Tribalisierung statt Globalisierung: Eine Generation geht verloren

Von Markus Fugmann

Ich bin 1969 geboren und entstamme damit einer Generation, die grundsätzlich optimistisch veranlagt ist. Als wir erwachsen wurden, fiel die Mauer, ging die Sojwetunion unter und verschwanden damit gefühlt alle Grenzen, die unseren Drang nach (Bewegungs-)Freiheit begrenzt hatten. Als Jugendliche fürchteten wir die Atomkraft, fürchteten, dass uns Atombomben auf den Kopf fallen – wie einst die Gallier, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fiele.

All das ist nicht passiert. Und mit dem Ende der Sojwetunion und damit dem Ende des Kalten Krieges stand uns die Welt offen, schien eine Art ewiger Frieden erreicht, gewissermaßen das Ende der Geschichte (Fukujama). Wir reisten, probierten uns und das andere Geschlecht aus, alles war möglich, die Globalisierung kam, wir nutzten als erste Generation den Computer, lernten in der Schule programmieren, nutzten das Internet – und drängten heraus in die Welt. Diese Welt, so schien es, wächst zusammen – und wir fanden das gut so, weil es das Spektrum unserer Möglichkeiten vergrößerte.

Nun aber, zu einer Zeit, in der normalerweise diese Generation an die entscheidenden Schaltstellen der Gesellschaft in Politik und Wirtschaft gelangt, haben wir das Gefühl, wir sind irgendwie von gestern. Schon die heute Mitte 30-jährigen sind von uns grundsätzlich verschieden: ja, man kann ins Ausland gehen, aber man will dann zurück kommen, heiraten und ein Haus bauen. Das war so ziemlich das Letzte, was noch unserer Generation als Ideal vorschwebte. Diese Sehnsaucht nach Heimeligkeit war uns fremd, sie ist aber wohl die logische Konsequenz für eine Generation, die das Internet mit der Muttermilch aufgesogen hat und die nun ein Bedürfnis nach kuscheliger Wärme hat – und der es reicht, sich auf Google Maps jene Orte anzuschauen, zu denen wir noch gereist sind.

Es gibt bei dieser jüngeren Generation eine Tendenz zur Abschottung – ebenso wie in den großen Strömungen des Zeitgeists, der sich derzeit Bahn bricht. Dass derzeit rechskonservative Strömungen aufkommen, ist kein Zufall. Das Rad der Geschichte dreht sich gewissermaßen zurück, es gibt einen klaren Gegentrend zur Globalisierung, den ich als „Tribalisierung“ (Rückbesinnung auf den eigenen „Stamm“) bezeichne: ob Trump in den USA, die AfD in Deutschland, die FPÖ in Österreich, Le Pen in Frankreich etc. – das Motto lautet: wir schotten uns ab!

Rechtskonservative Bewegungen hat es auch früher gegeben seit dem Ende des Kalten Krieges – aber sie waren irgendwie aus der Zeit gefallen und hatten daher keine Chance. Diesmal ist das anders. Denn eines ist klar: die massenhafte Immigration nach Europa ist kein Thema, das vorbei gehen wird. Im Gegenteil: es wird immer dringender!

Was wir mit syrischen Bürgerkriegsflüchtlingen erlebt haben, ist nur der Auftakt, sie sind nur die Vorhut für weit größere Ströme nach Europa. Flüchtlingsströme aus Syrien oder dem Nahen Osten werden irgendwann abebben – der Nahe Osten ist nicht unser größtes Problem. Dagegen werden sich bald Flüchtlingsströme aus Afrika massiv intensivieren, schon aus demografischen Gründen: Afrikas Bevölkerung wird sich bis 2050, also in nur 35 Jahren, von einer Milliarde auf dann zwei Milliarde verdoppeln – nicht weil Afrikanerinnnen mehr Kinder bekämen als früher – im Gegenteil. Nur die Zahl afrikanischer Frauen im gebährfähigen Alter wird aufgrund der demografischen Struktur in den afrikanischen Ländern bald stark nach oben schießen.

Und weil es faktisch keine Perspektive dafür gibt, diese stetig steigende Bevölkerung ausreichend zu versorgen bzw. Jobs zu schaffen, wird ein nicht geringer Teil dieser Menschen nach Europa drängen als einzig logisches underreichbares Ziel. Es geht hier um viele Millionen Menschen, vor allem junge Männer, die in ihren Heimatländern faktisch keine Chance haben, Jobs zu bekommen und Familien zu gründen. Und wir werden uns nicht anders zu helfen wissen, als eine Festung Europa zu errichten, weil diese Einwanderungsströme selbst beim besten politischen Willen nicht zu handhaben sind.

Und vermutlich wird es exakt meine Generation sein, deren Vertreter dann an der Macht sind, die diesen Festungsbau anordnen und ausführen wird. Weil es nicht anders geht, ob man will oder nicht. Und genau deswegen haben die rechskonservativen Strömungen, die genau das jetzt schon fordern, Zukunft. Sie thematisieren das, was auf uns zukommen wird, wollen Homogenität, Sicherheit, etablierte, vor-globalisierte Strukturen zurück – also all das, was meine weltoffene Generation überwiegend eigentlich nicht will. Und trotzdem wird es meine Generation sein, die faktisch die Voraussetzungen dafür schaffen wird.

Darin besteht eine gewisse Tragik: man ist gezwungen, die eigenen Werte zu verraten. Und insofern geht eine Generation verloren, die mit ihrer Humanität und ihrer Offenheit aus der Zeit zu fallen beginnt. Die Zeiten, in denen die Welt noch offen stand, sind jedoch offenkundig vorbei, die Globalisierung weicht der Tribalisierung. Vielleicht wächst dann wenigstens das Verständnis dafür, dass wir in Europa alle in einem, demselben Boot sitzen – und es gar keine Alternative zu einer wie auch immer definierten europäischen Gemeinschaft gibt..


Kommentare

Tribalisierung statt Globalisierung: Eine Generation geht verloren — 23 Kommentare

  1. Sie haben nicht nur die Naivität einer degenerierten und domestizierten Wohstandsgesellschaft überwunden, sondern vermutlich auch die totale Inkompetenz der politischen und medialen Eliten erkannt. Herzlichen Glückwunsch ! Und willkommen in der Realität !

  2. Gesetzte Ereignisse und Entwicklungszwang aus Diktat heraus erzeugen immer ein reserviertes Verhalten, gerade dann, wenn diese absehbar vollständig aus dem Ruder laufen (Unvernunft, Intelligenzlosigkeit). Letztendlich ist es – so wie Sie es beschreiben – aber „Ihre“ Generation in der Entscheiderposition, welche die Ereignisse herbeigeführt hat – keine Sorge, ich kann differenzieren (daher die Anführungszeichen). Derartiger Zwang im Übermaß führt psychologisch immer zu einem Zusammenziehen und Verweigerung (Protektionismus), leider allerdings auch zu einem Verkennen der eigentlich wahrhaftigen Ursachen. Die Ereignisse werden/wurden allerdings auch zu einer Zeit initiiert (wirtschaftliche Deflation und Kontraktion), in denen diese falscher nicht sein könnten – und es wird sich „kurzfristig“ nicht unbedingt bessern. Muss man sich um die Reaktionen darauf dann noch wundern?

  3. Fukuyama hat meines Wissens seinen Irrtum vom „Ende der Geschichte“ eingeräumt.
    Wer die Jahrtausende alte Geschichte der Menschheit betrachtet, kommt zu dem Schluß, dass sich Geschichte doch wiederholt. Sie kommt stets nur in einem neuen Gewand daher. Leider !

  4. Gut geschrieben!
    Ich möchte aber noch was hinzufügen. Die Radikalisierung mit dem Erstarken etwa der AFD in Deutschland kommt meiner Meinung nach nicht ursprünglich von den Zuwanderungen, meiner Meinung nach geschieht dies hauptsächlich aufgrund er Politik, die in der EU betrieben wird. Diese Politik lässt immer mehr auf der Strecke. Sie selbst zeigen immer wieder auf, dass die Arbeitslosenquote wesentlich höher ist, als tatsächlich vermittelt. Gleichzeitig sinkt in Deutschland zB die Rente, vielen droht Altersarmut. Das breite Volk wird daher immer unzufriedener.
    Vor 70 Jahren gab es ähnliche Situationen und auch damals wusste einer diese Situation auszunutzen und kam an die Macht.

    Das ist jetzt alles sehr kurz gehalten von mir, man kann das ganze Thema sicher noch wesentlich besser ausschmücken, aber meiner Meinung nach, wäre die Welt allgemein gerechter, wäre es auch schwerer für radikale Gruppierungen.

    • Dies finde ich auch.
      1 a) Rechte Politik hat vielleicht Rückenwind durch den unkontrollierten, nicht verkraftbaren und unberechenbaren Zuzug aus sehr fernen Staaten. Finanziell und rechtsstaatlich. Dazu das Geschwätz der Gutmenschen!
      b) Aber viele haben die extrem vielen Lügen der Regierungsklasse einfach dick. Und das ist diesselbe Situation, wie zu meiner Zeit (Jg 1961)!
      c) Dann auch die Sozialistisierung der Gesellschaft der EU. Es ist ja gerade der Sozialismus der Braunen und Roten, den viele in der EU wiedererstarken sehen.
      2.) Dahin gehört dieser blinde und absolut undemokratische EU-Beamten-Totalitarismus, bzw. diese damit einhergehende, eklige Medien-Diktatur.
      a) Ein Verrückter bringt eine Politikerin um, gleich ist diese ein Held und England muß in der EU bleiben. Wie doof ist das denn? => „Mediengeschichten“.
      b) Anderes Beispiel: Zinsen durch Geldwertlosmachung (Inflation) ins minus, Geld wird zwangs-abgeschafft, Sparer zwangs-enteignet. So lebt jeder vom Hand in den Mund und ist der Regierungskaste total ausgeliefert.
      c) Dazu noch die vielen leeren Sprechblasen der Regierungen gegen NSA-Überwachung, Snowden-Verfolgung, Griechenland-Rettung, Isis-Bekämpfung, die von der USA gegründet wurde und bezahlt wird usw. usw usw. Vergessen die Leute 9/11? Eher immer weniger!

  5. Ihre Beschreibung der Gegenwart und Ihre Analyse der Hintergründe treffen den wahren Kern sehr genau.
    Was unbereiflich ist, ist das Verhalten unserer ökonomischen und politischen Eliten. Diese sind vermutlich intellektuell ebenso wie Sie in der Lage, die wahren Entwicklungen zu erkennen.
    Dass die ökonomischen Eliten diese Zustände zu ihrem Gewinnstreben nutzen, ist zumindest zu begreifen: Sie wollen im Rahmen der geltenden (Steuer-) Gesetze reich und reicher werden, mehr oder weniger skrupellos.

    Was absolut unbegreiflich ist, ist das Verhalten der politischen Eliten:
    Sie gestalten den rechtlichen Rahmen stets zu Gunsten der Geld-Eliten und stets zu Lasten (z.B. Einkommensteuer-Bauch) der Bevölkerungen, ihren Wählern. – Warum verhalten sie sich so? Warum dauert es viele Jahre bis (von der Politik eigens geschaffene) Steuerschlupflöcher geschlossen werden. Warum werden stets neue Privilegien für die Geld-Eliten geschaffen (TTIP) ?
    Es erhebt sich die Frage: Sind die aktuellen politischen Eliten naiv, gleichgültig oder gar korrupt, oder einfach nur machtbesessen?

  6. warum diese dümmliche Polemik im sinne einer „Radikalisierung“ wenn mwnschen einfach nur verteidigen was ihnen keiner in den schoß gelegt hat ???!!! oder etwa doch? warum heißt es dann „leistungsgesellschaft“ ? naja….wie dem auch sei. warum übrigens über viel jahre gerade in d schlaaaand eine dramatische entwicklung von parrallegesellschaften?! eine nicht integrierte Bürgerschaft, die aber sowas von ihre eigenen nationalismus lebt und fröhnt! warum wohl. fakt ist, der mensch bleibt mensch und wird nie ein eineiiges kuschelweltbürgelein sein. dazu steht er evolutionär im gesetz einer egoistischen, wettbewerbssituation. diese gesell. ist die probate grundlage, ökonomisch gesehen. es ist turbokapitalismus. da hilft auch kein dumpes aberwitziges barmherzigkeits gelaber oder völlig verfehltes toleranz geschwätz ! sollte vielleicht mit tolleranz geschrieben werden-aus dem toll haus jeder weiß, dass es nie um den menschen sondern immer zuerst um den profit geht …..übrigens hatte auch afrika die ganzen jahrzehnte die möglichkeit etwas aus sich zu machen. selbst der sozialismus hat unmengen von solidarität dorthin verschwendet. eine bittere wahrheit ! in einer gesellschaft wo alles gefehlt hat. gedankt hat es der schwarze dem sozialismus mit einem breiten grinsen…..ein besonderes übel war die völlig realitätsfremde alt 68 permisiv politische verirrung und lüge…naja…deutschland du mieses stück scheiße….sagt ne grüne…kein nazi oder radikalist, populist, rassist,bla bla bla. waht ever….merkelts das land noch?

  7. Was ihre Schlussfolgerung angeht, dass es ohne Abschottung nicht funktionieren wird, bin ich bei Ihnen. Die etwas verklärte Rückschau auf die Globalisierung teile ich nicht. Afrika ginge es weit besser, wenn es von den „Segnungen“ der Globalisierung (u.a. Landgrabbing, Zerstörung eigener Wertschöpfungsketten durch subventionierte Exporte aus EU-Landwirtschaft und Textilindustrie, Giftmüllexport und nicht zuletzt Export von Rüstungsgütern in großem Umfang) verschont geblieben wäre.

  8. Unsere politischen Eliten fördern ja regelrecht Protektionismus und Nationalismus. Das Wahlvolk der Europäer strebt nicht nach dem Europäischen Bundesstaat, sondern nach einem Staatenbund mit all seinen unterschiedlichen Kulturen und Lebensweisen. Solange sie nicht in der Lage sind über ein Referendum diese Fragen an die Europäer zu stellen, werden sie kläglich scheitern. Es ist natürlich nicht einfach zu erklären, dass sich Hilfspaket an Hilfspaket reiht, um die europäischen Südstaaten zu retten. Warum sollten sich die Menschen in Griechenland, Portugal, Spanien und Frankreich für die europäische Idee begeistern lassen, wenn sie mit Arbeitslosigkeit, Steuererhöhungen und Rentenkürzungen überschüttet werden. Es gibt für all diese Fragen Antworten, die von Fachleuten beantwortet, von unseren Politikern jedoch ignoriert werden. Es lebe die Alternativlosigkeit!!

  9. Guter Kommentar!

    Als FPÖ- Wähler möchte ich aber eine Kleinigkeit anmerken. Grundsätzlich sehe ich es ähnlich wie sie, auch wenn ich Mitte 30, Vater und Hausbesitzer bin. Allerdings sehe ich den Punkt der Radikalisierung, zumindest in Österreich, etwas anders. Nicht vor der FPÖ brauchen sie Angst haben. Sollte die FPÖ scheitern, sollten sie vor denen Angst haben die nach der FPÖ kommen! Was wir jetzt gerade erleben ist das letzte Aufbäumen der Vernunft im Bestreben das Steuer herum zu reißen und die Klippen zu umschiffen! Das wird schon schwierig, und wohl kaum ohne Kollateralschäden abgehen. Sollten sie aber scheitern, oder daran gehindert werden (siehe die BP-Wahl in Österreich) dann, so fürchte ich, wird Abschottung unser kleinstes Problem sein.

    MfG
    aus dem schönen Salzburg

  10. Ich schätze die Kommentare von Markus Fugmann, allerdings bringt er hier doch etwas durcheinander. Offenheit gegenüber Globalisierung und Fremdländischen mit der Offenheit gegenüber der Migrationsbewegung aus dem Nahen Osten und Afrika gleichzusetzen ist ein Denkfehler. Ein typischer Irrtum linksgerichteter Kreise. Ich denke, viele Menschen verschliessen sich nicht gegenüber Fremden, wenn sie diese als interessant, spannend, vorteilhaft, progressiv und förderlich erfahren. Nur leider werden gegenteilige Erfahrungen mit den gerade einströmenden Migranten gemacht.
    Zum Einen sind sie oft geprägt vom einem fundamentalistischen Islam, zum Anderen sind sie häufig extrem bildungsfern und bringen ein Konfliktlösungsverhalten mit, dass hier als destruktiv beurteilt wird.
    Sich dem zu verschliessen ist völlig natürlich und gebietet sich für einen aufgeklärten Menschen.

  11. Lieber Herr Fugmann, 1970 konnte ich noch, langhaarig und wirklich unbedarft, über Land nach Nepal reisen. Ich konnte mir jedes Land auf dieser Strecke alleine und ohne große Probleme ansehen (bei Nacht nicht den legendären Khyberpass). Ein Jahr später war eine Durchquerung Afrikas geplant – leider wurde ich krank. Wichtig: ich war nicht der einzige, viele, viele junge Menschen waren unterwegs. Freizügigkeit? Da sage ich nur Bhagwan und Matala. Für uns damals eine tolle Herausforderung, von wir Jahre gezehrt haben. Gibt es das heute noch – finanziell erschwinglich? Die heutige Generation wird den Wohlstand ihrer Eltern nur noch in Ausnahmefällen erreichen können.
    Ich habe großes Verständnis für die Zurückbesinnung auf Nationen. Aktuell werden in EU die verschiedenen Mentalitäten/Kulturen u.a. durch den Euro einfach harmonisiert. Es wird versucht. Das kann und wird nicht gelingen. Kulturen haben sich über hunderte von Jahren entwickelt, die lassen sich nicht in 20 oder 30 Jahren einfach einebnen. Ich bin sicher: Parallel zu den steigenden Harmonierungsbestrebungen in der EU steigen die Separationsaktionen. Zu Afrika gibt es viel zu sagen: Natürlich haben die willkürlichen Grenzziehungen Auswirkungen. Ja, sie werden erste heute für uns sichtbar. Ja, es stimmt, wir haben dort die bäuerlichen Strukturen zerstört. Aber es stimmt auch, eine Binnenwanderung in Afrika ist nicht möglich, afrikanische Staaten sind nicht wirklich solidarisch. Die dortige demografische ist schlicht eine einzige Katastrophe, doch das nicht erst seit heute. Kurzum Afrika und der Maghreb-Raum zu verstehen, dürfte für uns kaum möglich sein – aber es wird uns in den nächsten Jahren von Tag zu Tag intensiver beschäftigen. Das wird kein Spaß werden…

  12. Ich entstamme Ihrer Generation.
    Ich kann mich Ihren Ausführungen nicht anschliessen.
    Die „Sehnsaucht nach Heimeligkeit war “ mir niemals “ fremd“ .
    Ich wollte niemals „ins Ausland gehen“
    Warum auch? Wo anders sollte es besser sein?
    Im Gegenteil: Sehr viele Menschen riskieren Ihr Leben um hierherzukommen.
    “ heiraten und ein Haus bauen.“ In umgekehrter Reihenfolge war und ist immer meine Ziel gewesen und bleibt es auch, denn ich denke das ist ein natürliches Grundbedürfniss des Menschen.

    Wie es mir scheint verallgemeinern Sie Ihre persönliche Weltsicht auf die Allgemeinheit Ihrer Generation…

  13. Ich bin auch 69er mit dazugewonnener Reisefreiheit. Sah mich früher eher als Weltbürger statt Deutscher. Nun wieder eher als Deutscher.
    Alles verläuft in Sinus-Kurven und ich glaube die 2000’er waren der Höhepunkt. Wie an der Börse folgen auch im Weltgeschehen immer Gegenbewegungen.

  14. Nun fliegt uns unsere marktkonforme Entwicklungshilfe um die Ohren. Anstatt die Begegnung und den Austausch mit den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen und über Botschaft mit Bildungseinrichtungen und Gewerbeeinrichtungen vor Ort bei kooperativen Ländern wie Äthiopien den Austauschhandel mit gegenseitigen Nutzen zu fördern, wurden den Investoren meist durch Korruption der Weg frei geräumt. Die Hilfsorganisationen mit ihren engagierten Menschen vor Ort, versuchen verzweifelt in Deutschland, sogar über Drückerkolonnen, etwas Geld zusammenzubetteln, um die neuen Hungersnöte einzufangen, von Geburtenkontrolle und guten Lebensbedingungen ist nicht mal die Rede.

  15. Sehr geehrter Herr Fugmann,
    ich habe noch ein gutes Jahrzehnt mehr auf dem Buckel und kann Ihren Artikel nur unterstreichen. Ich würde mir drei Dinge von einer guten Fee wünschen
    1.) Die Medien sollten ihre staatlich verordneten Maulkörbe abschütteln
    2,) Ihre Zeilen Herr Fugmann sollten der breiten Masse zugänglich sein
    3,) Die breite Masse sollte es auch richtig verstehen
    Wenn dem so wäre würden die herrschenden Politiker Europas vermutlich in ihr eigenes Asyl fliehen um dem Zorn ihrer verarschten Wähler zu entgehen.
    Aber mit der guten Fee ist es halt so eine Sache.
    Also werde ich der Dinge harren die da kommen und mich an Ihren Kommentaren erfreuen.

  16. Hallo Herr Fugmann,
    zutiefst erschüttert mich Ihr Résumé, ohne Zaun geht es nicht.
    Mein letzte Hoffnung ist, dass dies „nur“ Ihre Einschätzung der Lage ist und nicht Ihre innere Überzeugung darstellt.

    Die Daimler AG freut sich bereits auf ein RiesenGeschäft mit Grenzanlagen u.a. ca. 6.000 Kilometer in Afrika. Deutschland exportiert mehr Waffen denn je. Handelsabkommen ähnlich wie TTIP mit Afrika sind Teilursache der Armut dort. etc. etc.

    Dass es unvorstellbare Flüchtlingsströme geben wird ist recht wahrscheinlich. Klimaflüchtlinge werden kaum thematisiert in der breiten Öffentlichkeit, obwohl bereits Millionen Menschen davon betroffen sind. Aber als Konsequenz – ein Zaun ?

    Die Finanzwelt hat sich bereits seit langem globalisiert, nur die Menschen mit Ihren Kulturen mit ihrem Glauben u.s.w. noch nicht. Wir brauchen mehr Globalisierung auf menschlicher Ebene, denn die gravierenden anstehenden Herausforderungen machen vor Grenzen nicht halt.

    Wir haben genug Wissen und Technik um den Himmel auf Erden (um es etwas naiv zu beschreiben) für ALLE zu gestalten, nur ist das globalisierte MenschSein noch nicht soweit wie das Finanzsystem. Und das größte Problem besteht darin, dass wir nicht den Bezug unseres eigenen Handelns zum Zustand der Welt herstellen.

    Sei es nun der Plastikkontinent, Waffenexporte oder die Freihandelsabkommen etc., man geht lieber Pokemons jagen und fährt mit voller Kraft auf das Ende zu. Frei nach dem Moto: Gestern standen wir noch am Abgrund, heute sind wir einen Schritt weiter.

    Herr Fugmann,
    bitte sagen Sie mir nicht, dass Sie Ihren Kindern erzählen, dass man eine Mauer bauen muss um am Leben zu bleiben und das Mitgefühl und Menschlichkeit beim Kampf ums Überleben auf der Strecke bleiben müssen.

    Wir müssen Energie einsetzen um unseren Nachfahren eine lebenswerte Welt hinterlassen zu können, nicht eine Festung bei der wir auf der anderen Seite der Mauer zusehen wie die Menschen verrecken.

    Das Potsdamer Manifest 2005 (anlässlich der Internationalen Konferenz „Einstein weiterdenken“ 14. bis 16. Oktober 2005 ) wurde bisher von über 130 renommierten WissenschaftlerInnen und Persönlichkeiten aus aller Welt unterzeichnet. Ein guter Ansatz, wie wir alle leben und gleichzeitig unsere Identität wahren können.

    Sind Sie dabei Herr Fugmann ?

  17. Also ich find das super, wenn Autoren ordenlich Emotionen in ihre Artikel pumpen. Die ganzen gestelzten Verklauselierungen sind ja mittlerweile unerträglich. Und als Rheinländer würde ich jetzt sagen: „…Fugmann, lass uns einen saufen gehen“. Ich darf das auch so schreiben, schließlich bin ich der Ältere.

    Weisste Bescheid.

    Liebe Grüße

    Dieter

  18. Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern, die anderen Windmühlen; noch können wir selbst entscheiden, auf welcher Seite wir stehen wollen. Die mangelhafte Wirksamkeit der Mauern haben die Chinesen schon vor über 300 Jahren schmerzhaft erfahren. Tribalisierung? Dann sollten wir auch die letzte Kosequenz ziehen und uns unabhängig von geldgierigen Energieriesen machen: Ziehen wir von der Stadt aufs Land. Laßt uns Windmühlen bauen und auf unserer Scholle eigenen Strom produzieren, mit dem wir unsere Elektrofahrzeuge speisen. Wenn wir dort erfolgreich sind, können wir dieses Wissen nach Afrika tragen und dafür sorgen, dass die Menschen dort nicht mehr vom Honigland Europa träumen müssen.

  19. Ein weiterer Gedanke, der mir beim Thema Globalisierung und Freihandel vs. Abschottung kommt: Globalisiert doch mal den Zuckermarkt (stellvertretend für so viele andere Provinzmärkte) und schaut, was passiert. Welche Konsequenz hätte der Abriß der Mauer „europäische Schutzzölle“ im Bereich der Zuckerwirtschaft. Wenige Zuckerbarone wie Pfeiffer und Langen, die bis heute den europäischen Markt kontrollieren, würden ihre Pfründe verlieren. Hätte das Auswirkungen auf deine persönliche Steuerlast? Sicher nicht, denn horrende EU-Agrarsubventionen zur Förderung des europäischen Zuckerrübenanbaus würden wegfallen. Und du könntest auch endlich in den Genuß billigen Zuckers aus Afrika oder Südamerika kommen. Unmittelbar würden von diesen Maßnahmen sicherlich zunächst die dortigen „Zuckerbarone“ profitieren (in weiten Teilen Afrikas eine meist indische Minderheit), da diese aber lokal reinvestieren, hätte das auch Abstrahlwirkung auf die übrige Bevölkerung. Abbau von überkommenen Schutzzöllen halte ich ergo für die bessere Entwicklungshilfe und wirksamere Maßnahme, als weitere Mauern zu errichten. Ausserdem existieren diese Mauern ja bereits an unseren südlichen europäischen Außengrenzen, allein, sie nützen nichts. Wir brauchen kreativere, sinnvollere Lösungen um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Wir müssen win-win Situationen schaffen.

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