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Aktuelle Lagarde-Rede: Keine Rezession, EZB-Zinsen, Kampf gegen Fragmentierung

Die EZB kämpft gegen Fragmentierung und will Zinsen anheben. Hier dazu vor wenigen Minuten getätigte Aussage von Christine Lagarde.

EZB-Tower in Frankfurt

Die EZB hat vor wenigen Minuten einen Redetext von Christine Lagarde veröffentlicht im Rahmen des EZB-Forums „Central Banking 2022“ in Sintra, Portugal. Was hatte sie zu sagen? Hier das Wichtigste von uns zusammengefasst.

Keine Rezession in Sicht

Christine Lagarde sieht keine Rezession für die Eurozone. Nach ausführlichen Erläuterungen in ihrer Rede kommt sie zu dem Resultat, dass die EZB zwar ihre Prognosen für das Wirtschaftswachstum in den nächsten zwei Jahren deutlich nach unten korrigiert hat. Aufgrund der inländischen Puffer gegen den Verlust der Wachstumsdynamik rechne man aber immer noch mit positiven Wachstumsraten.

EZB-Zinsen – möglicherweise schneller handeln

Möglicherweise wird die EZB die Zinsen schneller anheben? Christine Lagarde deutet zumindest etwas in diese Richtung an. Hier auszugsweise ins Deutsche übersetzt aus ihrer Rede:

Im Einklang mit einem schrittweisen Vorgehen kündigten wir an, dass wir die Nettokäufe von Vermögenswerten im Rahmen unseres Programms zum Ankauf von Vermögenswerten am 1. Juli beenden werden und beabsichtigen, unsere drei Leitzinsen auf unserer nächsten Sitzung am 21. Juli um 25 Basispunkte anzuheben. Wir kündigten aber auch an, dass wir davon ausgehen, die Leitzinsen im September erneut anzuheben, und „falls die mittelfristigen Inflationsaussichten bestehen bleiben oder sich verschlechtern, wird auf der September-Sitzung eine größere Anhebung angemessen sein.“

Dies spiegelt das Prinzip der Optionalität wider. Wenn sich die Inflationsaussichten nicht verbessern, werden wir über ausreichende Informationen verfügen, um schneller zu handeln. Diese Verpflichtung ist jedoch datenabhängig. Der EZB-Rat hat sich darauf verständigt, dass ein „allmählicher, aber nachhaltiger“ Pfad weiterer Zinserhöhungen über den September hinaus angemessen sein wird. Ausgangspunkt jeder Sitzung ist eine Bewertung der Entwicklung der Schocks, ihrer Auswirkungen auf die Aussichten und des Grades an Vertrauen, den wir in die Konvergenz der Inflation zu unserem mittelfristigen Ziel haben.

Kampf gegen die Fragmentierung der Anleiherenditen

In den letzten Tagen war es das Top-Thema rund um die EZB. Man versucht mit Sondermaßnahmen die Anleiherenditen der Südländer runterzudrücken, damit die Renditeabstände (Fragmentierung) zur deutschen Bundesanleihe nicht zu groß werden. So will man ein einheitliches Bild in der Eurozone bewahren. Laut aktueller Aussage von Christine Lagarde handelt die EZB daher auf zweierlei Weise.

Erstens werde man die Flexibilität bei der Wiederanlage fälliger Tilgungen im Rahmen des Pandemie-Notkaufprogramms (PEPP) nutzen, um das Funktionieren des „geldpolitischen Transmissionsmechanismus“ zu erhalten. Mit anderen Worten: Diese Rückzahlungen können gegebenenfalls innerhalb des Eurosystems an den Anleihemärkten von Ländern angelegt werden, in denen die „ordnungsgemäße Übertragung“ gefährdet ist. Man habe bei der EZB beschlossen diese Flexibilität bei der Wiederanlage fälliger Rückzahlungen im PEPP-Portfolio ab dem 1. Juli zu nutzen.

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Zweitens habe die EZB beschlossen die zuständigen Ausschüsse des Eurosystems zu beauftragen, gemeinsam mit den Dienststellen der EZB die Ausarbeitung eines neuen Instruments zu beschleunigen, das vom EZB-Rat geprüft werden soll. Das neue Instrument muss wirksam sein, gleichzeitig aber auch verhältnismäßig und mit ausreichenden Sicherheitsvorkehrungen versehen sein, um die Impulse der Mitgliedstaaten für eine solide Finanzpolitik zu erhalten. Diese Entscheidung steht laut Christine Lagarde ganz in der Tradition der EZB. In der Vergangenheit habe die EZB auf separate Instrumente zurückgegriffen, um die Inflation anzusteuern und das Funktionieren des geldpolitischen Transmissionsmechanismus zu gewährleisten. Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Transmission konnten ihrer Aussage nach bei jedem Zinsniveau eingesetzt werden, solange sie so konzipiert waren, dass sie den geldpolitischen Kurs nicht beeinträchtigten.

Dazu aktuell hier ein Kommentar von Dr. Jörg Krämer von der Commerzbank:



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3 Kommentare

  1. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Die neue Regelung für Staatsanleihen- Käufe verstößt ganz klar gegen die Meinung des Bundesverfassungsgerichts und bestätigt die Vorurteile gegenüber dem Euro.

  2. Das ist pure Staatsfinanzierung!!!
    Das ist nicht die Aufgabe der EZB!!!

    1. Aber es findet doch keine direkte Staatsfinanzierung statt! So etwas darf man nicht einmal denken ;-)

      Auslaufende deutsche Anleihen, welche im Rahmen von Sonderprogrammen erworben wurden (u.a. „PEPP“ ) werden von Banken durch auslaufende italienische etc. Anleihen ersetzt und Nachfolgend an die EZB weitergegeben. Da das nicht im Rahmen von den üblichen QE Maßnahmen und der Anleihenerwerb nicht direkt durch die EZB erfolgt, ist alles rechtens.

      Oder habe ich da etwas falsch verstanden?

      Naja, der Euro wird dennoch zu einer Schrottwährung da die EZB immer mehr Schrott als Sicherheit gegenüber den erschaffenen Euros in ihre Bilanz aufnimmt.

      Ich schlage vor, die EZB schon einmal in EJBB umzubenennen oder abzuschaffen ;-)

      EJBB = EuropäischeJunkBondBank

      Das wäre wenigstens ein authentischer Name ;-)

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