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Xi Jinping und die Geschäftspraktiken der rote Elite

Was passiert wirklich in China, dem Reich von Xi Jinping? Kaum ein System ist für „Westler“ so schwer zu durchschauen wie das Reich der Mitte. Das Riesen-Reich erscheint wie ein monolithischer Staat, geführt von Xi Jinping, der inzwischen auf Lebenszeit ernannt ist und nun so mächtig ist wie kein anderer KP-Führer zuvor ausser Mao. Aber da gibt es noch die „roten Prinzen“ – also die Nachfahren jener Kommunisten, die mit Mao den lange Marsch absolviert hatten und daher der „Adel“ Chinas sind. Einer dieser roten Prinzen ist: Xi Jinping!

Xi Jinping und die roten Prinzen

Einer, der Licht ins Dunkel des chinesischen Herrschafts-Systems bringt, ist Desmond Shum. Geboren in Shanghai, lebte er mit seiner Frau viele Jahre in Peking als erfolgreicher Geschäftsmann – beide hatten mit vielen „roten Prinzen“ zu tun. Diese roten Prinzen aber sind Rivalen – eines Tages verschwand die Frau von Desmond Shum spurlos, wohl weil sie mit jenen roten Prinzen geschäftlich zu tun hatte, die den Kürzeren gezogen hatten. Desmond Shum emigrierte nach London und veröffentlichte dort sein Buch „Red Roulett„, in dem er seine Erfahrungen im Geschäftsleben mit den roten Prinzen beschrieb. Kurz vor Veröffentlichung des Buches meldete sich plötzlich seine verschwundene Frau: er solle das Buch auf keinen Fall veröffentlichen.

Der Grund liegt auf der Hand: Xi Jinping und die roten Prinzen wollen nicht, dass die westliche Welt einen solchen Einblick in die inneren Herrschafts-Strukturen bekommen. Xi Jinping ist nicht nur der absolute Machthaber – sondern eben auch einer der reichsten Männer Chinas, der seinen Familien-Clan versorgt!

Xi Jinping und „common prosperity“

Erstaunlich, dass mit Xi Jinping und seinem Slogan „common prosperity“ ein Super-Reicher dazu aufruft, dass der Wohlstand in China gerechter verteilt werden müsse. Diese Verteilung aber geht auf Kosten einiger „roter Prinzen“ und ihrer Clans – etwa jenem Clan, der hinter dem chinesischen Tech-Konzern Alibaba steht.

Dazu schrieb Jürgen Kremb, der als Korrespondent für den „Spiegel“ in China tätig war:

„Unsere Informanten sagen, die Ant-Group von Alibaba-Gründer Jack Ma (chin: Ma Yun = 马云) wie auch der Fahrdienstleister Didi galten in den letzten Jahren als Refugium der Roten Prinzen (Chin: hong er dai = 紅二代), jener gierigen Kinder und Enkel der alten Veteranen aus den Gründungstagen der Volksrepublik China (VRCh) und des Lange Marsch. Sie nutzen ihren „roten“ Namen, um Macht in wirtschaftlichen Erfolg und grenzenlosen Reichtum umzumünzen.

In einer Art mafiöser Schutzgelderpressung auf „kommunistisch“ ist kein privater Unternehmer in China davor gefeit, dass diese gierige Prinzengarde hohe Posten, üppige Gehälter und gewaltige Aktienpakete von Firmen dafür verlangt, dass dort alles rund und ungestört über die Bühne geht.“

Da die Ant-Group von Jack Ma ihren Sitz im südchinesischen Hangzhou hat, galt Mas Alibaba seit langem als „Schutz- und Einflusszone“ des Clans von Jiang Zemin. Der frühere Parteichef stammt aus der Süd-Provinz Jiangsu, was den Süden des Landes zu seinem wirtschaftlichen Jagdrevier macht. Der Familie Xi Jinping, deren Vermögen längst im Milliarden-Eurobereich taxiert wird, war das lange ein Dorn im Auge.

Sie verlangten im vergangenen Sommer deshalb:

  • mehr Einfluss bei Jack Mas Unternehmen und
  • gleichzeitig wollten sie die Macht des Jiang-Clans und der roten Prinzengarde bei Alibaba endgültig brechen.

Als sich Jack Ma dem widersetzte, war sein Schicksal besiegelt. Er hat nicht nur den Einfluss auf seinen Konzern weitgehend an Gefolgsleute von Xi Jinping abtreten müssen, sondern verbringt seine Tage mit dem Spiel von Go (围棋,) de-facto unter Hausarrest.“

Das würde erklären, warum die Machthaber in China ihren Tech-Sektor „zerlegt“ haben.

Desmond Shum über seine Erfahrungen als Geschäftsmann in China

Was wirklich in den Kreisen der Machthaber in China abläuft, berichtet Desmond Shum in seinem faszinierenden Buch „Red Roulette. An Insider´s Story of Wealth, Power, Corruption and Vengeance in today´s China“. Wie fühlt es sich an, in dem Reich von Xi Jinping zu leben? Darüber hat Desmond Shum mit „60 Minutes Australia“ gesprochen – must see!

Xi Jinping und die Herrschaft der roten Prinzen



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1 Kommentar

  1. Nicht nur das. Man darf auch nicht vergessen, das „Korruption“, also das direkte Ausnutzen eigener Machtpositionen zur persönlichen Bereicherung, in der chinesischen Tradition keineswegs denselben negativen Klang hat, wie im „Westen“. Das liegt daran das in der chinesischen Kultur der gesellschaftliche Loyalitätspunkt immer der biologische Großverband, sprich der Clan war und ist.

    Nun war das in Europa lange Zeit auch nicht anders. Das hat sich nur dadurch gewandelt, das insbesondere in der angelsächsischen Welt und Teilen Europas die Clan Struktur mit der Zeit verschwunden ist und die viel kleineren Familienverbände viel stärker auf nicht biologische Loyalitätssysteme angewiesen waren.

    Die gelegentlich aufgeführte „Antikorruptionsshow“ wird eh nur für den „Westen“ aufgeführt, wenn es darum geht politische oder wirtschaftliche Konkurrenten aus dem Weg zu räumen. In China glaubt das eh keiner.

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