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Aktienmärkte: Auf und nieder? Der Deckel und der Boden!

Heute endet eines der besten Quartale der letzten 100 Jahre. Man fragt sich: Müssen die Aktienmärkte nicht eine längere Wachstumspause einlegen?

Es herrscht eine seltsame Stimmung an den Märkten. Da gibt es zum einen die Optimisten, sehr viel jüngere Anleger, die in dem Aktien-V die große Gewinnchance sehen und die Älteren, die dem raschen Anstieg der Aktienmärkte misstrauen, weil eine Wirtschaft, die weltweit so in den Keller gefahren wurde, nicht in wenigen Wochen/Monaten pandemiebedingt wieder so schell hochgefahren werden kann. Heute endet eines der besten Quartale der letzten 100 Jahre. Man fragt sich: Müssen die Aktienmärkte nicht eine längere Wachstumspause einlegen?

Aktienmärkte: Der Deckel und der Boden

Irgendwie gibt es derzeit eine Pattsituation, ablesbar am Fear & Greed-Index, der mit seinem Stand von 49 Punkten so ziemlich in der Mitte steht, zwischen Angst und Gier. Viele Professionelle sprechen schon seit Tagen von der notwendigen Verschnaufpause, nach einem Quartal mit 40 Prozent plus, pi mal Daumen. Pain Trades der Unterinvestierten in der „meistgehassten Rally“ und das berühmte Window Dressing haben bisher vermutlich manche Korrektur im Keim erstickt. Natürlich bilden die exorbitanten Kurssteigerungen, die extremen Bewertungskennziffern und die „aktuelle“ totale Abkoppelung von Real- und Finanzwirtschaft so etwas wie einen Deckel für weitere Kurshöhen der Aktienmärkte. Jeder sieht die Charts, die Scheren und wundert sich. Vor allem die Profis, denn diese wissen, dass nach jeder extremen Steigerung zumindest eine heftige Konsolidierung folgen muss.

Aber, und darauf habe ich schon öfters hingewiesen, für die jetzige Situation gibt es für Anleger, Volkswirte und Analysten kein historisches Vorbild, keine Blaupause. Die meisten Rezessionen waren Finanzkrisen, aber eine Pandemie-Krise, die sowohl Angebot als auch Nachfrage zu Boden zwingt? Bisher dauerte kaum eine Rezession in der Nachkriegszeit über ein Jahr – aber wie sollen die Aktienmärkte Covid-19 mit seinen Auswirkungen auf Gesellschaft und Wirtschaft bewerten?

Die Welt hat sich in diesem Punkt doch deutlich gewandelt. In den Jahren 1957/58 grassierte die Asiatische Grippe, an der mindestens eine Million Menschen verstarben – in Deutschland alleine 30.000. Nicht nur, dass das Thema Lockdown damals nicht zur Debatte stand, die Pandemie war nicht einmal ein besonderes Thema in den Medien.

Und was soll man zum Boden sagen? Nichts Neues, denn die ubiquitäre Geldflut durch Regierungen und Notenbanken, inklusive unsere „TINA“ bilden ein Rettungsnetz von unglaublicher Stabilität, zumindest für einen gewissen Zeitraum. Denn es wird ständig weiter in Parlamenten verhandelt über zusätzliche Stimuli – und da gibt es auch noch die Novemberwahlen in den USA, für die der Amtsinhaber keinen einbrechenden Konsum haben darf. Und er hat Fed-Chef Jay Powell auf seine Seite gebracht, nach vorherigen hundertfachen verbalen Demütigungen.

Das Pflänzchen Konjunkturhoffnung

Auch wenn es kein V im Stile der Aktienmärkte werden kann, 40 Prozent Anstieg vom 23. März bis zum 8. Juni, so etwas ist bei einem über viele Zeitzonen verteilten Lockdown realwirtschaftlich gar nicht machbar, so sind sie doch sichtbar, die Zeichen der Erholung. Zumindest in Europa.

In Deutschland war es zunächst der ZEW-Index, der von April (28,1 Punkte), über Mai (51 Punkte) bis zum Juni mit 63,4 Punkten nach oben sprang. Dann die steigenden Einkaufsmanagerindizes, oder der Ifo-Index, der von Mai (79,7) auf Juni (86,2) den größten Sprung seiner Historie hingelegt hat. Allerdings nachdem er im April mit 74,3 Punkten sein All-Time-Low präsentiert hatte. Gestern kam noch das EU-Barometer für das Geschäftsklima, welches im Juni um 8,2 auf 75,7 Punkte geklettert war, wie die EU-Kommission am Montag bekanntgab.

Sonderfaktor US-Wahlen

Sicherlich wird das Wahlergebnis eine große Rolle auf die Wall Street haben. Schließlich basiert ein großer Teil der Rally der Aktienmärkte auf den oft schon genannten Faktoren: Deregulierung, Financial Engineering (Aktienrückkäufe), Steuerreform und Steueramnestie, all das potenzierte sich unter der Regierung der Republikaner. Ein Regierungswechsel würde viel in Frage stellen, nicht einmal so sehr von Joe Biden ausgehend, sondern von Zugeständnissen an den linken Flügel der Demokraten. Aber haben wir denn in der jüngeren Vergangenheit nicht erlebt, wie unsicher Wahlprognosen in der heutigen Zeit sind? Aktienmärkte und Wahlen –  in Zeiten von Corona ist das mehr denn je ein „Zero-Validity Environment“.

Ein fast 78-Jähriger tritt gegen einen 74-Jährigen an für das stressige Amt des US-Präsidenten – dies ist allein schon ein gesundheitliches Wagnis. Wie alt waren Bill Clinton, George W.Bush und Barrack Obama zu Beginn ihrer Amtszeit?

Fazit

Auch wenn wir vielleicht das ungewöhnlichste Börsenjahr seit Langem erleben werden, kann man am Ende eines Achterbahn-Halbjahres nur zu dem Schluss kommen: es geht jetzt bestimmt nicht ruhig weiter für die Aktienmärkte. Werden die jungen Wilden (Robinhooder), die die großen Fondsmanager nach dem März haben alt aussehen lassen, nicht Lehrgeld zahlen müssen? Andererseits: können die besagten und von der Bank of America befragten Profis wieder dem Markt hinterherrennen? Kommt eine Schaukelbörse in so etwas wie einer „Sommer-Range“?

Sicherheit wird es in Kürze geben über das Ausmaß der wirtschaftlichen Schrumpfung, den der Lockdown infolge Covid-19 verursacht hat. Es wird Bilanz gezogen über Q2, einem Quartal in dem die Welt in Teilen wirtschaftlich still stand.

Unsicherheit bestimmt unser Leben, gerade im Hinblick auf das winzige Virus. Aber das Unsicherste, was es derzeit jenseits von Sportwetten gibt, sind Prognosen auf die Entwicklung der Wirtschaft, so analytisch und faktenreich sie auch präsentiert werden. Die Pandemie betrifft die gesamte Welt und es ist der Mensch, der mit seinen Ängsten und Hoffnungen die Erholung der Wirtschaft bestimmt – und Covid-19.

Die Aktienmärkte finden nach der Rally keine klare Richtung



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3 Kommentare

  1. Fazit :

    Die Aktienmärkte sind nicht manipuliert.

    Die Anleihemärkte sind manipuliert.

    Die Aktienmärkte bieten mir als Anleger Renditen, die Anleihemärkte keine !

    Es sei denn, man will Emerging-Market Bonds kaufen, dies jedoch verbunden mit einer dementsprechenden Bewertung/Risiko.

    Kann man machen.. Oder man kann Gold kaufen ? Aber Gold bietet mir doch keine Rendite, Gold sollte immer nur eine Absicherung sein ?

    Was kann jetzt das Fazit sein ?

  2. es werden krampfhaft die Kurse nach oben gezogen in der Hoffnung,daß noch die Letzten mit
    viel Kapital einsteigen,um irendwie auf „Zinsenserträge“ zu kommen.
    Dann wird wieder versucht,kontrolliert Luft aus der Blase zu lassen.Nur die Fallhöhe
    muß stimmen,damit die Renditen passen.
    Zum Herbst gehen den Banken die Luft aus,viele Kredite müssen abgeschrieben werden und
    die Arbeitslosenzahlen werden „real“.
    Es warten alle noch auf „the big short“,der sich irgendwann einstellt,weil dieser den
    realen Industriedaten folgen muß – früher oder später.
    Es gibt kein historisches Vorbild; Falsch,finde ich ,denn am nähesten kommt es der
    wirtschaftlich Depression.Nur im „modernen Gewand“.
    Ziel der jetzigen Corona Pandemie ist einmal die Gewinnegarantie für den medizinischen Sektor,der nur Zusammen mit Staatsführungen weltweit geht,die auf den Geschmack kommen den Bürgern immer mehr vorzuschreiben,was sie machen sollen.Es sind eben immer weniger
    Resourcen vorhanden,gegenüber immer weiter steigenden Bevölkerungszahlen.

  3. @ Marko, sie sind der einzige der den Durchblick hat.
    Dividenden vor der Krise = 0- 3% Dividenden aktuell 0 bis 2% vielleicht.
    Aktienkursrisiko 0 bis 70% , Chancen – Risiko Verhältnis = super , noch höher als der Intelligenz- Quotient.

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