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Toxischer Mix aus Problemen? Italien heißester Krisen-Kandidat

Banca Monte dei Paschi, Banca Carige, und und und. Der Bankensektor in Italien produziert fast schon jeden Monat neue Krisenherde. Aktuell ist die „Banca Popolare di Bari“ als Problem ans Tageslicht gekommen. Es geht wie bei allen Banken in Italien um notleidende Kredite (NPL), und damit einhergehende Lücken in der Kapitaldecke der Bank. Laut italienischen Medienberichten sollen 500 Millionen Euro fehlen. Angeblich soll die Bank übermorgen einen Plan zur Lösung ihrer Probleme präsentieren.

Jüngst gab die EZB Italien sieben Jahre Zeit für die Lösung des Schrottkredit-Problems. Mal wieder lautet bei diesem aktuellen Bankenproblem die Frage: Pumpt die Regierung in Rom auch hier mit dubiosen Begründungen wie schon bei anderen Banken Steuerzahlergeld in die Bank, um eine Pleite zu verhindern? Damit würden wie immer in Italien die Kleinsparer gerettet, die man jahrelang statt in Sparbücher in die Anleihen der Banken getrieben hatte.

Laut EZB waren Stand Mitte 2018 in Italien noch Kredite über 159 Milliarden Euro notleidend – sie wurden also nicht bedient, und werden wohl nie zurückgezahlt. Und diese Summe betrifft nur die großen Banken, die von der EZB beaufsichtigt werden. Die wirkliche Gesamtsumme von Schrottkrediten wird also weitaus höher liegen! Die Bankenkrise in Italien ist viel schlimmer, als viele es wahrhaben wollen. Und nun wird es womöglich noch viel schlimmer kommen.

Denn wir wir alle wissen, steht die Zinswende in Euroland bevor. Zwar nicht in diesem Sommer, aber wohl ab 2020 wird es langsam berauf gehen. Und schon vorher werden womöglich für weniger solvente Kreditnehmer die Zinsen steigen – somit auch für Banken in Italien, die neue Anleihen ausgeben. Und die Sache mit der Zinswende ist noch längst nicht alles. Wie wir in Deutschland sehen, deuten alle Anzeichen auf ein massives Abflauen der Konjunktur hin.

Und in Italien zeigen die Daten der offiziellen Statistiker, dass das Land kurz vor einer Rezession steht. Wird dieses Szenario Wirklichkeit, können noch mehr Kreditnehmer (vor allem aus dem Mittelstand und Kleinstbetrieben) ihre Kreditverpflichtungen nicht mehr erfüllen. Dann wächst die Halde der NPL, und die Banken haben noch mehr Bedarf an frischem Eigenkapital.

Aber bei steigenden Zinsen wird das frei zirkulierende Anlegergeld auf einmal knapper, und noch weniger Geld wird nach Italien fließen wollen. Und dann haben wir noch die populistische Regierung in Rom. Niemand kann heute vorhersagen, wie sie reagieren wird auf eine neue Rezession und eine dramatische Verschärfung der Bankenkrise. Und die wird mit großer Wahrscheinlichkeit kommen bei einer Rezession. By the way… Banken und Volkswirtschaft in Italien stehen aktuell ja eh nicht gut da. Durch eine Rezession würde die nicht gute Lage nochmal dramatisch verschlimmert.

Was in Deutschland und Frankreich vielleicht nur ein normaler Konjunkurzyklus sein sollte, kann in Italien richtig übel ausgehen. Wie wird Rom reagieren? Erpressung Richtung EU-Kommission? Die soll mal kurz Hilfsgelder schicken für die Banken? Drohung mit Euro-Austritt? Niemand weiß, wie die Regierung reagieren wird. Für spekulative Anleger ist dies ein großes Short-Szenario auf Anleihen und vor allem Bank-Aktien in Italien (das ist wie immer natürlich keine Handelsempfehlung unsererseits!)

Italien
© European Union, 2017 / Source: EC – Audiovisual Service / Photo: Mauro Bottaro



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5 Kommentare

  1. Moin, moin,

    man darf an dieser Stelle wohl von einer Entwarnung sprechen. Die EU befindet sich auf dem Weg zur Vergemeinschaftung von Schulden und zur Haftungsübernahme bei den Banken. Also wo liegt das Problem?
    Die BRD wird selbstverständlich zahlen (zahlen müssen). Das ist sowohl in Paris, als auch Rom bekannt. Warum sollten diese Kernländer etwas in ihrem Tun ändern? Es bleibt also alles beim Alten. Frühzeitige Verrentung, Jobs über die EU, Mindestrenten und -einkommen, Bankenrettung par excellence. Wieso also bei den Krisenbanken Änderungen vornehmen? Die Zeit bringt diesen Ländern Geld und billige EU Kredite. Wenn Berlin EU möchte, dann bekommt es EU, muss dafür allerdings auch zahlen. Easy oder?

    1. Vielleicht muß die EU einmal Deutsche Bank(en) retten. „Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen“.

      1. Vielleicht sollte man Banken überhaupt nicht mehr retten, wenn sie zu dämlich sind, anständig zu wirtschaften. Den mit Fäulnis-Bakterien versifften Körper sich selbst entgiften lassen, damit er zukünftig ein anständiges Immunsystem entwickeln kann.
        Lieber ein Ende mit Schrecken…

    2. Warum wohl sind alle EU Politiker für die Einführung von einer allgemeinen Arbeitslosenversicherung??? Auch von einem gemeinsamen Militär usw.
      Da bietet sich doch der dumme Steuermichel an! Der ist so blöd und wählt die Lumpen die ihm die Rente auf 40% runter fahren und anschließend ihm noch im Pflegeheim sein Erspartes wegnehmen. Ich weiß nicht wie ich solch ein Verhalten nennen soll? Für mich sind es Vollidioten!

      1. Um genau zu sein, waren es eigentlich nur 33% der dummen Wahlmichel, die die christlichen Lumpen und Wegelagerer gewählt haben. Die SPD hatte ja ausdrücklich eine weitere Koalition abgelehnt, um sich in der Opposition neu zu finden und um tapfer gegen Altersarmut, Ungleichheit und Pflegenotstand anzutreten.
        Es ist davon auszugehen, dass ein großer Teil dieser 33% weder von Altersarmut, noch von Pflegenotstand betroffen sein werden. Die haben schon so gewählt, dass ihnen die maximalen finanziellen Vorteile zur Verfügung stehen, jetzt und auch im Alter.
        Also sind es keine Vollidioten, sondern eher kühl kalkulierende Egoisten, denen alles andere als ihr eigenes Wohlbefinden vollkommen egal ist.

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