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Aktuelle Statistik: Sterbefälle im Vergleich zu den Vorjahren – Ansichtssache?

Redaktion

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Coronavirus Symbolbild

Diese Frage bewegt abseits der alltäglichen Meldungen zur Coronakrise viele Menschen, und sie wird uns wohl mit einem gewissen zeitlichen Abstand noch viel mehr beschäftigen. Gab es in durch die Coronakrise eigentlich mehr Sterbefälle als zum selben Zeitpunkt der Vorjahre? Hat die „normale“ Grippe in den Vorjahren vielleicht mehr Menschen dahin gerafft als jüngst das Coronavirus? Denn man will ja in der Nachbetrachtung wissen, ob der ganze Aufwand mit dem Tragen von Masken und Geschäftsschließungen überhaupt etwas gebracht hat. Das Statistische Bundesamt hat vor wenigen Minuten eine Statistik über die Sterbefälle in Deutschland in den letzten Wochen veröffentlicht, und sie in Relation zu den Vorjahren gesetzt.

Interessant ist, dass die Statistiker in ihrer Tabelle die Kalenderwochen 13 bis 17 (23. März bis 26. April) besprechen. Hier liegen die Sterbefälle in jeder einzelnen Kalenderwoche höher als in den selben Kalenderwochen eines Vergleichszeitraums von 2016-2019. Aber: Wer den mitgelieferten Chart der Statistiker anschaut, der merkt: Die 2020er-Zahlen (rote Linie) waren zwar während dieser fünf Wochen höher als im Schnitt der Vorjahre. Aber man sieht davor den Aufwärtsbuckel in grau, und auch die gestrichelte Linie. In den Wochen vor der KW 13 gab es in Deutschland in den Jahren davor deutlich mehr Sterbefälle als in 2020. Weil die „normale“ Grippe in den Vorjahren mehr Todesfälle brachte?

Aber jetzt kommen wir mal zu den aktuellen Aussagen der Statistker. Nach ihren vorläufigen Ergebnissen sind in der 17. Kalenderwoche (20. bis 26. April 2020) in Deutschland mindestens 17.974 Menschen gestorben. Damit seien die Sterbefälle im Vergleich zur Vorwoche um 882 Fälle gesunken. Sie würden jedoch noch immer etwa 3 Prozent über dem Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019 liegen. Im Vergleich zu den einzelnen Jahren liegen die Sterbefallzahlen dieser Woche in einer Spannweite von 5 % über den Zahlen von 2016 und 1 % über denen von 2019. Die erhöhten Sterbefallzahlen zeigen sich seit der 13. Kalenderwoche (23. bis 29. März). In der 15. Kalenderwoche war die Abweichung mit 2.251 Fällen beziehungsweise 13 % über dem vierjährigen Durchschnitt am größten, so die Statistiker.

Wie gesagt, was man im Chart vorher sieht, wird von den Statistikern mit Worten nicht erwähnt. Also, die Daten der Sterbefälle sind demnach Ansichtssache, ob man die Daten bis zum 23. März betrachtet, oder erst die Daten danach? Oder sollte man die Daten vor dem 23. März deshalb eher ignorieren, weil die Cornawelle erst ab dann so richtig Fahrt aufnahm in Deutschland? Sagt man, dass die eigentliche Coronakrise nur in den Wochen 13-17 in Deutschland wütete, dann könnte man sagen: Ja, die Sterbefälle lagen höher als in den Vorjahren.

Sterbefälle in Deutschland - aktuelle Statistik

Sterbefälle Statistik

Hier noch weitere Ausführungen der Statistiker im Wortlaut:

Die aktuelle Entwicklung der Sterbefallzahlen ist auffällig, weil die Grippewelle in diesem Jahr bereits seit Mitte März als beendet gilt. Üblicherweise beeinflussen Grippewellen bis Mitte April die Sterblichkeit. Es ist deshalb naheliegend, dass die aktuell beobachtete leichte Übersterblichkeit in einem Zusammenhang mit der Corona-Pandemie steht.

Eine Übersterblichkeit nach der hier verwendeten Definition liegt dann vor, wenn zu einem bestimmten Zeitpunkt im Jahresverlauf mehr Menschen sterben, als nach den Fallzahlen vergangener Jahre (hier im Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019) zu erwarten gewesen wäre.

Ausmaß der Übersterblichkeit in Deutschland vergleichsweise gering

Im europäischen Vergleich ist das Ausmaß der sogenannten Übersterblichkeit in Deutschland vergleichsweise gering. Das nationale Statistische Amt Italiens (Istat) berichtet beispielsweise von einer um 49 % erhöhten Sterbefallzahl für den März 2020 im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2019. Für den Ballungsraum Stockholm meldet das nationale Statistische Amt Schwedens (SCB) für die Kalenderwochen 14 bis 16 sogar doppelt so hohe Sterbefallzahlen wie im Durchschnitt dieser fünf Vorjahre. Auch aus Belgien, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz und Spanien werden erhöhte Sterbefallzahlen gemeldet. Dagegen werden für Norwegen und Tschechien keine auffälligen Veränderungen aufgezeigt. Die Angaben dieser Staaten beruhen auf den jeweiligen nationalen Methoden und zeitlichen Abgrenzungen der Daten. Zum Teil beziehen sie sich auf das Meldedatum und nicht auf den tatsächlichen Todestag. Auch die Anteile fehlender Meldungen sind unterschiedlich.

10 Kommentare

10 Comments

  1. Avatar

    sabine

    22. Mai 2020 16:15 at 16:15

    Man hatte ja anfangs von mehreren hunderttausenden gesprochen. Wo sind eigentlich die?
    Dieses Lügenpack wird sich trotzdem herrausreden, wegen dem Lockdown wären nur so wenig Tote, man hätte sonst viel mehr gehabt. Wie man in Schweden sieht, hunderttausende mehr!
    🤮
    Wie beim Soli, der Riesterrente, GEZ, Dieseltheater, Abwrackprämie, überall wird man vom Staat über den Tisch gezogen.
    Die Abrackprämie kommt ja vielleicht wieder.
    a) Wo ist der angeblich so grüne Staat, dem die Natur und die Gesundheit Deutschlands ach so am Herzen liegt? Reine Pharisäer und Lügner. Die Produktion eines neuen Autos verschmutzt die Natur um sehr viel mehr als der Verbrauch danach. Um also die Wirtschaft anzukurbeln, wird die Natur im großen Stil belastet, was man uns vorher im homöopahtischen Bereich mit der Dieselverhinderung vorgelogen hatte. Man sieht, Umweltzone, Plakette usw. alles nur Abzocke!
    b) Auch monetär gesehen ist es verlogen. Die Hilfen, die der Staat uns angeblich spendet, uns also in der Not unter die Arme greift (mir kommen die Tränen 😭), bezahlen wir uns selbst, abzüglich der Abgeordneten- und Beamtengehälter, die das alles hin und herrechnen, genehmigen und verteilen dazu noch verbrauchen. Denn der Staat muß das Geld ja uns erstmal abnehmen, um es dann zu verteilen.
    c) Oder der andere Trick, er nimmt Staatsanleihen auf, und verwässert das Geld, es wird also in unseren Taschen wertlos.
    Umsonst ist der Tod, aber danach kommt die Abrechnung. Wer nicht vorsorgt, muß sich Sorgen machen.

    • Avatar

      Stina

      22. Mai 2020 20:04 at 20:04

      @Pharisäerin und Lügnerin Sabine,

      weder „man“ und auch keine konkret relevante Person hatte anfangs von mehreren 100.000 Toten gesprochen, zumindest nicht in DE. Wie man in Schweden sieht, liegt die Zahl der Fälle und der Verstorbenen pro Einwohnerzahl massiv und dramatisch über vergleichbaren Ländern.

      Fasse zusammen:
      Das Lügenpack redet sich heraus:
      a) Mit Schwachsinn
      b) Mit Blödsinn
      c) Mit Verwässerung

    • Avatar

      Petkov

      22. Mai 2020 22:22 at 22:22

      Sabine, dass Sie Politiker mit gelinde gesagt diffusen Beweisen Lügenpack nennen, ist das eine. Damit habe ich grundsätzlich absolut kein Problem. Aber dass Sie die größtenteils unerforschte Multiorgan-Krankheit Corona verleugnen, die die Lunge, das Herz, die Nieren, die Leber, das zentrale Nervensystem und allgemein die Blutgefäße angreift und bei ganz vielen Patienten unabhängig vom Alter bislang unerkannte Schwachstellen findet, gehört sich einfach nicht.

      Wenn Sie hier auf FMW eine unterschriebene und beglaubigte Verzichtserklärung auf ärztliche Behandlung im Falle von Corona veröffentlichen, weil das für Sie sowieso die altbekannten, harmlosen, nicht-mutierten Schnupfenviren sind, dann wäre ihr Bashing zwar weiterhin dumm, aber zumindest authentisch. Aber aktuell ist es nur noch arrogant und abgehoben. Nichts für Ungut, es ist überhaupt nicht persönlich gemeint. Aber eine derartige Pandemieverharmlosung geht für meinen Geschmack einfach zu weit. Was Sie über GEZ, Dieseltheater, EZB etc. schreiben, ist einfach mit oder ohne Zustimmung zu akzeptieren. Ihre Meinung, ihr Recht. Aber Corona ist eine komplett andere Dimension, da geht es um was völlig Anderes. Das müssen Sie einsehen.

  2. Avatar

    joachim

    22. Mai 2020 17:04 at 17:04

    Interessant wäre es, belastbare Zahlen ab Okt. 2019 zu bekommen. Kann da jemand helfen?

    In meinem persönlichen Umfeld kenne ich eine Person, die genau die bekannt beschriebenen Symptome für Covid19 bereits Ende Dez. 2019 hatte.
    Der behandelnde Arzt diagnostizierte damals eine Grippe und verordnete Bettruhe.

    Vielleicht hatten wir ja die erste Welle von Covid19 bereits Ende 2019, damals noch als Grippe tituliert. Aufgrund der bekannten weltweiten Restriktionen wurde aus der Influenza daraufhin Covid19.

    Sollte Covid19 tatsächlich bereits Mitte November 2019 in Wuhan aufgetreten sein, wäre es innerhalb von zwei Wochen mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in Europa gelandet, also Anfang Dezember 2019.

    • Avatar

      Dreamtimer

      23. Mai 2020 07:33 at 07:33

      „In meinem persönlichen Umfeld kenne ich eine Person, die genau die bekannt beschriebenen Symptome für Covid19 bereits Ende Dez. 2019 hatte. Der behandelnde Arzt diagnostizierte damals eine Grippe und verordnete Bettruhe.“

      Antikörper gegen COVID 19 sollten sich relativ leicht nachweisen lassen. Dann muss man auch keine Spekulationen anstellen.

      • Avatar

        joachim

        24. Mai 2020 14:01 at 14:01

        Leider verschwinden die Spekulationen aber nicht! Deswegen gibt es ja auch so viele Verschwörungsgeschichten, gegen die wir gerade im Mainstream immun gemacht werden sollen.

        Ende Dezember 2019 gab es weder einen verfügbaren Covid19-Test, noch einen Antikörpertest für diese Plage. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man mit irgendeinem Antikörpertest nach Monaten noch den genauen Ansteckungszeitpunkt feststellen kann.

        Als ich am Sylvesterabend 2019 auf gmx.net (der Artikel ist leider unauffindbar!)
        einen Beitrag samt Video von einem verzweifelt wirkenden chinesischen Wissenschafter sah, dachte ich eher an die gewohnt reisserisch gestaltete Berichterstattung, an Fake-News und an einen späten Scherz.
        Rückwirkend weiss ich, dass es der Anfang von Corona in den Medien war.

        Wichtig wäre es zu wissen, wann Corona nach Europa kam. Da könnten nur Corona-Tests an Verstorbenen oder von Blutproben(?) vor 2020 wirklich Klarheit schaffen. Solche Tests werden jedoch, falls überhaupt durchführbar, niemals stattfinden. Zu groß wäre die mögliche Blamage für die derzeitigen Entscheidungsträger.

        Wo sind denn die noch im März versprochenen Antikörpertests (z.B. der Fa. Bosch), die ja ab Mitte Mai (vielleicht meinte man 2021) millionenfach in den Apotheken für jedermann erwerbbar sein sollten?

        Meiner Meinung nach ist es nicht auszuschliessen, dass wir uns gerade in der zweiten Corona-Welle befinden.
        Sollte es so sein und multipliziert man die Infektionszahlen z.b. des RKI mit dem Faktor 10, sind wir von einer beginnenden Herdenimmunität immer noch weit entfernt.

        In unseren Köpfen haben bisher nicht mehr als zwei Corona-Wellen Platz gefunden.
        Sollten wir uns jetzt in einer zweiten Welle befinden, erwarten wir ja noch eine dritte…wieviele brauchen wir aber tatsächlich bis zu einer brauchbaren Durchseuchung bzw. Herdenimmunität…ohne Impfstoff?

  3. Avatar

    Dreamtimer

    23. Mai 2020 08:51 at 08:51

    Ich kann mich noch gut an die Hähme gegen Boris Johnson erinnern, nachdem dieser an COVID 19 erkrankt war. Die brit. Regierung reagierte sehr zögerlich auf die Pandemie. Es wurde über „Herdenimmunität“ fabuliert und davon, dass ein längerer Lockdown die Bevölkerung ermüden würde. Letzteres ist allerdings sehr klarsichtig und schätzt die Bevölkerung ziemlich gut ein, aber ich frage mich, ob dies nicht der Börsenpsychologie folgt. Die Ermüdung setzt erst nach dem Swing ein, wenn die Kurve sich abflacht, die Zahl der Neuinfizierten ihr Maximum überschritten hat und sich dort ein „Widerstand“ bildet. Bevor das nicht eingetreten ist, scheint alles möglich, auch eine 70% Durchseuchung und 1 Mio Tote, allein in Deutschland. Die Infektionsmodelle funktionieren dabei wie ökonomische Modelle. Sie geben nicht viel her, da man ihre Parameter nur empirisch, mit geraade ermittelten Daten, schätzen kann und sie ständig re-kalibrieren muss. Angesichts der Vielzahl der Corona-Stämme, dem Desinteresse des Virus an der „Arterhaltung“, wird das auch in Zukunft nicht sehr viel einfacher werden.

    Was die Maßnahmen betrifft, so denke ich, dass der totale Shutdown einmalig war, ein historisches Ereignis, dass wir so nicht wieder erleben werden. Die westlichen Technokratien des 21-ten Jahrhunderts wurden mit einem Ereignis kontrontiert, auf das sie weder materiell, noch administrativ vorbereitet waren. Dieses Hineinstolpern in die Pandemie wird sich, zumindest zu meinen Lebzeiten, nicht wiederholen. Im Augenblick kann ich noch nicht einmal die Firma meines Hauptkunden betreten, ohne Maskenpflicht und Aufenthaltsprotokoll. Es ist wie die Arbeit unter Hochsicherheit. Die Empfehlung lautet, so weit das möglich ist, in Homeoffice zu bleiben, dessen IT sich stabilisiert hat. Vor zwei Monaten hatte da noch keiner einen Plan.

  4. Avatar

    Mnyoa

    23. Mai 2020 15:33 at 15:33

    Das Corona Virus scheint rassistisch zu sein. Impfstoff… jetzt erst recht!

    • Avatar

      erst.nachdenken

      24. Mai 2020 19:08 at 19:08

      …und für dich zuerst! (Dann werden noch diejenigen getroffen, die verfehlt wurden.)

  5. Avatar

    erst.nachdenken

    24. Mai 2020 17:53 at 17:53

    Zu statistischen Zahlen in dieser Sache: Italien hat den Krebs besiegt. Die haben keinerlei Krebstote mehr. Da muss erst ein Virus angeschi**en kommen, damit jemand etwas in Rekordgeschwindigkeit gegen Krebs findet – wir sollten die mal fragen, wie die das gemacht haben. Die könnten der ganzen Welt helfen. Wahnsinn.

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Aktienmärkte: Die Jungen entdecken die Aktie – und zocken

Ist die Hinwendung vor allem der jüngeren Generation zum Anlagevehikel Aktie ein Trend – oder eher ein Warnzeichen für die Aktienmärkte?

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Die Aktienmärkte haussieren, und das bleibt nicht ohne Folgen. Das Corona-Jahr 2020 mit Covid-19 hat viele Veränderungen ins Alltagsleben der Menschen gebracht. Zwangsläufig mit vielen Aktivitäten, die mit „Home“ beginnen. Auch hatte mancher Zwangsaufenthalt in den vier eigenen Wänden dafür gesorgt, dass viele und vor allem junge Privatanleger den Weg an die Aktienmärkte fanden. Angelockt durch zahlreiche Erfolgsmeldungen über die sozialen Medien, vermutlich initiiert durch die RobinHooder aus den USA. Ein Trend, der von Dauer ist?

Aktienmärkte: Corona und der Anstieg der Zahl der Aktionäre

Die Internetblase im Jahr 2000 und der folgende Jahrhunderteinbruch des Dax (- 72 Prozent) haben lange Jahre Spuren hinterlassen. Während es nach den Daten des Deutschen Aktieninstituts im Jahre 2001 noch 12,85 Millionen Aktionäre in Deutschland gab, pendelte der Wert seit Jahren nur noch an der 10-Millionen-Marke. 2019 war die Zahl der Anleger noch einmal zurückgegangen, 9,7 Millionen direkte Aktionäre in Deutschland.

Jetzt kam die Coronakrise, die einen Boom beim Aktienhandel durch die Privatanleger ausgelöst hat. „Retail Bros“, oder Handelsbrüder, hat die englische „Financial Times“ die neuen Anleger genannt. Seit Längerem gibt es eine „Crypto Bros“, das Pendant mit Kryptowährungen.

Der Trend, der aus den USA herüberschwappt

Der Name ist in der Finanzberichterstattung in aller Munde: Robinhood, ein ehemaliges Start-up aus Kalifornien, welches in den vergangenen Monaten einen Boom verstärkt hat. Der Broker hat bereits über 13 Millionen Kunden, von denen drei Millionen allein seit Anfang des Jahres bis Herbst dazu kamen. Bemerkenswert: Die Hälfte der neuen Kunden sind Aktienneulinge. Star der Szene ist David Portnoy, Inhaber des Sport-Blogs Barstool Sports, der mit seinen superoptimistischen Börsentweets (Aktien und Aktienmärkte würden immer steigen etc.) eine ganze Community antreibt. Hinzu kommt die Entwicklung zum nahezu kostenlosen Börsenhandel, durch E-Trade und Schwab weiter vorangetrieben. So haben manche Arbeitslose ihre 600 Dollar-Wochen-Schecks zum Zocken eingesetzt.

Der Anstieg der Online-Depots in Deutschland

Eine Studie von Comdirekt, Consorsbank und ING zeigte eine deutliche Zunahme der Zahl der Aktionäre unter 25 Jahren. Viele junge handeln auch auf Plattformen wie dem Handybroker Trade Republic. Kaufgebühren von einem Euro pro Trade oder gebührenfreie Sparpläne haben schon zu sechsstelligen Kundenzahlen geführt.

Auch die klassischen Onlinebroker profitieren davon. Konkret wurde die Comdirect, die mit 232.000 neuen Kunden innerhalb der ersten neun Monate vom größten Depot-Wachstum seit 20 Jahren spricht.

Der Vormarsch der Jungen

Wie bereits erwähnt, sind es vor allem die ganz jungen deren Interesse für die Aktienmärkte gewachsen ist, wie die Studie aufzeigt. Nach 26 Prozent, der unter 25-jährigen, die im vergangenen Jahr die Aktienanlage nutzen, sind es derzeit bereits 39 Prozent. Die Steigerung gegenüber 2017 beträgt sogar 22 Prozent. Aber auch bis zur Generation Ü 50 hat sich die Zahl der Aktionäre gesteigert. Was die Börsenplätze sicherlich erfreut, dürfte nicht unbedingt für die herkömmlichen Geschäftsbanken gelten. Denn der Drang zu Online- und Discountbrokern ist unübersehbar.

Ein schnelles Hin und Her

Noch etwas zeichnet die neue Generation Börsianer aus. Die Haltedauer von Aktien ist so kurz wie nie. In den USA lag diese im Sommer diesen Jahres gerade noch bei circa fünfeinhalb Monaten, im letzten Jahr hatte sie noch achteinhalb Monate betragen. Ein Trend, der schon seit Jahrzehnten zu beobachten ist. Aus Daten der New Yorker Börse zeigt sich, dass man vor dem Jahrhundertwechsel Aktien noch durchschnittlich 14 Monate im Depot vor einer Umschichtung beließ. Die Ausnahme:

Nach der Finanzkrise von 2008 wurde das bisherige Haltetief von sechs Monaten erreicht. Krisen beschleunigen anscheinend das Handeln von Wertpapieren.

Wie könnte es anders sein: Auch in Europa ist die gleiche Aktientendenz zu beobachten. Hier ging den Erhebungen zufolge die Haltedauer von Aktien von sieben Monaten zum Jahresende 2019 sogar auf weniger als fünf Monate zurück.

Kein Vergleich mit dem Verhalten des Langfristinvestors Warren Buffett, der seinen Titeln bisher im Schnitt 11 Jahre die Treue hält, auch folgt ein Teil der jungen Generation nicht dem Rat der ungarischen Börsenlegende Kostolany: „Aktien kaufen und dann schlafenlegen.“

Allerdings gibt es heutzutage auch den großen Trend zu langfristigen Sparplänen, monatliche Einzahlungen kleinerer Investmentsummen für die Altersvorsorge. Beides wurde möglich durch eine ganz andere Gebührenstruktur. Zocken zum Nulltarif, nicht nur bei Aktien und Optionen, selbst bei Staatsanleihen oder Junk-Bonds hat sich die Umlaufgeschwindigkeit der Papiere deutlich erhöht.

Wird das eine erhöhte Rendite bringen? Vielleicht kurzfristig im besonderen Jahr 2020. Ältere Börsenexperten sind davon überzeugt, dass die Masse der Anleger durch das Hin und Her auf keine durchschnittliche Rendite von acht Prozent pro Jahr kommen wird. Das Ergebnis sollte Volatilität sein, also ein größeres Auf und Ab in den Märkten mit Vielen, die teuer kaufen und dann billig wieder aussteigen.

Fazit

Ist es ein Trend in Deutschland, die Hinwendung vor allem der jüngeren Generation zum Anlagevehikel Aktie, oder eher ein Warnzeichen für die Aktienmärkte mit dem Vergleich zur Internetblase des Jahres 2000? Damals gab es es Tausende von neuen und noch unerfahrenen Daytradern, die glaubten mit dem raschen Handel reich werden zu können. Das Ergebnis ist bekannt. Es gibt aber einen großen Unterschied zur Gegenwart. Damals warf eine 10-jährige Bundesanleihe fast noch das ganzen Jahr über Renditen von über fünf Prozent ab, selbst Lebensversicherungen waren noch attraktiv. Anders die Gegenwart. Wie soll langfristig ein Kapitalstock aufgebaut werden in dem jetzigen Zinsumfeld? Bei einem vermutlich noch länger anhaltenden Zustand der finanziellen Repression. Selbst wenn die Zinsen über die 0-Prozent-Marke stiegen, wäre dies wahrscheinlich einer gestiegenen Teuerungsrate geschuldet.

Es ist also mehr als notwendig, sich mit dem Kapitalmarkt zu beschäftigen, nicht so sehr mit Hebelprodukten auf Tesla oder FANGMAN-Aktien, sondern eher mit langweiligen Sparplänen. Nach dem wundersamen Jahr 2020 mit den vielen Home-Aktivitäten (Home Office, Home Schooling, Home Shopping, Home Banking) sollte es beim aggressiven Home Trading der RobinHoodies zunächst einmal einen schmerzhaften Ausleseprozess geben.

Die Jungen entdecken die Aktienmärkte

 

 

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Richard David Precht: Künstliche Intelligenz und unsere Zukunft!

Markus Fugmann

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„Wir gehen in die zweite ganz große industrielle Revolution hinein!“, sagt der Philosoph Richard David Precht. Damit stehen wir vor einscheidenden Veränderungen nicht nur der Wirtschaft, sondern auch der Gesellschaft. Die erste industrielle Revolution beendete die Herrschaft des Adels und der Kirche – die derzeit ablaufende zweite Revolution durch künstliche Intelligenz verändert vor allem die Arbeitswelt und damit die Produktionsverhältnisse grundlegend. Nun versuchen uns Ökonomen stets zu versichern: kein Problem, es fallen zwar viele Jobs weg, aber es würden eben auch viele neuartige Jobs geschaffen werden. Das ist eine schöne Perspektive, sie hat aber leider einen kleinen Makel: sie stimmt nicht, sagt Richard David Precht zur sogenannten „Kompensations-Theorie“.

Die Menscheit jedenfalls ist durch diesen Wandel überfordert, der Boden, auf dem wir stehen, wackelt erheblich – und so entsteht zunächst einmal die Sehnsucht danach, die gute alte Welt mit ihren Werten wiederzubeleben. Ausdruck dieses Versuchs sind etwa Trumpin den USA oder die AfD in Deutschland. Aber einer der einschneidenden Änderungen im politischen Bereich wird sein, dass die Parteien, die mit der ersten industriellen Revolution entstanden und aufgestiegen waren, unter gehen werden.

Richard David Precht über schwache KI und starke KI

Richard David Precht unterscheidet zwischen schwacher und starker künstlicher Intelligenz – und führt Beispiele an, worin sich diese beiden unterscheiden. Was bedeutet das aber für uns praktisch? Wird vor allem durch „starke“ KI, also einer KI, die tiefgehende Lernprozesse leisten kann, etwa der Niedriglohn-Sektor wegfallen? Eher nicht – denn je mehr Menschen in bestimmten Bereichen verdienen, umso interessanter wird der Einsatz einer starken KI zur Kosten-Ersparnis, während sich der Einsatz im Niedriglohnsektor gar nicht lohnen würde.

Was bleibt, was wird untergehen – und welche Bereiche werden sich durchsetzen? Es werde derjenige technische Fortschritt kommen, der gesellschaftlich akzeptiert wird, dazu ein Bedürfnis befriedigt und sich gleichzeitig zu einem erfolgreichen Geschäftsmodell machen läßt, sagt Richard David Precht. Folgender Vortrag des Philosophen ist ein „must see“!

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

Der Philosoph Richard David Precht über Künstliche Intelligenz

Richard David Precht

Von Foto: © JCS‘, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=62733272

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Arbeitsmarkt positiv gestimmt? Mehr neue Jobs bei IT als Entlassungen in der Gastronomie?

Claudio Kummerfeld

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Laptop mit Aufklebern

Kann das wirklich sein? Ist es das vorgezogene Weihnachtswunder am deutschen Arbeitsmarkt, mitten im zweiten Lockdown? Wenn man ein Wirtschaftsforschungsinstitut für verlässlich und seriös hält, dann doch in erster Linie das ifo-Institut! Und man möchte den Forschern bei ifo wirklich nichts Böses unterstellen. Aber ist es wirklich realistisch, dass die Stimmung am deutschen Arbeitsmarkt derzeit sogar besser wird, weil die IT-Dienstleister mehr neue Stellen schaffen wollen, als gleichzeitig in Restaurants, Bars, Hotels, Reisebüros etc verloren gehen?

Kann man sich das vorstellen? Gibt es überhaupt zehntausende oder hunderttausende neue IT-Experten in Deutschland, die auch so viele neue Stellen besetzen können? Ist die Nachfrage nach solchen Dienstleistungen wirklich so stark gestiegen in den letzten Wochen? Klar, dank Corona verlagert sich sehr viel des Geschäftslebens ins Internet. Aber wirklich, nochmal mit gesundem Menschenverstand nachgedacht: Können diese neuen Jobs hunderttausende Jobs ersetzen, die bei Gastro und Co verloren gehen? Es fällt wirklich schwer das zu glauben.

Aber das ifo-Institut hat sich das nicht ausgedacht. Nein, man macht für sein Beschäftigungsbarometer Umfragen bei ca 9.500 Unternehmen. Sie werden gebeten ihre Beschäftigtenplanungen für die nächsten drei Monate mitzuteilen. Also, kann das wirklich sein? Die IT fängt den Arbeitsmarkt auf in dieser Krise? Hier die Aussagen vom ifo-Institut im Wortlaut:

Etwas mehr deutsche Unternehmen als im Oktober denken über Neueinstellungen nach. Das ifo Beschäftigungsbarometer ist im November auf 96,7 Punkte gestiegen, von 96,4 Punkten im Oktober. Die zweite Welle hat vorerst keine größeren negativen Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt. Die Entwicklung ist jedoch über die Branchen hinweg sehr heterogen.

In der Industrie ist das ifo-Barometer leicht gestiegen. Jedoch ist die Zahl der Unternehmen mit Entlassungsplänen weiterhin größer als die jener, die mit steigenden Mitarbeiterzahlen rechnen. Die Dienstleister planen eher Mitarbeiter einzustellen. Getragen wird die Entwicklung vor allem von den IT-Dienstleistern. In der Reisebranche und dem Gastgewerbe dagegen sind Entlassungen nicht zu vermeiden. Im Handel hat das Barometer leicht nachgegeben. Dort planen die Firmen derzeit mit konstanten Mitarbeiterzahlen. Die Bauindustrie sucht weiter neue Mitarbeiter, um ihre aktuellen Aufträge abarbeiten zu können.

Hier die vier Einzelsektoren mit einzelnem Chart:

Grafiken zeigen Beschäftigungsbarometer für den deutschen Arbeitsmarkt

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