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Wann ist das Staatsvermögen der Saudis aufgebraucht?

FMW-Redaktion

Wann ist das Staatsvermögen der Saudis aufgebraucht? Wenn man die Antwort weiß, kann man auch die eigentliche Frage beantworten „wann beschließt die OPEC eine Fördermengen-Reduzierung?“ Das saudische Staatsvermögen, das jetzt irgendwo um oder knapp über 600 Milliarden Dollar liegen dürfte, wird gerade in Windeseile aufgeschmolzen um die riesiege Lücke im Staatshaushalt zu decken. Man verkauft zwar auch in geringem Umfang Staatsanleihen, aber der Großteil der Lücke, die durch den niedrigen Ölpreis entstanden ist, muss aus den Reserven abgedeckt werden.

Wie Saudi-Arabien in den letzten Wochen ankündigte, spart man auf der Kostenseite – so sollen im Haushalt für 2016 Kürzungen von 13,6% vorgenommen werden, z.B. bei staatlichen Subventionen für Benzin und Strom, aber das sind letztlich alles Kleckerbeträge. Der große Kostenfaktor in Saudi-Arabien liegt in der Staatswirtschaft. Von den satten Petro-Dollars hat der Staat einen Großteil der Bevölkerung mit mehr oder weniger notwendigen staatlichen Arbeitsplätzen versorgt. Diese Staatsbediensteten sitzen jetzt also auf ihren Posten, was sie da auch immer tun. Kann man sie entlassen? Kaum möglich, da diese Rundum Sorglos-Versorgung für die Königsfamilie bisher der Hauptgrund war ruhig schlafen zu können. Ein Volk das großflächig mit gut bezahlten Posten versorgt ist, murrt nicht und fragt nicht nach Mitsprache, so wohl das unausgesprochene Motto.

Also ist die Frage: Wie lange hält das Staatsvermögen? Denn wenn es aufgebraucht ist, muss man wohl endgültig die Fördermenge drastisch reduzieren, um höhere Ölpreise zu bekommen. Bezieht man u.a. die Berechnungen von Barclays und der IEA mit ein, ergibt sich ein Zeit-Korridor von grob geschätzt dem Jahr 2018-2021. Bei einem Ölpreis um die 20 Dollar wäre das Staatsvermögen von Saudi-Arabien wohl 2018 oder Anfang 2019 aufgebraucht. Bei einem Ölpreis von 40 Dollar wäre das Vermögen erst 2020 aufgebraucht, und bei 50 Dollar erst 2021. Bei einem Ölpreis von 85 bis 90, so schätzen wir jetzt mal grob, könnte man sein Staatsvermögen auf dem jetzigen Niveau von 600 Milliarden Dollar halten. Aber danach sieht es ja gerade nicht aus.

Zu welchen Förderkosten genau die Saudis produzieren, kann man schätzen mit vielleicht 10 oder 15 Dollar, aber auch das ist reine Ansichtssache, je nachdem welche Kosten man in die Gesamtkalkulation einbezieht. Die Förderung wäre also für die Saudis an sich auch bei 20 Dollar Weltmarktpreis noch profitabel, aber die Staatsausgaben insgesamt gesehen sind so hoch, dass man viel höhere Ölpreise braucht um sein Volk bei Laune zu halten. Die Saudis haben ihre Fördermenge zuletzt sogar über 10 Mio Barrels erhöht nach dem Motto „wir fördern profitabel, dann müssen wir einfach nur mehr fördern um die Budgetlücke zu schließen“. Aber diese Logik hat nun mal einen Haken.

Je mehr die Saudis fördern, desto tiefer der Preis. Eine Abwärtsspirale! Man wird in 2016 laut Barclays wohl ein Haushaltsdefizit von 12,9% produzieren in Relation zum BIP. Damit dürfte das Defizit in Relation zum Gesamthaushalt noch viel größer sein. Nach derztigem Stand liegt das Verhältnis von täglichem Angebot und Nachfrage beim Öl um die 95 Mio Barrels vs 94 Mio. Und der Iran kommt jetzt noch dazu auf der Angebotsseite. Die Saudis haben jetzt noch ein zwei drei gute nette Jahre, wo sie voll auf Reserverad fahren können. Selbst wenn sich der Ölpreis auf 40 oder 50 Dollar erhöht, schmelzen die Reserven weg. Fördermenge reduzieren? Oder Staatsbedienstete entlassen um Kosten zu sparen?



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1 Kommentar

  1. Es ist auch wichtig, wie lange das USA Fracking das durchhält, bzw vom Staat gesponsert werden kann. Da ist sicher vorher Schluß. Da ja auch das Vorkommen abnimmt.

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