Marktkommentare

Zu Gottes Wohlgefallen

Von Kilian Kimmel

Im Oktober 2013 verkündeten die EU und Kanada den Abschluss eines Freihandelsabkommens. Was genau beschlossen wurde, wollten die Beteiligten nicht sagen, man verwies auf Anwaltskanzleien, welche diese Vereinbarung gegen mögliche Widerstände aus der Bevölkerung abgesichert haben. Die Verhandlungen über das Freihandelsabkommen zwischen der EU und der USA werden unter strengster Geheimhaltung geführt. Mitgliedsstaaten wurden angewiesen, für positive Nachrichten in den Medien zu sorgen. Welche Rechte den Bürgern und Konsumenten in diesen Abkommen beschnitten werden, wie internationale Konzerne begünstigt werden, niemand weiß es – und es soll auch niemand erfahren. Die Bürger bleiben ahnungslos. Kunstbegriffe und Fremdworte überfordern die Medien – und die bewegen sich deshalb lieber auf der Oberfläche mit Hilfe sinnentleerter Sprechblasen.

Kein Börsenbericht erklärt uns den „Zweifach-gesicherten Dreifach-Hybrid“, stattdessen lassen sie uns glauben, dass Händler aus Fleisch und Blut vor Computern sitzen, auf Nachrichten warten, sie bewerten und dann agieren. Weit gefehlt: Es sind Algos, die die Märkte bewegen. Algorithmen, die in Sekundenbruchteilen auf ausgefeilte Formeln reagieren. Sachwissen ist nicht von Nöten, eher hinderlich. Deshalb stehen die meisten privaten Kleinanleger auf der Verliererseite, sie glaubten mit gutem Sachwissen punkten zu können.

Aufklärung, Transparenz und Mitwirkung sind Mangelware geworden. Was wir erleben sind amtsverschwiegene staatliche Bürokratien, die sich auf ihr Recht zur Geheimhaltung berufen, damit bestimmte Informationen nicht in die Hände der Demokratiefeinde, also Datendiebe und Islam-Terroristen, fallen: Desinformation als Bürgerschutz, Amtsgeheimnisse als Instrument der Machtausübung, Herrschaft kraft Wissens.

Das sind Attribute, die man bis dato nur von der katholischen Kirche kannte. Sie haben das Recht keine Auskunft über die Höhe ihres Vermögens zu geben. Geschätzt liegt das Vermögen der deutschen Gottesmänner bei ca. 300 Milliarden Euro. Nach außen hin erklären die Kirchenverantwortlichen lediglich, das man über die Höhe des Vermögens keinen Überblick habe, aber dass dieses Geld zu Gottes Wohlgefallen für das Wohl der Gläubigen zur Verfügung stehe.

Ende 2009 erklärte Goldman-Sachs-Chef Lloyd Bankfein, er sei ein Banker, der Gottes Werk verrichte und verteidigte inmitten der Finanzkrise die riesigen Bonuszahlungen und Profite als Zeichen des Aufschwungs, der allen zugute kommt.
Vielleicht steht am Ende der EZB-Pressekonferenz am Donnerstag statt Aufklärung und Transparenz auch ein Gotteszitat. Ich könnte fast darauf wetten.



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3 Kommentare

  1. Strengster Geheimhaltung????

    Die NSA weiß von nix? :-)

    IM Erika fragen lol

  2. Lieber Herr Kimmel
    Ein wundervoller Artikel! Vielen Dank für den Lesegenuss, den Sie auch mit Ihren anderen Artikeln verschaffen. Sie sind eine großartige Ergänzung zu den exquisiten Artikeln von Herrn Fugmann und eine Bereicherung für die finanzmarktwelt.de.
    Jungs, macht weiter so!!!

    1. Vielen Dank für Ihr Lob….zuviel der Ehre.

      Mich freut es, wenns Ihnen gefällt.

      Grüsse und noch einen schönen Tag

      K.Kimmel

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