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Snapchat-Aktie fällt unter Erstnotiz: Die Suche nach den Gründen

FMW-Redaktion

Die Snapchat-Aktie (SNAP) ist gestern unter ihre Erstnotiz von 24 Dollar gefallen. Genauer gesagt endete sie gestern Abend bei 23,77 Dollar (-12,26%). Ist das dramatisch? Psychologisch zumindest ist das schlecht, dass es jetzt quasi ein „neues Allzeit-Tief“ gibt. Es ist zumindest gefühlt schlecht, dass nach der Emission die realen Käufer sowie die eventuelle Marktpflege von Banken es nicht bewerkstelligen konnten die Aktie zu halten.

Andererseits darf man nicht vergessen, dass der Emissionskurs bei 17 Dollar lag. Das war der Preis, zu dem die Konsortialbanken die Aktien am Tag vor der ersten Börsennotiz an glückliche Erstzeichner verkauften. Am Emissionstag (letzter Donnerstag) hat es dann ab 15:30 Uhr satte 90 Minuten gedauert manuell in der ersten Auktion zu einem ersten echten Börsenkurs zu kommen. Die Auktionsspannen wurden immer höher gezogen, bis man auf den ersten Kurs von 24 Dollar kam.

Also ist eigentlich, wenn man sich die Sache nüchtern betrachtet, noch jede Menge Luft nach unten bis auf die 17 Dollar von der Emission. Die Firmengründer und Emissionsbanken können kaum etwas dafür, dass die Börsianer über einen echten Kaufdruck (keine Satire) während der Erstauktion den Kurs von 17 Dollar nochmal 7 Dollar höher gepusht haben. Das war dem ersten euphorischen Kaufdruck geschuldet. Angeblich soll die Emission 10fach überzeichnet gewesen sein. Wer vorbörslich keine Aktien vom Emissionskonsortium erhielt, versuchte also in der Erstauktion zum Zug zu kommen. Oder man versuchte danach im richtigen liquiden Börsenhandel zu kaufen.

Der überschüssige Kaufdruck dank zu wenig verfügbarer Aktien hat sich nach der Emission erst einmal entladen, und scheint jetzt eben nachzulassen nach drei vollen realen Handelstagen. Die „Lehrmeinung“ der breiten Medienöffentlichkeit scheint eine andere Meinung zu haben. Man scheint sich einig zu sein, dass die Investoren jetzt aufwachen und auf die inzwischen sieben verschiedenen Analystenbewertungen hören, die es für die Snapchat-Aktie gibt. Die fallen allesamt negativ aus. Fünf der sieben Analysten raten sogar strikt zum Verkauf.

Die Gründe der Analysten sind die zu hohe Bewertung der Aktie, die Konkurrenz durch Facebook, und vor allem die fehlenden Stimmrechte bei den ausgegebenen Aktien, wodurch die Aktionäre de facto rechtlos sind in der Hauptversammlung. Aber ist das wirklich der Grund, warum Investoren die Aktie jetzt nach drei Handelstagen wieder abstoßen? Mal ehrlich, bei aller Liebe. Die drei in diesem Absatz genannten Gründe waren vor dem IPO von Snapchat nun wirklich jedem, wirklich jedem Anleger bekannt, da sie vorher rauf und runter immer wieder und überall durchgekaut und besprochen wurden.

Gerade ein institutioneller Anleger, der jetzt vielleicht mit Verlust nach ein oder zwei Tagen wieder verkauft, mit der Begründung die Analysten würden die Aktie so schlecht bewerten, da meinen wir: Dieser Portfolio-Verwalter sollte besser den Beruf wechseln, denn diese Gründe hätten ihm garantiert vorher bekannt gewesen sein müssen! Wir glauben wie gesagt eher an das Ende des ersten großen Kaufdrucks nach dem IPO, der schlicht und einfach durch zu viele Kaufwillige und zu wenig frei verfügbare Aktien ausgelöst wurde. Jetzt kann die Aktie zeigen, ob sie in den nächsten Wochen wirklich im realen Börsenhandel stabil bleiben kann. Und man vergesse wie gesagt nicht, dass der Emissionskurs bei 17 lag. 24 war die Erstnotiz! Aber psychologisch ist es wirklich nicht besonders glücklich, dass die Aktie unter die Erstnotiz fällt.


Die Snapchat-Aktie seit der Erstnotiz letzten Donnerstag.



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1 Kommentar

  1. Ein klassisches Modell für Abzocke…
    Erst der Hype um Kleinanleger anzulocken dann wird abverkauft. Bei Explorern im Minenbereich läßt sich dies sehr oft sehn…

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