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Aktienmärkte: Coronakrise verändert die deutsche Sparkultur

Wolfgang Müller

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Verändert die Coronakrise die deutsche Sparkultur – gibt es nun eine große Lust auf die Aktienmärkte? Man hätte es eigentlich schon länger erwarten können: Die finanzielle Repression schlägt langsam mehr und mehr zu, bereits seit 2012 hat die Europäische Zentralbank den Einlagenzins für Banken auf null gesetzt und nebenbei deren Geschäft mit der Fristentransformation zerstört, damit gab es auch für den deutschen (Geld-)Sparer fast keine Möglichkeit mehr das Geldvermögen real zu vermehren. Was auch schon früher der Fall war, über Jahrzehnte – doch da war es dem Normalsparer nicht aufgefallen, es gab Zinsen und die Inflationsrate knabberte reichlich unbemerkt an der Rendite.

Doch jetzt ist offiziell eine Änderung im Sparverhalten durch die Bundesbank bestätigt worden – die Deutschen investieren in der Coronakrise mehr in Aktien.

Aktienmärkte: Rendite gibt es für die Übernahme von Risiko

Es gibt darüber viele Untersuchungen, wie zum Beispiel durch Credit Suisse Global Investment Returns, in denen nachgewiesen wurde, dass es über viele Jahrzehnte für risikolose Geldanlagen keine nennenswerte Realrendite gegeben hat. Was natürlich in keinem Prospekt von Banken erscheinen würde..

Ein Extrembeispiel: Im Jahr der Superzinsen 1981 gab es noch zweistellige Sparzinsen auf Kurzläufer – aber wie hoch war damals die Inflationsrate und die weiteren Kosten wie Steuern oder Spesen? In Summe eben auch zweistellig.

Seit der Finanzkrise wurden die Zinsen immer weiter abgesenkt, natürlich unter dem Ziel (Zwang), die Kapitalmarktzinsen so weit zu senken, damit die EU mit ihren zum Teil hoch verschuldeten Mitgliedsstaaten nicht auseinanderfiel. Natürlich zulasten der kleinen Sparer, bei denen sich nicht nur die Sparzinsen der Nullzone näherten, sondern auch die Rendite der fast 90 Millionen Lebensversicherungsverträge. Soviel zur Historie, mit Corona und der ständigen Diskussion über Strafzinsen bei den Banken setzte eine Verhaltensänderung ein, hin zur verstärkten Anlage in Aktienmärkte.

Neue Rekordvolumina in Aktien

Wer hätte das gedacht: Ausgerechnet im Jahr der Coronakrise, in dem die Aktienmärkte in bisher noch nicht gesehener Geschwindigkeit in die Tiefe gerauscht waren, stiegen viele Deutsche verstärkt in die Aktienanlage ein. Mit 23,9 Milliarden Euro investierte man hierzulande in Aktien und übertraf den Rekord von 2007, kurz vor der Finanzkrise. Wenn das mal kein schlechtes Omen ist..

Diese Zahlen ermittelte das Analysehaus Barkow Consulting, basierend auf Angaben der Deutschen Bundesbank.

Bereits seit einigen Monaten melden Onlinebroker einen richtigen Boom bei der Anmeldung neuer Depots und in der Folge auch von Rekordumsätzen. Gerade junge Leute stiegen ein in die Aktienmärkte, aber auch besonders bei den billigen Exchange Traded Funds (ETFs), im viel beworbenen Sparplanprinzip.

Die vielen Berichte in den Wirtschaftsseiten der Zeitungen über das Ansparen in großen Indizes haben offensichtlich ihre Wirkung nicht verfehlt.

Insgesamt hat die Sparquote der Deutschen in diesem Jahr zugenommen. Aus Sorge vor dem Arbeitsplatzverlust und bei manchen auch aus Mangel an Ausgabemöglichkeiten durch die zahlreichen Reisebeschränkungen. So kletterte das Volumen der Spareinlagen seit dem Beginn des Lockdowns im zweiten Quartal auf den Rekordbetrag von 109 Milliarden Euro – in drei Monaten.

Wie erwähnt, gerade in dieser Zeit erhöhten die Deutschen – völlig konträr zu früheren Rezessionsphasen ihre Aktienanlagen – und damit sprang ein Teil des Vermögens durch das Aktienmarkt-V gleich in die Höhe.

Das Vermögen der Deutschen

Nachdem das Vermögen der Deutschen wegen der Coronakrise im Jahr 2020 zunächst gesunken war, ist es bis zum Ende des 1. Halbjahres auf eine neue Rekordmarke gestiegen – auf 6630 Milliarden Euro. Verursacht durch eine höhere Sparrate, derer, die genügend auf der hohen Kante hatten und durch den Anstieg der Aktienmärkte – bei denjenigen, die die Gelegenheit im Frühjahr genutzt hatten. Das Vermögen der Deutschen gliedert sich zum 30.6. nach Angaben der Deutschen Bundesbank wie folgt:

2443 Milliarden Euro – Lebensversicherungen
1882 Milliarden Euro – Girokonten, Bargeld
811 Milliarden Euro – Termingeld, Spareinlagen
794 Milliarden Euro – Aktien
666 Milliarden Euro – Investmentfonds
115 Milliarden Euro – Schuldverschreibungen
30 Milliarden Euro – Sonstiges

Jede Menge Geld, um es wie die Norweger zu machen, die mit ihrem staatlichen Pensionsfonds (Aktienanteil 69,6 Prozent) an der Ein-Billionen-Eurogrenze anklopfen, womit jeder Bewohner Norwegens rechnerisch im Besitz von 185.000 Euro wäre.

Einer bremst: unser Finanzminister

Es ist das Aufregerthema in Finanzkreisen (gewesen), die Einführung der Finanztransaktionssteuer in Deutschland. Mit der Folge, dass gerade die aufblühende Aktienkultur gleich wieder abgewürgt würde. Ist Finanzminister Scholz nicht bewusst, das es eventuell über Jahre hinaus keine Zinsen für die Altersvorsorge mehr geben könnte, der hohen Verschuldung vieler EU-Staaten geschuldet? Dass Lebensversicherungen kaum mehr etwas abwerfen, man aber allein schon aus demografischen Gründen Vorsorge betreiben muss? Wäre es nicht vielleicht sogar angebracht, langfristiges Aktiensparen steuerfrei zu gestalten – Stichwort Spekulationsfrist, so wie vor 2009? Aber der Staat braucht Geld und „Mister Girokonto“ hält eh nicht all zu viel von der Aktienanlage.

Fazit

Die Deutschen in der Coronakrise auf dem angelsächsischen Weg zu einer Aktienkultur? Mal sehen, schließlich haben wir noch unseren Finanzminister Olaf Scholz, der in seinem Gesetzesentwurf zur Finanztransaktionssteuer tatsächlich den Aktiensparer besteuern und den Heavy Trader außen vor lassen wollte.

Aus den obigen Statistiken lässt sich Folgendes feststellen und schlussfolgern: Was für ein großes Vermögen die obere Hälfte der Deutschen doch besitzt und welche Gedanken in den Köpfen der Finanzpolitiker umherschwirren könnten, wenn sie auf die Zahlen der Deutschen Bundesbank und die Lust der Deutschen auf Investments in die Aktienmärkte blicken. Was wiederum keine gute Botschaft für den relativ „wehrlosen“ Mittelstand in Deutschland ist, wenn man berücksichtigt, dass die Staatsschulden (Nettokreditaufnahme) 2020 um 217 Milliarden Euro und 2021 nochmals um 96 Milliarden Euro zunehmen werden – vorerst.

In der Coronakrise entwicklen die Deutschen Lust auf die Aktienmärkte

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    thinkSelf

    20. Oktober 2020 16:48 at 16:48

    Passt doch. Die ersten drei Positionen sind Schuldgeld. Da die Schulden immer den Schuldgeldbeständen (Geldvermögen) entsprechen ist auch klar wie die irgendwann zurückbezahlt werden. Nämlich durch streichen der Positionen eins bis drei der Liste.
    Und sobald die Geldsparer versuchen das Geld in reale Vermögenswerte (Immobilien, Aktien) zu tauschen, werden sie sehen wie wenig die Kohle wirklich wert ist.

  2. Pingback: Aktuelles vom 21.10.2020 | das-bewegt-die-welt.de

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Aktienmärkte: „Die Coronakrise ist vorbei“ – wirklich?

Markus Fugmann

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„Die Coronakrise ist für die Aktienmärkte vorbei“, sagt der Mathematiker und Vermögensverwalter Andreas Beck. Diese Aussage überrascht, schließlich stecken wir mitten im zweiten, diesmal „differenzierten Lockdown“ (O-Ton Markus Söder) mit enormen wirtschaftlichen Folgeschäden. Andreas Beck rechnet aber dennoch mit einem guten Jahrzehnt für die Aktienmärkte – schon mangels Alternative angesichts der von den Notenbanken manipulierten Anleihemärkte. Die Nullzinsen, so Beck, hätten sich bereist bei Immobilien niedergeschlagen, es sei nur eine Frage der Zeit, bis das auch die Aktienmärkte vollständig einpreisen.

Aktienmärkte und Coronakrise: Das Jahrzehnt der Aktie?

Seit dem 09.November – der Meldung von BioNTech/Pfizer – haben die Aktienmärkte einen Paradigmenwechsel vollzogen: Man kauft die „Corona-Verlierer“. Für Andreas Beck bedeutet das: die Aktienmärkte blicken schon auf die Zeit nach der Coronakrise (auch die Rohstoff-Märkte, siehe etwa die Rally bei Kupfer, das für die Industrie sehr wichtig ist). Man preist also eine vollständige Erholung der Wirtschaft ein, eben weil die Coronakrise vorbei doch vorbei sei. Der Wirtschaft sei der zweite Lockdown faktisch „egal“ – sie habe sich an die neuen Umstände angepaßt.

Nun ist Andreas Beck Vermögensverwalter und Mathematiker, kein Epidemologe. Nun hat kürzlich der britische Epidemologe und Berater des britischen Premiers Boris Johnson, Jonathan Van-Tam, kürzlich davon gesprochen, dass die Coronakrise „niemals“ vorbei gehen werde (hier seine Aussage im Video). Ist es vielleicht doch so, dass Andreas Beck und mit ihm die Aktienmärkte die Coronakrise zu früh abhaken, also das Fell des Bären schon verteilen, bevor er erlegt ist?

Eines ist für Andreas Beck klar: die Schulden der Staaten werden niemals zurück gezahlt werden können – daher weredn sich die Staaten am Privatvermögen sener Bürger bedienen (müssen). Auch klar für Beck ist weiterhin: die demokratischen Länder werden sich die Dominanz der US-Tech-Unternehmen nicht mehr lange gefallen lassen. Er geht daher davon aus, dass in diesem Jahrzehnt daher dann „value“ besser laufen sollte als „growth“ und erklärt, wie er selbst investiert ist:

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Für die Aktienmärkte ist die Coronakrise vorbei, sagt Vermögensverwalter Andreas Beck

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Steigenden Renditen? Tesla, Snowflake, China-Aktie

Redaktion

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Zahlreiche Themen werden besprochen wie die Arbeitsmarktdaten für November, Anleiherenditen, Tesla uvm.

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BioNTech: Das plant das Unternehmen wirklich – Werbung

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Lieber Börsianer,

die Aktien der Impftstoff-Entwickler wie BioNTech, Curevac oder Moderna gehen derzeit durch die Decke. Die Story ist auch zu gut und für jeden offensichtlich. Denn wir alle wissen, in den kommenden Monaten und Jahren müssen große Teile der Weltbevölkerung gegen das Covid-Virus geimpft werden, wenn die Menschheit die Pandemie tatsächlich besiegen will. Marktbeobachter sehen teilweise ein Marktpotenzial für die führenden Impfstoffe, so sie denn flächendeckend eingesetzt werden, von bis zu 100 Milliarden USD. Wahnsinn, oder?

Trotzdem muss ich Wasser in den Wein gießen. Ich behaupte die Impf-Party ist weitgehend gefeiert, die Story ist in den Aktien der BioNTech und Moderna weitgehend eingepreist.

Noch ein Problem dieser Covid-Geschäftsmodelle: Wenn die Vakzine tatsächlich so funktionieren, wie es derzeit den Anschein hat, machen sich diese Unternehmen am Markt ziemlich rasch überflüssig, zumindest zunächst. Denn BioNTech und Co. haben kein Produkt mehr, wenn das Virus nach Erreichung einer relativen Herdenimmunität gehen wird. Weitsichtige Börsianer fürchten diesen Effekt jetzt schon und rechnen mit massiven Kursrückgängen.

Ist die Euphorie rund um die Impfstoff-Entwickler also übertrieben? Droht hier nächstens ein böser Rückschlag?

Die Frage ist unvollständig gestellt. Denn es geht bei BioNTech und Co. nur vordergründig um das Covid-Vakzin. Die eigentliche Sensation der letzten Monate und Wochen ist eine andere, nämlich die Technologie, mit der den Unternehmen der Durchbruch gelungen ist.

Erstmals wurde ein Vakzin auf der Basis der sog. Boten-RNA entwickelt. Von dieser Gentechnologie spricht die Branche schon seit einigen Jahren, ohne dass jemals irgendein ein marktfähiger Wirkstoff das Licht der Medizinwelt erblickt hätte.

Das hat sich nun geändert. BioNTech und Moderna haben sich früh der Erforschung dieser Boten-RNA gewidmet und dabei nun sehr wahrscheinlich diesem gentechnischen Ansatz zum Durchbruch verholfen. Dabei brauchen wir diese Technologie im Moment zur Bekämpfung der Covid-Pandemie. Solche Jahrhundert-Pandemien…..

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