Der Bauboom in Deutschland hat einen Hauptgrund – der Hausbau ist aber sogar rückläufig!

FMW-Redaktion

Der Bauboom in Deutschland ist unübersehbar, die Bauzinsen sind fast bei 0, und ein Haupttreiber ist natürlich der Negativzins der EZB. Aber Moment: Wie heute das Statistische Bundesamt vermeldet, ging bei den Einfamilienhäusern die Zahl der genehmigten Neubauten im Jahr 2016 gegenüber 2015 sogar leicht zurück (rot markiert in der Grafik). Nanu? Also tragen die klassischen Häuslbebauer aktuell nicht aktiv zum Bauboom bei. Man könnte hier glatt annehmen, dass die relativ neue Wohnimmobilienkreditrichtlinie ihre angeblich verheerende Wirkung auf die Genehmigung neuer Häuser tatsächlich kräftig entfaltet hat.

Der Bauboom wird gepuscht durch den Wohnungsbau in Mehrfamilienhäusern mit insgesamt +21,6% genehmigter Wohnungen im Jahr 2016 gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt gab es letztes Jahr 375.400 Genehmigungen für neue Wohnungen. Der starke Zuwachs resultiert aus den neuen Wohnungen in Mehrfamilienhäusern mit +26,6%. Und in diese Kategorie „Mehrfamilienhäuser“ fallen auch Wohnungen in Wohnheimen, womit vor allem Flüchtlingsunterkünfte gemeint sind – hier stieg die Zahl der genehmigten Wohnungen um 109,7% gegenüber 2015. Dieser nachvollziehbare prozentuale Anstieg treibt natürlich den Gesamtanstieg neuer genehmigter Wohnungen stark nach oben.

Es ist also nicht gerade so, dass der Neubau „normaler“ Mietwohnungen für den freien Wohnungsmarkt explosionsartig ansteigt. Denn genau darauf warten ja die normalen Wohnungssuchenden. Nur ein Boom bei normalen Wohnungen in Mehrfamilienhäusern würde bei den Mieten langfristig für Entspannung sorgen. Ohne Berücksichtigung der Wohnungen in Wohnheimen stiegen die Baugenehmigungen in neuen Wohngebäuden um 15,5 %. Die Zahl der Wohnungen, die durch genehmigte Um- und Ausbaumaßnahmen an bestehenden Gebäuden entstehen, erreichte im Jahr 2016 mit 52 300 Wohnungen den höchsten Wert seit 1998.

Quelle: Statistisches Bundesamt


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