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"Zweifel seitens der Kunden" sieht Analyst als Kontraindikator Wall Street: Größter Bär bleibt bullisch für Aktien

Mike Wilson Aktien Wall Street

Mike Wilson von Morgan Stanley gilt eigentlich als größter Bär der Wall Street – aber vor einer Woche hatte Wilson das Lager gewechselt und das (vorübergehende!) Ende des Bärenmarkts bei Aktien ausgerufen.

Mike Wilson hatte (zusammen mit Michael Hartnett von der Bank of America) als einer der wenigen Analysten der Wall Street erkannt, dass der monetäre Klimawandel der Notenbanken Aktien schwer unter Druck setzen würde. Daher blieb Wilson stets skeptisch gegenüber Bärenmarktrallys bei Aktien – und behielt damit jedesmal recht. Nun aber sieht er erhebliches Aufwärtspotential.

Aktien: Größter Bär der Wall Street erwartet Gegenbewegung

Nach dem Abverkauf seit Jahresbeginn und den neuen Verlaufstiefs beim US-Leitindex S&P 500 aber erwartet Wilson nun eine Gegenbewegung – und sieht sich in dieser Erwartung durch skeptische Kommentare der bärisch eingestellten Kundschaft sogar noch weiter bestätigt, wie Bloomberg berichtet.

Einer der lautstärksten Bären an der Wall Street bekräftigt seine kurzfristige Aufwärtsprognose für Aktien eine Woche, nachdem seine ursprüngliche Einschätzung bei den Kunden auf Skepsis gestoßen war.

Michael Wilson von Morgan Stanley geht davon aus, dass die Aktienkurse steigen werden, wenn die Märkte auf die Erwartungen einer sinkenden Inflation und niedrigerer Zinssätze reagieren, so Wilson in einer Mitteilung vom Montag.

Nachdem sein Aufruf in der vergangenen Woche „auf Zweifel seitens der Kunden stieß“, sagte Wilson, dass ein Rückgang der Anleiherenditen die nächste Etappe der taktischen Rallye befeuern sollte, „bis wir eine vollständige Kapitulation bei den Gewinnschätzungen für 2023 erleben, was unserer Meinung nach noch einige Monate dauern könnte“.

Der Stratege, der den diesjährigen Einbruch richtig vorhergesagt hat, sieht den S&P 500 Index um bis zu 1 % steigen, wenn er seinen gleitenden 200-Wochen-Durchschnitt von 3.605 Punkten durchbricht, der etwa 4% unter dem Schlusskurs vom Freitag liegt. Eine ähnliche Ansicht vertreten die Strategen von Stifel Nicolaus & Co., die in einer separaten Notiz erklärten, sie sähen den Leitindex in den nächsten sechs Monaten auf 4.300 Punkte steigen, wenn sich die Inflation abkühlt und die Rezession auf das dritte Quartal des nächsten Jahres verschoben wird.

Der Index stieg am Freitag um 2,4 % auf 3.752,75 Punkte und verzeichnete damit seine beste Woche seit Juni, da charttechnische Marken gehalten hatten und einige Unternehmen bessere Ergebnisse als erwartet meldeten. Der Appetit auf bullische Wetten nimmt zu, da die Stimmung extrem negativ ist und viele Investoren die immer gleichen bärischen Mantras zitieren aufgrund der erhöhten Inflation und der geldpolitischen Fehler der Fed.

Wall Street Aktien Mike Wilson

US-Aktien verzeichneten die beste Woche seit Juni, dank der Unternehmens-Gewinne und der Konzentration auf technische Aspekte

Wall Street-Bank Goldman Sachs bleibt bärisch

Nicht alle Strategen sind so zuversichtlich. Nach Ansicht von Goldman Sachs Group Inc. spiegeln die Kurse der Aktien noch „nicht das Risiko einer US-Rezession wider, das viele Anleger für das kommende Jahr erwarten“, schreiben sie in einer separaten Notiz und bevorzugen günstig bewertete defensive Sektoren.

Die erste Schätzung der US-Regierung zum Wachstum im dritten Quartal wird diese Woche erwartet. Die von Bloomberg befragten Ökonomen gehen davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt im Zeitraum von Juli bis September mit einer annualisierten Rate von 2,3 % gewachsen ist, nachdem es im ersten und zweiten Quartal geschrumpft war.

„Während einige argumentieren, dass eine Rezession in den nächsten sechs bis 12 Monaten unvermeidlich ist, wird der Markt sie unserer Meinung nach nicht einpreisen, solange sie nicht endgültig ist“, sagte Wilson von Morgan Stanley.

FMW/Bloomberg

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3 Kommentare

  1. Moin Fugi, wie schätzt Du ein, dass die10 Years US Treasury ggf. einen Boden vergangenen Freitag ausgebildet haben, vor dem SP500, was ungewöhnlich ist? Beste Grüße

    1. @emanuel, dafür sehe ich gute Chancen!

      1. Ich könnte mir vorstellen, dass es mit den US Indizes vor dem FED Meeting noch einmal tiefer geht, Allerdings sieht es bisher korrektiv aus, seit heute Nacht. Denn bisher sind die Indizes den Bonds verzögert gefolgt, manchmal nur ein paar Tage. Allerdings sprechen auch einige Gründe dafür, dass es direkt ohne größeren Rücksetzer weiter hochgeht (Bärenmarktrally). Die Situation ist ziemlich tricky. VG

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