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Aktien

Warum der Abverkauf an den Finanzmärkten?

Redaktion

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FMW-Redaktion

Es wirkt wie eine ferne Erinnerung: die optimistischen Prognosen der Banken im Dezember, die allesamt von einem weiteren Anstieg des Dax ausgegangen waren. Es ist bekanntlich zunächst einmal anders gekommen, praktisch niemand hat mit dem Massaker zu Jahresbeginn gerechnet. Was aber sind die Gründe für das, was wir derzeit erleben?

In den USA kursieren dazu zwei interessante Betrachtungen. So sagt David Zervos von der in New York ansässigen Bank Jefferies, der Abverkauf sei die Folge von Verkäufen der großen staatlichen Fonds der Öl-Länder:

„We have now entered the phase where the excess savings glut is being replaced with an excess selling glut”.

Dieser Abverkauf habe sich dann dramatisch beschleunigt, nachdem der Ölpreis unter die 30-Dollar-Marke gefallen war:

“the asset sales became more aggressive as the true depth of the insolvency issue began to sink in.”

Die Ölstaaten haben jahrtehntelanfg über ihre Verhältnisse gelebt, sie müssen nun zur Finanzierung der Defizite im Gefolge der massiv eingebrochenen Staatseinnahmen das Tafelssilber verkaufen, das sie im Lauf der Jahre vor allem in Gestalt westlicher Aktien und Anleihen erworben hatten. Das ist unmitelbar plausibel und wahrscheinlich.

Zervos sah zunächst in der Nervosität über die dramatische Abwertung des Yuan die Ursache für die Turbulenzen an den Märkten – hat aber seine Meinung geändert: China sei nur der Katalysator gewesen:

“I now think this is basically an energy story with China simply a catalyst”.

Ein anderes Erklärungsmodell hat Mohamed A. El-Erian, der einst mit Bill Gross Chef von PIMCO war. Er sieht für den Abverkauf zwei Gründe – der erste sei, dass die Zentralbanken nach langer Zeit der „Unterdrückung“ von Volatilität nicht mehr willens oder in der Lage seien, diese Volatilität an den Märkten gering zu halten. Dadurch würden viele Risikomodelle, die bei starker Volatilität verkaufen, automatisch zu Verkäufern:

„The first has to do with the shift from a prolonged regime of repressed financial volatility to an environment in which such instability is higher and less predictable. The primary reason is that central banks are less willing (in the case of the Federal Reserve) or less able (in the case of the European Central Bank and the People’s Bank of China) to act as suppressors of volatility. In the short term, this transition inevitably leads to higher risk aversion, deleveraging and lower portfolio risk-taking, especially affecting risk-based models and asset allocations that use volatility as a major input“.

Damit zusammenhängend sieht El-Erian den zweiten Grund in der geringeren Liquidtät, die vorwiegend durch strengere Regularien der Aufsichtsbehörden entstanden sei. Dazu komme dann, und das ähnelt dem, was oben Zervos gesagt hatte, die geringere Risikobereitschaft von staatlichen Fonds:

„The second transition involves liquidity, and a move away from counter-cyclical balance sheets. Facing tighter regulation and sharply reduced market appetite for short-term earnings deviations, broker-dealers are a lot less willing to take on inventory when the market overshoots. Other pools of capital, including sovereign wealth funds, also face constraints in increasing their risk-taking.“

Zusammenfassend könnte man sagen: es ist der Fall der Rohstoffpreise und China, das wiederum Hauptursache für diesen Rohstoffkollaps ist, der die Märkte ins Schwanken bringt. Dazu kommen dann noch die Junk-Bonds in den USA – eine Blase, die begonnen hat zu Platzen – was wiederum viel mit dem Ölpreis zu tun hat sowie der geplanten Zinswende durch die Fed. Und schließlich die Ahnung, dass die Konjunktur in den USA bereits im Sinkflug ist, die Handelsströme in der Welt extrem nachlassen (Baltic Dry Index auf Allzeittief etc.) sowie die geopolitische Lage immer unsicherer wird.

Es ist also nicht so, dass die Märkte überreagieren – die geballte Ladung an Belastungsfaktoren rechtfertigt das, was an den Märkten zu Jahresbeginn passiert ist!

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    leser

    20. Januar 2016 11:18 at 11:18

    Warum nicht einfach den Charts folgen? Alle fundamentalen Faktoren stecken da schon drin.
    Kurzfristig könnte es im DAX eine Stabilisierung im Bereich von 9300 geben. Mehr als eine volatile Seitwärtsbewegung über ein paar Wochen erwarte ich aber nicht. Danach geht es dann vermutlich weitere 1000 Punkte nach Süden. Die 12380 war das Hoch für sehr lange Zeit.

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Aktien

Tesla: Frank Thelen ist voll des Lobes über den „Battery Day“ -Video

Claudio Kummerfeld

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Innenansicht eines Tesla-Autos

Für die Börsianer war der diese Woche stattgefundene „Battery Day“ von Tesla eine Enttäuschung. Die Produktion viel günstigerer Autos mit sehr langer Batterielaufzeit dauere noch drei Jahre. Und zack, die Aktie von Tesla fiel spürbar. Aber der aus der „Höhle der Löwen“ bekannte Investor und Tech-Experte Frank Thelen singt im folgenden Instagram-Video ein Loblied auf den Battery Day von Tesla. Er sieht hier von A-Z ein sensationelles Konzept, und einen großen Schub hin zu einem wirklich erschwinglichen Auto. Dass so ein riesiger Sprung nach vorne nun mal nicht sofort funktioniere, sondern drei Jahre dauere, sei ganz normal. Aber sehen Sie selbst.

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Aktien

Aktien: Vermögensreport offenbart, Deutsche investieren mehr

Entdecken die Deutschen plötzich ihre Liebe zu Aktien? Die Enteignung der Geldsparer durch die Zinspolitik wirkt, die Bürger wenden sich stärker Aktien zu

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Entdecken die Deutschen plötzich ihre Liebe zu Aktien? Der aktuelle Allianz Global Wealth Report hat es dargelegt: Die Notenbankpolitik der Länder wird dazu führen, dass das Vermögen der Wohlhabenden global trotz Corona ansteigen wird – auf 198 Billionen Euro zu Jahresende – FMW berichtete darüber. Der Report zeigt aber auch, dass sich die deutschen Sparer mehr den Aktien als Anlagevehikel zuwenden.

Aktien: Corona und die Vermögensbildung

Die Volkswirte der Allianz werteten Daten aus 57 Nationen aus, zum Vermögen aus Bargeld und Bankeinlagen, angelegtem Geld in Versicherungen und Pensionskassen sowie Anlagen in Wertpapieren und Fonds. Trotz der Pandemie erhöhte sich dies im ersten Halbjahr des Jahres um 1,5 Prozent, der Frühjahrseinbruch von geschätzten 4,3 Prozent ist damit mehr als ausgeglichen. Über die Gründe braucht nicht großartig spekuliert zu werden: Staatliche Rettungsprogramme, die Geldpolitik der Notenbanken, eine erhöhte Sparneigung der Konsumenten und natürlich der Anstieg der Aktien. Noch ein kurzer Blick auf die Vermögensübersicht der Länder pro Bürger:

USA: 209.524 Euro
Schweiz: 195.388 Euro
Singapur: 116.657 Euro

18. Deutschland: 57.097 Euro

An dieser Übersicht wird wieder einmal das Problem einer statistischen Erfassung von Durchschnittswerten ersichtlich. Die vier reichsten Amerikaner besitzen ein Vermögen von über 500 Milliarden Dollar, verteilt auf die 331 Millionen Amerikaner würde dies bereits 1500 Dollar pro Bürger ergeben. Dabei gab es 2019 allein schon 607 Milliardäre in den Vereinigten Staaten. Man bräuchte aus so einer Statistik nur den reichsten Mexikaner, Carlos Slim, aus der Liste entfernen und schon hätte man veränderte Zahlen für das Land. Aber erstaunlich ist diese Vermögensverteilung auf der Welt dennoch. Im Jahr 2019 lagen von den 192 Billionen Euro Weltvermögen nicht weniger als 83,7 Billionen in den USA.

Die Entwicklung in Deutschland

Was bedeutet das für das Land der (Geld-)Sparer, mit deren 2,4 Billionen Euro auf nicht verzinslichen Konten? Die Allianz stellt fest, dass sich die Bankeinlagen um 3,5 Prozent und damit weniger als in anderen Ländern erhöht haben (Frankreich plus 6 Prozent, China plus 9 und die USA plus 10 Prozent).

Dennoch stieg das Vermögen der Haushalte um 1,3 Prozent im ersten Halbjahr und sollte nach der Schätzung der Allianz zum Jahresende 6,8 Billionen Euro erreichen. Da dies nicht am Geldmarkt zu verdienen war, deutet dies auf eine Verhaltensänderung im Sparverhalten hin.

Die langsame Hinwendung zu Aktien

Lange hatte man es eigentlich schon erwartet, dass die Enteignung der Geldsparer durch die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank wirkt und sich die Bürger stärker den Aktien zuwenden. Die Allianz stellt fest, dass die deutschen Sparer in den vergangenen drei Jahren 20 Prozent ihrer verfügbaren Ersparnisse direkt in Aktien angelegt haben. Auf Sechsjahressicht waren dies 5,8 Prozent und das Interessante daran ist, dass US-Bürger in dieser Zeit nur 0,7 Prozent in Aktien investiert haben. Das bevorzugte Investment waren börsengehandelte Indexfonds. Allerdings beziehen sich diese Werte auf die Zeit vor Corona und seither gibt es den großen Hype um die gebührenfreien Brokerdepots – Stichwort RobinHood. Diesen Trend gibt es auch in Deutschland mit der riesigen Zahl neu eröffneter Depots bei günstigen Direktanlagebanken.

Es verändert sich auch der so genannte Home Bias, also die Bevorzugung heimischer Titel. Deutsche Anleger investieren verstärkt in ausländische Aktien, die Quote stieg in den vergangenen sechs Jahren von 25 auf 38 Prozent. Aber noch ist Deutschland weit von der angelsächsischen Aktienpräferenz entfernt.

In den USA liegen 53 Prozent der Ersparnisse auf Wertpapierkonten, in Deutschland 25 Prozent.

Fazit

Auch wenn das Pflänzchen Anlage in Aktien in Deutschland langsam wächst, sind es laut Allianz vorwiegend die Haushalte mit einem höheren Einkommen, die sich an diese Assetklasse heranwagen. 30 Prozent unserer Haushalte besitzen kaum Geldvermögen. So zählt auch Deutschland zu den Ländern, in dem „die Vermögensverteilung relativ ungleich verteilt ist“, so Arne Holzhausen, Leiter Insurance und Wealth Markets bei der Allianz.

Die Deutschen entdecken ihre Liebe zu Aktien

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Abwarten beim Dax, ifo steigt, 5G startet, Tradingideen bei Adidas und Mastercard

Redaktion

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Sollte man sich jetzt in den Dax reinkaufen? Im folgenden Video bespricht Manuel Koch die aktuelle Lage und die Aussicht für die nächsten Wochen mit einem Experten. Noch 3 bis 4 Wochen solle man abwarten. Würden die Kurse dann zurückkommen, seien es Kaufkurse. Wenn nicht, dann sehe der Markt neue Jahreshöchststände.

Der heute veröffentlichte ifo-Index gebe weiteren Optimismus für die deutsche Konjunktur. Auch im Video angesprochen wird das von Telefonica an den Start gebrachte 5G-Netz.

Konkret besprochen werden im folgenden Video zwei Handelsempfehlungen der trading house Börsenakademie. Die Aktien von Adidas und Mastercard seien beide ein Kauf. Man könnte mit einer Stop-Buy-Order einsteigen.

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