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Aktienmärkte: Auf und nieder? Der Deckel und der Boden!

Heute endet eines der besten Quartale der letzten 100 Jahre. Man fragt sich: Müssen die Aktienmärkte nicht eine längere Wachstumspause einlegen?

Wolfgang Müller

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Es herrscht eine seltsame Stimmung an den Märkten. Da gibt es zum einen die Optimisten, sehr viel jüngere Anleger, die in dem Aktien-V die große Gewinnchance sehen und die Älteren, die dem raschen Anstieg der Aktienmärkte misstrauen, weil eine Wirtschaft, die weltweit so in den Keller gefahren wurde, nicht in wenigen Wochen/Monaten pandemiebedingt wieder so schell hochgefahren werden kann. Heute endet eines der besten Quartale der letzten 100 Jahre. Man fragt sich: Müssen die Aktienmärkte nicht eine längere Wachstumspause einlegen?

Aktienmärkte: Der Deckel und der Boden

Irgendwie gibt es derzeit eine Pattsituation, ablesbar am Fear & Greed-Index, der mit seinem Stand von 49 Punkten so ziemlich in der Mitte steht, zwischen Angst und Gier. Viele Professionelle sprechen schon seit Tagen von der notwendigen Verschnaufpause, nach einem Quartal mit 40 Prozent plus, pi mal Daumen. Pain Trades der Unterinvestierten in der „meistgehassten Rally“ und das berühmte Window Dressing haben bisher vermutlich manche Korrektur im Keim erstickt. Natürlich bilden die exorbitanten Kurssteigerungen, die extremen Bewertungskennziffern und die „aktuelle“ totale Abkoppelung von Real- und Finanzwirtschaft so etwas wie einen Deckel für weitere Kurshöhen der Aktienmärkte. Jeder sieht die Charts, die Scheren und wundert sich. Vor allem die Profis, denn diese wissen, dass nach jeder extremen Steigerung zumindest eine heftige Konsolidierung folgen muss.

Aber, und darauf habe ich schon öfters hingewiesen, für die jetzige Situation gibt es für Anleger, Volkswirte und Analysten kein historisches Vorbild, keine Blaupause. Die meisten Rezessionen waren Finanzkrisen, aber eine Pandemie-Krise, die sowohl Angebot als auch Nachfrage zu Boden zwingt? Bisher dauerte kaum eine Rezession in der Nachkriegszeit über ein Jahr – aber wie sollen die Aktienmärkte Covid-19 mit seinen Auswirkungen auf Gesellschaft und Wirtschaft bewerten?

Die Welt hat sich in diesem Punkt doch deutlich gewandelt. In den Jahren 1957/58 grassierte die Asiatische Grippe, an der mindestens eine Million Menschen verstarben – in Deutschland alleine 30.000. Nicht nur, dass das Thema Lockdown damals nicht zur Debatte stand, die Pandemie war nicht einmal ein besonderes Thema in den Medien.

Und was soll man zum Boden sagen? Nichts Neues, denn die ubiquitäre Geldflut durch Regierungen und Notenbanken, inklusive unsere „TINA“ bilden ein Rettungsnetz von unglaublicher Stabilität, zumindest für einen gewissen Zeitraum. Denn es wird ständig weiter in Parlamenten verhandelt über zusätzliche Stimuli – und da gibt es auch noch die Novemberwahlen in den USA, für die der Amtsinhaber keinen einbrechenden Konsum haben darf. Und er hat Fed-Chef Jay Powell auf seine Seite gebracht, nach vorherigen hundertfachen verbalen Demütigungen.

Das Pflänzchen Konjunkturhoffnung

Auch wenn es kein V im Stile der Aktienmärkte werden kann, 40 Prozent Anstieg vom 23. März bis zum 8. Juni, so etwas ist bei einem über viele Zeitzonen verteilten Lockdown realwirtschaftlich gar nicht machbar, so sind sie doch sichtbar, die Zeichen der Erholung. Zumindest in Europa.

In Deutschland war es zunächst der ZEW-Index, der von April (28,1 Punkte), über Mai (51 Punkte) bis zum Juni mit 63,4 Punkten nach oben sprang. Dann die steigenden Einkaufsmanagerindizes, oder der Ifo-Index, der von Mai (79,7) auf Juni (86,2) den größten Sprung seiner Historie hingelegt hat. Allerdings nachdem er im April mit 74,3 Punkten sein All-Time-Low präsentiert hatte. Gestern kam noch das EU-Barometer für das Geschäftsklima, welches im Juni um 8,2 auf 75,7 Punkte geklettert war, wie die EU-Kommission am Montag bekanntgab.

Sonderfaktor US-Wahlen

Sicherlich wird das Wahlergebnis eine große Rolle auf die Wall Street haben. Schließlich basiert ein großer Teil der Rally der Aktienmärkte auf den oft schon genannten Faktoren: Deregulierung, Financial Engineering (Aktienrückkäufe), Steuerreform und Steueramnestie, all das potenzierte sich unter der Regierung der Republikaner. Ein Regierungswechsel würde viel in Frage stellen, nicht einmal so sehr von Joe Biden ausgehend, sondern von Zugeständnissen an den linken Flügel der Demokraten. Aber haben wir denn in der jüngeren Vergangenheit nicht erlebt, wie unsicher Wahlprognosen in der heutigen Zeit sind? Aktienmärkte und Wahlen –  in Zeiten von Corona ist das mehr denn je ein „Zero-Validity Environment“.

Ein fast 78-Jähriger tritt gegen einen 74-Jährigen an für das stressige Amt des US-Präsidenten – dies ist allein schon ein gesundheitliches Wagnis. Wie alt waren Bill Clinton, George W.Bush und Barrack Obama zu Beginn ihrer Amtszeit?

Fazit

Auch wenn wir vielleicht das ungewöhnlichste Börsenjahr seit Langem erleben werden, kann man am Ende eines Achterbahn-Halbjahres nur zu dem Schluss kommen: es geht jetzt bestimmt nicht ruhig weiter für die Aktienmärkte. Werden die jungen Wilden (Robinhooder), die die großen Fondsmanager nach dem März haben alt aussehen lassen, nicht Lehrgeld zahlen müssen? Andererseits: können die besagten und von der Bank of America befragten Profis wieder dem Markt hinterherrennen? Kommt eine Schaukelbörse in so etwas wie einer „Sommer-Range“?

Sicherheit wird es in Kürze geben über das Ausmaß der wirtschaftlichen Schrumpfung, den der Lockdown infolge Covid-19 verursacht hat. Es wird Bilanz gezogen über Q2, einem Quartal in dem die Welt in Teilen wirtschaftlich still stand.

Unsicherheit bestimmt unser Leben, gerade im Hinblick auf das winzige Virus. Aber das Unsicherste, was es derzeit jenseits von Sportwetten gibt, sind Prognosen auf die Entwicklung der Wirtschaft, so analytisch und faktenreich sie auch präsentiert werden. Die Pandemie betrifft die gesamte Welt und es ist der Mensch, der mit seinen Ängsten und Hoffnungen die Erholung der Wirtschaft bestimmt – und Covid-19.

Die Aktienmärkte finden nach der Rally keine klare Richtung

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Marko

    30. Juni 2020 11:41 at 11:41

    Fazit :

    Die Aktienmärkte sind nicht manipuliert.

    Die Anleihemärkte sind manipuliert.

    Die Aktienmärkte bieten mir als Anleger Renditen, die Anleihemärkte keine !

    Es sei denn, man will Emerging-Market Bonds kaufen, dies jedoch verbunden mit einer dementsprechenden Bewertung/Risiko.

    Kann man machen.. Oder man kann Gold kaufen ? Aber Gold bietet mir doch keine Rendite, Gold sollte immer nur eine Absicherung sein ?

    Was kann jetzt das Fazit sein ?

  2. Avatar

    franko33

    30. Juni 2020 13:23 at 13:23

    es werden krampfhaft die Kurse nach oben gezogen in der Hoffnung,daß noch die Letzten mit
    viel Kapital einsteigen,um irendwie auf „Zinsenserträge“ zu kommen.
    Dann wird wieder versucht,kontrolliert Luft aus der Blase zu lassen.Nur die Fallhöhe
    muß stimmen,damit die Renditen passen.
    Zum Herbst gehen den Banken die Luft aus,viele Kredite müssen abgeschrieben werden und
    die Arbeitslosenzahlen werden „real“.
    Es warten alle noch auf „the big short“,der sich irgendwann einstellt,weil dieser den
    realen Industriedaten folgen muß – früher oder später.
    Es gibt kein historisches Vorbild; Falsch,finde ich ,denn am nähesten kommt es der
    wirtschaftlich Depression.Nur im „modernen Gewand“.
    Ziel der jetzigen Corona Pandemie ist einmal die Gewinnegarantie für den medizinischen Sektor,der nur Zusammen mit Staatsführungen weltweit geht,die auf den Geschmack kommen den Bürgern immer mehr vorzuschreiben,was sie machen sollen.Es sind eben immer weniger
    Resourcen vorhanden,gegenüber immer weiter steigenden Bevölkerungszahlen.

  3. Avatar

    Marko -Fan

    30. Juni 2020 16:08 at 16:08

    @ Marko, sie sind der einzige der den Durchblick hat.
    Dividenden vor der Krise = 0- 3% Dividenden aktuell 0 bis 2% vielleicht.
    Aktienkursrisiko 0 bis 70% , Chancen – Risiko Verhältnis = super , noch höher als der Intelligenz- Quotient.

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Finanznews

Aktien: Generation Z und die Spekulation! Marktgeflüster (Video)

Die Generation Z (ab 1995 Geborene) macht wieder Schlagzeilen und pusht auch heute wieder bestimme Aktien nach oben. Das böse Ende aber wird kommen..

Markus Fugmann

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Die Generation Z (ab 1995 Geborene) macht auch heute wieder Schlagzeilen und pusht wieder Aktien wie Gamestop oder Beyond Meat nach oben. Diese Generation Z wird nicht nur den Klimawandel ausbaden müssen, sondern ahnt auch, dass sie seit langer Zeit die erste Generation sein wird, für die der Kuchen nicht größer, sondern vermutlich kleiner sein wird. Und diese Generation Z wähnt sich nun durch die Fed und andere Notenbanken in einem Casino, in dem man ohne Risiko zocken könne – weil Aktien angeblich immer steigen. Aber an der Börse hat die Mehrheit schon immer verloren, und das wird diesmal nicht anders sein..

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Aktien

Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Robuste Ergebnisse auf breiter Front

Redaktion

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Die gemeldeten und heute Abend anstehenden Quartalszahlen sind heute ein wichtiges Thema.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

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Aktien

Wall Street: Kommen jetzt Regulierungen durch die Biden-Regierung?

Wird es für die Wall Street unter Biden sehr viel schwieriger als unter Trump? Was passiert mit den Monopolen der großen Tech-Firmen?

Wolfgang Müller

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Wird es für die Wall Street unter Biden sehr viel schwieriger als unter Trump? Bereits seit Monaten wird darüber spekuliert, wie eine demokratische Regierung den großen Techfirmen mit ihren monopolartigen Stellungen zu Leibe rücken wird. Schon die Bildung der Regierung wird Hinweise darauf geben, viele designierte Minister haben bereits in der Regierung unter Barack Obama politische Posten bekleidet.

Die Wall Street und der Abbau der Regulierungen

Die Ära Trump war für die Wall Street geprägt von Deregulierungen, insbesondere im Finanzsektor, was natürlich den oberen Einkommensklassen zugute kam – trotz seiner Beteuerungen dem Establishment auf den Leib rücken zu wollen. Joe Biden hat bereits im Wahlkampf davon gesprochen, gegen die wachsende Ungleichheit im Lande vorgehen zu wollen, was zwangsläufig auf einen Machtkampf mit der Wall Street hinauslaufen würde. Jetzt hat er aber mit der neuen Finanzministerin Janet Yellen, der einstigen Notenbankchefin, eine Entscheidung gefällt, die eher Kontinuität als Radikalität in Finanzfragen erwarten lässt. Sie unterstützt natürlich das Corona-Hilfspaket von 1,9 Billionen Dollar, zu dem die Ministerin vor dem Senat betonte, dass diese Verschuldung mehr nutze, als dass sie schade. Ihre Zielstellung seien mehr und besser bezahlte Jobs und höherer Wohlstand für mehr Amerikaner.

Die letzten Personalentscheidungen deuten aber daraufhin, dass man die Wall Street doch in Teilbereichen stärker regulieren wolle.

Chef der Börsenaufsichtsbehörde SEC soll Gary Gensler werden, ein Mann, der schon von 2009 bis 2014, also unter der Präsidentschaft von Barrack Obama, die Aufsicht über die Derivate CFTC innehatte. Er hatte damals die Untersuchungen bei den Manipulationen des Zinssatzes Libor geleitet und die Finanzreform umgesetzt. Er gilt als harter Hund in der Szene, aber wie könnte es auch anders sein – er hatte zuvor schon 20 Jahre bei Goldman Sachs gearbeitet.

Die Aufgaben der SEC dürften gewaltig sein, im Stadium der derzeitigen Spekulationsauswüchse. Zum Beispiel bei den Special Purpose Acquisition Companies, kurz SPAC genannt. Firmen, die zunächst Kapital über einen Börsengang einsammeln, um das Geld in die Übernahme eines noch nicht feststehenden Unternehmens zu investieren. Ein kaum regulierter Bereich, bei dem es wieder auf Kosten der Kleinanleger gehen könnte. Bereits in den ersten drei Wochen wurden im Bereich der SPACS schon wieder 56 solcher Mantelfirmen an die Börse gebracht und 16 Milliarden Dollar an Geldern eingesammelt. Nach 300 Firmen im Jahr 2020.

Was Gensler auch besonders auszeichnet, sind seine Kenntnisse im Bereich der Kryptowährungen – einem Thema, über welches er auch an seiner Universität gelehrt hat. Er hat sich zur Szene schon sehr kritisch geäußert und wird sich ganz besonders mit Fintech-Unternehmen und Kryptowährungen befassen.

Unterstützt wird Gensler von Rohit Chopra, der Chef der Verbraucherschutzbehörde für Finanzprodukte (CFPB) werden soll, die nach der Finanzkrise gegründet wurde.

Der Mann hatte sich bereits in in seiner Zeit bei einer anderen Behörde gegen die Macht der großen Tech-Konzerne ausgesprochen. Er stimmte für die Klage der Behörde gegen Facebooks ungesetzliche Monopolisierung, der sich auch eine Gruppe von Generalstaatsanwälten angeschlossen. Unter Trump war der Einfluss der Verbraucherschutzbehörde deutlich zurückgefahren worden.

Chef der Bankenaufsicht (OCC) soll Michael Barr werden, ein Mann der auch schon im Finanzministerium zu Obamas Zeiten gearbeitet hatte und nun auf 1200 Banken ein Auge werfen soll.

Die Personalauswahl Bidens zeigt in jedem Fall, dass dem Schutz der Verbraucher zulasten der großen Firmen mehr Bedeutung zukommen wird – und das könnte ein Problem für die Wall Street werden.

Fazit

Wieder einmal stellt sich bei einer neuen Regierung die Frage, wie viel von den Programmpunkten aus dem Wahlkampf im politischen Kampf und vor allem gegen das mächtige Kapital der Wall Street in den USA umgesetzt werden kann. Wer glaubt, dass es jetzt zu einer größeren Umverteilung von Wall Street zu Main Street kommen würde, dürfte ein bisschen blauäugig sein. Bidens Mannschaft besteht aus vielen älteren Semestern, die schon unter Barrack Obama im Einsatz waren.

Außerdem spielen die Wall Street und die Kapitalmärkte in den USA eine viel dominantere Rolle als in allen anderen Industriestaaten der Welt. Es dürfte kaum Gouverneure, Senatoren und Politiker in führenden Positionen geben, die nicht auf einem großen Aktienpaket sitzen. Den Ast ansägen, auf dem man selbst sitzt? Das beste Beispiel ist doch die ehrwürdige Sprecherin der Demokraten, die bereits 80-jährige Nancy Pelosi. Wenn die Grande Dame der US-Demokraten sogar eine halbe Million Dollar für Optionen auf die Tesla-Aktie gesetzt hat, erst vor Kurzem und bereits in der Gewissheit in Regierungsverantwortung zu stehen, was werden wohl die anderen Abgeordneten in ihrem Vermögensdepots haben? Bestimmt kein gefülltes Girokonto, wie unser Finanzminister.

Ergo: Regulierungen an der Wall Street werden kommen, aber wohl immer noch mit Schonung des Aktien-Wunderlandes USA.

Wird die Biden-Regierung die Wall Street bald stärker regulieren?

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