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Wall Street wankt nach CPI-Daten S&P 500: Folgt auf die Rekordjagd jetzt die große Korrektur?

Wall Street. Foto: Michael Nagle/Bloomberg

Die höher als erwartet ausgefallenen US-Verbrauchpreise haben die Anleger an der Wall Street auf dem falschen Fuß erwischt. Nach der jüngsten Rekordjagd an den US-Aktienmärkten reagierten die Händler daher mit Gewinnmitnahmen. Die Inflationsdaten befeuern die Sorge, dass die erhoffte geldpolitische Lockerung der Fed erst später als erhofft eintritt. Inzwischen preisen die Fed Fund Futures die erste Zinssenkung erst im Juni ein – es ist noch gar nicht lange her, da rechneten die Märkte fest mit einer Senkung bereits im März. Doch die zuletzt robusten Konjunkturdaten und die klebrige Inflation deuten auf eine spätere Zinswende hin, was zu einer weiteren Anpassung der Markterwartungen führt. In der Folge stiegen die Anleiherenditen, während die als sehr zinsempfindlich geltenden Techwerte gestern einen Dämpfer erlitten. Es stellt sich nun die Frage, ob der gestrige Rückschlag der Beginn einer größeren Korrektur im S&P 500 war?

S&P 500-Rally: Es gab klare Warnsignale

Der S&P 500 Index hat bei seinem unaufhaltsamen Anstieg auf über 5.000 Punkte eine Reihe von beunruhigenden Warnsignalen gesendet. Nach dem Kurssturz vom Dienstag stehen die Anleger nun vor einem potenziell langen Weg nach unten, bevor sie Unterstützung finden.

Anzeichen von Überschwang sind überall zu finden: Die 15-wöchige Rallye des S&P 500, in der er bis zum Schlusskurs am Montag um 22 % zulegte, hat den Kurs um 13 % über seinen gleitenden 200-Tage-Durchschnitt getrieben. Dieser Wert wurde in diesem Jahrhundert nur an 5 % der Handelstage erreicht. Das Engagement von Hedgefonds in geldverlierenden Technologieunternehmen bewegt sich in der Nähe eines Zweijahreshochs. Und auf den gesamten Aktienmärkten ist die Long-Positionierung groß und die Nachfrage nach Verlustabsicherung gering, was eine Ausgangslage für eine stärkere Korrektur darstellen kann. Der Fear and Greed Index stieg indessen wieder in den Bereich extremer Gier.

US-Verbraucherpreise verderben die Stimmung an der Wall Street

Das kalte Wasser, um die Überhitzung an der Wall Street zu löschen, kam am Dienstag in Form von Daten, die zeigten, dass die Inflation hartnäckiger ist als erwartet. Die Rally, die auf der Annahme beruhte, dass die US-Notenbank in Kürze zu Zinssenkungen übergehen würde, wurde von der Realität eingeholt. Die Marktteilnehmer haben bereits damit begonnen, diese Wetten hektisch zurückzunehmen.

„Die Daten haben den Optimismus der Anleger, dass die Zinssenkungen der Zentralbank im Grunde eine beschlossene Sache sind, in Frage gestellt“, sagte Chris Zaccarelli, Chief Investment Officer bei Independent Advisor Alliance LLC, am Telefon. „Es hat die Vorstellung verstärkt, dass die Zinssenkungen nicht in absehbarer Zeit kommen werden. Und wenn das der Fall ist, sieht die Rally an den Aktienmärkten plötzlich sehr überdehnt aus.“

Wall Street im Höhenflug - S&P 500 notiert 13% über seinem 200-Tage-Durchschnitt
Wall Street im Höhenflug – S&P 500 notiert 13% über seinem 200-Tage-Durchschnitt

Nur ein Rücksetzer oder der Beginn einer Korrektur?

Der S&P 500 gab am Dienstag um 1,4 % nach und verzeichnete damit den stärksten Tagesrückgang seit 14 Monaten. Der Nasdaq 100 Index fiel gar um 1,6 %, während die Aktien mit dem höchsten Short-Interesse um 5,5 % nachgaben und damit den größten Verlust seit fast einem Jahr verzeichneten. Rund 91 % der Aktien an der New Yorker Börse wurden niedriger gehandelt, so viel wie seit März 2023 nicht mehr.

Ob die Korrektur an den Aktienmärkten anhält, ist ungewiss, aber ein Abstand von 13 % zwischen dem S&P 500 und seinem gleitenden 200-Tage-Durchschnitt ist historisch gesehen ein schlechtes Zeichen. Die Daten von Andrew Thrasher, technischer Analyst und Portfoliomanager bei der Financial Enhancement Group, zeigen, dass genau dieses Szenario in den Jahren 2011, 2015 und 2018 zu einer größeren Korrektur im S&P 500 führte.

„Der Auslöser für den gestrigen Rücksetzer waren die Inflationsdaten, aber zu Beginn dieser Woche war das Momentum bereits ziemlich überdehnt“, sagte Thrasher per Telefon. „Das Gummiband kann sich nur bis zu einem bestimmten Punkt ausdehnen, ehe es zurückschlägt. Zuletzt zeigte die Dynamik vieler Aktien Anzeichen einer Erschöpfung“.

Wie geht es weiter? Eine technische Unterstützung für den S&P 500 könnte bei 4.909 liegen, seinem gleitenden 20-Tage-Durchschnitt, so Thrasher. Seine 50-Tage-Linie wird ein weiterer kritischer Meilenstein sein. Danach werden die Händler das diesjährige Intraday-Tief von 4.682 am 5. Januar im Auge behalten. Und dann ist da noch die 4.600er-Marke, die den Anstieg des S&P 500 im Juli begrenzte, aber letztlich dem Risikomomentum im Dezember nachgab, als der Index neue Höchststände erreichte.

S&P 500-Aktien erreichen neue Dreimonatstiefs, obwohl der Index neue Höchststände erreicht hat

Aktienmärkte: Fehlende Marktbreite

Ein weiteres Problem für die Bullen ist die Tatsache, dass in diesem Jahr weniger Aktien an der Rally teilgenommen haben, was den Schmerz noch verstärken könnte, wenn die Indizes fallen. Etwa 51 % der Aktien im S&P 500 Index werden über ihrem gleitenden 50-Tage-Durchschnitt gehandelt, so wenig wie seit November nicht mehr.

Dennoch gibt es Anzeichen für fundamentale Stärke. Die Gewinnmaschinerie der amerikanischen Unternehmen läuft weiter, der US-Verbraucher ist solide und die Arbeitslosigkeit hält sich in Grenzen. Aber ein relativer Mangel an Absicherungsnachfrage inmitten einer 15-wöchigen, 22%igen S&P 500-Rally ist ein besorgniserregendes Zeichen von zu großer Selbstzufriedenheit. Die sogenannte Put-to-Call-Schieflage (Single Stock Skew) bei den 50 wichtigsten Aktien im S&P 500 nähert sich dem Niveau, das zuletzt im ersten Quartal 2021 zu beobachten war.

S&P 500 Index vs. Single Stock Skew

„Die Marktteilnehmer waren darauf konditioniert worden, einen linearen Rückgang der Inflation zu erwarten“, sagte Mark Luschini, Chefanlagestratege bei Janney Montgomery Scott. „Sie hofften, dass die Zahlen mit einem gleitenden Pfad in Richtung des 2%-Ziels kooperieren würden, was zu den Zinssenkungen führen würde, die der Markt eingepreist hatte. Dieses Narrativ scheint nun seine Grundlage zu verlieren.

FMW/Bloomberg



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1 Kommentar

  1. Ich bin ganz neu an der Börse, und für mich wäre eine „Korrektur“ vorteilhaft. Denn mit einem ETF Sparplan, da würde dies bedeuten, dass es jedes Mal immer mehr Anteile für den selben Betrag wird, nachdem sich gezeigt hat, wie hoch es denn klettern kann. Oder es bleibt gleich, und dann gibt es zumindest paar Dividenden – auch wenn vielleicht nicht in solcher Höhe, wie man woanders hätte erzielen können, wenn man die Zeit hat Kursschwankungen zu verfolgen. Oder es steigt noch, in welchem Fall ich wie ein Multimillionär durch die Straßen stolzieren kann, weil mir eine Wertsteigerung der Gesamtanlage von 200 auf 250 einen halben Tageslohn gebracht hat.

    Eine weitere Wertesteigerung mag da am wenigsten wahrscheinlich sein. Aber zumindest bei den meisten der Magnificent 7 waren die Umsatzzahlen ziemlich gut, und viel davon geht in deren R&D (Research and Development). Und da kann schon sein, dass es bald u.a. neue Softwareprodukte gibt, dank der verbesserten Technologie für Datenverarbeitung. Also nicht nur „KI“, wie es manche Firma schon präsentiert, dass es doch voll praktisch ist, sich von Zehntausenden Kochrezepten das passende in Sekundenschnelle raussuchen zu lassen. Aber Datenverarbeitung, wie z.B. dass ein Autobordcomputer die Wetterbedingungen und Straßenbedingungen analysiert, und entsprechend dem Fahrer eine maximal Geschwindkeit vorschlägt, und eventuell auch in der Lage ist, adaptiven Reifen Anweisungen zu geben, bezüglich Innendruck oder auch Profil. Oder auch Datenverarbeitung in der Industrie.

    Und Weiteres. Zum Beispiel, wenn man sagen würde, dass:
    – an jeden Freileitungsmast in Deutschland ein Sensor (bzw. moderne Wetterstation) kommt, welcher meteorologische Daten sammelt. Und dass,
    – diese Daten pro Mast einen Umfang von 1 Megabyte jede Sekund haben. – 1MB ist dabei übrigens gering berechnet. 1KB entpricht zwar ca. 9 SMS, womit man paar Ablesungen senden kann. Aber wenn man eine 360-Grad Infrarotkamera nutzt, welche mindestens in 4K Auflösung und 16-bit Farbtiefe Fotos macht, anhand welchen dann zentral die Bodentemperatur der Umgebung abgelesen werden kann, da ist man bei ganz anderen Datengrößen.

    Dann kommen z.B. bei 100.000 Masten insgesamt 1 Terabyte an Daten per Sekunde zusammen. Diese Daten möchte man dann nicht unbedingt auf Ewigkeit speichern, aber dazu nutzen um eine aktuelle 3D-Karte zu erstellen, mit welcher ein weiteres Programm die Mittelwerte für etwas längeren Zeitraum als per Sekunde erfasst (und diese Mittelwerte dann speichert).

    Und bei sowas hat man eine Menge an Datenverarbeitung, wo es schon praktisch ist, wenn es dazu nun (langsam) Technologie gibt, mit welcher man nicht eine gesamte Serverfarm (plus Stromverbrauch) benötigt, welche sich nur dieser Datenverarbeitung widmen würde. Und dadurch werden dann auch eher Mittel freigegeben, wenn nach der Ausgabe für moderne Wetterstationen die laufenden Kosten ziemlich gering gehalten werden können – was dann im Weiteren eben zu Umsatz bei den Firmen führt, welche dafür die Hardware (und Software) bewerkstelligen.

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