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Aktienmärkte: Dominieren die Tech-Werte über Value-Aktien auf Dauer?

Für die Aktienmärkte gilt: das letzte Jahrzehnt war zweifelsohne die Periode der Hightech-Werte. Aber das wird nicht von Dauer sein, wie die Geschichte zeigt!

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Für die Aktienmärkte gilt: das letzte Jahrzehnt war zweifelsohne die Periode der Hightech-Werte. Ob Amazon, Apple, Facebook, Google, Microsoft und Co, wer diese Werte in konzentrierter Form im Depot hatte, schlug jeden Index, jede Benchmark. Aber sollte dies auch in Zukunft so bleiben? Zweifel sind angebracht, denn eine goldene Zukunft ist bereits in den Kursen eingepreist.

Aktienmärkte: Der ewige Kampf zwischen Growth und Value

Es ist nicht zum ersten Mal in diesem Jahrzehnt die Rede davon, dass die neuen Wachstumswerte den Markt auf lange Zeit outperformen werden. Dies gab es aber auch schon einmal zu Hoch-Zeiten einer IBM, einer Intel oder während der Hochphase der Internetwerte. Dass dies eben langfristig nicht der Fall ist, zeigt die Website des amerikanischen Wirtschaftsprofessors Ken French, für jedermann einsehbar. Kurzfristig ist dies natürlich so, egal von welcher Seite man es betrachtet. Ob das Jahr 2020 bisher mit Einzelwerten:

  • Facebook plus 18 Prozent,
  • Microsoft plus 27 Prozent,
  • Apple plus 47 Prozent,
  • Netflix plus 54 Prozent
  • Amazon plus 63 Prozent, im Vergleich zum..
  • S&P 500 mit plus 6 Prozent.

Oder in einem größeren Vergleich, das Jahr 2020 bis Ende September:

  • MSCI Information Technology plus 22 Prozent
  • MSCI World minus 4 Prozent

Oder auf 5-Jahressicht:

  • MSCI Information Technology plus 23,1 Prozent p.a.
  • MSCI World plus 9,4 Prozent p.a.

Der krasseste Vergleich für die Aktienmärkte der USA ist aus meiner Sicht aber die Performance der beiden amerikanischen Tech-Indizes mit dem Weltleitindex S&P 500 seit dem Tief in der Finanzkrise im März 2009:

  • Nasdaq plus 882 Prozent
  • Nasdaq 100 plus 1084 Prozent
  • S&P 500 plus 501 Prozent

Anfang September, vor dem Beginn der Tech-Korrektur, sah dieses Verhältnis noch extremer aus. Zu dieser Zeit hatte ich in einem Artikel schon angemerkt:

Das Kurs/Gewinn-Verhältnis des MSCI World Growth ist fast doppelt so hoch wie das des MSCI World Value, eine extreme Divergenz, die es nur während der Internet-Bubble um die Jahrtausendwende gegeben hat.

Es gibt natürlich die Phasen, in denen neue Technologien ein unheimlich starkes Wachstum hinlegen. Euphorie entsteht wegen der Kurszuwächse der Lieblinge der Aktienmärkte, aber irgendwann war das Wachstum immer satt eingepreist. Glaubt man tatsächlich, dass der Nasdaq 100 nach seinem Anstieg von über 1000 Prozent binnen einer guten Dekade einfach so weiter wachsen wird? Obwohl das Kurs-Buch-Verhältnis auf über acht gestiegen ist und die Kurse den Unternehmensgewinnen allein im letzten Jahr um etwa 50 Prozent davon gelaufen sind?

Die besseren Wachstumsaussichten der Hightech-Werte sind zum jetzigen Zeitpunkt schon in den Kursen enthalten. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis der FAANG-Aktien betrug Ende September 2020 etwa 61, somit fast das Dreifache des KGVs des Gesamtmarktes. Was nichts anderes bedeutet, als dass die Firmen in Zukunft dreimal so gute Geschäftszahlen bringen müssen, als der Gesamtmarkt, um nur die Bewertung zu erhalten. Sollte dies nicht geschehen, wäre eine Korrektur unausweichlich.

Beispiel Apple: Das Technologieunternehmen mit seinen 157.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von 260 Milliarden Dollar (2019) hat sich binnen Jahresfrist verdoppelt und einen Börsenwert von über zwei Billionen Dollar erreicht. Soll sich dieses nur annähernd so fortsetzen mit einer weiteren Verdoppelung? Bei vier Billionen Dollar hätte man eine höhere Bewertung als die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt, Deutschland, mit ihren über 44 Millionen Arbeitnehmern und Hunderten börsennotierten Unternehmen und Famillienunternehmen, in denen sich wiederum hunderte Weltmarktführer aus verschiedenen Branchen tummeln. Ehrlich gesagt, kaum vorstellbar.

Die Performance von Berkshire Hathaway, der Beteiligungsgesellschaft von Warren Buffett seit 1965 spricht Bände. Von 12 Dollar auf über 300.000 Dollar, oder eine Steigerung von über zwei Millionen Prozent. Dass der legendäre Investor seit ein paar Jahren nicht mit dem S&P 500 mithalten kann, liegt am immer stärkeren Gewicht der so genannten FAANG-Aktien im Index. Hätte er sich 2017 und danach nicht zu dem starken Einstieg bei Apple entschieden, läge er mit seinem Depot derzeit noch weiter zurück. Sicherlich haben wir heute andere Verhältnisse als in den 1970-er und 80-er-Jahren, aber der Investor mit dem hohen Cashanteil lag schon öfters einmal hinter dem Markt, so wie bei der Internet-Bubble, als der Nasdaq 100 von seinem Hoch im Jahr 2000 von 4704 Punkten auf 804 Punkte zwei Jahre später korrigiert hatte – ein Einbruch um sagenhafte 83 Prozent. Die Historie zeigt: Growth und Value nähern sich immer wieder an.

Der langfristige Vergleich

Zieht man die erwähnten Daten des Wirtschaftsprofessors French zu Rate, so wird die Outperformance des Hightech-Sektors gegenüber dem Gesamtmarkt auf kurze Sicht zwar bestätigt, aber eben auch auf lange Sicht widerlegt.

Vergleich Hightech versus US-Gesamtmarkt:

2015 bis 2020: 19,2 Prozent p.a. zu 8,5 Prozent p.a
1970 bis 2020: 6,8 Prozent p.a. zu 6,9 Prozent p.a.
Aufgeteilt in zwei Hälften:

1970 bis 1995: 4,8 Prozent p.a. zu 6,8 Prozent p.a.
1995 bis 2020: 8,9 Prozent p.a. zu 7,1 Prozent p.a.
Wobei in der zweiten Periode eindeutig der exponentielle Anstieg der Big Seven bereits eindeutig seine Spuren hinterlässt.

Bei Tech-Einzeltiteln (auch Riesenkonzernen) sind die Korrekturen mitunter sehr extrem. Stand unsere Deutsche Telekom im Jahr 2000 nicht schon einmal bei 103,90 Euro und heute bei 14,40 Euro? Und was ist mit dem ehemals teuersten Telekommunikationskonzern der Welt – Nokia?

Zuletzt gab es in den Finanzmedien in Sachen Aktienmärkte eigentlich nur ein großes Thema: „Wie können Sie von der Revolution im digitalen Zeitalter profitieren?“ Nur dass diese Entwicklung in vielen Werten bereits schon heftig eingepreist ist, ersichtlich an den drei- bis vierstelligen KGVs von Tesla oder dem Videokonferenz-Unternehmen Zoom.

Zum Schluss noch ein Vergleich zwischen High-Tech und Low-Tech zwischen Intel, der Firma mit der Monopolstellung bei Prozessoren, jahrelanger Technologieführer und dem größten Einzelhändler der Welt, Walmart, auf längere Sicht. Eine klare Angelegenheit könnte man meinen, beim Vergleich eines margenstarken mit einem margenschwachen Unternehmen. Von 1980 bis dato:

Intel 14,6 Prozent p.a. und Walmart 20,7 Prozent p.a.

Hier lag die alte Industrie auch schon im kürzeren Vergleich vorne. Einzelfall könnte man sagen, aber was ist mit der ehemaligen Super-Computerfirma IBM?

Fazit

Im letzten Monat gab es schon die ersten Anzeichen für eine Branchenrotation der Aktienmärkte – und für einen Aufholprozess der alten Industrie, denn eine Gesellschaft ist nicht nur auf digitale Dienstleistungen angewiesen. Aber solange Covid-19 weiter grassiert, menschliche Kontakte durch Social Distancing unvermindert verhindert werden, gibt es weiter große Bremsklötze für auf ein Aufleben der Old Industry.

Aber: Nach einer 16-monatigen Untersuchung der Wettbewerbspraktiken bei Amazon, Apple, Facebook und Google hat der Unterausschuss für Kartellrecht des US-Kongresses die gewonnenen Ergebnisse und Empfehlungen zur Reform der Gesetze für das digitale Zeitalter veröffentlicht. Man kommt zu dem Schluss, dass die vier Big Tech-Unternehmen Monopolmacht besitzen, und schlägt vor, dass der Kongress Änderungen an den Kartellgesetzen vornimmt, mit dem Ziel Teile der Unternehmen abzutrennen. Das Verfahren wird zu Unsicherheit führen – und vielleicht zur börsentechnischen Branchenrotation beitragen. Die Hightech-Werte sind die Highflyer der letzten Jahre und haben die Wirtschaft in vielen Bereichen umgebaut, aber sie werden nicht die Geschichte der Aktienmärkte verändern, in der Fahnenstangen noch in jedem Zyklus korrigiert wurden.

Die Aktienmärkte werden derzeit dominiert von den Wachstums-Aktien

3 Kommentare

3 Comments

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    Tech-Shortbrüller

    12. Oktober 2020 13:06 at 13:06

    Auch die EU will also die zu mächtigen Techs an die Leine nehmen. Die vielerwähnte TinA hat also bei den FANG Aktien mit KGV 61 auch keine Gültigkeit mehr, zumindest gegenüber US-Bonds mit weniger Risiko.
    Alles hat ein Ende , nur die Wurst hat zwei und die Börsen werden ein schmerzliches Ende haben.
    Fazit: Die Amis und die EU wollen die USTechs bändigen und die Chinesen werden sie bald nicht mehr brauchen wollen. Wer beginnt mit dem Abverkauf?

  2. Avatar

    Marko

    12. Oktober 2020 14:41 at 14:41

    Die Tech-Werte werden stärker sein, solange Corona noch da ist. Corona hat beispielsweise den Schulen in Hessen einen Tritt in den Hintern verpasst..

    Stichwort Digitalisierung der Schulen, da hinkt Deutschland an sich weit hinterher.

    Dazu kommt noch 5 G, also das Internet of Things, mit einer extremst guten Latenz- bzw. Übertragungsgeschwindigkeit, 3 G wird jetzt bald sowieso abgeschaltet.

    Um das zu vergleichen : 1 Menschenjahr, ist in der digitalen Welt mit ca. 7 Jahren zu bewerten.

    Was für realtisch ist, es wird einen , oder sogar mehrere Impfstoffe geben, ca. im Frühjahr 2021. Wobei ich die Deutschen vorne sehe…

    Na ja dazu kommt noch Brexit usw, und der Us-Wahlkampf mit se Donald.

  3. Avatar

    Marko

    12. Oktober 2020 15:02 at 15:02

    „zu Hoch-Zeiten einer IBM, einer Intel…

    Gerade diese beiden, besonders Intel ist nicht zu hoch bewertet.

    Der krasseste Vergleich für die Aktienmärkte der USA ist aus meiner Sicht aber die Performance der beiden amerikanischen Tech-Indizes mit dem Weltleitindex S&P 500 seit dem Tief in der Finanzkrise im März 2009:
    Nasdaq plus 882 Prozent
    Nasdaq 100 plus 1084 Prozent
    S&P 500 plus 501 Prozent“

    Aber der Nasdaq 100 inkludiert doch die 100 größten und wirtschftlich stärksten Technologie-Unternehmen ?

    Gerade wegen Corona hat Mircosoft durch Mircofoft Teams / Zoom einen Reibach gemacht ? Vorher was MS doch nur eine „lahme Krücke“ ??? :D

    Der Witz ist gerade bei Microsoft, der Großteil der Menschen geht zurück zum altbewährten ?
    Gerade Firmen !!! MS Office kostet halt Geld, bei unserem deutschen Staat gibt es Programme, die immer noch (!!!) unter einen Uralt-BS namens Windows XP laufen ! Dafür zahlt Deutschland Geld, wegen den Updates…

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