Folgen Sie uns

Indizes

Aktienmärkte: Sieg der Demokraten in Georgia: weiterer Game Changer?

Ist der Sieg der Demokraten in Georgia ein game changer für die Aktienmärkte,  Auslöser für die Korrektur der Hightech-Werte im Nasdaq?

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Ungeachtet der politischen Ereignisse in den USA, die einen fassungslos machen, mit ungeahnten gesellschaftspolitischen Konsequenzen, stellt sich aus markttechnischer Sicht folgende Frage: Ist der Sieg der Demokraten für den amerikanischen Kongress ein game changer für die Aktienmärkte,  etwa als Auslöser für die lang erwartete Korrektur der Hightech-Werte im Nasdaq?

In meinem Dienstag-Artikel hatte ich auf die langjährige Outperformance des Nasdaq gegenüber dem großen Leitindex S&P 500 hingewiesen. Seit der Finanzkrise eine Verzwölffachung gegenüber einer Verfünffachung – im Bereich der Nebenwerte war es sogar noch krasser. Aber auch wenn durch die Digitalisierung ein neues Zeitalter läuft, ohne die „Industrials“ läuft keine Produktion, ohne Caterpillar keine Minenarbeit. Seit vielen Dekaden zeigen die Aktienmärkte immer wieder die Angleichung von Growth und Value, eine „Mean Reversion“, die Frage ist nur der Zeitpunkt. Hat diese Phase seit dem Herbst letzten Jahres begonnen?

Aktienmärkte: Die Branchenrotation des Herbstes

Bereits seit mehreren Monat erkennbar, aber immer wieder angezweifelt läuft sie ab: die Umschichtung von Growth zu Value, von den Wachstumstiteln zu den konservativen Dividendentiteln. Immer wieder unterbrochen durch Schübe in die großen Highflyer, die von zwei Seiten immer Unterstützung fand. Zum einen durch das Wiederaufflammen der Covid-19-Zahlen im Vorwinter und die damit verbundenen Restriktionen, die immer wieder Futter für die Stay-at-Home-Aktien lieferten.

Damit auch den Glauben der vielen Neuanleger „RobinHoodies“ an die Big Seven der Aktienmärkte verstärkten, mit denen man immer wieder Geschäfte, ob mit oder ohne Hebelung gemacht hat. War ja auch sachlogisch, dass in den Phasen der Lockdowns das Geschäftsmodell von Amazon und Co immer wieder Anschub erhielt. Dann kam der November mit dem Biden-Wahlsieg und die große Impfstoffankündigung von BioNTech/Pfizer. Der große Game Changer für die zurückgebliebenen Value-Titel, angesichts großer zu erwartender Infrastrukturprogramme bei einer gleichzeitigen Bezwingung der Pandemie mittels der historischen Impfstoffentwicklung. Vieles wurde in Windeseile eingepreist, aber nicht alles. Denn die Wall Street war sich durchaus bewusst, dass ein republikanischer Senat viele der Biden-Pläne in Sachen Konjunkturpakete, aber auch Regulierung der großen Tech-Konzerne relativieren würde.

Der nächste Antrieb für Value, die blaue Welle

Betrachtet man sich die Kursreaktionen der Aktienmärkte nach dem Sieg der Demokraten gestern in Georgia mit allen den beschriebenen Folgen für den Kongress und die Regierungspolitik für den neuen Präsidenten, so fällt sofort die unterschiedliche Performance des Nebenwerte-Index Russel 2000 und des Nasdaq auf. Die Zurückhaltung des Marktes hinsichtlich der Biden-Profiteure wurde schlagartig abgebaut.

Werte wie Vulcan Materials (einer der größten Baustoffhersteller in den USA), Jacobs Engineering (US-Anlagebauer) oder First Solar (Photovoltaik-Unternehmen) sprangen am gestrigen Tag um bis zu zehn Prozent in die Höhe. Clean-Energy, Bankentitel (Renditeanstieg), US Steel, Caterpillar, alles was mit Infrastruktur zu tun hat, war gesucht.

Sehr viele Titel aus dem Nebenwerte-Index Russell 2000 profitierten von der sich klärenden Lage, anders als beim Nasdaq, indem zunächst sehr viel verkauft wurde, was von einem demokratisch bestimmten Senat beeinträchtigt werden könnte. Durch Regulation, oder gar Zerschlagung, zumindest aber durch künftige Steuerbelastungen.

Fazit

Der US-Kongress hat am Mittwoch schlussendlich das Ergebnis der US-Wahlen bestätigt, die Zertifizierung des Biden-Sieges ist erfolgt.

Auch wenn jetzt die Emotionen aufgrund der unglaublichen Szenen in Washington hochkochen und viele Marktbeobachter von bleibenden Schäden für die USA reden werden, ist es schon erstaunlich wie wenig die Aktienmärkte der USA auf das gestrige gesellschaftspolitische Ereignis reagiert haben. Die Märkte sehen die Konsequenzen des Regierungswechsels und preisen die neue Lage ein. Das neue Geld blendet.

Jetzt zu erwarten, dass es in den USA gleich einen Paradigmenwechsel von der Wall Street zur Main Street geben wird, halte ich für relativ überzogen. Die USA sind zu abhängig vom Funktionieren ihrer Kapitalmärkte, insbesondere der 40 Billionen Dollar schweren Aktienmärkte. Auch die künftig regierenden demokratischen Politiker besitzen Aktien, ihr Vermögen hängt von den Märkten ab und sie werden die 14 Billionen Dollar-Konsumökonomie in den USA nicht an die Wand fahren wollen.

Eine Underperformance von Hightech gegenüber dem Allgemeinmarkt könnte aber aus den besagten Gründen angelaufen sein. Außerdem sind heftige Korrekturen jederzeit möglich.

In den USA gilt nach wie vor: „Money makes the World go round.“ Oder der zweite platte Spruch: Politische Börsen haben kurze Beine. Wie viele Beweise will man noch für diese alten Thesen bekommen?

Wenn Trump nicht mehr Präsident ist, wird sich die Presse geballt gegen ihn stellen, Staatsanwälte seine Geschäfte und sein Verhalten prüfen, viele Republikaner sich von ihm abwenden. Wird das nicht auch für viele der 70 Millionen Trumpwähler gelten, die ihn wegen seiner Wirtschaftspolitik gewählt haben und jetzt erschrocken die Konsequenzen der Polarisierung erkennen müssen? Die Hardliner wird allerdings all das nicht interessieren.

Außerdem gibt es noch das Thema Corona-Pandemie, welches jeden Amerikaner trifft und die große Impfstoffaktion, die das gesamte Volk in Kürze wieder in den Bann ziehen wird. Das Virus interessiert sich nicht für machtpolitische Auseinandersetzungen. Es könnte jedoch sein, dass die Zusammenrottung von Menschen in Washington wieder einmal zu einem weiteren Superspreader-Event generieren wird.

Ist der Sieg der US-Demokraten der nächste game changer für die Aktienmärkte?

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    thinkSelf

    7. Januar 2021 12:29 at 12:29

    Erst einmal hat die Wahl so gut wie keinen Einfluss auf die Wirtschaft, da die wirtschaftsrelevanten Eckdaten sich nicht ändern. Die Notenpresse wurde seit Beginn der 80er von allen Regierungen befeuert. Nur die Begründungen wechseln, aber die Methode ist immer die selbe.
    Der strukturelle Niedergang ist seit 40 Jahren in Takt und wird sich weiter fortsetzen.

    Der Durchmarsch der Kulturmarxisten seit 68 sowie die seitdem entstandene Klasse der neuen Feudalaristokratie werden dem Mittelstand nun den Rest geben. Das wird aber die Börsenkurse nicht belasten. Ganz im Gegenteil. Denn die Finanzmärkte bieten die Gelegenheit sich an deren Ausplünderung zu beteiligen.
    So lange der Dollar die Leitwährungsfunktion behält, können die USA einen Teil dieser Probleme auf Dritte abwälzen, was das Potential zusätzlich erhöht.

    Der entscheidende Punkt ist also, wann der Dollar die Rolle als Leitwährung verliert, was aber völlig unvorhersagbar ist. Wenn das passiert steht allerdings die Existenz der USA auf dem Spiel (muss nicht sein, kann aber).

    Noch eine Anmerkung zu einem Satz, der zeigt das Herr Müller und ich nicht im gleichen Universum leben (obwohl ich ihm z.T. bei seinen Analysen durchaus recht gebe):

    „Wird das nicht auch für viele der 70 Millionen Trumpwähler gelten, die ihn wegen seiner Wirtschaftspolitik gewählt haben und jetzt erschrocken die Konsequenzen der Polarisierung erkennen müssen?“

    Das ist schon ziemlich elaborierter Unsinn. Trump hat nicht „polarisiert“ sondern das ist das Ergebnis kulturmarxistischer Unterwanderung seit 1968. Die Jungs vom KGB waren der Gegenseite eben doch über. Auch wenn es einer gewissen Ironie nicht entbehrt, dass sie das aufgehen ihrer Saat nicht mehr erlebt haben.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Aktien

Aktien: Bubble-Boomer demaskieren Wall Street-Casino! Marktgeflüster (Video)

Mit Aktien wie Gamestop bringen die Bubble-Boomer Hedgefunds in Schieflage – und demaskieren damit gleichzeitig den Casino-Charakter der Wall Street!

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Aktien wie Gamestop oder AMC schießen auch heute wieder durch die Decke – die Bubble-Boomer bringen damit jene Hedgefunds weiter in Schwierigkeiten, die eben diese Aktien short spielen. Diese Bubble-Bommer (Generation Z) ist mit der Spiele-Mechanik bestens vertraut und hat damit nicht nur eine Schwachstelle der Finanzmärkte offengelegt, sondern gleichzeitig den Casino-Charakter der Wall Street demaskiert. Man darf gespannt sein, ob die Fed heute dazu etwas sagen wird – letztlich sind es die Notenbanken, die dieses Casino ermöglicht haben und den beteiligten Spielern das Gefühl suggerierten, dass man im Casino nicht verlieren könne, weil jedesmal wenn es eng wird, die Retter in Gestalt der Notenbanken nahen..

Werbung: Traden Sie smart mit Capital.com: https://bit.ly/316AkWq

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Aktien

Mit Zocken reich werden – der neue „American dream“ ersetzt den Traum vom eigenen Haus

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

American Dream Symbolfoto

Man erinnere sich an die Zeiten von Bill Clinton und George Bush, und auch von Notenbank-Chefs wie Alan Greenspan. Die inoffizielle Staatsraison der 1990er und 2000er in den USA war (unter anderem): Jedem Amerikaner solle es möglich sein in seinem eigenen Haus zu leben. Das war der American Dream. Unterschwellig (so meine Meinung) war damit die Aussage an die eigene Bevölkerung verbunden, dass man sagen konnte: Schaut her, wir sind das größte, reichste und stärkste Land der Welt. Unsere Bürger können sich alle ein eigenes Haus leisten.

Die Regulierungen am US-Häusermarkt wurden dramatisch runtergefahren. Millionenfach wurden von der Regierung befeuert Hauskredite vergeben an Menschen, die in vielen Fällen noch nicht mal eine Arbeit hatten. Sie hatten noch nicht mal bei beschönigender Betrachtung irgendeine Art von Bonität. Die Katastrophe war vorprogrammiert, und das ganze Kartenhaus brach ab 2007 zusammen – was wir heute als Finanzkrise 2008 bezeichnen. Es war ein großer Traum, der für viele Amerikaner zum Albtraum wurde und für viele mit einem Schlafplatz unter einer Brücke endete.

Im Corona-Jahr 2020 entstand offenbar ein neuer American Dream. Nicht mehr Häuser auf Kredit kaufen, sondern ohne Arbeit, Wissen, Recherche oder sonst etwas reich werden, vom eigenen Computer, von zuhause aus. Durch stumpfes, sinnbefreites Zocken in Aktien, die man selbst gar nicht kennt. Einfach drauf los zocken, und schnell und einfach reich werden. Das ist wohl der neue amerikanische Traum. In der Coronakrise hockten auf einmal Millionen Amerikaner zuhause, betätigungslos. Sehr üppige staatliche Hilfen beschwerten Millionen arbeitsloser Amerikaner ein höheres monatliches Einkommen, als sie es vor Corona mit Arbeit hatten.

Klar erkennbar war die daraufhin folgende Welle an Millionen neuer Brokerkonten in den USA. Unglaublich aber wahr. Unzählige Menschen kauften sich von den staatlichen Hilfen nichts zu essen (sinnbildlich ausgedrückt), sondern überwiesen die Gelder auf ihre frisch eröffneten Brokerkonten. Hinzu kommen die neuen Broker wie „Robinhood“, bei denen man ganz ohne Gebühren zocken kann. Dadurch wurde es möglich auch mit Kleinstbeträgen von mehreren hundert Dollar drauf los zu zocken. Rein, raus, rein, raus, immer weiter.

Robinhood-Chef beschreibt den neuen American Dream

Vlad Tenev, CEO und Mitbegründer von Robinhood, des bekanntesten dieser neuen Broker für die junge wilde Zocker-Meute, hat heute einen Gastkommentar auf CNBC veröffentlicht (hier nachzulesen). Er spricht davon, dass es der neue American Dream sei ein „Investor“ zu werden, nach dem vormaligen Traum vom eigenen Haus. Er erwähnt, dass viele seiner Kunden Aktien kaufen und dann langfristig halten würden. Will da jemand Kritik am stumpfen und sinnbefreiten Zocken vorbeugen? Die Mission von Robinhood sei es nach seinen Worten, das Finanzwesen zu demokratisieren – dies sei im amerikanischen Idealismus verwurzelt. Amerika sei schon immer stolz auf seine Fähigkeit gewesen, Aufwärtsmobilität und Chancen mit wenigen Barrieren zu fördern. Dieses nationale Ethos des „American Dream“ sei so alt wie die Nation selbst. Im 20. Jahrhundert habe sich alles um den Erwerb von Wohneigentum gedreht, was unter anderem durch die 30-jährige Hypothek vorangetrieben wurde. Jetzt, wo es im Börsenhandel keine Provisionen und Mindestbeträge mehr gibt, sei die Bühne frei für einen neuen amerikanischen Traum, bei dem nahezu 100 Prozent der US-Bürger Investoren werden sollen. „Lassen Sie uns das schaffen – gemeinsam“, so seine finalen Worte.

Dazu möchte ich final anmerken: Ist das noch „Investieren“, was wir derzeit am US-Aktienmarkt sehen? Wohl kaum. Völlig wertlose Unternehmen unbegrenzt nach oben traden, ohne jeglichen Sinn und Verstand? Auf Dauer kann das nicht gut gehen. Wir haben es auf finanzmarktwelt.de die letzten Tage mehrfach angesprochen (hier der letzte Video-Kommentar von Markus Fugmann heute früh). Die ganz frische Generation von Tradern hat das Platzen der Dotcom-Blase und die Finanzkrise 2008 gar nicht erlebt. Damals waren diese Trader gerade erst geboren oder noch in der Grundschule. Sie kennen nur steigende Kurse, nur Party, nur nach oben, völlig sinnbefreit. Auch sie werden wohl eines Tages einen großen Knall erleben. Einige von ihnen werden auch nach so einem Crash immer noch kräftig Geld auf der Kante haben – andere werden nach dem „All In“ wohl ähnliches erleben wie viele Menschen nach der Zwangsräumung ihrer Häuser in den Jahren 2005, 2006 und 2007.

weiterlesen

Indizes

Rüdiger Born: Märkte fallen – Tradingchance Long?

Rüdiger Born

Veröffentlicht

am

Die Indizes fallen gerade. Ist das die Chance für Trader auf steigende Kurse zu setzen? Das schaue ich mir anhand des Nasdaq-Chart etwas genauer an.

Wollen Sie meine täglichen Analysen im „Trade des Tages“ erhalten? Dieses Angebot ist für Sie völlig kostenfrei! Melden Sie sich dafür einfach hier an.

BORN-4-Trading – Trading-Ideen kostenfrei aufs Smartphone! Aktuelle Trading-News, Handelsideen und Trader-Know-how, Rüdiger Born sendet seine Einschätzungen direkt auf Dein Smartphone, entweder als Video- oder Voice-Nachricht oder einfach als schneller Text mit Bild. Welche Märkte kann man handeln, wo gibt es interessante aktuelle Trading-Setups, wo wären Einstiege möglich oder aber Stopps sinnvoll? Brandaktuell, überall und in gewohnt professioneller und spritziger Art. Klicke dazu einfach an dieser Stelle.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage