten Teil in den nächsten 15 Jahren in Rente, da werde ich mir in den kommenden Jahren mein Wissen natürlich immer teurer bezahlen lassen.
    Bauwerksanierung und Instandsetzung sowie Massivbau und Spezialbau wird wohl nicht so schnell aus dem Drucker kommen.

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    micromegas

    10. März 2017 20:06 at 20:06

    Und vor Migranten auf dem Bau habe ich auch keine Angst, denn die Firma Papenburg hat 100 Migrüchtlingen einen Job aufm Bau gegeben und genau alle hatten keinen Bock! Von 100 eingestellten Migranten ist lediglich einer in der Firma geblieben, der wird allerdings auch im Büro zum Kaufman ausgebildet.

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    Tomgala

    10. März 2017 23:44 at 23:44

    Für derartige Erfindungen brauchen wir so etwas wie eine Sozialabgabe, damit wir die Arbeitslosen bezahlen können.

    • Avatar

      Petkov

      11. März 2017 07:30 at 07:30

      Genau!Und das erste Land,das diese Abgabe einführt,verliert so gut wie alle Hochqualifizierten, die die Industrie 4.0 am Laufen halten und entwickelt sich zurück zu….. Ja,ganz genau: zu einem Entwicklungsland.

      Die Idee, die Abgabe weltweit einzuführen, kann nur in einem linkspopulistisch gestörten deutschen Kopf gedeihen und bis dahin sind die Deutschen auch im eigenen Land in der Minderheit. Jeder,der in einer Geburtsklinik war, weiß, was ich meine.

      Deutschland mit seinen Millionen Pseudo-Flüchtlingen aus den rückständigsten, dafür aber aggressivsten Kulturkreisen wird natürlich erneut ein Negativexempel statuieren.

      Es ist auch heute so, dass überraschend viele Firmen in der Tat den Flüchtlingen eine Chance geben. Und selbstverständlich nutzen sie einige Wenige. 75% der „Flüchtlinge“ in meinem Bundesland brechen jedoch ihre Ausbildung ab oder provozieren ihren Rausschmiss. Warum auch sollten sie sich anstrengen? Die Sozialleistungen ermöglichen bedingungslos ein erheblich besseres Leben als in den Heimatländern. Dann lieber doch gleich die ganze Zeit durch die Parks ziehen und sich deutsche Mädchen zum Spielen suchen.

  7. Avatar

    TBroker

    11. März 2017 05:25 at 05:25

    Eine Frage bleibt bei diesem Artikel offen. Aus welchem Material wurde das Haus von diesem Drucker gebaut. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, das die heute gebräuchlichen hoch spezialiserten Materialien von einem Drucker in kürzester Zeit geschaffen und verarbeitet werden können. Es handelt sich also wahrscheinlich um ein Haus das vollständig aus Kunststoff geschaffen wurde. Wer möchte darin schon wohnen. Also wiedereinmal viel Geschrei um nichts.

    • Avatar

      Bademeister

      11. März 2017 09:12 at 09:12

      Wenn der Preis stmmt, sind die Materialien bei Neubauten nicht so wichtig. Früher Asbest, heute Styropor…..stört doch keinen. Wer verwendet heute schon alternative Baustoffe wie z.B. Lehm oder Hanf? Viel zu teuer, leider. Und wenn das Druckerhaus die halbe Lebenszeit eines konventionellen Passivhauses (Lebensdauer gerade mal 30 bis 50 Jahre, je nach Bauweise, hat…also bitte spät bauen, damit man im Alter nicht in einem windigen Schuppen lebt) bei einem Bruchteil der anfallenden Kosten hat….alles supi, oder?
      Bei unseren jetzigen und vom Staat geförderten VWS Styroporfassaden wird immer vorgerechnet, wie hoch doch die Heizkostenersparnis sein würde, und in welch kurzer Zeit sich diese Massnahmen remunerieren würden…..nur was den nachkommenden Generationen so an Entsorgungskosten dieser absoluten Problemstoffe entstehen werden…?
      …so gesehen hat das Druckerhaus in Zeiten wie diesen absolutes Potential, leider halt.

    • Avatar

      Martin Ebner

      13. März 2017 10:12 at 10:12

      Die Frage wird doch im Video beantwortet: „concrete mixture that is used as the ink“, bzw. „geopolymer concrete“. Durchaus „hoch spezialisiert“, aber ansonsten stinknormaler Beton, wie er auch in konventionellen Gebäuden verwendet wird.
      Wenn ich im Baugewerbe tätig wäre, würde ich mir vielleicht lieber doch Gedanken machen…

  8. Avatar

    durchschnittsmensch

    11. März 2017 20:05 at 20:05

    … nun ja … ~10 scheine für ne hütte (so man über die fläche verfügt) wären bei ~20 jahren nutzbarkeit ein sensationeller preis … evtl. noch einen bauähnlichen abrißroboter fürs recycling …
    zu den jobs :
    fachkräfte (instandhaltung) in geringer anzahl wird es immer geben
    UND
    sooo unbekannt ist das thema nicht (nur weil es wieder mal in MSM nicht großartig erwähnt wird) ! … schaut nach clips von
    RICHARD DAVID PRECHT

  9. Avatar

    `Jan

    12. März 2017 20:14 at 20:14

    Guten abend, die Tendenz der oberen Aussagen ist doch fast schockierend. Seit irgendwelchen Neanderthaler oder so das Rad erfunden hat, arbeiten wir Menschen daran uns das Leben zu vereinfachen in dem wir Schwerstarbeit mit Hilfsmitteln leichter machen. Uhr, Kompass, Segeltuch, Dampfmaschine, Elektrizität, Verbrennungsmotoren, Digitale Technik, usw. sind alle mit offenen Armen empfangen. Den Ingenieuren, Tüflter, Techniker und alle kreative Seelen sei Dank! Ich helfe fleißig mit.
    Wer eine andere Meinung hat, kann bei mir ein Bambuzweig abholen, „sein ganzes Gepäck“ abgeben (auch Smartphone) in den Wald gehen, sich sein Abendessen besorgen und über mich schimpfen da ich Ingenieur bin, mich das gut bezahlen Lasse und im Haus lebe mit intelligente Heizung und viele tolle Sachen mehr.
    Nun ist auf einmal der Hausbaurobot ein Schritt zu weit? Geht ihr morgen alle Barfuss zu Fuss zu Arbeit?
    Das ich nicht lache.

  10. Avatar

    Jan

    12. März 2017 20:29 at 20:29

    Ob die Maschine ein Erfolg wird, wird die Markt entscheiden. Ob die Materialien die benützt werden gut oder schlecht sind für die Umwelt, entscheiden wir als Konsument. Vermutlich ist mit „billig“ viel zu erreichen, sonnst wären viele andere Branchen auch nicht erfolgreich mit umwelt-un-freundlichen Produkten.
    Solange der Menschheit besteht, haben Produkte die eine Zunahme der Bequemlichkeit ermöglichen, sich in der Regeln durchsetzen können.
    Sogar Beispiele satt von fragwürdigen Produkten.
    Bin immer noch erstaunt wieso der Baurobot auf einmal so eine Aufmerksamkeit kriegt.

  11. Avatar

    stadestade

    13. März 2017 11:48 at 11:48

    Ach wie hat man über die Roboter in der Autoindustrie geheult und gejammert…..

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EZB soll Make-Up-Strategie umsetzen

Hannes Zipfel

Veröffentlicht

am

Die Zentrale der EZB in Frankfurt

Es ist schon ein makaberes Wortspiel in Zeiten zwangsgeschlossener Kosmetikstudios sowie arbeitsloser Maskenbildner und Visagisten, dessen sich der finnische Zentralbank-Gouverneur und Ratsmitglied der EZB, Olli Rehn, bedient. Auf einer Konferenz in Helsinki forderte Rehn am Dienstag neben einem symmetrischen Inflationsziel die Umsetzung einer Make-Up-Strategie. Was konkret ist damit gemeint und was kommt als Nächstes?

EZB braucht Make-Up

Ohne die Europäische Zentralbank hätte sich das Thema Eurozone längst erledigt. Das will aber die Masse nicht hören und die Zentralbanker nicht sagen. Also werden seit dem Beginn der Weltfinanzkrise und der Eurokrise alle unkonventionellen Maßnahmen mit dem nicht Erreichen des Inflationsziel der Europäischen Zentralbank begründet, da dieses den Kern des EZB-Mandats darstellt.

Da aber mittlerweile jedem Geld- und einigen Fiskalpolitikern dämmert, dass bei einer Gesamtverschuldung der Industrieländer laut Institute for International Finance von knapp 400 Prozent des Bruttoinlandsprodukts dieses Mandat nicht mehr ausreicht, wird es nun angepasst. Dazu gehört auch, dass man das Inflationsziel von zwei Prozent p. a. (Konsumententeuerung) irgendwie umgehen muss. Denn selbst wenn die jetzige Ausnahmerezession vorüber ist, bleiben die hohen und weiter steigenden Schulden. Die EZB kauft einen Großteil davon auf und hält die Zinsen nominal bei null und real im negativen Bereich, um den Schuldendienst erträglich zu machen.

Am Beispiel der USA, wo die US-Notenbank Fed mit dem Versuch in den Boom nach Trumps Steuerreform hinein die Zinsen zu normalisieren, scheiterte, will man bei der EZB nun vorsorgen. Sollte es zu einer wirtschaftlichen Erholung kommen und die Inflation (Konsumententeuerung) über zwei Prozent hinausschießen, will und kann man wegen der extrem hohen privaten und öffentlichen Verbindlichkeiten die Zinsen dennoch unten halten. Ein eventuelles Überschießen des Inflationsziels soll daher via Make-Up überdeckt werden.

Dazu fordert unter anderem und erneut Olli Rehn die Einführung eines flexiblen Inflationsziels. Die Präsidentin der EZB, Madame Lagarde, spricht sich neben anderen Rats-Mitgliedern ebenfalls dafür aus. Um ein Überschießen der Inflation zu überdecken, soll statt des bisherigen asymmetrischen Inflationsziel ein symmetrisches Inflationsziels eingeführt werden. In der Praxis bedeutet dies, dass die Notenbanker statt eines festen Wertes einfach einen Durchschnittswert eines bestimmten Zeitraums der Vergangenheit ausrechnen. Solange dieser Wert sich nicht allzu lange und allzu massiv über zwei Prozent befindet, muss die EZB nicht inflationsbekämpfend eingreifen. Angepeilt wird ein Zeitraum der letzten fünf Jahre zur Durchschnittsbildung der Inflationsrate.

Im Falle der Eurozone bedeutet dies eine durchschnittliche Inflationsrate seit Oktober 2015 in Höhe von knapp einem Prozent p. a. Durch Überdeckung einer zukünftigen höheren Inflation mit statistischem Make-Up könnte die Teuerungsrate für eine lange Zeit über zwei Prozent liegen, ohne dass das symmetrische Inflationsziel der EZB übertroffen wird. Die für die Errechnung des symmetrischen Inflationsziels relevanten Parameter (betrachteter Zeitraum etc.) sollen flexibel gehalten werden. Somit ist gewährleistet, dass selbst bei steigender Konsumententeuerung die EZB ihre ultralaxe Geldpolitik gemäß ihrem Kernmandat der statistischen Preisstabilität (ohne Vermögenspreise) beibehalten kann.

Welche Ziele hat die Zentralbank laut EU-Vertrag?

Doch auch der u. a. von Rehn sowie Lagarde und seit dem virtuellen Notenbanker Treffen in Jackson Hole sogar vom Präsidenten der US-Notenbank Fed, Jerome Powell, geforderte „Monetary Shift“ könnte nicht ausreichen, um die explodierende Gesamtverschuldung durch das symmetrische Inflationsziel zu managen. Daher gräbt man nun bei der EZB im EU-Vertrag nach weiteren Möglichkeiten des geldpolitischen Make-Ups. Und siehe da, man wurde fündig: Ebenso wie bei der US-Fed gestattet der EU-Vertrag auch zwei Nebenmandate, wie Olli Rehn in Helsinki am Dienstag klarstellte: „Wenn wir unser gesetzliches Mandat respektieren, müssen wir danach streben, Vollbeschäftigung, ausgewogenes Wachstum und eine nachhaltige Entwicklung zu erreichen“. Das symmetrische Inflationsziel wurde zwar im Nebensatz noch mit erwähnt, aber es wird immer deutlicher, dass die EZB nach einer Legitimation ihrer dauerhaften Krisenpolitik sucht.

Wie weit kann die EZB ihr Mandat auslegen?

Schon seit Längerem hat die EZB das Thema Nachhaltigkeit für sich entdeckt und möchte verstärkt Unternehmen Kredite durch den Ankauf von Firmenanleihen zu sehr vorteilhaften Konditionen (für die Schuldner) vornehmen. Mit Nachhaltigkeit ist dabei gleichwohl nicht die geldpolitische Nachhaltigkeit oder gar die Schuldentragfähigkeit gemeint, sondern der Klimawandel. Die EZB trägt daher bei einigen Ökonomen schon scherzhaft den Beinamen „Grüne EZB“. Anders als Lagardes Vorgänger Draghi, für den der Klimawandel kaum ein Thema war, ist dies ein Lieblingsthema der jetzigen EZB-Chefin Lagarde. Mit dem neuen deutschen EZB-Ratsmitglied Elisabeth Schnabel hat sie eine Gleichgesinnte gefunden, die ebenfalls durch Billigkredite aus der digitalen Notenpresse den Wandel der Wirtschaft hin zur Klimaneutralität unterstützen möchte.

Das gibt der EZB weiteren Spielraum, denn bislang befinden sich Unternehmensanleihen in Höhe von einer viertel Billion Euro im Portfolio der EZB, von denen laut Greenpeace gemäß einer aktuellen Studie vom 3. November 63 Prozent von klimaschädlichen Unternehmen stammen. Um diese Zahl prozentual kosmetisch zu relativieren, könnte man das Portfolio einfach umschichten und mehr „Grüne-Anleihen“ kaufen. Doch das wäre der Todesstoß für unzählige Unternehmen und Arbeitsplätze, was wiederum die anderen Mandate der EZB untergraben würde.

Also geht man den anderen Weg und kauft noch mehr Unternehmensanleihen (vornehmlich Grüne), um die Anzahl der Klimaschädlinge im eigenen Anleiheportfolio zu relativieren. Auch die Mandate Vollbeschäftigung und ausgewogenes Wachstum geben der EZB praktisch einen Freibrief für die Beibehaltung ihrer ultralaxen Geldpolitik.

Fazit und Ausblick

Die Umstellung von einem asymmetrischen auf ein symmetrisches Inflationsziel ist eine weitere „unkonventionelle“ geldpolitische Maßnahme, um die Notfallgeldpolitik zu prolongieren. Richtig spannend wird es am 10. Dezember, wenn die nächste EZB-Ratssitzung mit anschließender Pressekonferenz stattfindet, auf der neue Maßnahmen bekannt gegeben werden sollen – auch kosmetische. Noch spannender wird es dann im Januar 2021, wenn das Thema „Worldwide-Reset“ von den wichtigsten Notenbankern und anderen supranationalen Institutionen erneut besprochen wird. Höflich ausgedrückt ist ein Reset ein Neustart. In der Praxis geht es aber um einen globalen Schuldenschnitt inkl. Währungsreform, also einen Neustart mit Enteignung breiter Bevölkerungsschichten und Sparer.

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Immobilien: Der Boom läuft immer weiter – aktuelle Daten

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Innenansicht eines Einfamilienhauses

Es ist wirklich erstaunlich. Auch wir bei FMW hatten zu Ausbruch der Coronakrise und im brutalen wirtschaftlichen Absturz im Frühjahr erwartet, dass auch der Markt für Immobilien beeinträchtigt sein wird. Schließlich haben derzeit ja zahlreiche Menschen massive Existenzängste, leben dank Kurzarbeitergeld auf Kante, oder haben als Selbständige ihre Existenz gleich ganz verloren. Da müssten die Preise für Immobilien doch eigentlich einbrechen? Die Nachfrageseite für Häuser und Eigentumswohnungen müsste so schwach sein, dass man spürbare Rückgänge bei den Preisen sehen müsste?

Nichts da. Offenbar bringt die große Gelddruck-Orgie der Notenbanken und die Alternativlosigkeit zu Aktien und Immobilien immer noch genug Anleger und Kaufwillige dazu, die Preise für Immobilien immer weiter klettern zu lassen. Und die Rettungsmaßnahmen der Bundesregierung sind wohl derart umfangreich, dass genug Menschen in prekären Situationen (Arbeiter in der Autoindustrie etc) noch nicht ihre Häuser verlieren, welche auf dem Markt folglich auch nicht für ein Überangebot an Häusern und Eigentumswohnungen sorgen können.

Preise für Immobilien weiter am Steigen

Aktuelle Zahlen der Anbieter F+B sowie Dr. Klein zeigen weiter steigende Preise für Immobilien. Der F+B-Wohn-Index Deutschland als Durchschnitt der Preis- und Mietentwicklung von Wohnimmobilien für alle Gemeinden in Deutschland stieg im 3. Quartal 2020 im Vergleich zum Vorjahresquartal um 5,6 Prozent. Wie gesagt, diese Steigerung von +5,6 Prozent kommt zustande, weil ich auch Mieten enthalten sind. Und die sind dank Corona doch tatsächlich leicht rückläufig mit -0,9 Prozent im Quartalsvergleich (und noch +0,1 Prozent im Jahresvergleich).

Mieten bremsen nur den Gesamtschnitt aus Immobilienpreisen + Mieten

Im Bundesdurchschnitt gehören damit exorbitante Mietensteigerungen laut F+B endgültig der Vergangenheit an. Auch die Betrachtung der Top 50-Standorte in Deutschland mit dem höchsten Mietenniveau lege eine ähnliche Interpretation für diesen Trend nahe. So seien im Vergleich zum Vorquartal in 28 der 50 teuersten Städte Deutschlands die Mieten bei der Neuvermietung gesunken (im Vergleich der Quartale Q2/2020 zu Q1/2020 betraf dies 18 Städte). Im Vergleich zum Vorjahresquartal 2019 gab es reale Mietpreisrückgänge in 10 der teuersten 50 Städte. Nach Beobachtungen von F+B hätten die Corona-bedingten wirtschaftlichen Verwerfungen als Nachwirkungen des ersten Lockdowns vom Frühjahr 2020 zu noch stärkeren Rückgängen bei den Mieten geführt, wenn es die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen nicht gegeben hätte. Wir möchten ergänzen: Hunderttausende Wohnungen in Berlin sind vom dortigen Mietendeckel betroffen, was die Mietpreisentwicklung bundesweit ebenfalls beeinflusst. F+B bespricht dieses Thema in seiner Veröffentlichung ebenfalls.

Nachfrageschub

Im Vergleich zum dritten Quartal 2019 liegen die Preissteigerungen bei Eigentumswohnungen laut F+B mit 5,5 Prozent weiterhin deutlich hinter den Ein- und Zweifamilienhäusern mit 8,6 Prozent. Eigenheime dominieren damit endgültig die Gesamtperformance des Wohn-Index von F+B. Man sei der Auffassung, dass die Corona-Pandemie hier einen zusätzlichen und offenbar auch nachhaltigen Nachfrageschub – bei gleichzeitig beschränktem Angebot – erzeugt hat, so F+B. Im Chart sehen wir seit dem Jahr 2004 die Preisentwicklung verschiedener Arten von Immobilien seit dem Jahr 2004. Eigentumswohnungen liegen langfristig klar in Führung.

Entwicklung der Preise für Immobilien seit dem Jahr 2004

Preise in Nordrhein-Westfalen steigen weiter

Der Anbieter Dr. Klein berichtete erst vor wenigen Tagen, dass das Volumen pro Immobilienkredit neue Rekordhochs erreicht hat (hier die Details). Heute berichtet Dr. Klein über die neuesten Preisentwicklungen für Immobilien in Nordrhein-Westfahen. Der bis 2015 zurückreichende Chart zeigt auch jetzt keinen Abknick bei der Preisentwicklung. Im mondänen Düsseldorf dürfe es gerne ein bisschen mehr sein – auch bei den eigenen vier Wänden: Der Trend gehe hin zu mehr Exklusivität und Geräumigkeit. Köln und Dortmund vermelden indessen neue Rekorde bei den Immobilienpreisen. Die Details finden Sie beim Klick an dieser Stelle.

Preise für Immobilien in Nordrhein-Westfalen

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BioNTech, Pfizer und Moderna, erfüllen sich die Impfstoff-Erwartungen?

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Erfüllen sich die hohen Erwartungen an die Impfstoffe von BioNTech und Pfizer sowie Moderna? Die Börsen sind im Jahresendspurt: Immer wieder werden derzeit die aktuellen Wirtschaftsdaten als Indikatoren herangezogen, verbunden mit dem großen Optimismus vieler Investoren, die nach Korrektur schreien. Aber dies ist neben dem monetären Faktor nicht der entscheidende Treiber für Börsenkurse. Es zählt die mittelfristige Aussicht, auch wenn man in einer Rezession oder in einem Lockdown etwas anderes verspürt. Was die Märkte antizipieren, sind die Fortschritte in der Impfstoffentwicklung und deren Anwendung. Dies kann man auch aus einem Interview schlussfolgern, welches eine Reporterin der Welt am Sonntag aktuell mit dem Chef von Moderna, Stéphane Bancel, geführt hat.

BioNTech & Co: Die große Wende bis zum Sommer 2021

Bei aller Skepsis über die Geschwindigkeit und Validität der Entwicklung eines Impfstoffes ist es nicht zu übersehen: Die Nachrichten über den Fortgang des Kampfes gegen Covid-19 überschlagen sich, Unternehmen für Unternehmen berichtet von den Ergebnissen aus der klinischen Studie-3 und der baldigen Beantragung für eine Zulassung des eigenen Vakzins. Es ist daher sicher interessant, was der langjährige Chef eines der Unternehmen an vorderster Front dazu zu sagen hat, auch unter Berücksichtigung der subjektiven Darstellung des eigenen Unternehmens. Hier die Kernaussagen des CEOs von Moderna:

Der Chef von Moderna fühlt sich von der Erstmeldung von BioNTech und Pfizer nicht überfahren. Man bräuchte mindestens vier oder fünf Unternehmen, um die Welt mit 7,6 Milliarden Menschen impfen zu können.

Bemerkung: Fraglich, ob es zur Impfung von so vielen Menschen durch westliche Impfstofffirmen kommt. China impft sich selbst (1 Mio. Chinesen wurden schon geimpft), ebenso Russland. In Indien sind 750 Millionen Menschen unter 25 Jahre alt, ein ähnliches Verhältnis dürfte auch für den Milliardenkontinent Afrika gelten. Und wie viele Menschen werden sich einer Impfung verweigern?

Zur Frage, warum BioNTech/Pfizer schneller waren: Pfizer sei100-mal größer als Moderna, man habe vorher noch nie eine Studie mit 30.000 Menschen durchgeführt. Zudem wurde das Vakzin gemeinsam mit der US-Gesundheitsbehörde NIH entwickelt und mit staatlichen Stellen dauere es etwas länger, sich untereinander abzustimmen.

Der US-Staat hat Moderna mit einer Milliarde Dollar unterstützt, aber man brauche das Geld, um im kommenden Jahr eine Milliarde Impfstoffdosen herzustellen. Für die Beschaffung von Grundmaterialien.
Zum Impfstoffpreis: Man werde zwischen 25 und 37 Dollar aufrufen, je nachdem, wie viel die Regierungen bei Moderna bestellen. Damit liege man im Bereich wie bei einer Grippeimpfung, die zwischen 10 und 50 Dollar kostet. Das sei ein fairer Preis, wenn man bedenkt, wie hoch die Kosten für das Gesundheitssystem sind, wenn ein Mensch schwer an Covid-19 erkrankt. Die teuerste Impfung der Welt sei derzeit Pfizers Impfstoff Prevnar gegen Pneumokokken mit 300 Dollar je Dosis.
Zur Dauer der Impfung: Das hänge davon ab, wie viele Impfstoffe das Rennen machen. Wenn es beim Impfstoff von BioNTech und Moderna bliebe, würde es bis zum nächsten Sommer dauern, bis allein die Menschen in Europa und den USA geimpft sind. Für den Rest der Welt würde es vermutlich bis Ende 2022 dauern.
Bemerkung: Reichlich optimistisch, so viele Menschen (mehr als eine halbe Milliarde, auch wenn sich viele verweigern) innerhalb von sechs Monaten zu impfen.

Zur Hektik bei der Notzulassung: Bancel betrachtet jede Morgen die Zahlen der John-Hopkins-Universität. Es gebe täglich weltweit 11.000 Coronaopfer und dies dürfte sich im nächsten Monat noch steigern. Die Impfung habe bereits bewiesen, dass sie wirke und sicher sei. mRNA werde innerhalb von 48 Stunden nach der Impfung im Körper abgebaut, das Lipid als Trägerstoff ebenfalls. Danach sei man geschützt vor Covid und den teilweise schlimmen Langzeitfolgen. Deshalb sei seine Entscheidung klar.

Beim Vergleich mit Biontech-Chef Ugur Sahin: Bancel bezeichnet sich selbst als nicht besonders guten Verkäufer. Was er aber könne sei komplizierte Wissenschaft einfach zu erklären. Zum Beispiel warum mRNA die größte medizinische Revolution seit der Erfindung von kleinen Molekülen wie Aspirin sei.
Zum Stand der Genforschung: Man lebe im Zeitalter der Sequenzierung. Es würde nur fünf Dollar und ein paar Stunden Zeit kosten, bis man das Genom eines Virus entschlüsselt habe, dank mRNA habe man jetzt die Möglichkeit, sehr schnell wirksame Medikamente zu machen. Dies katapultiere die analoge Medizin in das Zeitalter der Digitalisierung. Dieser Erfolg sei aber nicht über Nacht gekommen, wie viele Leute denken. BioNTech und Moderna arbeiten daran seit zehn Jahren.
Bei der ultimativen Frage nach dem eigenen Impfzeitpunkt sagt Bancel: Er könne es gar nicht abwarten, hätte das gern schon vor Monaten getan, denn er wolle sein altes Leben zurück.

Fazit

Egal, wie man die Aussagen eines Unternehmensvorstands zum eigenen Produkt bewertet. Es ist schon erstaunlich, wie konkret die Informationen zu dem Jahrhundertprojekt Impfstoffentwicklung gegen Covid-19 bereits gediehen sind. Sollte es tatsächlich keine gravierenden Nebenwirkungen des Impfstoffes geben, so könnte man tatsächlich von einer Normalisierung der Verhältnisse im Hinblick auf die Pandemie bereits im Jahre 2021 rechnen. Sollte es tatsächlich dazu kommen, wäre es ein neuer Meilenstein in der Entwicklung des medizinischen Fortschritts der Menschheit. Noch ist Vieles im Konjunktiv.

Erfüllen die Impfstoffe von BioNTech oder Moderna die hohen Erwartungen?

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