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Snap-Aktie bleibt unten – Gelächter und maue Ausreden vom Chef zu den schlechten Zahlen

Es war in den USA das Aktien-Desaster dieser Woche. Die Snap-Aktie (Snapchat) stürzte brutal ab runter auf das Niveau seines Emissionspreises (17 Dollar). Es ging abwärts von 23 Dollar auf...

FMW-Redaktion

Es war in den USA das Aktien-Desaster dieser Woche. Die Snap-Aktie (Snapchat) stürzte brutal ab runter auf das Niveau seines Emissionspreises (17 Dollar). Es ging abwärts von 23 Dollar auf 17,60 Dollar. Im Chart sieht man sehr gut, dass die Aktie auch heute am zweiten Börsentag nach den Zahlen dort unten bleibt bei aktuell 18,33 Dollar.

Was war passiert? Hier die ausführliche Version. Kurz zusammengefasst kann man sagen, dass das Nutzerwachstum minimal war – zwar rauf von 122 auf 166 Millionen Personen binnen eines Jahres, aber eben nur +5% vom vorletzten auf das letzte Quartal. Das ist viel zu wenig um mit Facebook und seiner monströs schnell wachsenden Tochter Instagram mithalten zu können, wo man schamlos die Grundfunktionen von Snapchat kopiert. Und genau da ist die Angst des Marktes. Facebook war zuerst da am Social Media-Himmel, ist etabliert, so ziemlich jeder hat dort ein Profil, die Firma hat ohne Ende Kapital und Know How. Der Markt hat die berechtigte Angst, das Snapchat das nicht durchhalten kann.

Was hatte eigentlich Snapchat-Chef und Co-Gründer Even Spiegel dazu zu sagen? Wichtig wäre es gewesen so wie Elon Musk von Tesla Optimismus zu versprühen, von neuen innovativen Funktionen zu erzählen, die in Planung seien und die Userzahlen hochpushen werden. Aber dazu gab es nicht wirklich eine Flut von neuen Infos. Nein, Spiegel hatte in einer Telefonkonferenz erst einmal Gelächter zu bieten, weil er gefragt wurde, ob er Angst vor Facebook habe. Danach ein merkwürdiger Vergleich von ihm, der vielleicht der Spontanität so einer Live-Schalte geschuldet war?

So sagte Spiegel dazu, dass Yahoo noch lange nicht Google sei, nur weil man auch eine Suchmaske habe. Damit will er also sagen, dass Facebook inhaltlich genau so schlecht sei wie Yahoo, und das Snapchat bei der Qualität und Kreativität im Bereich Social Media eher mit dem Branchenführer Google vergleichbar sei. Allerdings passen die Größenverhältnisse nicht, da Yahoo inzwischen tot ist, und Google das Monster an Größe und Marktmacht. Und Facebook ist eher das Gegenteil von Yahoo. Man ist wie Google ebenfalls Branchenprimus, gigantisch groß und hochprofitabel. Und abgesehen vom Kopieren der Instagram- Funktionen ist Facebook auf anderen Feldern ständig innovativ und entwickelt sich selbst weiter. Also ein doch ziemlich schlechter Vergleich von Evan Spiegel.

Steigt da jemandem der Börsengang und der Neu-Reichtum zu Kopf, zumal man die neuen Aktionäre dank Vorzugsaktien auf der HV nicht zu fürchten braucht? Naja… auch sagte Spiegel, dass man seine Anzeigenkunden noch besser informieren müsse, wie überlegen Snapchat doch eigentlich als Werbeplattform sei. Zum Vergleich: Snap macht pro Nutzer einen Umsatz von zuletzt 0,95 Dollar pro Kunde, nur ein Bruchteil von Facebook. Und das lahmende Wachstumstempo bei Snapchat? Dazu sagt Spiegel, dass man bei Snapchat eben nicht mit allen Mitteln versuche User in den Dienst zu ziehen, wie die Konkurrenz etwa durch automatische Vorschläge die Kontaktliste der User zu durchforsten.

Auch andere Social Media-Unternehmen hatten nach ihrem Börsenstart Kursprobleme aufgrund überzogener Erwartungen der Anleger, die man nicht einhalten konnte. Bei Snapchat gibt es aber die ernsthafte Befürchtung, dass man gegenüber dem direkten Konkurrenten Facebook untergeht, weil der schamlos die Funktionen kopiert, und die Nutzer ansaugt wie ein Magnet. Das kann Snapchat nicht. Man muss schon verdammt innovativ daherkommen in den nächsten Monaten, wenn man nicht untergehen und neue Nutzer werben will. Bei dem „bodenständigen“ Chef darf man gespannt sein. Die Aktie bleibt eine heiße Kiste.


Die Snap-Aktie seit dem Handelsstart am 1. März. Ganz rechts am Ende der Absturz seit Mittwoch Abend nach offiziellen Börsenschluss.



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2 Kommentare

  1. Evan Spiegel ist ein 26-jähriger kleiner Möchtegern Unternehmer der bei den Großen mitspielen will, es aber nicht kann. Denn anders lässt sich dieses arrogante Verhalten nicht erklären !
    Bei Snap merkt man gar nicht wie man vom Markt geblasen wird. Facebook hat deren Alleinstellungsmerkmal schon längst kopiert für das Soziale Netzwerk und Instagram. Spiegel muss erklären, warum die Nutzer trotzdem sein Netzwerk nutzen sollten, und das kann er nicht !

    Evan sollte mehr Zeit in seine Modelfreundin investieren als versuchen Unternehmer zu sein, vielleicht kann er das ja besser.

    1. Die IPO war der ganz große „Cashgrab“. Deshalb grinst er wahrscheinlich auch immer so komisch auf den Pressefotos ^^

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