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Wie es der Finanzmarktstabilisierungsfonds schafft 1,5 Milliarden Euro Verlust zu machen

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Das Wort „Finanzmarktstabilisierungsfonds“ (FMS) kennen Sie schon gar nicht mehr? Er ist eine Tochter des Bundes, und steht quasi unter Obhut der Finanzagentur Deutschland GmbH, die normalerweise für den Bundesfinanzminister am Kapitalmarkt neue Schulden aufnimmt. Der Finanzmarktstabilisierungsfonds war zum Beispiel dafür verantwortlich die Commerzbank zu stützen. So besitzt der Bund über dieses Vehikel immer noch 15,6% an der Commerzbank.

Der Kurs der Commerzbank-Aktie fiel auch letztes Jahr weiter in den Keller. Er halbierte sich sogar! Und da jedes Vehikel das bilanziert, auch Wertgegenstände in seiner Bilanz realistisch darstellen muss, passiert was? Für das Jahr 2018 musste der Finanzmarktstabilisierungsfonds jetzt eine Wertberichtigung (Abschreibung) in Höhe von 1,3 Milliarden Euro vornehmen. Zitat aus dem aktuellen Bericht der Finanzagentur Deutschland:

Die Finanzanlagen des FMS hatten zum 31. Dezember 2018 einen Buchwert von 1,3 Mrd. Euro (31. Dezember 2017: 2,6 Mrd. Euro). Der Rückgang beruht auf der oben genannten Abschreibung der Beteiligung an der Commerzbank AG.

 

Hier die Bilanzsumme des Finanzmarktstabilisierungsfonds im Jahresvergleich.

Finanzmarktstabilisierungsfonds Bilanz

Insgesamt liegt der Verlust des FMS für 2018 sogar bei 1,51 Milliarden Euro nach einem Gewinn in 2017 über 1,45 Milliarden Euro. Hier weitere Detailinfos im Wortlaut von der Finanzagentur:

Insgesamt beläuft sich der seit der Gründung bis zum 31. Dezember 2018 aufgelaufene, nicht gedeckte Fehlbetrag auf 22,6 Mrd. Euro (31. Dezember 2017: 21,0 Mrd. Euro). Die Höhe der aus dem FMS für Bund und Länder resultierenden haushaltswirksamen Belastungen wird erst mit Abrechnung des FMS feststehen. Die Umsatzerlöse des FMS beliefen sich wie im Vorjahr auf 13,2 Mio. Euro und stammen aus der Provision für die Bereitstellung eines Verlustausgleichsrahmens in Form eines strukturierten Darlehens an die EAA. Die Aufwendungen des FMS in 2018 in Höhe von 1.527,0 Mio. Euro beinhalten Abschreibungen auf die Aktienbeteiligung an der Commerzbank AG in Höhe von 1.312,9 Mio. Euro (2017: Zuschreibung in Höhe von 1.027,1 Mio. Euro) sowie Zinsaufwendungen in Höhe von 214,1 Mio. Euro (2017: 218,2 Mio. Euro).

Am Ende betont die Mitteilung der Finanzagentur, dass Zitat „seit Ende 2015 die Gewährung neuer Maßnahmen aus dem FMS nicht mehr möglich ist“. Also keine neuen Bundesmittel für Bankenrettungen. Aber mal ehrlich. Bei der nächsten Krise wird diese Politik einfach geändert.

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Marcus

    2. Juli 2019 17:01 at 17:01

    Das ist mehr als nur unwahrscheinlich das der Bund hier ohne Verlust aussteigen kann! Man hat viel zu lange gewartet mit dem Verkauf der Anteile, und jetzt wird man sie nicht mehr los. Hätte man damals verkauft wo der CoBa Kurs noch höher stand (in 2015 oder 2017), wäre dies zwar auch ein Verlust geworden, aber bei weitem nicht so hoch wie er jetzt wäre.

    Deshalb wäre ja auch eine DB /CoBa Fusion für den Staat interessant gewesen, weil man da den Anteil unkompliziert hätte loswerden können. Einen anderen Grund gab es meiner Ansicht nach nämlich nie wirklich weshalb die „Gespräche“ stattgefunden haben.

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EZB-Politik: Mario Draghi mit letztem drastischen Move? Tendenz für Euro eindeutig?

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Es wirkt so als wolle Mario Draghi in „seinem großen Finale“ kurz vor dem Ende seiner Amtszeit nochmal die Mega-Bazooka rausholen. Die EZB-Politik soll (so meinen wir) stärker gelockert werden als bislang von vielen Beobachtern angenommen. Offenbar gibt es hier eine Politik der kleinen Hinweise für den Markt, damit es nicht auf einen Schlag zu große Überraschungen geben wird am 12. September? An dem Tag findet nämlich die Zinsentscheidung der EZB statt.

EZB-Politik in mehreren Bereichen lockern?

Bevor wir zur Gegenwart kommen, ein kurzer Blick zurück. Am 13. August schrieben wir bereits über einen Schock, aufgrund dessen Mario Draghi unbedingt handeln solle. Denn die deutschen Großhandelspreise wurden an dem Tag sogar im deflationären Bereich veröffentlicht. Dies deutet auf weiter fallende Verbraucherpreise (Inflation) hin. Und am 25. Juli hatte Mario Draghi bereits erklärt, dass er die augenblicklich niedrige Inflation in der Eurozone nicht akzeptieren könne. Hier der Chart der EZB. Derzeit liegt die nach EZB-Maßstäben berechnete Inflation bei 1,0%.

Inflation springt nicht an - EZB-Politik wird wohl stark gelockert werden

Dann kam am 15. August der nicht gerade in der ersten Reihe stehende EZB-Offizielle Olli Rehn. Er fand deutliche Worte und forderte, die EZB müsse besser deutlich zu viel machen als zu wenig. Also kräftig Zinsen senken und Anleihen neu kaufen? Und gestern dann folgte das stets trockene und staubig langweilige EZB-Sitzungsprotokoll (hier ganzer Text im Original einsehbar). Es bezog sich auf auf die Sitzung am 25. Juli. Steigt man tief ab in die Details dieses Textes, dann kann man erneut zu dem Schluss kommen, dass man einen großen Schritt plant bezüglich der Lockerung der EZB-Politik für die Verkündung am 12. September.

 

So kann man dem gestern veröffentlichten Protokoll entnehmen, dass die Notenbanker um Mario Draghi dem „Eindruck entgegentreten“ wollen, dass die EZB nicht über die erforderlichen Instrumente verfüge um auf mittlere Sicht den Zielwert des Inflationsziels von 2,0% oder nahe 2,0% zu erreichen. Auch wurde im Protokoll niedergeschrieben, dass man verschiedene Optionen als Teil eines Gesamtpakets an Maßnahmen im Sinn habe. Denn so die EZB „unterschiedliche Instrumente hätten komplementäre und sich gegenseitig verstärkende Effekte“. Daher sei es effektiver verschiedene Instrumente der EZB-Politik zu kombinieren, als nur mit einzelnen Maßnahmen zu agieren.

Wird Mario Draghi zum großen Finale nochmal voll draufhauen?

Also, die EZB-Politik steht vor einem großen Schritt am 12. September. Man darf davon ausgehen, dass Mario Draghi wohl eine Kombination aus weiter sinkenden Zinsen und neuen Anleihekäufen verkünden wird? Da wird es aber brisant. Denn bislang gilt die durch die EZB selbst erstellte Regel, dass man bei Staatsanleihen aus der Eurozone maximal ein Drittel der ausstehenden Anleihen eines Mitgliedslandes aufkauft. Bisher betonte Mario Draghi stets, dass die EZB-Politik in diesem wichtigen Detail eingehalten werde. Aber wie es eben so ist mit Regeln, die man selbst aufstellen kann. Dann wird diese Grenze von 33% vielleicht durch die EZB angehoben? Vielleicht auf 40%? Man wird sehen. Die EZB versucht natürlich den Anschein zu vermeiden sie würde verbotene Staatsfinanzierung betreiben. Deswegen diese selbst auferlegte Begrenzung der Käufe. Aber wo ist hier eine sinnvolle Maximalgrenze? Das liegt wohl im Auge des Betrachters?

Tendenz für Euro eindeutig?

Im folgenden Chart sieht man den Verlauf von Euro vs US-Dollar in den letzten 12 Monaten. Er fiel von 1,18 auf 1,1055. Die Tendenz sollte weiter abwärts gerichtet sein. Denn je schwächer die Geldpolitik, desto schwächer die Währung. Natürlich gilt: Lockern ausländische Notenbanken noch stärker, wird die gegenüberliegende Währung im betrachteten Währungspaar noch schwächer, und der Euro steigt wieder. Aber im Fall der USA sieht man ja, dass die US-Konjunktur deutlich besser läuft als Europa. Also kann die Fed gar nicht so kräftig lockern, wie es die EZB im September wohl tun wird. In gewissem Umfang hat der Devisenmarkt die bevorstehende Lockerung der EZB-Politik schon im Euro verarbeitet. Aber es ist gut möglich, dass der Euro sich noch weiter abschwächt, weil die Erwartungen des Markets an den Umfang der Lockerungen noch zu gering sind. Niemand kann sagen, was die EZB genau tun wird. Man kann nur Vermutungen anstellen, und aufgrund der öffentlich einsehbaren Äußerungen Tendenzen erkennen. Und nach unserer Meinung steht eine deutliche Lockerung bevor. Also, Euro shorten? Puhhhhh. Bitt entscheiden Sie das selbst. Wir geben hier keinerlei Handelsempfehlungen!

Euro vs USD seit September 2018

EZB-Politik vor erneuter Lockerung - kreative Grafik mit EZB-Logo
Grafik: DonkeyHotey – Planet of the Euros – Cartoon CC BY 2.0

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