EZB: Plötzlich ist die Rede von Zinsanhebung – zufällig vor dem G20-Treffen..

FMW-Redaktion

Auf einmal ist das Thema Zinsanhebung im Spiel! Das war schon so vor einer Woche gerüchterweise der Fall, doch dementierte damals das EZB-Mitglied Smets dieses Gerücht. Nun aber ist die Sache gewissermaßen offiziell, weil vom Notenbankchef Österreichs, Nowotny, in einem Interview mit dem Handelsblatt verkündet!

Zwar erteilte Nowotny einem vorzeitigen Ende der Anleihekäufe (QE) einen klare Absage – dafür gebe es keinen Grund. Aber anders als in den USA, wo die Fed zunächst die Anleihekäufe in Richtung Null reduzierte und nach dem Stopp der Käufe dann 12 Monate später die Zinsen erstmals anhob, kann sich Nowotny einen anderen Weg für die Eurozone vorstellen. So könne die EZB etwa zuerst den Einlagesatz für Gelder, die Banken bei der EZB parken (derzeit mit -0,4% verzinst), erhöhen, bevor man an eine Leitzinserhöhung vornehme.

Das alles wäre vor der Pressekonferenz Draghis am Donnerstag vor einer Woche noch fast undenkbar erschienen – die EZB spricht über die Erhöhung von Zinssätzen (welchen auch immer). Nach der Zinsanhebung der Fed sowie der Anhebung der Kurzfrist-Zinsen durch Chinas People´s Bank of China ist nun also auch die EZB erkennbar hawkisher geworden, und der Verdacht liegt nahe, dass dieses Vorgehen nicht ganz unabgestimmt ist durch die großen Notenbanken, der sogenannte „Shanghai-Akkord“ (der jedoch offiziell nicht existiert!).

Die Aussagen Nowotnys haben den Euro gestärkt – und auch das dürfte angesichts des heutigen G20-Treffens nicht ganz unerwünscht gewesen sein angesichts des Vorwurfs der Währungsmanipulation, den kürzlich der Trump-Berater Peter Navarro gegen Deutschland erhoben hatte. Vor dem heutigen G20-Meeting war es zu einem Treffen zwischen dem amerikanischen Finanzminister Mnuchin und Schäuble gekommen, und Schäuble fand das einen „guten Start“, man habe eine gute Gesprächsbasis gefunden, um die Differenzen, die man habe, zu besprechen. Mnuchin hatte Schäuble offenkundig gesagt, dass Trump doch auch für den Freihandel sei, nur müsse der eben fair verlaufen. Die USA wollten keinen Handelskrieg.


Steven Mnuchin
Foto: Office of the President-elect, CC-BY 4.0

Soso, Trump für den Freihandel, das ist ja ein ganz neuer Aspekt. Und Mnuchin kam Schäuble weiter entgegen: der Euro sei doch etwas anderes als eine Währung, die nur von einem einzigen Land kontrolliert werde, sprich Deutschland sei kein Währungsmanipulator. Aber so furchtbar logisch sind die Aussagen Mncuhins nicht, er versucht offenkundig den Spagat zwischen seinem Dienstherren in Washington und seinem Gastgeber in Berlin zu schlagen – heraus kommt dann eine etwas geschwurbelte Dialektik: er sehe die EU, so Mnuchin, sowohl als Einheitsblock als auch als individuelle Länder. Die Hardcore-Fraktion in Washington, vertreten durch Peter Navarro und Steve Bannon, wollen eigentlich gar nicht mit der EU verhandeln, sondern nur mit einzelnen Ländern – Mnuchin übt sich also in hoher Diplomatie, die allen gerecht werden will – was in der Praxis wohl leider nicht funktionieren wird.

Die neue deutsche Wirtschaftsministerin Zypries jedenfalls ist da etwas konkreter: sollten die USA eine Importsteuer einführen, werde man das gerichtlich anfechten – und das wäre dann wahrscheinlich eine weitere gerichtliche Niederlage für Trump, so Zypries unter Anspielung auf den gerichtlichen Stop des zweiten Einreise-Stopps durch die Trump-Regierung.

Es wird also spannend heute, vor allem Aussagen von Mnuchin zum Dollar stehen im Vordergrund bei dem Treffen. Im Gespräch mit Schäuble hatte Mnuchin erneut gesagt, dass ein starker Dollar langfristig gut sei und das Vertrauen in die US-Wirtschaft belege. Und wer das glaubt, der kommt ganz sicher in den Himmel, vielleicht sogar in den siebten Himmel..


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