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Spanien und die Sondergenehmigung der EU Strompreis: Warum Deutsche das Dreifache der Spanier zahlen

Strompreis Deutsche Spanier

Der Strompreis für Deutschland ist deutlich von seinen Höchstständen von über 1000 Euro für die Megawattstunde gefallen, nachdem die EU Interventionen plant. Innerhalb weniger Tage hat sich damit der deutsche Strompreis (EEX-Börsenpreis) fast halbiert. Dennoch sind auch die aktuellen Niveaus noch extrem hoch – in den Jahren 2010 bis 2020 lag der durchschnittliche Preis in Europa unter 50 Euro. Für viele Firmen in Deutschland sind diese Preise existenzgefährdend – daher ist der in den letzten Tagen zu beobachtende starke Rückgang beim Strompreis hoch willkommen.

Strompreis: Deutschland zahlen das Dreifache der Spanier – warum?

Noch teurer als in Deutschland ist derzeit der Strompreis in Frankreich, nachdem zahlreiche französischen Atomkraftwerke aufgrund technischer Probleme oder niedriger Wasserstände vom Netz gehen mußten. Aber andere Länder in Europa haben einen deutlich niedrigeren Strompreis als Deutschland, etwa Spanien. Was hat Spanien anders gemacht als Deutschland?

Dazu schreibt Bloomberg:

Deutsche Großverbraucher zahlen für Strom im Markt das dreifache ihrer spanischen Kollegen. Das ist der Effekt eines Kostendeckels für Gas bei der Elekrizitätserzeugung auf der iberischen Halbinsel.

Am spanischen Großhandelsmarkt wurde die Megawattstunde im August für durchschnittlich 154,89 Euro gehandelt. Damit lag der Preis laut einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage 67% unter dem Niveau des deutschen Marktes und 69% niedriger als in Frankreich. Allerdings berücksichtigt dieser Preis nicht eine Umlage zur Finanzierung des Modells. Doch auch einschließlich dieser Kosten waren der Strom laut der Studie deutlich billiger.

Im historischen Vergleich ist das Kostenniveau freilich auch in Spanien beispiellos hoch. Verschiedene Unternehmen aus energieintensiven Branchen wie Stahl und Keramik haben die Produktion gestoppt.

Der Preisdeckel beruht auf einer Sondergenehmigung der Europäischen Kommission für Spanien und Portugal von Anfang des Jahres. Diese erlaubt es ihnen, die Stromkosten am Großhandelsmarkt vom Erdgas abzukoppeln. Dazu wird der Preis des Brennstoffs bei Verwendung zur Stromerzeugung gedeckelt. Dies hat den Ländern geholfen, die anderswo zu beobachtenden größeren Preisausschläge zu vermeiden.

In Spanien wird die Differenz zwischen den gedeckelten und den tatsächlichen Gaspreisen über einen Ausgleichsmechanismus bezahlt, der durch eine Sonderabgabe auf die Rechnungen aller Stromverbraucher finanziert wird. Dabei werden auch die zur Kasse gebeten, die die erneuerbare Energiequellen nutzen. Im August betrug die Ausgleichsabgabe nach Angaben der AEGE durchschnittlich 152,91 Euro pro Megawattstunde.

Nach dem derzeitigen System in Europa bestimmt die zu einem Zeitpunkt teuerste Technologie zur Stromerzeugung in der Regel den Preis für den gesamten Markt. Zur Senkung der ausufernden Preise erwägt die Europäische Union sowohl Preisobergrenzen als auch Maßnahmen zur Verbrauchsreduktion sowie Steuern auf übergroße Gewinne bei Energiekonzernen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen will die Strompläne der EU am 14. September vorstellen.

FMW/Bloomberg



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17 Kommentare

  1. Gerade vor einigen Minuten nocheinmal die aktuelle Stromrechnung nachgerechnet.
    1 KW. (einschließlich aller Zuschläge, Umlagen und Mehrwertsteuer) 22 Cent.
    Würden wir im Winter mit unseren Klimaanlagen heizen, würde 1 KW Wärme unter 7 Cent kosten.

    Viele Grüße aus Andalusien
    Helmut

    1. Danke Helmut – viva España :-)
      die frio/calor Klimageräte sind top, da man nur wenige Grad zuheizen muss und gleichzeitig die Feuchtigkeit minimiert.
      Am besten mit Balkonsolar/Akku oder einer kleineren PV-Anlage (man braucht eh weniger Strom dort)
      Grüße aus der costa blanca

      1. Naja, wenige Grad „zuheizen“? Wenn es nicht kalt ist, muss ich gar nicht heizen. Solche Anlagen funktionieren gut in subtropischen Klimaten, aber auch da kann es mal kalt werden. Ein Ofen für solche Tage ist nicht verkehrt.

      2. Interessant wären mal die Stromkosten fürs Kühlen bei 40 Grad im Schatten. Das ist ja wohl der Haupteinsatzzweck einer Klimaanlage in Spanien.

        1. Hall DJ,
          da sind die Voraussetzungen recht unterschiedlich. Hat man einen Altbau, mit z. B. 50 cm Wänden, und sind diese dann nach einigen Tagen durchgewärmt, dann geht es ins Geld, denn dann müssen die Steine ja mit runtergekühlt werden.
          Wir haben von innen alle Wände und Decken zusätzlich mit 4 cm Polyurethan-Platten isoliert.
          Somit müssen wir im Sommer nur die warme Luft in den Zimmern herunterkühlen.
          Dann ist es für Menschen angenehm, wenn in überwarmen Zimmern Luftbewegung ist.
          Mit Luftbewegung ist es in einem 26 Grad warmen Zimmer im Sommer noch angenehm. Deshalb lassen wir im Sommer im Wohnzimmer die Deckenventilatoren auf niedriger Umdrehung laufen, und stellen die Klimaanlage auf 26 Grad.
          Die Klimaanlage entfeuchtet ja auch gleichzeitig. Der Stromverbrauch beträgt etwa 300 Watt pro Stunde, denn der Kompressor der Klimaanlage läuft so nur etwa 1/3 der Zeit.
          In den Schlafzimmer machen wir das auch so, stellen die Klimaanlage aber auf „Schlummermodus“. Sie kühlt dann zuerst auf etwa 20 Grad runter, was wie eine Schlaftablette wirkt, und geht dann langsam (nach etwa 1 Stunde) auf 24 Grad.
          Das Schlafzimmer ist kleiner und benötigt über eine Nacht von 8 Stunden nicht ganz 2 KW., also mit Stromkosten für Deckenventilator etwa 50 Cent Stromkosten für die Nacht.
          Ohne Dekenventilator muss dann aber schon mindestens auf 22 Grad gekühlt werden, und dann liegen wir etwa bei 3 KW.
          Der Deckenventilatot läuft nun nicht um Stromkosten zu sparen, sondern der Luftstrom der Klimaanlage wird viel besser verteilt. Die trockene Luft der Klimaanlage streicht so ganz leicht über die Haut und kühlt noch zusätzlich, weil auf der Haut die Feuchtigkeit schneller verdunstet.

          Viele Grüße aus Andalusien
          Helmut

    2. Hola Helmut.
      Interessant, habe meine letzte Rechnung ebenfalls aus Andalusien (Costa del Sol, Nähe Málaga) gerade kontrolliert. Ich bezahlte inkl. allem (auch Potencia Punta y Valle) 33 Cent/ KW!
      Saludos Tomás

    3. 1 KW pro halbe Stunde vielleicht?!

  2. Hallo Herr Fugmann, ich habs schon in einem anderen Artikel geschrieben, wie kommen Sie darauf, dass die Strompreise in Deutschland sich halbiert haben?

    https://www.agora-energiewende.de/service/agorameter/chart/power_price_emission/01.08.2022/01.09.2022/today/

    Die Preise der EEX sind unverändert hoch, die Intraday-Schwankungen (aufgrund der Merit-Order) unverändert extrem. Welche Preise meinen Sie? Danke.

    1. @dontspeak, die german power baseload-Kontrakte..

      https://www.cmegroup.com/markets/energy/electricity/german-power-baseload-calendar-month.html

      Selbst in Ihrem Chart bei Agora ist das doch sichtbar..

      1. Man muss aber doch schon zwischen dem „Spotmarkt“ (stundenbasierte Merit-Order an der EEX) und Futures (ein Monat, ein Jahr etc) unterscheiden. Preis gestern 19:00 Uhr: 927€.

  3. Gerade nochmal die jährlichen Strom- und Heizosten für 165 qm nachgeschaut.
    480 EUR, das entspricht 40 EUR pro Monat.
    Ein Jahr „Volltanken“ des E-Autos inklusive. Und 80 EUR davon sind für Bereitstellung, Grundgebühr und Zähler.

  4. https://tarifaluzhora.es/ Das sind die heutigen Preise in Spanien für die kW/h für den Spanischen Verbraucher, also ihr könnt mir nicht sagen daß wir das dreifache bezahlen.

  5. Hallo Tio Tom,
    wir hatten vor etwa 6 Monaten von fenie Energie, nach Endesa gewechselt, denn die hatten für Kunden, die wechseln wollen, ein Sonderangebot, von 22 Cent pro KW und dann an 24 Stunden.
    Das ist aber in 6 Mmonaten abgelaufen, mal sehen was sie dann machen.
    Oder eine andere Gesellschaft.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  6. Was in aller Welt ist das für ein Journalismus. Ich zahle hier in Deutschland 23 Cent kilowattstunde.
    In Spanien zahle ich bei Iberdrola
    29 Cent kilowattstunde.
    Hier ist aber der durchschnittslohn mindestens das zwei bis dreifache höher als in Spanien.

    1. @Francisco, in dem Artikel ist klar dargestellt, dass es sich um die Großhandelspreise in Deutschland und Spanien handelt, also um die Preise an der jeweiligen Strombörse. Was der Endverbraucher zahlt, steht dann auf einem anderen Blatt!

  7. Francisco, dann träumen Sie mal schön weiter.
    Rechnen Sie mal in netto um, bei 14 Monatsgehältern und nur 5,7 % Sozialversicherung.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  8. argh😑 Alte Rechtschreibung ,,vom Netz gehen mußten“
    ausgesprochen: ,, muhssten“

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