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Weidmanns Klartext

Erstaunlich klare Worte für einen Notenbanker: Bundesbankchef Weidmann hat gestern bei einer Rede in Dubrovnik den Finger in die Wunde der EZB-Geldpolitik gelegt und damit die aktuellen Entwicklungen deutlich kritisiert. Im Fokus seiner Kritik stehen die extrem niedrigen Anleiherenditen der Länder der Europeripherie: so liegt die Rendite (=Risikoprämie) für eine 10-jährige Staatsanleihe Spaniens aktuell auf dem Niveau der Staatsanleihe mit gleicher Laufzeit der USA.

Dazu Weidmann: „Es besteht das Risiko, dass die Marktbewertung den Anpassungsprozessen voraus läuft. Die aktuellen Langfristrenditen einiger europäischer Staatsanleihen scheinen schon einen großen Teil der erforderlichen Anpassungen eingepreist zu haben“. Mit anderen Worten: die Märkten haben eine Entwicklung bereits eingepreist, die faktisch nicht der Fall ist. Nicht nur in Italien und Spanien stocken die Reformbemühungen, weil sich diese Staaten derzeit extrem günstig an den Kapitalmärkten finanzieren können. Der ausschlaggebende Grund ist die Rundum-Wohlfühl-Garantie durch die EZB, die faktisch die Staatsanleihen garantiert und so als vermeintlich risikolos erscheinen läßt.

Für die Banken eine vermeintlich totsicheres Investment, zumal der Kauf von Staatsanleihen regulatorisch als risikolos gilt, weil Staaten nach traditioneller Lehre der Volkswirtschaft nicht pleite gehen können. Dass Staaten historisch gesehen aber immer wieder Pleite gingen – und weiterhin gehen werden – kommt in der Theorie der Volkswirtschaftler jedoch nicht vor.

Weidmann fordert daher konsequent, dass die Vorzugsbehandlung von Staatsanleihen – für deren Kauf Banken kein Eigenkapital hinterlegen müssen (weil vermeintlich risikolos) – bald ein Ende hat. Super-Mario wird es hören – und wie immer ignorieren. Der EZB-Chef kann sich dabei der Unterstützung durch die Politik sicher sein, die keinerlei Interesse hat, am bestehenden System etwas zu ändern..



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