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Sparda Bank Berlin ab 1. September mit 0,4% Negativzinsen

Sie müssten jetzt dazu übergehen die Negativzinsen der EZB an ihre Kunden weiterzureichen. Betraf dies bisher in der Regel nur Millionäre oder Geschäftskunden, werden laut…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Die Einschläge kommen immer näher. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo nach und nach immer mehr Banken sagen sie könnten jetzt nicht mehr länger durchhalten. Sie müssten jetzt dazu übergehen die Negativzinsen der EZB an ihre Kunden weiterzureichen. Betraf dies bisher in der Regel nur Millionäre oder Geschäftskunden, werden laut „FAZ“ bei der Sparda Bank Berlin ab 1. September 5.000 Privatkunden betroffen sein.

Denn dann sollen Tagesgeld-Guthaben ab 100.000 Euro Einlage mit jährlich -0,4% verzinis werden. De facto wird also ein Bankkunde mit 100.000 auf dem Tagesgeldkonto jährlich 400 Euro Zinsen zahlen müssen! Man stelle sich da generell mal vor, wie das aussieht auf dem Kontoauszug, wenn man als Kunde für eine Geldanlage auch noch Zinsen zahlen muss, und also effektiv Geld verliert.

Ein Schelm wer Böses dabei denkt: Wie andere Banken zuvor auch, verweist die Sparda Berlin darauf, dass die betroffenen 1% der Kundschaft zu Gesprächen bewegt werden sollen. Dort sollen ihnen sinnvolle Geldanlage-Alternativen aufgezeigt werden. Wir alle wissen: An einem Tagesgeldkonto verdient die Bank derzeit nichts. Sie kann beim Kunden nur verdienen, wenn sie ihm ein „Produkt“ anbietet, bei dem irgendeine Art von Provision winkt. In diesem Fall, was könnte das sein?

Vielleicht als Tagesgeldkonto-Ersatz ein Investmentfonds, der in Anleihen investiert? Und natürlich erhält die Bank für so eine Fondsvermittlung eine schöne Einmal-Provision sowie jährliche Bestandsprovisionen. Das ist tausendmal besser als Kundengelder auf Tagesgeldkonten versauern zu lassen. Selbstverständlich wollen wir den guten Menschen bei der guten Sparda Bank nichts Böses unterstellen, aber Branchenkenner wissen, dass generell auch die Berater von Sparkassen und Genossenschaftsbanken einem enormen Verkaufsdruck ausgesetzt sind.

Bei der Sparkasse KölnBonn beispielsweise geht es nach deren Aussage aktuell jeweils um Einlagen in einer Höhe von mehreren Millionen Euro, um die aus der EZB resultierenden Zinsbelastung in Teilen aufzufangen und nicht länger in vollem Umfang subventionieren zu müssen. Dies gelte für institutionelle Anleger, für gewerbliche Kunden und konsequenterweise auch für einige sehr vermögende Privatkunden. Jetzt bei der Sparda Bank in Berlin liegt sie nur noch bei 100.000 Euro. Das dürfte so weitergehen. Bald vielleicht runter auf 50.000 Euro bei irgendeiner Sparkasse die Negativzinsen einführt? Und abseits der offiziellen Negativzinsen möchten wir sagen: Machen wir uns doch bitte alle ehrlich. Die Negativzinsen gibt es längst bei fast allen Banken. Sie heißen nur nicht Negativzinsen, sondern Gebührenerhöhungen. Wo einst Konten umsonst waren, oder wo es selbstverständlich war, dass ec-Karte und Geldabheben bei der eigenen Bank umsonst ist, gibt es hierfür fast ausnahmslos immer neue Gebühren.

Selbst die jetzt mit Negativzinsen startende Sparda Berlin hatte vor zwei Jahren verkündet, dass man anstelle von Negativzinsen lieber die Gebühren erhöhe. Seitdem gab es kostenfreie Girokonten nur noch mit regelmäßigem Gehaltseingang – also eine de facto Gebühreneinführung für Arbeitslose. Wenn Banken jetzt nach und nach Negativzinsen einführen für Sparguthaben, dann ist das eine Art doppeltes Abkassieren. Jede Menge neue Gebühren und oben drauf noch Negativzinsen – damit dürften zahlreiche Banken den negativen Effekt der EZB-Politik nicht nur ausgleichen, sondern unterm Strich noch einen guten Gewinn machen.

Und der Kunde? Wenn die gesamte Banken-Community fast geschlossen mitzieht in diese Richtung, hat der Kunde keine Möglichkeit am freien Markt Anbieter ohne ständig neue Gebühren zu finden. Es ist also eine Frage, ob es eine Mindestanzahl bedeutender Banken gibt, die beim Gebührenkarussell nicht mitmachen. Aber danach sieht es momentan nicht aus. Der Kunde hat dann keine Wahl mehr. Er muss sich all die neuen Gebühren gefallen lassen. In Banker-deutsch wird das dann demnächst heißen: „Wir haben keine großen Mittelabflüsse verzeichnet – die Kunden erkennen also an, dass wir durch die EZB-Politik gezwungen sind solche Maßnahmen zu ergreifen“. Dass sie Kunden schlicht und einfach keine Alternative haben, wird man zukünftig wohl nicht erwähnen.

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    Feedback

    2. Juni 2017 20:59 at 20:59

    Ich schätze ja sehr oft Ihre Artikel aber als einer der bösen Banker der die internen Zahlen kennt, frag ich mich schon wie Sie sich vorstellen wie es weitergehen soll, bei Genobanken und Sparkassen, ohne zu spekulieren was Sie den so grandiosen Großbanken ja auch vorwerfen. Früher gab’s Zinsspannen von 2-3 %jetzt eher 0,5 ergo ist keine Quersubvention mehr drin.gleitend 10 mit oder ohne hebel wirft auch nichts mehr ab. DRAGHI meint ja andere Geschäftsmodelle und Zweige. Restaurants statt Filialen oder was soll der Witz? Fonds mit Provisionen zu verkaufen auch schlecht. Was wäre denn Ihre Lösung eine Bank zu führen ohne Zimsgeschäft, Provisionen und Preise. Honorarberatung? Szenario mal durchdenken dann gäbe es nichts schlimmeres für die kleineren Sparer oder wer kann sich dann erst bei 2-3-4 beraten lassen und sich erst dann entscheiden?
    Das der Ruf der Branche hinüber ist ist mir klar und teils auch zurecht aber für die 1000de Berater die es wirklich gut mit den Kunden meinen tut es mir echt leid immer unter generalverdacht zu stehen.
    Schöne Pfingsten

    • Avatar

      Jügen

      3. Juni 2017 10:15 at 10:15

      Ich hab eine Idee wie man solche Banken führen kann, indem man die bestehenden verstaatlicht!!! Die müssen doch nicht Millionen/ Milliarden auf unsere Kosten verdienen!!! Müssen auch nicht daran verdienen, dass sie frisch gedrucktes Geld aus dem Nichts weiterverleihen. Die EZB kann die Banken übernehmen und ohne den jetzigen Zwischenhändler in Form der bestehenden Banken an und Kredite geben….Zinsen müssen nur so hoch sein, dass die die Kosten der Banken decken …..Hoffe es kommt mal zu einem Banken-Run, man bekommt kaum noch Zinsen und ausserdem wackelt das system ja immer noch, also geld auf dem Konto ist eine schlechte Anlage…schade, dass das die Mehrheit nicht sieht und ihr Geld dort lässt!!!

    • Avatar

      Gixxer

      4. Juni 2017 14:30 at 14:30

      Durch die EZB-Politik werden die Banken ja früher oder später zu solchen Maßnahmen gezwungen.
      Wie wäre es also, wenn man die Politik ändert?
      Das kann aber ja leider nicht die Bank steuern.

  2. Avatar

    DUR

    26. Juli 2017 12:40 at 12:40

    Sparda Berlin. Ab 1. Okt. 2017. Wer nicht Mitglied ist: 11,90EUR je Monat +
    12 EUR p.a.Karte.

  3. Avatar

    Tom

    26. September 2017 18:01 at 18:01

    Dieser Artikel macht leider den Falschen zum Schuldigen. Die Sparda Bank muss – wie jede andere Bank – 0,4% auf alle Einlagen pro Jahr an die EZB abfuehren. Das ist das Ergebnis einer voellig verfehlten Notenbankpolitik. Gleichzeitig brechen den Banken auf Grund der niedrigen Margen die Moeglichkeit zur Quersubventionierung weg. Es ist also nur logisch, dass die Kosten an den Kunden weitergegeben werden. Es ist sogar anerkennenswert, dass dies bislang nur fuer groessere Vermoegen gilt und kleinere Vermoegen davon ausgenommen sind (also die Bank die Verluste dafuer traegt). Das Bankenbashing ist an dieser Stelle wirklich nicht angebracht. Insbesondere Sparkassen und Geno Banken koennen nicht durch M&A und Kapitalmarkttransaktionen Einnahmen erzielen und wuerden fahrlaessig handeln, dauerhaft diese Verluste zu tragen

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EZB ebnet argumentativen Weg für lang anhaltende Rettungsmaßnahmen

Claudio Kummerfeld

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am

Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Seit der Finanzkrise 2008 veranstaltet die EZB ein Anleihekaufprogramm nach dem nächsten. Die Zinsen sinken im großen Bild gesehen immer weiter. Egal wie gut es der Konjunktur in der Eurozone zwischen 2008 und 2020 wieder ging. Die EZB druckte immer weiter Geld, kaufte immer weiter Anleihen. Länder wie Italien wurden mit EZB-Geld und immer weiter sinkenden Zinsen am Leben erhalten. Nach der Krise war vor der Krise.

Und nun, kommt nach der Coronakrise (die Impfstoffe kommen ja bald) wieder die nächste Krise, nämlich die Rettung der überschuldeten Unternehmen? Deswegen muss die EZB (wie es auch die Fed macht) zusammen mit den Regierungen der Mitgliedsstaaten immer weiter retten, retten und retten. Denn ja, wir wissen es alle. Mit gigantischen Kreditprogrammen, Zuschüssen, Kurzarbeitergeld uvm werden in Europa die Nöte der Coronakrise gemildert, und Probleme optisch versteckt. Am besten erkennt man das beim Thema Kurzarbeitergeld. In Deutschland wurde die ausgeweitete Funktion dieses Instruments erst letzten Freitag im Bundestag bis Ende 2021 verlängert – welch ein Zufall, bis zur Bundestagswahl kann die Kurzarbeit in ihrer jetzigen Form also weiterhin als neuer Dauerzustand für eigentlich arbeitslose Arbeitnehmer genutzt werden. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

EZB kommt mit „Nicht zu früh aufhören“-Argumentation

Aber zurück zur EZB. Die einfache wie auch clevere Aussage der EZB lautet am heutigen Montag (frei und sinngemäß zusammengefasst): „Wenn wir die Hilfen zu früh einstellen, gefährden wir den Erfolg“. Tja, und wann das Ende der Hilfen angebracht ist, das ist bei der EZB bekanntermaßen eine sehr dehnbare Ansichtssache (siehe Anleihekäufe seit 2008 bis heute – hier eine wunderschöne historische Übersicht zu dem Thema). Im Rahmen ihres heute veröffentlichten Finanzstabilitätsberichts hat die EZB auch einen einzelnen Artikel veröffentlicht, bei dem es um die „Bewertung von Schwachstellen von Unternehmen“ in der Eurozone geht.

Und die Schwachstelle scheint offenbar darin zu bestehen, dass EZB und Regierungen ihre Hilfsprogramme zu früh auslaufen lassen könnten. Man sieht die Probleme wohl auch vor allem beim Zugang zu Krediten und bei steigenden Finanzierungskosten. Die Unterstützung durch die Geldpolitik der EZB habe dazu beigetragen, die tatsächlichen Insolvenzen bisher unter Kontrolle zu halten. Staatliche Kreditgarantien und Konkursmoratorien hätten eine groß angelegte Welle Unternehmenspleiten verhindert. Aber eine beträchtliche Anzahl von Unternehmen könnte gezwungen sein Konkurs anzumelden, wenn diese Maßnahmen zu früh aufgehoben werden oder die Kreditvergabebedingungen der Banken verschärft werden, so die heutige Aussage der EZB. Tatsächlich deute die historische Ko-Bewegung des Anfälligkeitsindikators mit den Unternehmensinsolvenzen und dem BIP-Wachstum darauf hin, dass sowohl die Regierungspolitik als auch die niedrigen Fremdfinanzierungskosten dazu beigetragen hätten, die Auswirkungen der Verschlechterung des Gesundheitszustands der Unternehmen auf die tatsächliche Zahl der Insolvenzen zu dämpfen – auch wenn die Auswirkungen je nach Land, Sektor und Unternehmensgröße unterschiedlich seien.

Dieser neu entwickelte Indikator mache laut EZB deutlich, dass die Anfälligkeit des Unternehmenssektors auf ein Niveau gestiegen ist, das zuletzt während der Staatsschuldenkrise im Euroraum beobachtet wurde. Finanzierungsrisiken hätten sich dank verschiedener Unterstützungsmaßnahmen bisher nicht materialisiert, aber die Anfälligkeit der Unternehmen könne weiter ansteigen und ein Niveau erreichen, das während der globalen Finanzkrise beobachtet wurde. Insbesondere wenn die zweite Welle der Pandemie die wirtschaftliche Erholung zum Stillstand bringe und das Wachstum schwächer ausfällt als prognostiziert, könnte ein frühzeitiger Ausstieg aus den Stützungsmaßnahmen schließlich zu einem deutlichen Anstieg der Unternehmenskonkurse führen, mit Auswirkungen auf die Finanzstabilität auch für die Banken im Euroraum, so die EZB.

Aus Rettung wird Dauerzustand

Tja, haben sie es auch rausgelesen? Diese Aussagen (wie auch jüngst die Warnung von Christine Lagarde vor der Rezession) bieten die perfekte Vorlage, damit KfW-Kredite, Null- und Negatzvinsen, Kurzarbeitergeld, Anleihekäufe in Billionenhöhe etc immer so weitergehen, Jahr für Jahr. Nicht denkbar? Nochmal, ich möchte erinnern an die letzten zwölf Jahre seit der Finanzkrise! Natürlich sind viele Maßnahmen sicherlich gut und richtig wie die KfW-Kredite, Zuschussprogramme etc. Aber vor allem was die EZB da anrichtet mit ihren Kaufprogrammen und abgeschafften Zinsen. Diese Maßnahmen, wenn sie jahrelang immer weiter beibehalten werden, schaffen ein Gesamtumfeld, das nicht mehr ohne zinslose Kredite leben kann, und Staaten die nicht mehr ohne negative Anleiherenditen leben können. Man gewöhnt sich an diese schöne neue Welt sehr schnell – oder besser gesagt, man hat sich längst daran gewöhnt. Ein Ende dieser Geldpolitik der EZB, ist die überhaupt noch vorstellbar bei der Schuldenexplosion bei Staaten und Unternehmen? Entweder immer so weitermachen, oder man riskiert einen großen Knall.

EZB-Grafik zur Verwundbarkeit der Unternehmen
Grafik: EZB

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Coronavirus: Die Impfung und die praktischen Folgen

Deutschland rüstet sich für die ersten Impfungen gegen das Coronavirus. Aber was passiert nach erfolgreicher Impfung? Wie wird man mit den verschiedenen Gruppen im praktischen Leben umgehen?

Wolfgang Müller

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Deutschland rüstet sich für die ersten Impfungen gegen das Coronavirus. Impfzentren werden bereits für Mitte Dezember vorbereitet, obwohl noch gar kein Vakzin zugelassen ist. Die Politik macht Druck.

Mindestens 96 Corona-Impfzentren sollen allein in Bayern bis Mitte Dezember einsatzbereit sein. In jedem Landkreis und in jeder kreisfreien Stadt im Freistaat ist mindestens ein Impfzentrum geplant, so ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Donnerstag.

Aber was passiert nach erfolgreicher Impfung? Wie wird man mit den verschiedenen Gruppen im praktischen Leben umgehen? Darüber wird man bald diskutieren.

Coronavirus: Immunisiert oder nicht

Im Prinzip müsste es im neuen Jahr vier verschiedene Gruppen innerhalb der Bevölkerung geben: Menschen, die bereits eine Infektion mit dem Coronavirus überstanden haben. Und dann die, die  registriert sind: eine diffuse Gruppe mit Bürgern, die selbst nicht genau wissen, ob sie vielleicht nicht schon infiziert waren, die große Gruppe derer, die sich noch vor der Infektion geschützt haben – und schließlich die Geimpften. Wie verfährt man in Zukunft mit den Menschen, die die Infektionskrankheit überwunden haben und die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit immun sind gegen die Krankheit und auch als Spreader des Coronavirus für die Mitmenschen wegfallen? Gibt es nach erfolgreicher Impfung so etwas wie einen Impfpass?

Der Impfpass, jetzt eine zweifelhafte Angelegenheit?

In Kürze, wenn die Zulassung des Impfstoffes vollzogen ist, wird es rasch zwei Gruppen von Bürgern geben, die annehmen können, die Krankheit bezwungen zu haben – die vormals Infizierten und die Geimpften. Nach dem Stand der Wissenschaft gilt eine rasche Wiederinfektion mit dem Coronavirus als unwahrscheinlich. Bei Abermillionen von Infektionen müsste dies schon aufgefallen sein. Die Zahl der Infizierten in Deutschland nähert sich der Ein-Millionen-Grenze (Ende dieser Woche?), die Dunkelziffer dürfte in Deutschland bei Faktor 3 bis 5, liegen, so die Annahme einiger Wissenschaftler aufgrund der Antikörpertests.

Jedenfalls wird die Zahl der „Immunen“ bald im Millionenbereich liegen. Während man den ehemals Infizierten nach langen Diskussionen keinen Immunitätsausweis zusicherte, so wird nach einer Impfung gegen Covid-19 sicherlich eine Impfbescheiningung ausgestellt werden, wie beim Impfpass nach jeder Standardimpfung.

Was wird passieren, wenn sich geimpfte Menschen sagen, „so jetzt bin ich geschützt, warum weiter eine Maske tragen?“ Nur eine von vielen praktischen Fragen.

Aber da beginnt bereits das Dilemma. Die Neufassung des Infektionsschutzgesetzes sieht eine „Impf- und Immunitätsdokumentation“ vor. Was wird diese für Folgen haben? Eine Wiedergewährung von Mobilitäts- und Freiheitsrechten? Der Ethikrat ist bereits bei der Beratung der Problembereiche.

Wo könnte der Impfpass Anwendung finden?

Trotz aller ethischen Bedenken, werden Impfungen bei Reisen in fremde Länder empfohlen oder sind sogar Verpflichtung (z.B. gegen Gelbfieber in bestimmten afrikanischen Ländern). Wie werden asiatische Länder auf die Impfung reagieren, Staaten wie Taiwan, Vietnam, Thailand, Südkorea, Australien, Neuseeland, die die Infektion bisher erfolgreich eindämmen konnten? Könnte ein Impfausweis nicht Voraussetzung werden, dass man nach der Einreise von Menschen aus Risikogebieten keine 14-tägige Quarantäne absolvieren muss?

Gibt es aktuell vor einer Reise mit einem Kreuzfahrtschiff nicht bereits die Verpflichtung zu einem Corona-Schnelltest, in dieselbe Richtung laufen Bestrebungen im Luftverkehr?

Und was ist eigentlich mit den vielen Unternehmen aus den Corona-geschädigten Branchen, sei es der Kulturbereich, bei Messen, oder jeglichen Veranstaltungen (Fußball) mit größerem Publikumsverkehr? Werden diese sich für das ethisch etwas zweifelhafte Instrument Impfbescheinigung einsetzen, weil es ihnen sofort Luft zum Atmen bringen würde? Oder wird dies der Staat abwiegeln und versuchen, die Branchen mit immer weiteren Notgeldern über Wasser halten? Eines ist doch schon heute absehbar: Bei einer Bevölkerungszahl von 83 Millionen Menschen, abzüglich der bereits Betroffenen und den Impfverweigerern wird es lange dauern, bis all die Freiwilligen oder auch Zwangsläufigen (Pflegepersonal?) im großen Umfang gegen das Coronavirus geimpft sind.

Fazit

Sicher ist es noch etwas früh, sich über die praktischen Folgen einer Impfung Gedanken zu machen. Allerdings werden Regelungen kommen, ja vermutlich sogar gefordert werden. Schließlich steht manchem Unternehmer das Wasser bis zum Hals und man sehnt sich nach Kunden, nach Menschen, die kein Risiko in Sachen Coronavirus darstellen, für sich und für andere. Wann werden die Diskussionen über die neue Sachlage starten?

Was werden die praktischen Auswirkungen der Impfungen gegen das Coronavirus sein?

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Was den schwachen Goldpreis aktuell bewegt

Claudio Kummerfeld

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Ein Barren aus Gold

Der Goldpreis ist die letzten Tage ohne Stärke unterwegs. Eigentlich ist das merkwürdig, denn der US-Dollar schwächelt seit Tagen, und müsste Gold (das in Dollar gehandelt wird) daher doch eigentlich Auftrieb geben. Der Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Hauptwährungen) hat binnen einer Woche von 92,80 auf 92,18 Indexpunkte verloren.

Corona-Impfstoffe dämpfen Aufwärtstrieb im Goldpreis

Mit aktuell 1.865 Dollar sieht man, dass die seit Donnerstag letzter Woche kurz aufgeflackerte Erholung mit Anlauf Richtung 1.900 Dollar wieder verpufft ist. Eindeutig ist zu sehen, dass die Anleger, die über das Vehikel der ETF (Exchange Traded Funds, hier die Begriffserklärung) in Gold investieren, letzte Woche auf der Verkäuferseite waren mit gut 30 Tonnen. Der folgende aktuelle Chart der Commerzbank zeigt seit Jahresanfang in gelb den Goldpreis-Verlauf, und in schwarz die Gold-ETF-Bestände. Die Nachfrage schlafft derzeit ab.

Chart zeigt ETF-Bestände in Gold im Vergleich zum Goldpreis

Die letzte wie auch die vorletzte Woche waren die Kapitalmärkte gefangen im Fieber der Corona-Impfstoff-Hoffnung. Nach Biontech und Pfizer kam letzte Woche Moderna mit einem fertigen Impfstoff, und heute früh dann auch noch AstraZeneca. Daher laufen die Aktienmärkte auch heute zum Wochenstart erfreulich nach oben. Alles was die Märkte positiv stimmt für eine Erholung der Weltwirtschaft, schwächt tendenziell den „Sicheren Hafen“ namens Gold. Im Chart sehen wir den Goldpreis im Verlauf der letzten 30 Tage. Der große Absturz in der Mitte des Charts rührt her von der ersten Impfstoff-Meldung gegen das Coronavirus vom 9. November von Biontech und Pfizer.

Laut heutiger Aussage des Commerzbank-Analysten Carsten Fritsch dürfte der aktuelle Optimismus hinsichtlich der Impfstoffe dagegen sprechen, dass es schon in Kürze zu einem neuerlichen Run auf die Gold-ETFs kommt. Entsprechend gedämpft sei der kurzfristige Ausblick für den Goldpreis. Die spekulativen Finanzanleger seien seiner Meinung nach durch den Preisrutsch Mitte letzter Woche offensichtlich auf dem falschen Fuß erwischt worden. Denn sie weiteten ihre Netto-Long-Positionen in der Woche zum 17. November auf gut 90.000 Kontrakte aus, nachdem sie diese in der Woche zuvor reduziert hatten. Entsprechend dürfte der Preisrückgang auf rund 1.850 Dollar letzten Mittwoch seiner Meinung nach auch durch spekulative Verkäufe begünstigt worden sein.

Mittel- und langfristig bergauf?

Bleibt es bei dem Szenario, welches wir letzte Woche schon erwähnten? Kurzfristig bleibt der Goldpreis trotz schwachem US-Dollar und dank der Corona-Impfstoff-Hoffnungen schwach? Aber mittel- und langfristig sieht man wieder Kurse über 1.900 Dollar und auch Richtung 2.000 Dollar? Das ist die Frage. Denn im großen Bild, da ist die Meinung der Notenbanker ja relativ eindeutig, wie man die letzten Tage und Wochen auch bei der EZB heraushören konnte. Die Geldpolitik (Anleihekäufe und Zinsen) wird noch sehr lange Zeit extrem locker bleiben, um die wirtschaftliche Erholung der Volkswirtschaften zu unterstützen. Also weiterhin Optimismus im größeren Bild für einen steigenden Goldpreis? Dieses Szenario bleibt vorhanden.

Chart zeigt Goldpreis-Verlauf in den letzten 30 Tagen

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