Devisen

Über Algorithmen, Flash Crashs und die gefährlichste Zeit des Handels..

FMW-Redaktion

Es ist erst einige Tage her, als das britische Pfund mitten in der Nacht (europäischer Zeit) massiv crashte und gut 6% innerhalb von nur zwei Minuten verlor:

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Noch ist nicht wirklich klar, was diesen Flash Crash wirklich auslöste, aber eines scheint klar: Verkaufs-Orders von Algorithmen scheinen eine wesentliche Rolle gespielt zu haben. Und auch die Uhrzeit, als sich dieser Flash Crash ereignete, dürfte kein Zufall gewesen sein. Denn der Flash Crash geschah in der Zeit, nachdem New York bereits geschlossen hatte, die Handelsräume Asiens aber noch nicht oder nur sehr dünn besetzt waren. Mit anderen Worten: der Flash Crash ereignete sich in einer Zeit mit extrem geringer Liquidität, etwa nur 2% des Handelsvolumens, das zu Spitzen-Zeiten vor allem im Londoner Handel erreicht wird.

In einem solchen Umfeld können größere Verkaufsorders (oder Kauforders) einschlagen wie eine Bombe. Zwischen dem Handelsschluß in New York und dem Beginn des Handels in Singapur bringt es der Forex-Handel nur auf 16 Milliarden Dollar (gehebeltes) Volumen – das klingt nach viel, ist aber faktisch sehr wenig. Wenn London, der wichtigste Handelsplatz für Devisen weltweit, wieder an der Arbeit ist, gehen durchschnittlich zur Londoner Eröffnung 550 Milliarden Dollar durch den Äther – und das ist eine ganz andere Hausnummer!

Der Flash Crash des britischen Pfunds aber ist ein Symptom dafür, wie sich der Markt verändert hat in den letzten Jahren – und weil das so ist, werden sich ähnliche Ereignisse sehr wahrscheinlich wiederholen. Der Grund: die offiziellen Banken haben sich aufgrund der Beschränkungen durch die Volcker Rule, die den Handel mit eigenem Geld der Banken enge Grenzen setzt, zunehmend aus diesem Markt zurück gezogen. Das gilt auch für Hedgefonds, deren Anteil an dem 5,1 Billionen Dollar-Markt (tägliches Durchschnitts-Handelsvolumen) auf 8% gefallen ist – vor drei Jahren waren es noch 11%.

In diese Lücke sind elektronische Systeme gestoßen, also Algorithmen. Und da diese Algorithmen gewissermaßen ähnlich getaktet sind, werden solche Ereignise wie der Flash Crash beim britischen Pfund eher zunehmen als abnehmen. Im Grunde ist das alles ein Lehrstück darüber, wie aus vernünftigen Absichten beschlossene Regularien (wie die Volcker Rule) zu purer Unvernunft führen. Indem man den Algorithmen durch diese Regularien einen immer größeren Anteil am Handel ermöglicht, wird der Handel immer chaotischer, Herden-getriebener. Es ist daher Zeit, diese Algorithmen zu regulieren – sonst werden die Märkte früher oder später implodieren in einem gigantischen Mega-Flash-Crash!



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5 Kommentare

  1. Richtig —- „Noch ist nicht wirklich klar, was diesen Flash Crash wirklich auslöste“

    Ich bin der Meinung, dass es nicht die Algos waren! Denn rein technisch gesehen konnte der Short beendet werden.

    1. Könnte aber auch sein, dass diejenigen, die mit größeren Verkaufsorders den Crash ausgelöst haben, unten mit größeren Kauforders nochmal eingestiegen sind und dank der wieder brav folgenden Algos ein zweites Mal abgesahnt haben.
      Derartige Manipulationen gab es ja v.a. bei Gold auch schon des öfteren.

  2. Da braucht es gar keine Algorithmen oder gefährliche Zeiten zur Geisterstunde ;)
    Wir erleben das jeden ersten Freitag im Monat um 14:30 Uhr unserer Zeit, wenn mal wieder ein paar 1$-Jobs mehr im Land des großen Wirtschaftsaufschwunges und der nun schon seit zweieinhalb Jahren andauernden Zinswende verkündet werden ;)

  3. „Der Grund: die offiziellen Banken haben sich … zurück gezogen. Das gilt auch für Hedgefonds,…
    In diese Lücke sind elektronische Systeme gestoßen, also Algorithmen.“

    Und kann mir jemand sagen, für wen diese Algos tätig werden? Für sich selbst ja wohl bestimmt nicht.

    1. Für die, die sie programmiert haben und nutzen.
      Um die Uhrzeit, zu der dieses spezifische Ereignis passiert ist, vermutlich die Multimilliardäre östlich und südlich des Urals genauso wie die kleinen Schlaumeier rund um die Welt, die in ihrer Geldgier jedem Wahnsinn folgen.

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