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Zwischen USA und Kanada beginnt ein Handelskrieg

Die allgemeine Importsteuer in den USA scheint vom Tisch zu sein, nun geht die Trump-Administration offenkundig Branche für Branche vor und verhängt Strafzölle gegen ausländische Unternehmen. Diesmal trifft es kanadische Holz-Exporteure – die kanadische Regierung reagiert scharf..

Redaktion

Veröffentlicht

am

FMW-Redaktion

Die USA steht offenkundig am Beginn eines Handelskrieges mit dem nördlichen Nachbarn Kanada. Während eines Treffens gestern Abend Washington Ortszeit mit konservativen Journalisten hatte Trump offenkundig angekündigt, auf kanadisches Weichholz (softwood lumber) Strafzölle von 20% zu verhängen. Bezichnenderweise hatte Charlie Spierung, der Weisses-Haus-Korrespondent der rechstlastigen Seite „Breitbart“ als erster über diese Steuer informiert, bevor dann das US-Handelsministerium selbst diese Strafzölle bestätigte:

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Das US-Handelsministerium benannte daraufhin Strafzölle für verschiedende kanadische Lumber-Firmen zwischen 3,02% und 24,12% – für alle anderen kanadischen Lumber-Exporteure wurde ein einheitlicher Zoll von 19,88% festgelegt. Lumber ist ein wichtiger Bestandteil für den Bau von Häusern in den USA – die Sorge ist nun, dass die Preise für den Rohstoff steigen und damit die Kosten für den Bau von Immobilien in den USA nach oben treiben.

Hintergrund der Auseinandersetzung ist, dass die Wälder in Kanada überwiegend den kanadischen Provinzen gehören und daher die Lokalverwaltungen die Preise für das Holzfällen festlegen, während Wälder in den USA meist in Privatbesitz sind. Der Vorwurf der USA lautet, dass Kanada die Preise für Lumber künstlich nach unten geschraubt hat, um das Holz besser in die USA exportieren zu können.

Der amerikanische Handelsminister Wilbur Ross sprach im Anschluss an die Verhängung der Strafzölle von einer „schlechten Woche“ für die Handelsbeziehungen zwischen den USA und Kanada und warf dem nördlichen Nachbarn vor, faktisch den Import amerikanischer Molkereiprodukte zu begrenzen (“it became apparent that Canada intends to effectively cut off the last dairy products being exported from the United States.“). Man sei auch deshalb gezwungen, Gegenmaßnahmen im Volumen von einer Milliarde Dollar zu verhängen, zumal sich Kanada offenkundig nicht an einen fairen Wettbewerb halte, wie er im NAFTA-Abkommen vereinbart sei.


Wilbur Ross
Foto: US Department of Commerce

Die Kandadier wiederum reagierten scharf: in einem gemeinsamen Statement des kanadischen Aussenministeriums und des Ministeriums für Naturressourcen hieß es, die Strafzölle seien „unfair“ und in jeder Hinsicht „unbegründet“ – die Maßnahmen würden Arbeitnehmer in beiden Ländern gleichermaßen treffen. Gleichwohl sei man zuversichtlich, in weiteren Verhandlungen die beste Lösung für beide Seiten erreichen zu können. Vertreter der kanadischen Lumber-Industrie sehen die Ursache der Strafzölle in Lobby-Aktivitäten der amerikanischen Holzindustrie – die Vorwürfe seien bereits in der Vergangenheit erhoben worden und immer von unabhängigen NAFTA-Gerichten zurück gewiesen worden.

Die Auseinandersetzungen um den Export kanadischen Lumbers in die USA reichen bis in die 1980er-Jahre zurück – die Trump-Administration scheint nun immer mehr von generellen Importzöllen abzukommen (weil man durch eine pauschale Importsteuer eine zu starke Dollar-Aufwertung fürchtet), sondern sich nach und nach einzelne Branchen vorzunehmen. Den Anfang machte Stahl, nun ist es Holz aus kanadischen Wäldern. Zu erwarten ist, dass die Trump-Adminstration nun Branche für Branche vorgehen wird und dabei für individuelle ausländische Firmen individuelle Strafzölle verhängen wird.

In Reaktion auf die von den USA verhängten Strafzölle für kanadische Firmen verlor der kanadische Dollar knapp ein halbes Prozent und notiert nun auf dem tiefsten Stand seit vier Monaten.

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Michael

    25. April 2017 12:16 at 12:16

    Dann lassen wir uns hinsichtlich des Baubooms bei Eigenheimen mal überraschen, wenn diese deutlich teurer werden, und das bei steigenden Kreditzinsen.
    Bezahlen müssen derart hirnrissige Maßnahmen am Ende doch der amerikanische Häuslebauer (Steuerzahler) und die einbrechende Bauwirtschaft.
    Und ob es der heimischen privaten Holzindustrie so sehr helfen wird, wenn sie zwar endlich konkurrenzfähig werden, aber die Nachfrage einbricht?

  2. Avatar

    frank.trg

    25. April 2017 13:14 at 13:14

    Ich warte immer noch auf Maßnahmen gegen Deutschland. Schon seit Monaten setze ich auf fallende Kurse bestimmter Deutscher Unternehmen die massiv vom Export in die USA abhängig sind. Leider passiert nichts bzw. steigen die Kurse dieser Unternehmen maßlos weiter.

    • Avatar

      gerd

      25. April 2017 13:41 at 13:41

      Der Typ hat uns nicht nur mit seiner Friedens/Kriegspolitik hinters Licht geführt: Ich trau dem mittlerweile alle „Schlechtigkeiten“ zu. Auch dass Verwandte für ihn die Aktien eben solcher Unternehmen gekauft haben, oder sonstwas in der Art.
      Am mexikanischen Peso ließ sich gegen US-Dollar in den letzten drei Monaten ja auch prächtig verdienen.

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Rüdiger Born: Charttechnik bei US-Dollar vs Yen

Rüdiger Born

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Aber CFDs sind Termingeschäfte? Verbände für steuerliche Bevorzugung von Optionsscheinen

Claudio Kummerfeld

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am

Aktives Trading mit CFDs und Optionsscheinen könnte problematisch werden

Was sind CFDs? Die „Contracts for Difference“ erlauben gehebelte Wetten auf steigende und fallende Kurse. Die CFDs können Anleger zeitlich unbefristet lange halten. Und Optionsscheine? Die haben einen fest definierten Ablaufzeitpunkt. Und wie definiert man Termingeschäfte? In Kurzform: Dies sind Börsengeschäfte, bei denen die Erfüllung des Vertrags (Abnahme und Lieferung der Ware) zu einem späteren Termin erfolgt. Also sind Optionsscheine doch Termingeschäfte, und CFDs irgendwie nicht so richtig?

Egal. Wenn der Gesetzgeber eine Feststellung trifft, dann ist das eben so – weil es nun mal der Gesetzgeber ist? So wurde vor Kurzem die seit Anfang Januar gültige Novellierung des Einkommensteuergesetzes beschlossen, wonach Verluste aus „Termingeschäften“ nur noch bis zu 20.000 Euro pro Jahr mit Gewinnen aus Termingeschäften verrechnet werden dürfen. Dadurch wird die bizarre Realität entstehen, dass Anleger Steuern auf Gewinne zahlen müssen, obwohl sie effektiv in einem Börsenjahr im Handel keinen Gewinn erzielt haben (wir berichteten schon mehrmals). Danke Olaf Scholz, darf man da schon mal im Voraus sagen.

Klar zu sein scheint, dass die CFDs in die Kategorie der Termingeschäfte fallen im Sinne dieser Novelle des Einkommenssteuergesetzes – wohl ganz einfach, weil der Gesetzgeber es so will. Aber auch Optionsscheine, die per Definition doch viel eher Termingeschäfte sind? Wie man derzeit munkelt, wird das Bundesfinanzministerium noch eine Klarstellung für die ausführenden Steuerbehörden veröffentlichen, aus welcher hervorgehen könnte, dass auch Optionsscheine als Termingeschäfte zu betrachten wären. Das würde den Kreis der betroffenen Anleger deutlich erweitern.

Lobbyarbeit für Optionsscheine – von CFDs ist keine Rede

Aber halt. CFDs werden fast komplett von angelsächsischen und Offshore-Anbietern angeboten. Optionsscheine sind die Kinder der deutschen Bankenbranche. Und drei Mal darf man raten, wer den besseren Draht zu BaFin, Bundesfinanzministerium, Staatssekretären etc haben könnte? Diese Woche sieht man vom Deutschen Derivate-Verband, der Börse Stuttgart und der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) einen offiziellen Appell an das Bundesfinanzministerium (siehe hier), worin man eindringlich dazu auffordert Optionsscheine bezüglich dieser Neuregelung nicht als Termingeschäfte einzustufen. Man möchte also erreichen, dass Anleger auch weiterhin unbegrenzt Verluste aus Optionsscheinen mit Gewinnen aus Optionsscheinen verrechnen dürfen.

Gibt der Gesetzgeber dem nach, wäre dies ein glasklarer Vorteil für die Anbieter von Optionsscheinen, und ein riesiger Nachteil für die ausländischen CFD-Anbieter. Und wer ist denn Mitglied im Deutschen Derivate-Verband? Eben nicht die CFD-Anbieter, sondern so ziemlich alle deutschen Anbieter von Zertifikaten und Optionsscheinen, wie Deutsche Bank, Deka, Hypo, LBBW, DZ, Baader usw. Für CFDs bitten sie nicht um eine Ausnahme, sondern nur für Optionsscheine. Und die DSW? Hat sie die CFDs schon aufgegeben, und hofft nun noch darauf, wenigstens noch die Optionsscheine vor diesem Steuerirrsinn retten zu können? Aus dem Appell zitieren wir hier auszugsweise im Wortlaut:

Der Deutsche Derivate Verband (DDV), die Börse Stuttgart und die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) appellieren an das Bundesfinanzministerium, die Linie aus dem Juni 2020 beizubehalten und Optionsscheine nicht als Termingeschäfte einzuordnen. Im Entwurf des Anwendungsschreibens des BMF vom Juni 2020 wurden Optionsscheine nicht als Termingeschäfte klassifiziert und damit eine klare, angemessene Abgrenzung erreicht. Damit wird vermieden, dass Anleger in der Depotgestaltung beeinträchtigt werden und zudem aufwendige individuelle Veranlagungen vornehmen müssen. Anderenfalls drohen schwere steuerliche Nachteile, nachträgliche Steuerzahlungen und Unsicherheiten für hunderttausende von Anlegern. Für Termingeschäfte sieht das Jahressteuergesetz, das seit Jahresbeginn gilt, eine begrenzte Verlustverrechnungsmöglichkeit nur mit anderen Termingeschäften und Erträgen aus Stillhaltegeschäften vor.

Marc Tüngler, DSW-Hauptgeschäftsführer: „Die steuerliche Neuregelung der Verlustverrechnung ist ein weiterer herber Schlag für Privatanleger und führt zu massiven Verunsicherungen. Vom Grundsatz her halten wir die Regelung insgesamt für verfassungswidrig. Der Entwurf des BMF-Schreibens war immerhin ein fairer Vorschlag, wie die Anwendung zumindest in Bezug auf Optionsscheine zu regeln ist, und würde betroffenen Anlegern eine Perspektive geben. Wenn das BMF jetzt von diesem ursprünglichen Entwurf abweicht, weckt das Unverständnis und offenbart einmal mehr die feindliche Gesinnung gegenüber Privatanlegern.“

Würden Optionsscheine jetzt durch das Anwendungsschreiben des BMF den Termingeschäften zugerechnet, wird die neugeschaffene Unwucht im Steuerrecht weiter dramatisch verschärft.

Es gibt gute sachliche Argumente dafür, warum Optionsscheine steuerlich als sonstige Finanzinstrumente und nicht als Termingeschäfte zu klassifizieren sind. Die Klassifizierung sollte anhand der Erfüllungsweise von Optionsgeschäften vorgenommen werden. Diese ist bei Optionsscheinen „Zug-um-Zug“, sie sind daher bei der steuerlichen Behandlung den Kassageschäften zuzurechnen, und nicht den Termingeschäften. Diese Einschätzung wird auch von Wissenschaftlern geteilt.

Eine Studie der WHU aus dem vergangenen Jahr zeigt, dass hunderttausende von Privatanlegern von einer solchen Klassifizierung betroffen wären. Zudem stellt die Studie der WHU fest, dass 68,8 Prozent der Nutzer von Hebelprodukten wie Optionsscheinen diese zur Absicherung einsetzen. Die Beschränkung der Verlustverrechnung erschwert es Anlegern von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen.

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Devisen

Türkische Lira vor weiterer Aufwertung? Aktuelle Zinsentscheidung gibt Hoffnung

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Türkei Flagge

Die türkische Lira könnte noch weiter aufwerten. Warum? Nun, zuerst ein kurzer Rückblick. Seit November ist der Leitzins in der Türkei durch die türkische Zentralbank in zwei Schritten kräftig angehoben worden, von 10,25 Prozent auf zuletzt 17 Prozent. Erst der zweite Zinsschritt von 15 Prozent auf 17 Prozent an Heiligabend brachte Vertrauen in die Lira – denn die Inflationsrate liegt derzeit bei satten 14,6 Prozent. Jetzt liegt der Leitzins deutlich genug über der Inflation, damit es einen positiven Geldfluss vom Ausland in die Türkei geben kann. Dies wäre Balsam für die türkische Lira. Aber so ein hoher Leitzins muss einige Zeit beibehalten werden, damit er wirken kann.

Und nun? Heute hat die türkische Zentralbank erneut eine weitere Zinsentscheidung verkündet. Man belässt den Leitzins bei 17,0 Prozent. Dies kann vom Devisenmarkt als Signal gewertet werden, dass die Zentralbanker gewillt sind die Angelegenheit „durchzuziehen“, als eine nachhaltige Bekämpfung der hohen Inflation.

Türkische Lira reagiert leicht positiv

Auf längere Sicht hohe Zinsen in der Türkei – das könnte die türkische Lira nachhaltig aufwerten lassen. Und die letzten Wochen lief es ja schon ganz gut in diese Richtung. Und jetzt aktuell? Die Zinsentscheidung wurde um 12 Uhr deutscher Zeit veröffentlicht. Da notierte US-Dollar vs türkische Lira noch bei einem Wechselkurs von 7,39. Jetzt notiert USDTRY bei 7,36. Im Chart sehen wir den Kursverlauf von Dollar vs Lira seit Februar 2020. Die türkische Währung konnte seit November einiges gut machen, und könnte womöglich nun weiter aufwerten (sicher ist das aber natürlich nicht).

Zentralbank mit guten Aussagen, Erdogan meldet sich zu Wort

Die Notenbanker in Ankara erklärten heute, dass man seinem harten geldpolitischen Kurs treu bleibe, bis sich ein nachhaltiger Rückgang der Inflation abzeichne. Falls nötig, werde man weitere Schritte zur Straffung der Geldpolitik unternehmen. Super, da freut sich der Devisenmarkt im Sinne einer festeren Lira? Achtung, Präsident Erdogan fordert seit Jahren sinkende Zinsen. Die würden (so Erdogan) die Inflation zum Sinken bringen – was aber eigentlich genau anders rum funktioniert. Seit Monaten hört man von Erdogan kaum Aussagen in dieser Hinsicht. Aber am letzten Freitag, da meldete er sich wieder zu Wort. Die aktuelle Geldpolitik (steigende Zinsen sollen Geld teuerer machen etc) diene nicht der Türkei. Die Lösung des Problems der hohen Inflation sei, die Zinsen zu senken. Bringt dies die nachhaltige Erholung der Lira wieder in Gefahr?

Chart zeigt US-Dollar gegen türkische Lira seit Februar 2020

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