Interessantes aus der Presse

Wall Street Journal rechnet mit Ben Bernanke ab

Von Markus Fugmann

Die Stimmung zwischen dem Wall Street Journal und dem ehemaligen Fed-Chef und jetzigen Blogger und PIMCO-Berater Ben Bernanke ist seit einigen Jahren nicht die Allerbeste. Bernanke warf dem Wall Street Journal mehrfach vor, seit dem Jahr 2006 die Inflationsgefahren zu überzeichnen – und sieht sich nun anhand der Entwicklung in den letzten Jahren bestätigt.

Ben Bernanke
Hat immer Recht? Ben Bernanke, Foto: Federal Reserve

Nun reagiert das Wall Street Journal auf die „Polemik“ Bernankes: man habe gar kein Anziehen der Inflation aufgrund des QE vorhergesagt, vielmehr darauf hingewisen, dass man sich in „uncharted monetary territory“ befinde. Man halte das erste QE am Beginn der Finanzkrise für richtig, aber alls, was danach kam, habe keinen nachweisbaren Effekt für den Arbeitsmarkt gehabt. Daher sei Bernankes Aussage – „the relatively rapid decline in unemployment in recent years shows that the critical objective of putting people back to work is being met“ – geradezu spekulativ und über-optimistisch. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit habe wenig mit dem QE der Fed zu tun, sondern sei eine Folge der gefallenen participation rate, also der Tatsache, dass immer weniger Menschen dem Arbeitsmarkt überhaupt noch zur Verfügung stehen bzw. Arbeit suchen (und damit aus der Arbeitslosen-Statistik fallen).

Auch Bernankes Argument, dass das QE der Fed für die Erholung des Arbeitsmarktes in den USA zuständig sei, während das Fehlen von QE in anderen Industrienationen der Grund für die dort höhere Arbeitslosigkeit sei, mag das Wall Street Journal nicht teilen: „We learned in school that something isn’t a theory if it can’t be tested“. Und weiter: „Mr. Bernanke’s theory of post-crisis monetary policy is that if it’s working, then do more of it. And if it’s not working, then do more of it too. This isn’t data-driven monetary policy.“

Das ist genau der Punkt. Rein methodisch ist Bernankes Vorgehen eine echte Katastrophe: wer etwa sich einmal die Mühe macht, Bernankes Texte über die Große Depression 1929 zu lesen, wird erstaunt sein über die mehr als fragwürdigen Argumente und das methodische Vorgehen Bernankes: in geisteswissenschaftlichen Fächern würde man so keinen Abschluß an der Universität erhalten. Gleichwohl gilt Bernanke als großer Kenner der Großen Depression – aber vermutlich nur bei denjenigen, die seine Texte nicht gelesen haben.

Das Wall Street Journal rät daher Bernanke, die Schuld für Irrtümer nicht immer bei anderen zu suchen:

„Mr. Bernanke doesn’t like being tagged with any responsibility for poor economic results. He absolved himself for any mistakes before the financial crisis too. But sooner or later he and the Fed have to stop using the financial crisis as the all-purpose excuse for slow growth. Even President Obama has stopped blaming George W. Bush for everything. Maybe Mr. Bernanke should stop blaming everyone else too.“



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