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Aktienmärkte: Bringt der dreifache Hexensabbat eine Wende?

Wolfgang Müller

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Das Geschäft mit Optionen wird für die Aktienmärkte immer bedeutsamer, speziell in den USA, wo in der jetzigen Euphoriephase die Umsätze bei Call-Optionen geradezu explodieren. Ungeachtet dessen blickt man stets gespannt auf den viermal in einem Jahr, jeweils am dritten Freitag im Montag stattfindenden großen Hexensabbat entgegen. Der Verfall von Terminkontrakte, wie Futures und Optionen sorgt oft im Vorfeld für große Kursschwankungen, weil Marktteilnehmer die Kurse durch Käufe und Verkäufe von Assets so zu bewegen versuchen, dass die Termimkontrakte Gewinne abwerfen. Was wird im Vorfeld zum 18. Dezember an den Märkten geschehen, zu Zeiten größter Call-Euphorie bei gleichzeitig geringen Depotabsicherungen?

Aktienmärkte: Die große Call-Spekulation

Der November des Jahres 2020 hatte es in sich. Der Ausgang der US-Wahlen, der nicht zu einem befürchteten Chaos geführt hat und die Impfstoffentwicklung, beginnend mit der BioNTech/Pfizer-Meldung am 9. November und dem darauffolgenden Wettlauf um den Termin einer Notzulassung.

Das alles führte zu einem Game Changer für die Aktienmärkte mit zahlreichen Konsequenzen: Verkaufoptionen und Leerverkäufe auf Corona-geschädigte Titel wurden in Windeseile eingedeckt (Stichwort Short Squeeze), Nebenwerte und Value-Titel hingegen in großem Umfang gekauft. Obwohl sich die Käufe nach der Monatsmitte wieder beruhigten (bis auf einige Titel wie Tesla oder Impfstofffirmen) schnellte eines gewaltig in die Höhe – der Optimismus der Anleger (FMW berichtete laufend über die heißgelaufenen Indikationen).

Ob ein Angstbarometer wie der Fear&Greed-Index, das ständig im Bereich extremer Gier um die 90 Punkte notiert, US-Aktienindizes weit oberhalb ihrer Aufwärtstrends, oder ein Dow Jones oberhalb der psychologischen Marke von 30.000 Punkten. Die Hausse nährt die Hausse, wieder einmal, und die Gier sorgt im Optionshandel für außergewöhnliche Konstellationen.

Wie Markus Fugmann in einem seiner letzten Videos festgestellt hat, wurden in der letzten Woche in den USA viermal so viele Calloptionen gekauft, wie es im Durchschnitt der Fall ist. 40 Prozent der Umsätze an der New York Stock Exchange waren Optionen. Hierunter aber kaum Put-Optionen, also sichert man sich nicht ab – im Bewusstsein von Rettungsschirmen durch die Notenbanken (Sitzungen am 10. und 16. November vor dem Hexensabbat) und den Stakkato-artig eintrudelnden Meldungen von der Impfstofffront: Wirksamkeitsstudien, Zulassungsanträge und Hinweise auf den Start der Impfungen. Eine selten positive Konstellation von „Good News“ – und dies in der guten saisonale Phase der Aktienmärkte zu Jahresende. Aber was passiert mit den vielen Call-Optionen (35 Millionen allein vor Thanksgiving) in den nächsten Tagen?

Die ungewöhnliche Anzahl an Calls hat die Market Maker gezwungen, über ihr Delta Hedging immer mehr die zugrunde liegenden Titel zu kaufen. Manchmal öffneten die Märkte mit einem Gap, so dass man ständig gezwungen war, Aktien am Markt nachzukaufen. Desto stärker die Hebelwirkung (größeres Delta) bei den Calls, desto größer das Hedging der Gegenseite.

Was passiert aber, wenn die Kurse einen Rücksetzer machen, oder viele Kontrakte am Verfallstag auslaufen? Die Market Maker werden die Werte verkaufen, die sie zum Zwecke der Absicherung gekauft haben und den Abwärtstrend verstärken. Ein Thema, welches noch bedeutsam werden könnte, denn Put-Optionen gibt es kaum, die beim Schließen der Position zum kursstabilisierenden Kauf des Basiswertes führen würden, der bekannten Short Squeeze.

Was werden die Inhaber der Call-Optionen in der letzten Woche vor dem großen Verfall tun? Die Kontrakte verlängern über das Jahresende und die sehr häufig positive Aktienphase hinaus, hinein in einen Monat Januar, der sehr häufig mit Rückschlägen endete?

Übersicht: Keiner hat bald mehr Puts

Dire Aktienmärkte euphorisch, kaum Put-Absicherungen

Grafik: northmantrader.com

Fazit

Der Optimismus der Aktienmärkte ist übergroß und schreit nach einer Korrektur. Eine riesige Herde an Zockern, die mit Kaufoptionen schnell reich werden wollen und die Gegenseite, die Stillhalter, die in die Basiswerte getrieben werden.

Das wird zu Reaktionen führen müssen, Optionen haben ein Verfallsdatum und reagieren auf die implizite Volatilität.

Was mir aber nicht einleuchtet ist, dass die jetzige Situation immer wieder mit historischen Zyklen verglichen wird. Corona hat eine absolute Sondersituation geschaffen und ein Impfstoff in großer Verfügbarkeit ändert vieles in dem für die Aktienmärkte relevanten Zeitraum. Wie sagte der Chef einer französischen Großbank? Wir haben eine Gesundheitskrise, keine Wirtschaftskrise – sehr optimistisch, aber da ist etwas dran. Für die Aktienmärkte zählen nicht die nächsten vier Wochen oder das neue Quartal. Das Kommende wird immer dann interessant, wenn Fakten präsentiert werden, die die lange Sicht ändern – das Delta zwischen eingepreister und veränderter Erwartung.

Tourismus und Luftfahrt liegen stärker im Minus als in Kriegssituationen, die Maschinen, Hotels und Einrichtungen sind aber nicht zerstört und wenn es in einem halben Jahr eine Impfung der Bevölkerung geben hat, so werden manche Industrien wie Phoenix aus der Asche auftauchen. Die Messung eines aktuellen KGVs ist nicht so bedeutsam, wenn die Aktienmärkte mindestens sechs bis neun Monate in die Zukunft blicken.

Der zweite Fakt ist der monetäre: Wieso sieht man nicht die 35 Billionen Dollar an Anleihen, die real negativ verzinst sind oder die Durchschnittsrendite der 7 bis 10-jährigen Staasanleihen, die noch vor ein paar Wochen 0,18 Prozent Rendite abwarf? Das Dilemma für die Finanzbranche schlechthin. Wieso soll es angesichts weiterer zugesicherter Notenbankkäufe größere Umschichtungen von Aktien in Anleihen geben, auch bei leichten Zinsanstiegen?

Und wieso vergleicht man das KGV der Aktienmärkte von 2020 mit dem KGV von 2000, bei der Dotcom-Bubble? Damals lagen die Zinsen bei über 6 Prozent, das KGV der lang laufenden Anleihen bei 15 – und heute? Jeder spricht über die Euphorie infolge der Impfstoffentwicklung, die eine Pandemie in Monaten beenden kann, mit all den Folgewirkungen. Klar, die Call-Positionierung ist zu hoch und wird abgebaut werden. Wieso aber immer die Geschichte von den überteuren Aktienmärkten? Anleihen sind superteuer dagegen.

Natürlich kann sich die Konstellation Anleihen – Aktien ändern und sie wird sich auch, wenn das billionenschwere Stimulusprogramm der Demokraten in die Tat umgesetzt würde. Aber in der jetzigen Situation? In der „Endphase“ von Corona mit einem nochmaligen Anschwellen der Infektionszahlen und mit den großen Notenbankentscheidungen.

Ein Anspringen der Wirtschaft, ein Anstieg der Inflation und neue Schuldenpakete, das wäre der Stoff für eine Neubewertung der Aktienmärkte.

Bringt der Hexensabbat eine Wnede für die Aktienmärkte?

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Shorti

    4. Dezember 2020 12:17 at 12:17

    Und wie sieht es mit dem Risiko aus? Beim S&P 500 ist die Dividenden Rendite auch schon kleiner als die Inflation, also auch NEGATIVRENDITE MIT GROSSEM KURSRISIKO !
    Googeln: Aktien mit Anleihen vergleichen- inwiefern ist das sinnvoll?

  2. Avatar

    Mike Lohmann

    4. Dezember 2020 13:29 at 13:29

    Die Frage die sich jeder mal gestellt hat ist, wie oft man wohl seit 1929 versucht hat den nächsten Crash vorherzusagen und wo nun die Kurse derer sind, die das alles verschlafen haben. Nun interessant ist es sicherlich für die Daytrader aber wohl kaum für den Dänischen Staatsfond und all die Tausend Pensionskassen dieser Welt. Für die stehen neuerdings die Notenbanker mit einer unendlichen Geldflut Gewehr-bei-Fuss. Einbruch dürfte aufgrund der Indikatoren sehr wahrscheinlich sein, aber gerade deshalb genug Barreserven für einen Einstieg bereitstellen.

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Dax: Wieviel Luft ist jetzt noch nach oben?

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Die zurückliegenden Tage konnte den deutschen Leitindex Dax 30 Performance, nicht wirklich zu einer richtungsweisenden Entscheidung hinreißen. Wie der Chart es zeigt, hat sich die seit geraumer Zeit laufende seitliche Performance weiter fortsetzen können. Der Chart zeigt ein relativ zerklüftetes Bild, dessen Grundaussage auch mit Nervosität tituliert werden kann. Mit Hinblick auf die Geschehnisse in den Vereinigten Staaten, kann man diesem Bild sehr schön ablesen, dass politische Entscheidungen so gut wie keinen Einfluss auf das Treiben an den Finanzmärkten nehmen. Das war auch 2016/12/08 und so weiter und so fort so!

Ausblick für den Dax:

Mit der Ausbildung von (B) ist der Dax nunmehr seit Ende Oktober beschäftigt. Die aktuelle Situation deutet auch nicht daraufhin, dass der Trendabschluss unmittelbar bevorsteht. Aktuell hat der Dax auf der 0.38-Unterstützung bei 13.712 Punkten Platz genommen. Der ausgebliebene nachhaltige Bruch dieser Supportline lässt auf die baldige Wiederaufnahme des Aufwärtstrends schließen. Diese Unterstützung ist im Grunde eine Art Limes, denn ein eventueller schlusskursbasierter Bruch würde das lehrbuchhafte Anforderungsprofil an eine Welle „4“ infrage stellen.

Wieviel Luft hat der Dax noch nach oben?
Diesen Schritt sehe ich indes nicht, zumindest nicht auf absehbare Zeit. Auf der anderen Seite sind auch keine astronomischen Ausflüge beim Dax zu erwarten. Denn mit dem größeren 1.38-Retracement (14.315 Zähler) liegt eine für sich genommen sehr mächtige Barriere in überschaubarer Entfernung. Bis zum Erreichen dieser Linie wird sich die zerrissene Performance weiter etablieren können. Größeres Ungemach kann ich dem Chart nicht ablesen.

Fazit:

Der Dax bewegt sich weiterhin in einer aufwärtsgerichteten Korrektur. Dieser Aspekt sollte Beachtung finden, weshalb ich aktuell von einer erneuten Positionierung abrate..

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Aktienmärkte: Haben sie sich von der Realwirtschaft entkoppelt?

Jedermann spricht von der großen Rally der Aktienmärkte: haben sie sich inzwischen von der Realwirtschaft komplett entkoppelt?

Wolfgang Müller

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Jedermann spricht von der großen Rally der Aktienmärkte, von den Kursfahnenstangen bei Tesla, Plug Power oder dem Bitcoin. Von der wundersamen Hausse des Nebenwerte-Index Russel 2000. Die marktbreiten Indizes sind im Monat Januar gar nicht so stark gestiegen, selbst der viel beachtete Januareffekt (so wie der erste Monat, so das Gesamtjahr), ist noch nicht in trockenen Tüchern.

Aktienmärkte: Der positive Start ins Jahr 2021

Das neue Jahr hat begonnen, wie das alte geendet hat, mit Kursanstiegen. S&P 500 und Dax kletterten noch bis zum Ende der ersten Woche, aber anschließend ging es nicht mehr richtig weiter, außer beim Nasdaq, in dem einige „Stay-at-Home-Titel“ infolge der Lockdown-Maßnahmen wieder an Dynamik gewannen. Und natürlich die Nebenwerte, die zum einen weiter die Branchenrotation widerspiegeln, aber auch zum Spielfeld der vielen Kleinanleger wurden, die zum Teil frisches Geld zum wilden Zocken verwenden.

Bisherige Performance nach drei Wochen des neuen Jahres:

Dax plus 1,2 Prozent, S&P 500 plus 4,1 Prozent, Nasdaq plus 5,6 Prozent und Russell 2000 plus 10 Prozent.

Die Aufwärtstrends der Aktienmärkte sind noch intakt, allerdings haben sich die schon oft beschriebenen Risiken im Vergleich zu den Vorwochen nicht wesentlich verändert. Geblieben ist die große Euphorie bestimmter Anlegergruppen (speziell in den USA), die ungesunde Call-Spekulation, die Übertreibungen bei Nebenwerten (Russell 2000) sowie die Spekulationsblasen zum Beispiel in Wasserstofffirmen oder im Bereich der Elektromobilität. Vor allem auch bei die Hyperspekulation mit Penny-Stocks, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Totale Entkoppelung Wirtschaft – Aktienmärkte? „Jein“

Klar befinden sich Teile der US-Aktien in einer Bubble, allen voran Tesla, Wasserstoff- und Solarwerte, vielleicht auch der Russell 2000 mit seinem exorbitanten Anstieg seit November 2020 und viele Pennystocks. Aber auch der breite S&P 500, der 75 Prozent der US-Aktienmärkte abdeckt? Er liegt mit seinem Kurs/Gewinn-Verhältnis (2021) bei 23, der historische Durchschnitt beträgt 17. Dabei ist aber der Vergleichsmaßstab, der US-Anleihemarkt, nicht zu vernachlässigen.

Die Aktienmärkte haben es im Jahr 2020 eingepreist: Die fallenden Zinsen, die Geldflut der Notenbanken und die Erholung der Wirtschaft bis zu einem unvollständigen „V“. Jetzt hat es in den USA der Einkaufsmanagerindex „Verarbeitendes Gewerbe“ gezeigt. Er steht auf einem 6-Jahreshoch – und das inmitten der zweiten Coronawelle. Dass es vielen Unternehmensbereichen im Dienstleistungsbereich (Restaurants) schlecht geht, wird zum einen durch Helikoptergeld (fünf Rettungspakete) und zum anderen durch die niedrigen Zinsen ausgeglichen.

Was nach wie vor immer wieder fehlinterpretiert wird, ist der Vergleich Gegenwart in der Wirtschaft und Aktienmärkte: Letztere blicken sechs bis neun Monate in die Zukunft, bei gleichzeitiger Berücksichtigung des Zins- und Inflationsniveaus. Hatten wir denn nicht in den Monaten April, Mai und bis in den Juni 2020 hinein den größten Anstieg der Aktienmärkte, fast weltweit, obwohl wir parallel den größten Wirtschaftseinbruch in der Nachkriegszeit erlebten. Deshalb ist die öfters zu vernehmende Mahnung von der Inkongruenz zwischen aktueller Wirtschaft und Börsenkursen oft irreführend. Wenn sich Wirtschaft und Zinsen aber anders entwickeln, als es die Aktienmärkte auf lange Sicht zu antizipieren versuchen, kommt es zur sehr raschen Anpassung. Wenn sich also das Delta zwischen Wirtschafts- und Zinslandschaft der Gegenwart und der Zukunft verkleinert. Immer wieder schön erkennbar auch im Kleinen: Wenn ein Unternehmen für ein Quartal Rekordergebnisse meldet, aber die Zukunftsaussichten nur ein bisschen zurücknimmt – sofort kommen zum Teil heftige Gewinnmitnahmen.

Kurseinbrüche geschehen sehr viel schneller als die Kursanstiege.

Wie wurden zum Jahresende 2020 die Aussichten für die durchschnittlichen Gewinne aller Unternehmen im S&P 500 im Vergleich dargestellt?

2019: 162,93 Dollar

2020: 135,66 Dollar

2021: 167,24 Dollar

Der amerikanischen Aktienmärkte blicken aber langsam schon in Richtung 2022 – und da könnte sich Absonderliches abzeichnen. Zum Beispiel, dass die Kurse im laufenden Jahr fallen, eben, weil sich die US-Wirtschaft in allen Bereichen nach Covid-19 wieder erholt, „Sell on News“ stattfindet und man sich um das Wachstum, die Zinsen und die Inflation im Jahr 2022 sorgt.

Nicht überall Aktienmarkt-Bubbles

Die schwere Aufgabe der Notenbanken nach Covid-1: Klar manipulieren die Notenbanken mit ihren Anleihekäufen den Zinsmarkt als Konkurrenz für Aktienmärkte und heben ihre Bilanz auf nie gesehene Höhen. Immer wieder schön erkennbar an einem Chart, der die globale Geldmenge in Relation zum S&P 500 darstellt.

Und so lange es der Zentralbank gelingt, die Renditen von Anleihen und die Inflation im Zaum zu halten, wird es den großen Einbruch der Aktienmärkte nicht geben. Der Anstieg der Renditen war fast immer der Auslöser für Rezessionen seit dem Zweiten Weltkrieg (Ausnahme Februar/März 2020 mit der Pandemie). Aber wird dies auch gelingen, sollte sich der Lockdown-bedingte Nachfragestau nach Monaten der Entbehrungen im weiteren Verlauf des Jahres 2021 entladen? Damit verbunden könnte sich die Gefahr für die Aktienmärkte entwickeln, abseits der nicht antizipierbaren medizinischen Gefahren von Covid-19?

Renditeanstieg der 10-jährigen US-Staatsanleihen

Betrachtet man nur die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe in den letzten 25 Jahren, so erkennt man eindeutig die Ursache für das große TINA („There is no Altenative“) der Kapitalmärkte.

Die Spanne bei den Renditen verlief in dieser Zeitspanne zwischen 6,5 (2000) und 0,511 Prozent (2020), der Durchschnitt lag etwas unter 3 Prozent. Das heißt, dass das Kurs/Gewinnverhältnis vor dem Platzen der Bubble 2000 bei 15/16 und vor der Finanzkrise bei 20 gelegen hat. Da gab es eine Alternative. Heute hat sich die Rendite von ihrem Tief bei 0,51 Prozent (KGV 195) auf 1,10 Prozent erholt, man lag auch schon bei 1,19 Prozent, was einige Marktteilnehmer sichtlich erschreckt hatte.

Was noch als nach geringer Rendite aussieht, ist jedoch die Gefahr für die Aktienmärkte schlechthin: der bekannte Analyst von Pimco, Mohamed-El-Erian, spricht schon von einer Schwelle, die bei 1,5 Prozent für die 10-Jährigen liegen könnte. Der Auslöser könnte zeitgleich auch von einer anderen Seite kommen.

Inflationsanstieg?

Noch ist ein unglaublicher deflatorischer Effekt durch die Corona-Krise erkennbar und China überschwemmt weiterhin die Welt mit billigen Gütern. Aber wie oft gingen kleine aber auch sehr große Inflationsschubs von den steigenden Energie- und Rohstoffpreisen aus? Müssen diese nicht zwangsläufig auf die Inflationsrate durchschlagen, wenn die Weltwirtschaft wieder anspringt – vor allem, wenn ein Vergleich mit dem Pandemie-Quartal Q2 des Jahres 2020 ansteht?

Erst recht in Deutschland mit dem Anstieg der Energiepreise (CO2-Abgabe), der Mehrwertsteuererhöhung – und wer hat sich schon einmal die Anhebung der Kommunalgebühren für Müll, Kanal, Wasser u.v.m. betrachtet, den Strompreis oder in Erwägung gezogen, dass verschiedene Branchen im Sommer an der Preisschraube drehen könnten, um die monatelangen Ausfälle zu kompensieren? Ich wage zu prognostizieren, dass wir ab dem Spätsommer die größte Reisewelle seit langer Zeit in Deutschland sehen werden, wenn alle impfwilligen Ü50-Bürger an der Reihe waren und sich viele Ältere nach der Eindämmung der Pandemie fragen: Wofür soll ich sparen, das Leben kann so schnell vorbei oder zumindest eingeschränkt sein, wie man gerade schmerzlich erleben musste? Den vielen Menschen, denen heute schon die Decke auf den Kopf fällt, zuhause – das kann nur eine entantiodrome Situation nach sich ziehen.

Was die Vereinigten Staaten betrifft, lag bei der Inflation die Wohlfühlzone in den letzten Dekaden bei 1 bis 3 Prozent. Stieg die Inflationsrate über diese Marke, musste die Notenbank einschreiten „Gesetzlicher Auftrag: Gewährleistung der Preisstabilität“ und es kam zu Einbrüchen der Aktienmärkte.

Fazit

Die Aktienmärkte sind auch im Januar 2021 weiter gestiegen – aber nicht so stark, wie in manch anderen Phasen des Vorjahres. Was den Januareffekt betrifft, könnte es in den nächsten Handelstagen noch zu Überraschungen kommen. Die Überspekulation der vielen übermütigen Anlegern (RobinHooder) in Pennystocks und Call-Optionen sowie die Übertreibungen vieler Investoren in den Biden-Effekt, könnten jederzeit zu einer Marktabkühlung führen.

Dies zeigt auch eine Statistik über typische Börsenreaktionen nach dem Beginn einer Amtsperiode eines neuen US-Präsidenten.

Aktienmärkte in den USA nach Antritt eines neuen Präsidenten

Den großen Einbruch der Aktienmärkte sollte es aber aktuell nicht geben, zu stark sind noch die monetären Kräfte (Geldmengenanstieg). Wurde nicht letzten Donnerstag sogar von einem Lagarde-Put gesprochen, in Anlehnung an den berühmten Greenspan-Put zur Unterstützung der Märkte? Aber langfristig sind die Gefahren für die Hausse schon jetzt spürbar, sie liegen im Umfeld von Zinsen und Inflation und in der Asymmetrie von Wirtschaft und Börsenkursen. Was hilft ein „Sugar Rush“ in der Wirtschaft im zweiten Halbjahr 2021, wenn es bald darauf wirtschaftlich zu einem Anpassungsschock kommt? Auch wenn die Börse kein absolut zuverlässlicher Indikator sein kann, gibt es doch keinen Signalgeber, der schneller in der Perspektive auf Änderungen des wirtschaftlichen Umfelds reagiert. Nicht im Bereich der „Religionsgemeinschaft“ bei diversen Einzeltiteln, wie es der Chefredakteur von FMW immer wieder bezeichnet. Aber wie oft gab es eine Rezession, ohne dass diese durch die Aktienmärkte vorher nicht angezeigt wurde oder auch Aufschwünge, die nicht vorher in den Kursen absehbar waren – externe Schocks ausgenommen?

Haben sich die Aktienmärkte von der Realwirtschaft entkoppelt?

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Finanznews

Aktienmärkte: Es wird immer bullischer! Videoausblick

Markus Fugmann

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Es wird jetzt immer bullischer für die Aktienmärkte – am heutigen Montag geht es erneut für die US-Futures nach oben. Der Hauptgrund für die heutigen Kursanstiege: weil Montag ist! Das Chance-Risiko-Verhältnis für die Bullen wird nun immer besser, die Bewertungen der Aktienmärkte immer der tatsächlichen Lage angemessener. Fast das Wichtigste aber ist: die Bullen sind nicht alleine, sondern sehr zahlreich – das war in der Vergangenheit immer ein sehr vielversprechendes Zeichen! Diese Woche ist eine „Monster-Woche“ mit der Entscheidung der Fed, vor allem aber den Zahlen von Apple, Tesla, Microsoft und Facebook. In Deutschland heute im Fokus der ifo Index (10.00Uhr)..

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