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Devisen

Warum der Euro steigt – und wohl weiter steigen wird

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Von Markus Fugmann

Warum steigt der Euro? Dafür gibt es derzeit ziemlich überzeugende Gründe! Hier sind sie:

1. Charttechnik: der Euro ist durch die Abwärtstrendlinie nach oben ausgebrochen mit dem Anstieg über die 1,11:

eurusd120815

2. Die China-Story-Teil 1: mit der Abwertung des Yuan (die eine Aufwertung des Dollar zum Yuan impliziert) sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed die Zinsen zeitnah anheben wird. Die Fed ist damit die einzige beduetende Notenbank, die keine ultralaxe Geldpolitik mehr verfolgt – und damit eine weitere Aufwertung des Dollar im „Währungskrieg“ riskiert.

3. Die China-Story Teil 2: aus Insider-Kreisen hören wir, dass Chinas staatliche Banken den Dollar verkaufen, um den zu rapiden Fall des Yuan zum Dollar zu bremsen.

4. Die Auflösung von Carry-Trades: Investoren haben sich günstig unverzinste Euros geliehen und in besser rentierliche, aber auch riskantere Asstes gesteckt (andere Währungen, Aktien, höher verzinste Anleihen etc.). All das wird angesicht der Marktturbulenzen derzeit zurück gefahren.

Es ist unwahrscheinlich, dass diese Bewegung, die gerade erst angefangen hat, schnell wieder aufhören wird. Es ist durchaus denkbar, dass der Euro mittelfristig bis 1,25 steigen wird zum US-Dollar..

18 Kommentare

18 Comments

  1. Avatar

    Demokrat

    12. August 2015 11:23 at 11:23

    @ Fugmann

    Euro mittelfristig bei 1,25 gegenüber Dollar – OK – jetzt nur noch mittelfristig definieren bitte 3, 6, 12 oder sogar 24 Monate Herr Fugmann?

    Ich halte dagegen und sage Euro bis Ende des Jahres (knapp 4 Monate) unter 1,05 – trotz China-Abwertung !!!

    Seit mehr als 3 Wochen steigt die Shortpositionierung der Big-Player, hier der Link dazu:

    http://de.investing.com/economic-calendar/cftc-eur-speculative-positions-1611

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      12. August 2015 11:38 at 11:38

      @Demokrat – wie Ihr link schon zeigt, ist der Markt short im Euro. Kommt nun Unsicherheit oder Panik in den Markt, müssen diejenigen, die den Euro geshortet haben, irgendwann eindecken (also kaufen) wenn der Euro steigt. Das spricht also eindeutig für mein Argument.
      Zeitraum: schwierig zu definieren, kommt darauf an, wie explosiv die China-Krise verläuft. Aber der Euro steht Ende des Jahres nach meiner Auffassung eher bei 1,15 als bei 1,05.
      Zuletzt hatten Sie ja gesagt, dass auf meine Prognose eines steigenden Euro spätestens bei 1,1050 Schluss sei – er steht derzeit nicht viel höher, könnte aber bald Dynamik entwickeln. Kann es sein, dass Sie selbst short sind im Euro und daher so vehement die Abwertung predigen, die sich jedoch zumindest charttechnisch nicht wirklich wahrscheinlich machen läßt?

  2. Avatar

    Kayser

    12. August 2015 12:31 at 12:31

    @Fugmann

    ok nun steht der Euro bei 1,1134 also knapp 80 Pips höher. Aber falls sie sich noch entsinnen hatten ja sie selber und ihr Kollege noch vor . ca. einen Monat eine Euro-Hausse bis 1,40 angekündigt und ausgerufen gehabt, damals Stand der Euro bei 1,14 !!! Seit dem haben wir ein kurzfristiges Tief bei 1,08 gebildet!!!
    Das sind fast 600 Pips im Gegensatz zu meinen 80 Pips versagen! :-)

    Top die Wette gilt:
    Sie sagen Euro am Jahres Ende bei 1,15 und ich sage bei 1,05 !!!

  3. Avatar

    Kayser

    12. August 2015 12:34 at 12:34

    Sorry habe mich vertan…wann war der Artikel von ihrem Kollegen mit Eurokursziel 1,40 veröffentlich worden ? Mehr als einen Monat her oder?

  4. Avatar

    Demokrat

    12. August 2015 12:41 at 12:41

    Ups…andere Emailadresse benutzt also Demokrat = Kayser :-)

  5. Avatar

    Marc

    12. August 2015 13:54 at 13:54

    Eurokurs bei 1.25 , daran glaube ich nicht. Solange die EZB QE betreibt und China sich auf eine harte Landung vorbereitet, werden wir mittelfristig ( Sicht auf 12 Monate ) von unter 1,00 Euro sehen. Wir werden gegen Ende des Jahres eine Flucht in sichere Hafen erleben und das wird den USD , JPY und SGD aufwerten. Halte hier entgegen Herr Fugmann und ich mag Ihre Analysen sehr. Wäre doch toll, wenn wir zu den Major Währungen Ihre Analysen auf Sicht von 3-6 Monaten sehen könnten. Ich denke, dass würde den Austausch hier untereinander sehr beleben. Am Ende sehen wir ja wer Recht behält. Freue mich auf einen konstruktiven Austausch mit Ihnen und den anderen Usern.

    Herzliche Grüße
    Marc Frommhold

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      12. August 2015 13:58 at 13:58

      @Marc, sehr gute Idee mit dem Austausch über Währungen. Man könnte überlegen, dazu ein Diskussionsforum einzurichten, in dem es nur um die Entwicklung der wichtigsten Währungspaare geht. Fände das Unterstützung?

  6. Avatar

    Marc

    12. August 2015 14:00 at 14:00

    @Markus: Spitze. Bin ich dabei! Das gefällt mir gut. Das belebt den Austausch und wir alle bekommen neue Ideen. Manchmal ist man verbohrt und sieht vor lauter Bäumen den Wald nicht.

  7. Avatar

    bigben

    12. August 2015 15:25 at 15:25

    gute idee, daumen hoch

  8. Avatar

    Brightcross

    12. August 2015 18:18 at 18:18

    Auf jedenfall ist das eine gute Idee sich darüber auszutauschen…;-))

    Die 1,25 sieht gar nicht mal so schlecht aus, erstaml mit momentum durch die 1,1380 und dann Bahn frei aus technischer Sicht.

    • Avatar

      Brightcross

      12. August 2015 18:24 at 18:24

      ach ja , alles unter 1,0820 siht es düster aus

  9. Avatar

    Brightcross

    12. August 2015 18:22 at 18:22

    @ Marc…Glauben ist nicht sehr förderlich im Börsenleben…Und die Fundamentalanalysen sind für den “ einfachen privaten Trader “ kaum zu durchblicken, also CDharttechnik, die sagt mehr als tausend Worte ;-))

  10. Avatar

    Marc

    12. August 2015 18:38 at 18:38

    Hallo Brightcross, stimme ich Dir zu. Glauben und Hoffen ist keine Position im Trading. Manchmal lässt die deutsche Sprache hier aber nicht mehr Worte zu. Ich bin mir sehr sicher, dass wir nach Süden auf Sicht von 12 Monaten gehen werden. Das sollte verstanden werden :-) By the way, wärst Du bei einem Diskussionsforum dabei? Ich freue mich mehr von Dir zu hören!

  11. Avatar

    Brightcross

    12. August 2015 19:46 at 19:46

    @Marc
    wie schon geschrieben, interesse ist da.

    Finanzmarktwelt ist eine sehr tolle und interessante Seite ;-)
    Die Hintergründe und Zusammenfassungen sind des öfteren sehr hilfreich. (Fundamental gesehen)

    Bin mal gespannt was der Markus F. da zusammen schustert, danke nochmal an Ihn.

  12. Avatar

    Demokrat

    13. August 2015 11:09 at 11:09

    @ Fugmann

    falls sie ein Diskussionforum für Devisen eröffnen, erkläre ich mich bereit meine Chartanalysen reinzustellen.
    Je nach Bedarf Elliot-Wave bishin zur klassischen Chartanalyse. Das ich kein Noname in der Charttechnik bin, werden sie nach kurzer Zeit feststellen. :-) Zur gegebener Zeit werde ich mich auch outen :-)

    Sinn und Zweck der Angelegenheit: Den Austausch unter den Tradern fördern. Und das OHNE ENTGELD :-)

    Die privaten Trader kämpfen alleine gegen die Big-Player, die die Kursrichtung festlegen. Man kann nur mit der Chartechnik dagegen halten! Bei den frisierten fundamental Daten haben die Big-Player enormen Vorsprung durch Insiderinfos und das ist eine TATSACHE !!!

    Warum soll ich das überhaupt machen und das kostenlos? Um mich hier zu profilieren? Absolut NEIN!

    Obwohl Herr Fugmann ein bekennender ANTI-ERDOGAN-FAN ist, finde ich seine Videos mit dem Tagesausblick und der Tageszusammenstellung ohne den chartechnischen Part interessant. Erspart mir Infosuche, warum weshalb der Tag so verlaufen wird oder ist :-)
    Außerdem bring er es irgendwie sympatisch rüber ;)

    Also Herr Fugmann, mein Angebort steht! Finanzmarktwelt.de kann nur davon profitieren!

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      13. August 2015 11:15 at 11:15

      @Demokrat, das Angebot nehme ich (als Busen-Freund von Erdogan:)sehr gerne an – ich bin ab morgen jedoch einige Tage unterwegs, erst am 24.08. dann wieder konstant am Desk. Dann könnten wir das Forum sehr gerne starten!

  13. Avatar

    Demokrat

    13. August 2015 11:20 at 11:20

    @ Fugmann

    Ok freut mich.
    Die Cahrtanalysen über EUR/USD lasse ich dann per Email zukommen und Sie stellen es dann rein.
    Also dann bis zum 24.08 :-)

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      13. August 2015 11:22 at 11:22

      @Demokrat, perfekt!

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Devisen

Türkische Lira: Abwertung nach Zinsanhebung – warum ist das passiert?

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Lira-Geldscheine

Die türkische Lira verliert diese Woche wieder deutlich an Boden. Es ist ein Desaster für alle die hofften, dass eine drastische Zinsanhebung durch die türkische Zentralbank auch eine Wende für die türkische Lira einleiten würde. Denn die wertet seit Jahren dramatisch ab. Aber wie gesagt, letzte Woche Donnerstag erhöhte die Zentralbank den Leitzins drastisch, um 4,75 Prozentpunkte auf volle 15 Prozent, um die Inflation in der Türkei einzudämmen.

Türkische Lira reagierte auf drastische Zinsanhebung

Genau dieser Schritt auf 15 Prozent war am Devisenmarkt erwartet worden. Entsprechend war die türkische Lira in den Tagen vorher schon gestiegen, und auch kurz nach der Zinsanhebung stieg die Lira weiter an gegen US-Dollar und Euro. USDTRY fiel von 7,67 auf 7,51. Also, alles lief nach Plan? Nein, die Lira begann wieder abzuwerten, und zwar deutlich – jetzt notiert USDTRY bei 7,91. Diese Woche Montag berichteten wir bereits darüber, dass vermutlich Inländer in der Türkei zwischenzeitlich die gestiegene türkische Lira dafür genutzt hatten, um zu besseren Kursen weiter US-Dollar und Euro zu kaufen. Dass die türkische Lira die letzten Tage ein echtes Eigenleben führte, erkannte man an einer fallenden Lira bei gleichzeitig fallendem Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Hauptwährungen). Wenn der US-Dollar fällt, hat eigentlich alles was gegen ihn gehandelt wird, eine gute Chance zu steigen – aber nicht so die Lira in den letzten Tagen!

Warum die Zinsanhebung dennoch verpuffte

Denn die große Unsicherheit gegenüber der türkischen Politik und der Beeinflussung der Zentralbankpolitik ist wohl weiterhin vorhanden, und drückt gegen die türkische Lira. Ein Aspekt kommt aber hinzu, der nicht so direkt ins Auge fällt. Zwar hatte die Zentralbank den Leitzins letzte Woche wie gesagt drastisch angehoben von 10,25 Prozent auf 15 Prozent. Aber wie es zum Beispiel ein türkischer Kolumnist gestern erwähnte, so war es doch keine richtige, eindeutige Zinsanhebung. Denn andere Zinssätze der Zentralbank seien bereits vorher deutlich höher gewesen, bei beinahe 15 Prozent. Mit dieser Zinsanhebung hat die Zentralbank also sozusagen nur für eine Glättung und Vereinheitlichung ihrer Zinsen gesorgt. Vorher versuchte die Zentralbank zum Beispiel bereits die Abwertung der Lira zu stoppen, in dem man bei Derivaten mit höheren Zinskosten versuchte Spekulanten aus dem Ausland die Liquidität zu beschneiden.

Was kann man tun?

Müsste die türkische Zentralbank nun also den Leitzins erneut kräftig anheben, um ihrem Willen zur Inflationseindämmung Nachdruck zu verleihen? Könnte dies die türkische Lira zum Aufwerten bringen? Wichtig wäre wohl ein längeres Festhalten an hohen Zinsniveaus. Und eine klare Sprachregelung von Zentralbank und Präsident Erdogan wären wichtig, in der nicht mehr von Zinsen die Rede ist, die möglichst stark sinken sollen. Hat man am Devisenmarkt den Verdacht, dass die Zinsen nur für einen relativ kurzen Zeitraum oben bleiben? Dann könnte dies die Annahme bestärken, dass die Inflation in der Türkei nicht gebremst wird, was wiederum die türkische Lira schwächt. Es geht um Verlässlichkeit. Der Devisenmarkt will eine konstante und klare Linie sehen – so darf man es annehmen.

Die jetzige Vereinheitlichung des Zinsniveaus durch die Anhebung des Leitzinses sorgt für mehr Transparenz – aber es fehlt womöglich noch eine zweite kräftige Zinsanhebung. Auch hat die türkische Bankenaufsicht angekündigt Mindestausleihungen an türkische Banken nicht mehr vorzugeben. Diese galten unter anderem als ein Grund für die umfangreiche Kreditvergabe in der Türkei. Es wirkt derzeit so, als tue sich einiges in Sachen Transparenz und Normalisierung. Es ist ein Anfang. Es braucht viel Verlässlichkeit, Konstanz, Vertrauen, und wohl auch ein Unterlassen von Äußerungen von Präsident Erdogan über niedrigere Zinsen. Dazu vielleicht noch ein erneuter kräftiger Zinsschritt nach oben, und dann ein Durchhalten auf diesem Niveau. Dann könnte die türkische Lira auch anfangen nachhaltig wieder aufzuwerten? Im Chart sehen wir den Verlauf von US-Dollar vs Türkische Lira seit dem 13. November.

Chart zeigt US-Dollar gegen türkische Lira in den letzten Tagen

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Allgemein

Janet Yellen – wird sie den Dollar weiter abstürzen lassen?

Was bedeutet die faktische Ernennung von Janet Yellen zur zukünftigen US-Finanzminsterin für den Dollar? Sind die USA auf den Spuren Japans?

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Was bedeutet die faktische Ernennung von Janet Yellen zur zukünftigen US-Finanzminsterin für den Dollar? Mit dem neuen US-Präsidenten Joe Biden kehrt wieder etwas Berechenbarkeit in die amerikanische Politik zurück. Auch erkennbar an den ersten Postenbesetzungen im neuen Kabinett. Der Vorschlag für die Nachfolge Steven Mnuchins schlug in den letzten Tagen wie eine kleine Bombe in der Finanzszene ein, schließlich möchte der neue Präsident eine „altbewährte“ Ökonomin mit dieser Schlüsselposition besetzen: die ehemalige Präsidentin der Federal Reserve, Janet Yellen. Was heißt das für die künftige Geld- und Fiskalpolitik  – und amit für den Dollar?

Die Karriere der Janet Yellen

Mit der ehemaligen Wirtschaftsprofessorin wird eine Person vom Fach den Posten des obersten Geldverwalters oder korrekter der Geldverwalterin in den USA antreten, was in anderen Ländern nicht generell der Fall ist. Janet Yellen kam neben ihrer Lehrtätigkeit schon früh in Kontakt mit der US-Notenbank, wo sie bereits ab 1975 Mitarbeiterin beim Board of Governors im System der Federal Reserve gewesen ist. Von 1994 bis 1997 war sie Mitglied im Vorstand der Federal Reserve, anschließend wurde sie Vorsitzende des Rates der Wirtschaftsberater von US-Präsident Bill Clinton. Also eine Funktion, wie sie jüngst Larry Kudlow in besonderer Art und Weise ausgefüllt hat.

Von 2004 bis 2010 war sie Präsidentin der Fed von San Francisco, ab dem Jahr 2009 stimmberechtigtes Mitglied im Federal Open Market Committee. Im Jahr 2010 wurde sie zur Stellvertreterin von Fed-Chef Ben Bernanke ernannt und ab 2013 gelangte sie als erste Frau an die Spitze der bedeutendsten Zentralbank der Welt. Diese Position verlor sie als Demokratin nach der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten, der mit diesem Schritt einmal mehr von der bisherigen Tradition abwich. Ihr Nachfolger Jerome Powell ist bereits seit 2012 im Direktorium der Federal Reserve, somit dürften sich die neue Finanzministerin und der Fedchef sehr gut kennen. Janet Yellen ist mit dem Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften George A. Akerlof verheiratet – sie ist also privat und beruflich immer im Umfeld der Ökonomie.

Die „dovishe“ Janet Yellen

Für die Benennung der Wirtschaftsprofessorin als neue Finanzministerin hat der neue US-Präsident sicherlich mehrere Gründe: Zum einen gilt die Demokratin als sehr ausgleichend zwischen den Parteien, was nach Donald Trump sicherlich äußerst bedeutsam wird, und zum anderen wird sie eine Konnexion zwischen Politik und Notenbank gewährleisten, was in der jetzigen Verschuldungssituation sehr vonnöten ist. Die Regierung braucht den kurzen Draht zur Geldpolitik, eine Sonderstellung der Notenbank wäre in der kommenden Zeit sehr hinderlich. Die Märkte gehen von einer guten Weichenstellung aus, deshalb auch die erste positive Börsenreaktion. Die Tauben sind demnächst in den USA am Drücker – daher tendiert auch der Dollar wieder schwächer.

Des einen Freud, des anderen Leid

Was wird diese neue Konstellation Janet Yellen – Powell für geldpolitische Konsequenzen haben? Zunächst freut man sich an den Märkten, dass „der Kelch“ in Gestalt der linken Demokratin Elisabeth Warren an ihnen vorübergegangen ist. Deren während ihrer Kandidatur vorgetragenes Programm hätte die Wirtschaft und die Finanzmärkte eine Zeit in Wallung gebracht, denn ob Warren ihre Vorstellungen in die Tat hätte umsetzen können, steht auf einem anderen Blatt. Nach einer Corona-Schonfrist würden bald schon die Midterm Elections anstehen, die rasche Veränderungen im Kongress bringen können.

Wer sind die Profititeure, wer die Leittragenden?

Zunächst dürften die Finanzmärkte sich über eine weiterhin lockere Geldpolitik freuen, denn es sind zwei Tauben an den Schaltstellen, die über alles sinnieren werden, jedoch nicht über künftige Zinserhöhungen.

Bevor eine Massenimpfung eine echte Erleichterung am Arbeitsmarkt bringt – Stichwort: Maximum Employment – wird man vonseiten der Federal Reserve das Anleihekaufprogramm fortsetzen und retten, wo es zu retten gilt. Hinzu kommen wird der unbedingte Wille der Durchsetzung von Konjunkturprogrammen, speziell im Umweltbereich, einem zentralen Thema von Joe Biden, in dem er ganz besonders den neuen Wind nach Trump symbolisieren könnte. Was nichts anderes bedeutet, als weiter die Verschuldung nach oben zu treiben, auch unter Inkaufnahme einer ansteigenden Inflation. Sowohl Fed-Chef Powell als auch die mögliche neue Finanzministerin haben eine gewisse Flexibilität mit einer höheren Inflationsrate bekundet. Niedrige Zinsen, bei steigender Teuerungsrate – damit wird deutlich, wer dabei besonders leiden könnte: der Dollar!

Aber in der jetzigen Situation kommen einige frühere Bemerkungen von Janet Yellen ins Gedächtnis, wenn es um die Bewältigung einer Rezession geht. Bereits auf einer Konferenz im September 2016 brachte die damalige Notenbankchefin den Gedanke von neuen Instrumenten ins Spiel, die die Fed zur Bewältigung einer Wirtschaftsschrumpfung benötigen könnte: Ankauf von Firmenbonds und Aktien. Letzteres wiederholte sie in diesem Jahr bei einem Interview im April. Die USA auf den Spuren Japans, was für ein Gedanke! Diesen Gedanken hatte unser Autor bei FMW, Hannes Zipfel, in seinem bemerkenswerten Artikel vom 30.6.2020 schon ins Spiel gebracht („Aktienmarkt: Verlassen Sie sich auf die Fed“!)

Fazit

Noch ist es zu früh irgendwelche Schlussfolgerungen über ungelegte Eier anzustellen. Aber eines dürfte klar sein: Bei zwei Verfechtern einer lockeren Geldpolitik wird es von innen heraus keine große Änderung in der Fiskal- und Geldpolitik geben. Das Zusammenspiel zweier Vertreter einer taubenhaften Geldpolitik wird in der jetzigen Lage den monetären Impuls nicht ohne Not verringern.

Und von woher könnte eine solche Notsituation kommen? Eher nicht von einer opulent anspringenden Wirtschaft, die ohne Stütze auskommt, sondern eher von der Inflation, die nun schon ein Jahrzehnt wie tot erscheint. Aber in diesem Zeitraum haben die Notenbanken weltweit auch nicht sieben Billionen Dollar binnen eines Dreivierteljahres ins System geschleust.

Wird die dovishe Janet Yellen den Dollar weiter schwächen?

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Devisen

Schweizer Franken: Warum die Aufwertung erst einmal unterbrochen ist

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Eine Franken-Münze

Der Schweizer Franken soll doch bitte nach Möglichkeit schön abwerten. So lautet jedenfalls seit Jahren die Hoffnung und das Drängen der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Denn je höher der Franken notiert, desto teurer werden Schweizer Produkte im Ausland, und desto teurer wird der Urlaub für Ausländer in der Schweiz. Beides ist natürlich Gift für die schweizerische Volkswirtschaft. Und so versucht die SNB seit Jahren mit gigantischen Summen an selbst gedruckten Schweizer Franken etwas zu tun. Sie verkauft diese Franken und kauft dafür vor allem den Euro, aber auch den US-Dollar.

So will die SNB die Aufwertung des Schweizer Franken verhindern. Aber der Devisenmarkt war mit Blick auf die letzten Jahre stärker als die SNB, und der Franken blieb zu stark. So druckte die SNB immer weiter. Dann kam die Coronakrise. Und die Welt suchte unter anderem ihr Heil in der Flucht in die schweizerische Währung, die als einer der letzten sicheren Fluchthäfen gilt. Laut jüngsten Meldungen hat die SNB geäußert, dass sie alleine im ersten Halbjahr 2020 eine Summe von 90 Milliarden Schweizer Franken einsetzte um die Aufwertung zu bremsen.

Schweizer Franken als Spielball der Coronakrise

Der folgende Chart zeigt den Kursverlauf von Euro vs Schweizer Franken in den letzten zwölf Monaten. Man sieht bis Mai den fallenden Euro (von 1,08 bis 1,05), also eine klare Franken-Aufwertung. Dies zeigte in der schlimmsten Corona-Krisenzeit den Drang der Märkte in Richtung Schweiz. In den Monaten danach folgte der Rückgang der Corona-Infektionszahlen, und der Euro konnte sich wieder erholen – der Franken wertete wieder ab auf Niveaus um die 1,08. Aber im Oktober sieht man im Chart den Rückgang im EURCHF, korrespondierend mit dem Aufkommen der zweiten Corona-Welle.

Chart zeigt Kursverlauf von Euro vs Schweizer Franken seit Ende 2019

Der folgende Chart zeigt den Kursverlauf von Euro vs Schweizer Franken seit dem 27. Oktober. Nicht zu übersehen ist der EURCHF-Anstieg am 9. November von 1,07 auf 1,0820. An diesem Tag gab es die erste richtige Corona-Impfstoff-Meldung von Biontech und Pfizer. Die Aktienmärkte und der Ölpreis stiegen kräftig, in Hoffnung auf eine deutlich schnellere Konjunkturerholung. Der Goldpreis (sicherer Hafen) fiel drastisch um mehr als 100 Dollar, und auch der Schweizer Franken als sicherer Hafen in Krisenzeiten reagierte genau an diesem Tag mit einer Abwertung. Sie hält (wie der Chart zeigt) bis heute an. Fürs Erste scheinen die seit drei Wochen anhaltenden guten Impfstoff-Meldungen sowie die nun doch geregelte Amtsübergabe zwischen Donald Trump und Joe Biden die Anleger weltweit dazu zu bringen, mehr Risiko eingehen zu wollen (Risk On-Szenario). Das schwächt erst einmal die Save-Haven-Assets wie Gold und Schweizer Franken. Die SNB dürfte fürs Erste ein wenig aufatmen.

Chart zeigt Kursverlauf von Euro vs Schweizer Franken seit Ende Oktober

Nie den Drang hin zum Fränkli unterschätzen

Das größere Bild zeigt, dass der Schweizer Franken seit dem Jahr 2018 in einem klaren Aufwertungstrend liegt (EURCHF damals noch bei 1,20). Dieser Trend wurde erst ab Juni diesen Jahres gebremst. Es kann jetzt zu einer weiteren Franken-Abwertung kommen im Zuge der Impfstoff-Verteilung in den nächsten Monaten. Aber den globalen Drang hin zum Fränkli, den sollte man langfristig im großen Bild gesehen nicht unterschätzen.

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