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Ein eleganter Schachzug um die OPEC weiter am Leben zu erhalten

Redaktion

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FMW-Redaktion

Auf dem am Freitag stattgefundenen Treffen der OPEC in Wien kam es zu einem Novum. Man machte das Treffen zu einen NON-Event. Alle angereisten Journalisten interessierten sich eigentlich nur für eine einzige Zahl, die Fördermenge. Rauf, runter, unverändert? Den Pressevertretern wurde allerlei Förmliches verkündet, z.B. wie sehr sich die OPEC-Mitglieder für die Gastfreundschaft der Stadt Wien und deren Bürger bedanken.

Öl OPEC
Die klassische Art der Öl-Förderung an kleinen Bohrstellen. Foto: Flcelloguy / Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Aber zur Fördermenge wurde einfach gar nichts gesagt. Da musste in der Fragerunde schon ein Journalist eindringlich um Auskunft bitten, was denn mit der Fördermenge sei. Daraufhin sagte man ihm nur dazu sei gar nichts vereinbart worden. Man werde sich das beim nächsten OPEC-Treffen im Juni 2016 erneut anschauen und dann evtl. eine Entscheidung treffen. OPEC-Generalsekretär El Badri sagte später man hätte sich einfach nicht auf eine Zahl festlegen können. Das ist der Beleg dafür, dass die beiden großen Blöcke innerhalb der OPEC nicht zueinander finden konnten.

Länder wie Venezuela, Algerien etc hängen am Öl-Tropf und brauchen dringend höhere Ölpreise. Sie drängen daher schon seit Monaten auf eine Reduzierung der Fördermenge. Der andere Block, bestehend aus den reichen Golf-Staaten rund um Saudi-Arabien, denkt auch jetzt nicht daran die Fördermenge zu reduzieren, weil man seinen Weltmarktanteil gegen die amerikanische Fracking-Industrie verteidigen will, egal wie saftig man selbst dafür draufzahlt – denn noch sind die Geldreserven prall gefüllt. Diese beiden Blöcke stehen sich zunehmend unversöhnlich gegenüber, und man darf sich schon wundern, warum die OPEC noch nicht daran zerbrochen ist. Es ist wohl nur diesem Kompromiss (gar nichts entscheiden) zu verdanken, dass die Organisation noch weiter existiert.

Um ein Auseinanderbrechen der OPEC zu verhindern, hat man sich daher auf diesen simplen, aber eleganten Schachzug geeinigt – einfach gar keine Entscheidung treffen. Und das bedeutet letztlich, dass die Fördermenge unverändert erstmal weiter bei 30 Mio Barrel pro Tag bleibt. Tatsächlich aber hielten sich viele OPEC-Mitglieder auch zuletzt nicht ganz an diese Grenze und förderten mehr. So lag man über 31 Mio Barrel pro Tag, und der Iran hatte auch wenige Minuten vor dem Meeting am Freitag erneut bekräftigt man werde nach Beendigung der Sanktionen seine Fördermenge um 1 Mio Barrel pro Tag erhöhen – man werde hierzu auch niemanden um Erlaubnis fragen. Also darf man ab Anfang 2016 wohl ernsthaft von einer Fördermenge über 32 Mio Barrel pro Tag ausgehen.

Verlierer sind Länder wie Venezuela. Selbst wenn sie eigenständig ihre Fördermenge reduzieren und/oder aus der OPEC ausscheiden und mit anderen Ländern gemeinsam die Fördermenge senken – dann könnten die Golfstaaten ihre Fördermenge einfach raufschrauben. Auf eine Journalisten-Frage, ob die OPEC nach diesem NON-Event nun ihre Macht verloren habe, sagte El Badri die OPEC sei mächtiger als je zuvor – auf dem Weltmarkt könne man die Auswirkungen der OPEC-Politik sehen. Damit meint er die seit einem Jahr auf Rekordniveau liegende Fördermenge, die den Ölpreis in von über 100 auf jetzt unter 40 Dollar zurückfallen lies.

Nicht nur durch die zwei großen Lager innerhalb der OPEC ist die Organisation als Solche mehr als geschwächt. Auch das konstante Überschreiten der bisher gültigen Fördermenge von 30 Mio Barrel pro Tag hin auf mehr als 31 Mio (manche behaupten jetzt schon 32) entzieht der OPEC ein Stück weit Glaubwürdigkeit. Denn das Ziel dieses Kartells ist ja letztlich durch eine gemeinsam festgelegte Fördermenge den Ölpreis regulieren zu können. Wenn einige Mitglieder (aus den Golfstaaten) diese Menge absichtlich überschreiten, verliert die OPEC damit ihre Glaubwürdigkeit.

Es scheint so zu sein: Die Golfstaaten werden nicht aufgeben. Sie wollen einfach sehen, dass die Fracking-Industrie pleite geht. Venezuela müsste schon in den USA anklopfen und darum betteln, dass die dutzenden kleinen Fracking-Buden bitte endlich ihren Betrieb einstellen, was natürlich einem schönen Wunschtraum entspringt. Erst dann wären die Saudis und Co zufrieden und würden wohl einer deutlichen Reduzierung der Fördermenge zustimmen. Denn die Zerstörung der neuen Konkurrenz aus Nordamerika war vor einem Jahr das Ziel der Golfstaaten – um den eigenen Weltmarktanteil zu verteidigen, ist seitdem der Ölpreis auf Sinkflug. Aktuell notiert er knapp unter der 40-Dollar-Marke (WTI). Eigentlich hält er sich noch erstaunlich gut, da viele Öl-Bullen an den Terminbörsen auf eine Reduzierung der Fördermenge gesetzt hatten.

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Aktienmärkte: Ich glaube an die Jahresendrally! Marktgeflüster (Video)

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Außerdem scheint Joe Biden die ehemalige Fed-Chefin Janet Yellen zur neuen US-Finanzministerin machen zu wollen. Auch das freut den Markt. Die Geldflut kann weiter gehen, und die Konjunktur in den USA dürfte weiteren staatlichen Stimulus erhalten. Das pusht die Aktienmärkte, und auch der Ölpreis steigt kräftig. Alleine seit heute Nacht bei 43 Dollar steigt der WTI-Ölpreis aktuell auf 44,94 Dollar. Mehr Konjunktur-Stimulus bedeutet auch mehr Öl-Nachfrage. Logisch, dass da der Ölpreis ansteigt.

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