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Europa

Aktuell: Inflation in Eurozone rauscht Richtung Null

Claudio Kummerfeld

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am

Vor wenigen Minuten haben die europäischen Statistiker von Eurostat für die Eurozone die Inflation (Verbraucherpreise) für den Monat April veröffentlicht. Im Jahresvergleich liegt die Teuerungsrate jetzt nur noch bei 0,4 Prozent nach 0,7 Prozent im März, 1,2 Prozent im Februar und 1,4 Prozent im Januar. Der Grund ist klar. Der Ölpreis-Schock (hier eine gute Erklärung) der letzten Monate zieht nun mit zeitlicher Verzögerung auch die Preise für Benzin und Heizöl immer weiter runter.

Die Verbraucherpreise für Energie lagen im April um 9,6 Prozent unter denen im April 2020. Die Energiepreise bringen die Inflation derzeit in großen statistischen Schritten Richtung Null-Linie! Die Grafik mit dem großen Negativ-Balken zeigt es überdeutlich, dass die Preise für Energie den Gesamtschnitt kräftig runterziehen. Die Verbraucherpreise für Lebensmittel steigen um 3,6 Prozent, nach 2,4 Prozent und 2,1 Prozent in den Vormonaten. Das ist zwar ein Gegengewicht, aber Energie zieht den Schnitt dennoch stark runter, ähnlich wie beim gestrigen Blick nur auf die deutschen Zahlen zur Inflation.

Inflation Detaildaten April für Eurozone

Interessant ist der Blick auf einzelne Länder in der Eurozone. In manchen Ländern wird aus Inflation jetzt schon kräftig Deflation. In Spanien gingen die Verbraucherpreise im April im Jahresvergleich um 0,6 Prozent zurück, in Griechenland um 0,9 Prozent, in Slowenien sogar um 1,3 Prozent.

Verbraucherpreise in Eurozone nach Land aufgeteilt

9 Kommentare

9 Comments

  1. Avatar

    thinkSelf

    30. April 2020 14:04 at 14:04

    Das verwundert ja nun nicht. Die Massenkaufkraft bricht massiv ein. Und kein Unternehmen startet ein Investitionsprojekt bevor nicht klar ist, wo die Reise hin geht. Wobei das aktuell noch gar nicht durchschlägt, da begonnene Projekte häufig noch umgesetzt werden.
    Spannend wird es, wenn die Preise so weit fallen, dass die ersten Produzenten und Dienstleister aus dem Markt aussteigen, weil sich das Geschäft einfach nicht mehr lohnt.

    Interessanterweise ziehen die Lebensmittelpreise weiter deutlich an. Und das nun schon seit längerem (also lange vor Corona). Das gilt übrigens auch für viele öffentliche Leistungen. Was umso mehr belastet, je niedriger das eigene Einkommen ist. Womit wir eine Diskussion um eine Erhöhung der Sozialtransfers kriegen werden.

    Das erhöht den Preisdruck auf andere Segmente zusätzlich. Und es wird die Polarisierung zwischen Billigsegment und Highend weiter verschärfen. Womit alle Anbieter von “mittleren Qualitäten” aus dem Markt gedrückt werden.

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    DBausenwein

    30. April 2020 15:00 at 15:00

    Man müsste aber auch den Realwarenkorb anpassen, da der Käufer sein Kaufverhalten vorallmem auf die Teurungsprodukte fokussieren muß während der Corona-Krise.

    Wenn 75% der Käufer kein Benzin mehr für Freizeit kaufen und 50% im Homeoffice sind, ist wohl auch der Warenkorbbeiwert um diesen Faktor gefallen. Oder Verbrauchsgütern wie Seife oder Pasta werden auch mehr gekauft.

    Wenn man also sagt die Inflation im Euroraum ist Rückläufig ist also die Frage für wenn man bugetiert, Industrie, Fluggesellschaften, oder Privatmenschen.

    Real-Inflation ist unterm Strich bisher doch immer irgendwie Geldmenge pro Kopf geblieben.
    Sie tritt zu Tage wenn statisch anghäufte Vermögen neue begrenzte Warenräume dynamisieren.
    Da gerade Geld von den Zentralbanken “geschöpft” wird steigt auch die Inflation.

    Vielleicht nicht in der Industrie Bilanz, aber für Oma Erna die ihr Essen selber kocht ganz sicher.

    Man kann natürlich über Blätterascheln und Schattenspiele diskutieren. Aber wächste der Baum wächst auch der Schatten, nur weil die Sonne ihn mal anders beleuchtet wirkt er mal kleiner und größer.
    Ich würde etwas mehr gesamtsystemischen Tiefsinn in die Inflationszahlen investieren.

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      thinkSelf

      30. April 2020 16:23 at 16:23

      Es ist natürlich immer ein Problem, wenn man ein System einfacher macht als es ist. Die Entwicklung eines komplexen Systems in eine einzige Zahl pressen kann nur scheitern.
      Und wer aus übersimplifizierten Informationen Entscheidungen ableitet muss sich halt nicht wundern, wenn er mit traumwandlerischer Sicherheit immer ins Klo greift.

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      Marco Polanzke

      30. April 2020 18:43 at 18:43

      Geschissen auf die Inflationsrate.
      Es geht hier um (versteckte) Staatsfinanzierung. Sagt aber keiner,weil das nicht erlaubt ist. Also lassen sich die Euro-Fanboys einen Haufen kreative Ideen einfallen, wie das Geld unbemerkt vom Norden in den Süden umverteilt werden kann. Dabei sind die Privathaushalte im Süden deutlich Vermögender als die Deutschen. Aber der Michel lässt ja jeden Scheiß mit sich machen.

  3. Pingback: Meldungen vom 30.04.2020 | das-bewegt-die-welt.de

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    BlinderWaechter

    30. April 2020 17:11 at 17:11

    Erst die letzten Tage wurde berichtet dass die Gemüsepreise aktuell bis zu 95 % zum Vorjahr gestiegen sind. Das der Inhalt des Warenkorbes nicht immer so passt wie man es gerne hätte ist schon klar, aber die Lebenshaltungskosten sind generell am explodieren- Mag sein dass das Benzin momenten recht günstig ist, aber im Gegenzug steigen die Strompreise wegen dem Minderverbrauch an Benzin. Wie passt das zusammen?

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      Marco Polanzke

      30. April 2020 18:32 at 18:32

      Verlogene Scheiße…
      Völlig unrealistische Gewichtung.
      Wenn interessieren Benzin-Preise wenn das Auto seit Monaten kaum genutzt wird. Wenn interessieren Energiepreise, wenn man Verträge über 1 oder 2 Jahre abschließt.
      Der Deutsche wird nur noch für dumm verkauft, angelogen, beschissen, ausgeraubt und ausgepresst.
      Ups, war ich zu ehrlich oder zu direkt?
      Ich will niemand auf die Füße treten.

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        Mantel Klaus

        30. April 2020 19:55 at 19:55

        Der Deutsche will für dumm, angelogen und beschissen werden. Aber viele lassen sich das nicht gefallen und eines Tages gibt es eine Explosion. Wir haben jetzt ja schon eine große Explosion. Corona!!
        Ich wünsche schon heute viel Spass dazu. Wie hatte es Frau Merkel gesagt, wir schaffen das…..

    • Avatar

      Marco Polanzke

      30. April 2020 18:35 at 18:35

      Gar nicht passt das zusammen.

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Europa

Kurzarbeit geht in Deutschland weiter zurück – aber es gibt Unterschiede

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Wer sich die aktuellen Zahlen zur Kurzarbeit in Deutschland ansieht, bekommt einen guten Überblick über die Lage verschiedener Branchen: wer ist nach wie vor stark von der Coronakrise betroffen – und in welchen Branchen geht es schneller bergauf als in anderen? Und wie sieht es mit der “viel besungenen” V-Erholung der deutschen Wirtschaft aus?

Sehen wir uns einmal die aktuellen Daten des ifo Instituts an, die heute veröffentlicht worden sind. Hier ist eine klare Tendenz zu erkennen: in den Bereichen, die zuvor am stärksten von der Coronakrise betroffen waren, geht die Kurzarbeit derzeit am stärksten zurück – also im Dienstleistungssektor und im Handel. Kaum Rückgänge dagegen verzeichnet die Industrie.

Hier die Aussagen des ifo im Wortlaut:

“Die Zahl der Kurzarbeiter in Deutschland ist im Juli auf 5,6 Millionen Menschen gesunken. Im Juni waren es 6,7 Millionen, im Mai 7,3 Millionen. Das haben exklusive Berechnungen und Schätzungen des ifo Instituts auf Basis seiner Konjunkturumfrage ergeben. Der Anteil an den sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten schrumpfte damit von 20 auf 17 Prozent. „Der Rückgang hat sich zwar insgesamt beschleunigt, aber in einigen Branchen nimmt die Kurzarbeit sogar noch zu“, sagt ifo-Arbeitsmarkt-Experte Sebastian Link.

Nach der ifo-Schätzung sank die Zahl der Kurzarbeiter in der Industrie nur leicht von 2,3 auf 2,1 Millionen Menschen, also von 33 auf 30 Prozent der Beschäftigten. Zum Beispiel waren in der Metallindustrie im Juli noch schätzungsweise 509.000 Menschen auf Kurzarbeit, nach 542.000 im Juni. Der Anteil schrumpfte von 48 auf 45 Prozent der Beschäftigten. In der Autobranche sank die Zahl von 516.000 auf 423.000, der Anteil von 46 auf 38 Prozent. Im Gegensatz hierzu hat die Zahl der Kurzarbeiter im Maschinenbau weiter von 354.000 auf 378.000 zugenommen. Der Anteil wuchs von 33 auf 35 Prozent. In der Elektrobranche sind nun 271.000 Personen in Kurzarbeit nach 260.000 im Juni. Der Anteil an der Beschäftigung betrug im Juli 34 Prozent, ein Prozentpunkt mehr als im Juni.

Wesentlich stärker ging die Kurzarbeit bei den Dienstleistern zurück. Im Gastgewerbe sank die Zahl der Kurzarbeiter weiter von 672.000 auf 465.000 Menschen, was noch 42 Prozent sind. Im Juni waren es 61 Prozent und im Mai 72 Prozent. In Verkehr und Lagerei sank sie von 308.000 auf 256.000, also von 17 auf 14 Prozent. Bei sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen gab es einen Rückgang von 672.000 auf 603.000, also von 29 auf 26 Prozent der Beschäftigten.

Auch im Handel ist die Zahl der Kurzarbeiter weiter kräftig zurückgegangen, von 963.000 auf 637.000. Im Einzelhandel sank die Zahl von 417.000 auf 240.000 Mitarbeiter, was einem Rückgang von 17 auf 10 Prozent entspricht. Im Großhandel schrumpfte die Zahl von 331.000 auf 257.000 Menschen, also von 24 Prozent auf 18 Prozent. Im Autohandel waren im Juli 140.000 Menschen in Kurzarbeit, nach 215.000 im Juni. Das ist ein Rückgang von 32 auf 21 Prozent.”

 

Die Kurzarbeit nach Branchen

Kurzarbeit im Dienstleistungssektor

Kurzarbeit in anderen Sektoren

 

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Europa

Auftragseingänge der Industrie: Neue Daten – Erholung in V-Form?

Claudio Kummerfeld

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Fliegende Funken in der Industrie

Das Statistische Bundesamt hat heute früh die Auftragseingänge der Industrie (Verarbeitendes Gewerbe) für den Monat Juni veröffentlicht. Liegt hier eine Erholung in V-Form vor? Auf die Idee könnte man kommen bei Betrachtung des Charts, der die Daten als Indexwert seit dem Jahr 2012 anzeigt. Erst der große Absturz der Aufträge in der Coronakrise, und jetzt die Erholung. Im Monatsvergleich von Mai auf Juni steigen die Auftragseingänge schon wieder kräftig an, nämlich um 27,9 Prozent. Im Jahresvergleich zu Juni 2019 gibt es immer noch ein Minus von 11,3 Prozent.

Verlauf der Auftragseingänge seit dem Jahr 2012

Hier einige Detailaussagen der Statistiker im Wortlaut:

Die Corona-Krise prägt seit einigen Monaten die Entwicklungen im Verarbeitenden Gewerbe. Im Vergleich zu Februar 2020, dem Monat vor dem Beginn der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie in Deutschland, war der Auftragseingang im Juni 2020 saison- und kalenderbereinigt um 11,3 % niedriger.

Im Vergleich zum Vormonat stiegen die Aufträge aus dem Inland im Juni 2020 um 35,3 %, die Auslandsaufträge erhöhten sich um 22,0 %. Dabei nahmen die Auftragseingänge aus der Eurozone um 22,3 % zu. Die Auftragseingänge aus dem restlichen Ausland stiegen um 21,7 % gegenüber Mai 2020.

Bei den Herstellern von Vorleistungsgütern lag der Auftragseingang im Juni 2020 mit 10,6 % über dem Vormonat. Bei den Herstellern von Investitionsgütern gab es einen Anstieg um 45,7 %. Im Bereich der Konsumgüter stiegen die Aufträge um 1,1 %.

In der Automobilindustrie ist der Auftragseingang im Juni 2020 wieder deutlich angestiegen (+66,5 % zum Vormonat). Er liegt aber noch um 12,2 % niedriger als im Februar 2020.

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Europa

Autozulassungen im Juli: Sieh an, Krise vorbei? Oder Dank an die Mehrwertsteuer?

Claudio Kummerfeld

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Autozulassungen legen zu - voller Parkplatz mit Autos als Symbolbild

Erst gestern berichteten wir über die eklatante Lücke zwischen der aktuellen Situation in der deutschen Autoindustrie sowie ihren Geschäftsaussichten. Wenn man auf ganz aktuelle amtliche Daten von heute schaut, könnte man sofort sagen: Hurra, die Krise in der Autoindustrie ist vorbei. Denn die Autozulassungen lagen im Juli laut ganz frischer Veröffentlichung des Kraftfahrtbundesamts (KBA) nur 5,4 Prozent unter dem Wert von Juli 2019. 314.938 Personenkraftwagen wurden neu zugelassen. Nach Abschluss der ersten sieben Monate des aktuellen Jahres wurden insgesamt 1.525.560 Autozulassungen verzeichnet, ein Minus von 30,1 Prozent im Jahresvergleich.

Autozulassungen gepusht durch staatlichen Anreiz?

Aber immerhin. Nur noch minus 5,4 Prozent im Juli gegenüber dem letzten Jahr. Damit ist die Krise fast schon überwunden? Naja, da ist doch ein massives Geschmäckle dabei! Zum einen muss man annehmen, dass die Autobauer seit Monaten dabei sind überschüssige Lagerbestände mit guten Rabatten an den Mann und die Frau zu bringen! Und dazu kommt noch, und das wir entscheidend sein: Seit dem 1. Juli (! ! !) gilt die reduzierte Mehrwertsteuer. Und zahlreiche Aussagen von Einzelhändlern zeigen, dass die Konsumenten hierzulande derzeit gerade bei hochpreisigen Artikeln ihre Anschaffungen vorziehen auf den Zeitraum der gesenkten Mehrwertsteuer, also Juli bis Dezember.

Und bei neuen Autos, da dürfte sich die reduzierte Mehrwertsteuer besonders deutlich auswirken in einer netten Ersparnis! Also, der Push für die Autoindustrie im Juli könnte eine Verzerrung sein, die ja vom Staat genau so gewünscht ist. Die Leute sollen animiert werden jetzt mehr zu konsumieren, um die Wirtschaft nach dem Corona-Absturz wieder in Schwung zu kriegen. Aber: Was jetzt an Autos mehr gekauft wird, das fehlt dann in den nächsten Quartalen in der Statistik der Autozulassungen? Die Freude über diese aktuell fast schon wieder akzeptablen Zahlen stellt also ein zweischneidiges Schwert dar! Hier auszugsweise noch einige interessante Details der heutigen KBA-Veröffentlichung:

Die Anzahl der Elektrofahrzeuge wuchs mit 16.798 Neufahrzeugen um +181,7 Prozent, ihr Anteil an den Neuzulassungen lag damit bei 5,3 Prozent. 52.488 Hybride bescherten einen Zuwachs von +143,5 Prozent, was einem Anteil von 16,7 Prozent entsprach, darunter 19.119 Plug-in-Hybride (+484,7 %) und einem Anteil von 6,1 Prozent.

Bei den deutschen Marken zeigten sich zweistellige Zuwächse bei Mini mit +35,7 Prozent, gefolgt von BMW (+17,4 %) und Mercedes (+10,7 %). Für Porsche (+2,4 %) wies die Statistik eine einstellige Steigerung aus. Die Pkw-Neuzulassungen der Marken Smart (-51,6 %), Opel (-45,2 %), Ford (-22,5 %), Audi (-20,8 %) und VW (-3,3 %) lagen zum Teil deutlich hinter dem Ergebnis des Vorjahresmonats. Die Marke VW erreichte mit 19,0 Prozent den größten Markenanteil an den Neuzulassungen.

Bei den Importmarken wiesen Subaru (+63,9 %), Jeep (+42,2 %) sowie Mitsubishi (+33,4 %) Zulassungssteigerungen von mehr als +30 Prozent aus. Rückgänge von mehr als -30 Prozent zeigten sich hingegen bei Tesla (-66,6 %), Land Rover (-39,9 %), Jaguar (-38,9 %), Alfa Romeo (-33,6 %) und Dacia (-32,1 %). Mit einem Neuzulassungsanteil von 7,0 Prozent (+8,3 %) war Skoda erneut die anteilsstärkste Importmarke in der Monatsbilanz.

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