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Die große Krypto-Pleite Wie 95 Millionen Dollar Pensionsgelder von Lehrern bei FTX landeten

Der Ontario Teachers Pension Plan hat für kanadische Lehrer und Pensionäre 95 Millionen Dollar bei FTX versenkt. Wie konnte das passieren?

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Die Krypto-Börse FTX, die der „Wolf of Wall Street“ Jordan Belfort richtigerweise eher als Broker bezeichnete, der einfach Kundengelder entgegennahm, ist pleite. Am 11. November wurde der Konkurs für FTX in den USA verkündet. Es ist das Mega-Desaster für den globalen Kryptomarkt in diesem Jahr. Nicht nur Tradingkunden von FTX sind betroffen, sondern auch Investoren, die FTX finanzierten. Und was die breite Öffentlichkeit kaum bemerkt hat: Auch Gelder von Lehrern aus Kanada landeten bei FTX, und sind wohl verloren. Insgesamt 95 Millionen Dollar wurden zwischen Oktober 2021 und Januar 2022 durch den „Ontario Teachers Pension Plan“ in die US-Einheit von FTX investiert. Die Pensionskasse für aktive und pensionierte Lehrer in Kanada verwaltet nach eigenen Angaben für 333.000 Mitglieder 242 Milliarden Dollar in sämtlichen Kategorien des Kapitalmarkts.

In einer bereits letzte Woche veröffentlichten Erklärung erläuterte der Ontario Teachers Pension Plan seine Investitionsgründe in FTX, und warum es schief ging. Man habe diese Investitionen über seine Einheit „Teachers‘ Venture Growth“ (TVG) zusammen mit einer Reihe globaler Investoren getätigt, um ein kleines Engagement in einem „aufstrebenden Bereich des Finanztechnologiesektors“ zu erreichen. „Unsere Investition machte weniger als 0,05 % unseres gesamten Nettovermögens aus“, so die Pensionskasse.

„TVG wurde 2019 gegründet, um in aufstrebende Technologieunternehmen zu investieren, die Risiko- und Wachstumskapital in der Spätphase aufnehmen. Die Investitionen sind so strukturiert, dass sie dem Ontario Teachers Pension Plan Renditen bieten sollen, die dem eingegangenen Risiko angemessen sind, und dass sie eigene Erkenntnisse liefern, die in andere Investitionen des Plans einfließen. Natürlich entsprechen nicht alle Investitionen in dieser frühen Anlageklasse den Erwartungen, aber seit der Gründung hat TVG die angestrebten Ziele solide erreicht“, so erläuterte es die Pensionskasse. Also führt sie „In House“ sozusagen eine Art Hochrisiko-Venture Capital Fonds.

„Die Investitionsabteilungen von Ontario Teachers, einschließlich TVG, führen bei allen privaten Investitionen eine solide Due-Diligence-Prüfung durch. Unterstützt von erfahrenen externen Beratern, die über finanzielles, kommerzielles und anderes relevantes Fachwissen verfügen, und oft in Absprache mit den Investitionspartnern, ist die Due-Diligence-Prüfung so konzipiert, dass sie die von den Unternehmen zur Verfügung gestellten Materialien und andere Untersuchungen nutzt, um das mit einer bestimmten Investition verbundene Risiko zu bewerten. Im Falle von FTX umfasste unser Underwriting-Prozess eine enge Zusammenarbeit mit externen Beratern und FTX, um kommerzielle, regulatorische, steuerliche, finanzielle, technische und andere Fragen zu untersuchen“, so erläuterte die Pensionskasse ihre Prüfung der Investition bei FTX. Da keine Due-Diligence-Prüfung alle Risiken aufdecken könne, insbesondere nicht bei einem aufstrebenden Technologieunternehmen, sei die Investition in FTX im Verhältnis zum Gesamtwert von TVG und dem Gesamtportfolio des Plans moderat bemessen worden. Im Klartext: Da man wohl wusste, dass es ein Hochrisiko-Investment war, hat man im Verhältnis zum Gesamtportfolio mit 95 Millionen Dollar einen eher geringen Betrag investiert.

Beruhigend für die einzahlenden und bereits pensionierten Lehrer sollen wohl die Aussagen der Pensionskasse wirken, dass es die Anlagestrategie sei die Gelder breit gestreut zu investieren. Die Strategie ziele darauf ab Investitionen über verschiedene Anlageklassen, geografische Regionen, Zeithorizonte und wirtschaftliche Ergebnisse zu diversifizieren, um Risiken zu mindern und Erträge zu steigern. Dies unterstützte die Fähigkeit des Plans, in einer Vielzahl von Anlageumgebungen gute Ergebnisse zu erzielen, und mildert die negativen Auswirkungen eines einzelnen Anlageverlusts auf den Fonds insgesamt. Der Umfang der Investitionen in FTX spiegele den Ansatz der Diversifizierung wider.

Die Pensionskasse will ihre Investition in FTX zum Jahresende auf Null abschreiben. Der finanzielle Verlust aus dieser Anlage werde angesichts ihres Umfangs im Verhältnis zum gesamten Nettovermögen und der starken Finanzlage nur begrenzte Auswirkungen haben. Man sei jedoch enttäuscht über das Ergebnis dieser Investition, nehme alle Verluste ernst und werde diese Erfahrung nutzen um den Ansatz weiter zu stärken.

FMW-Anmerkung: Interessant sind die Erläuterungen des Ontario Teachers Pension Plan zur Investitionsprüfung bei FTX. Dort spricht man von „Solider Due-Diligence-Prüfung“, von „Erfahrenen Beratern“ und „Relevantem Fachwissen“. Aber man schreibt auch, dass „keine Due-Diligence-Prüfung alle Risiken aufdecken kann“. Also hat man bei der Prüfung von FTX offenbar nicht das Unternehmen wirklich tiefgehend durchschauen können? Aus heutiger Sicht darf man sagen: Kein Wunder, so verschachtelt wie das Unternehmen offenbar war. Aber gerade wenn es um Pensionsgelder geht, sollte man auch bei Hochrisiko-Investitionen nicht im Zweifelsfall die Hände davon lassen?

Genau dafür sollen doch solche Prüfungen gedacht sein. Versteht man etwas nicht, sollte man doch besser die Hände davon lassen – und erst recht am Kryptomarkt. Und man erinnere sich an den Fall Wirecard. Oft verstanden selbst anerkannte Investmentexperten das „Erfolgsmodell“ von Wirecard nicht so richtig, aber man wollte eben dabei sein bei den tollen Kursgewinnen – bis dann das Kartenhaus zusammenbrach. Offen bleibt die Frage, ob sich die Investment-Entscheider bei der kanadischen Pensionskasse einfach nur haben blenden lassen von der großen, bunten, hippen Krypto-Sause, bei der jahrelang (fast) jeder dabei sein wollte.



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