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Aktuelle Statistik: Sterbefälle im Vergleich zu den Vorjahren – Ansichtssache?

Redaktion

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Coronavirus Symbolbild

Diese Frage bewegt abseits der alltäglichen Meldungen zur Coronakrise viele Menschen, und sie wird uns wohl mit einem gewissen zeitlichen Abstand noch viel mehr beschäftigen. Gab es in durch die Coronakrise eigentlich mehr Sterbefälle als zum selben Zeitpunkt der Vorjahre? Hat die „normale“ Grippe in den Vorjahren vielleicht mehr Menschen dahin gerafft als jüngst das Coronavirus? Denn man will ja in der Nachbetrachtung wissen, ob der ganze Aufwand mit dem Tragen von Masken und Geschäftsschließungen überhaupt etwas gebracht hat. Das Statistische Bundesamt hat vor wenigen Minuten eine Statistik über die Sterbefälle in Deutschland in den letzten Wochen veröffentlicht, und sie in Relation zu den Vorjahren gesetzt.

Interessant ist, dass die Statistiker in ihrer Tabelle die Kalenderwochen 13 bis 17 (23. März bis 26. April) besprechen. Hier liegen die Sterbefälle in jeder einzelnen Kalenderwoche höher als in den selben Kalenderwochen eines Vergleichszeitraums von 2016-2019. Aber: Wer den mitgelieferten Chart der Statistiker anschaut, der merkt: Die 2020er-Zahlen (rote Linie) waren zwar während dieser fünf Wochen höher als im Schnitt der Vorjahre. Aber man sieht davor den Aufwärtsbuckel in grau, und auch die gestrichelte Linie. In den Wochen vor der KW 13 gab es in Deutschland in den Jahren davor deutlich mehr Sterbefälle als in 2020. Weil die „normale“ Grippe in den Vorjahren mehr Todesfälle brachte?

Aber jetzt kommen wir mal zu den aktuellen Aussagen der Statistker. Nach ihren vorläufigen Ergebnissen sind in der 17. Kalenderwoche (20. bis 26. April 2020) in Deutschland mindestens 17.974 Menschen gestorben. Damit seien die Sterbefälle im Vergleich zur Vorwoche um 882 Fälle gesunken. Sie würden jedoch noch immer etwa 3 Prozent über dem Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019 liegen. Im Vergleich zu den einzelnen Jahren liegen die Sterbefallzahlen dieser Woche in einer Spannweite von 5 % über den Zahlen von 2016 und 1 % über denen von 2019. Die erhöhten Sterbefallzahlen zeigen sich seit der 13. Kalenderwoche (23. bis 29. März). In der 15. Kalenderwoche war die Abweichung mit 2.251 Fällen beziehungsweise 13 % über dem vierjährigen Durchschnitt am größten, so die Statistiker.

Wie gesagt, was man im Chart vorher sieht, wird von den Statistikern mit Worten nicht erwähnt. Also, die Daten der Sterbefälle sind demnach Ansichtssache, ob man die Daten bis zum 23. März betrachtet, oder erst die Daten danach? Oder sollte man die Daten vor dem 23. März deshalb eher ignorieren, weil die Cornawelle erst ab dann so richtig Fahrt aufnahm in Deutschland? Sagt man, dass die eigentliche Coronakrise nur in den Wochen 13-17 in Deutschland wütete, dann könnte man sagen: Ja, die Sterbefälle lagen höher als in den Vorjahren.

Sterbefälle in Deutschland - aktuelle Statistik

Sterbefälle Statistik

Hier noch weitere Ausführungen der Statistiker im Wortlaut:

Die aktuelle Entwicklung der Sterbefallzahlen ist auffällig, weil die Grippewelle in diesem Jahr bereits seit Mitte März als beendet gilt. Üblicherweise beeinflussen Grippewellen bis Mitte April die Sterblichkeit. Es ist deshalb naheliegend, dass die aktuell beobachtete leichte Übersterblichkeit in einem Zusammenhang mit der Corona-Pandemie steht.

Eine Übersterblichkeit nach der hier verwendeten Definition liegt dann vor, wenn zu einem bestimmten Zeitpunkt im Jahresverlauf mehr Menschen sterben, als nach den Fallzahlen vergangener Jahre (hier im Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019) zu erwarten gewesen wäre.

Ausmaß der Übersterblichkeit in Deutschland vergleichsweise gering

Im europäischen Vergleich ist das Ausmaß der sogenannten Übersterblichkeit in Deutschland vergleichsweise gering. Das nationale Statistische Amt Italiens (Istat) berichtet beispielsweise von einer um 49 % erhöhten Sterbefallzahl für den März 2020 im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2019. Für den Ballungsraum Stockholm meldet das nationale Statistische Amt Schwedens (SCB) für die Kalenderwochen 14 bis 16 sogar doppelt so hohe Sterbefallzahlen wie im Durchschnitt dieser fünf Vorjahre. Auch aus Belgien, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz und Spanien werden erhöhte Sterbefallzahlen gemeldet. Dagegen werden für Norwegen und Tschechien keine auffälligen Veränderungen aufgezeigt. Die Angaben dieser Staaten beruhen auf den jeweiligen nationalen Methoden und zeitlichen Abgrenzungen der Daten. Zum Teil beziehen sie sich auf das Meldedatum und nicht auf den tatsächlichen Todestag. Auch die Anteile fehlender Meldungen sind unterschiedlich.

10 Kommentare

10 Comments

  1. Avatar

    sabine

    22. Mai 2020 16:15 at 16:15

    Man hatte ja anfangs von mehreren hunderttausenden gesprochen. Wo sind eigentlich die?
    Dieses Lügenpack wird sich trotzdem herrausreden, wegen dem Lockdown wären nur so wenig Tote, man hätte sonst viel mehr gehabt. Wie man in Schweden sieht, hunderttausende mehr!
    🤮
    Wie beim Soli, der Riesterrente, GEZ, Dieseltheater, Abwrackprämie, überall wird man vom Staat über den Tisch gezogen.
    Die Abrackprämie kommt ja vielleicht wieder.
    a) Wo ist der angeblich so grüne Staat, dem die Natur und die Gesundheit Deutschlands ach so am Herzen liegt? Reine Pharisäer und Lügner. Die Produktion eines neuen Autos verschmutzt die Natur um sehr viel mehr als der Verbrauch danach. Um also die Wirtschaft anzukurbeln, wird die Natur im großen Stil belastet, was man uns vorher im homöopahtischen Bereich mit der Dieselverhinderung vorgelogen hatte. Man sieht, Umweltzone, Plakette usw. alles nur Abzocke!
    b) Auch monetär gesehen ist es verlogen. Die Hilfen, die der Staat uns angeblich spendet, uns also in der Not unter die Arme greift (mir kommen die Tränen 😭), bezahlen wir uns selbst, abzüglich der Abgeordneten- und Beamtengehälter, die das alles hin und herrechnen, genehmigen und verteilen dazu noch verbrauchen. Denn der Staat muß das Geld ja uns erstmal abnehmen, um es dann zu verteilen.
    c) Oder der andere Trick, er nimmt Staatsanleihen auf, und verwässert das Geld, es wird also in unseren Taschen wertlos.
    Umsonst ist der Tod, aber danach kommt die Abrechnung. Wer nicht vorsorgt, muß sich Sorgen machen.

    • Avatar

      Stina

      22. Mai 2020 20:04 at 20:04

      @Pharisäerin und Lügnerin Sabine,

      weder „man“ und auch keine konkret relevante Person hatte anfangs von mehreren 100.000 Toten gesprochen, zumindest nicht in DE. Wie man in Schweden sieht, liegt die Zahl der Fälle und der Verstorbenen pro Einwohnerzahl massiv und dramatisch über vergleichbaren Ländern.

      Fasse zusammen:
      Das Lügenpack redet sich heraus:
      a) Mit Schwachsinn
      b) Mit Blödsinn
      c) Mit Verwässerung

    • Avatar

      Petkov

      22. Mai 2020 22:22 at 22:22

      Sabine, dass Sie Politiker mit gelinde gesagt diffusen Beweisen Lügenpack nennen, ist das eine. Damit habe ich grundsätzlich absolut kein Problem. Aber dass Sie die größtenteils unerforschte Multiorgan-Krankheit Corona verleugnen, die die Lunge, das Herz, die Nieren, die Leber, das zentrale Nervensystem und allgemein die Blutgefäße angreift und bei ganz vielen Patienten unabhängig vom Alter bislang unerkannte Schwachstellen findet, gehört sich einfach nicht.

      Wenn Sie hier auf FMW eine unterschriebene und beglaubigte Verzichtserklärung auf ärztliche Behandlung im Falle von Corona veröffentlichen, weil das für Sie sowieso die altbekannten, harmlosen, nicht-mutierten Schnupfenviren sind, dann wäre ihr Bashing zwar weiterhin dumm, aber zumindest authentisch. Aber aktuell ist es nur noch arrogant und abgehoben. Nichts für Ungut, es ist überhaupt nicht persönlich gemeint. Aber eine derartige Pandemieverharmlosung geht für meinen Geschmack einfach zu weit. Was Sie über GEZ, Dieseltheater, EZB etc. schreiben, ist einfach mit oder ohne Zustimmung zu akzeptieren. Ihre Meinung, ihr Recht. Aber Corona ist eine komplett andere Dimension, da geht es um was völlig Anderes. Das müssen Sie einsehen.

  2. Avatar

    joachim

    22. Mai 2020 17:04 at 17:04

    Interessant wäre es, belastbare Zahlen ab Okt. 2019 zu bekommen. Kann da jemand helfen?

    In meinem persönlichen Umfeld kenne ich eine Person, die genau die bekannt beschriebenen Symptome für Covid19 bereits Ende Dez. 2019 hatte.
    Der behandelnde Arzt diagnostizierte damals eine Grippe und verordnete Bettruhe.

    Vielleicht hatten wir ja die erste Welle von Covid19 bereits Ende 2019, damals noch als Grippe tituliert. Aufgrund der bekannten weltweiten Restriktionen wurde aus der Influenza daraufhin Covid19.

    Sollte Covid19 tatsächlich bereits Mitte November 2019 in Wuhan aufgetreten sein, wäre es innerhalb von zwei Wochen mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in Europa gelandet, also Anfang Dezember 2019.

    • Avatar

      Dreamtimer

      23. Mai 2020 07:33 at 07:33

      „In meinem persönlichen Umfeld kenne ich eine Person, die genau die bekannt beschriebenen Symptome für Covid19 bereits Ende Dez. 2019 hatte. Der behandelnde Arzt diagnostizierte damals eine Grippe und verordnete Bettruhe.“

      Antikörper gegen COVID 19 sollten sich relativ leicht nachweisen lassen. Dann muss man auch keine Spekulationen anstellen.

      • Avatar

        joachim

        24. Mai 2020 14:01 at 14:01

        Leider verschwinden die Spekulationen aber nicht! Deswegen gibt es ja auch so viele Verschwörungsgeschichten, gegen die wir gerade im Mainstream immun gemacht werden sollen.

        Ende Dezember 2019 gab es weder einen verfügbaren Covid19-Test, noch einen Antikörpertest für diese Plage. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man mit irgendeinem Antikörpertest nach Monaten noch den genauen Ansteckungszeitpunkt feststellen kann.

        Als ich am Sylvesterabend 2019 auf gmx.net (der Artikel ist leider unauffindbar!)
        einen Beitrag samt Video von einem verzweifelt wirkenden chinesischen Wissenschafter sah, dachte ich eher an die gewohnt reisserisch gestaltete Berichterstattung, an Fake-News und an einen späten Scherz.
        Rückwirkend weiss ich, dass es der Anfang von Corona in den Medien war.

        Wichtig wäre es zu wissen, wann Corona nach Europa kam. Da könnten nur Corona-Tests an Verstorbenen oder von Blutproben(?) vor 2020 wirklich Klarheit schaffen. Solche Tests werden jedoch, falls überhaupt durchführbar, niemals stattfinden. Zu groß wäre die mögliche Blamage für die derzeitigen Entscheidungsträger.

        Wo sind denn die noch im März versprochenen Antikörpertests (z.B. der Fa. Bosch), die ja ab Mitte Mai (vielleicht meinte man 2021) millionenfach in den Apotheken für jedermann erwerbbar sein sollten?

        Meiner Meinung nach ist es nicht auszuschliessen, dass wir uns gerade in der zweiten Corona-Welle befinden.
        Sollte es so sein und multipliziert man die Infektionszahlen z.b. des RKI mit dem Faktor 10, sind wir von einer beginnenden Herdenimmunität immer noch weit entfernt.

        In unseren Köpfen haben bisher nicht mehr als zwei Corona-Wellen Platz gefunden.
        Sollten wir uns jetzt in einer zweiten Welle befinden, erwarten wir ja noch eine dritte…wieviele brauchen wir aber tatsächlich bis zu einer brauchbaren Durchseuchung bzw. Herdenimmunität…ohne Impfstoff?

  3. Avatar

    Dreamtimer

    23. Mai 2020 08:51 at 08:51

    Ich kann mich noch gut an die Hähme gegen Boris Johnson erinnern, nachdem dieser an COVID 19 erkrankt war. Die brit. Regierung reagierte sehr zögerlich auf die Pandemie. Es wurde über „Herdenimmunität“ fabuliert und davon, dass ein längerer Lockdown die Bevölkerung ermüden würde. Letzteres ist allerdings sehr klarsichtig und schätzt die Bevölkerung ziemlich gut ein, aber ich frage mich, ob dies nicht der Börsenpsychologie folgt. Die Ermüdung setzt erst nach dem Swing ein, wenn die Kurve sich abflacht, die Zahl der Neuinfizierten ihr Maximum überschritten hat und sich dort ein „Widerstand“ bildet. Bevor das nicht eingetreten ist, scheint alles möglich, auch eine 70% Durchseuchung und 1 Mio Tote, allein in Deutschland. Die Infektionsmodelle funktionieren dabei wie ökonomische Modelle. Sie geben nicht viel her, da man ihre Parameter nur empirisch, mit geraade ermittelten Daten, schätzen kann und sie ständig re-kalibrieren muss. Angesichts der Vielzahl der Corona-Stämme, dem Desinteresse des Virus an der „Arterhaltung“, wird das auch in Zukunft nicht sehr viel einfacher werden.

    Was die Maßnahmen betrifft, so denke ich, dass der totale Shutdown einmalig war, ein historisches Ereignis, dass wir so nicht wieder erleben werden. Die westlichen Technokratien des 21-ten Jahrhunderts wurden mit einem Ereignis kontrontiert, auf das sie weder materiell, noch administrativ vorbereitet waren. Dieses Hineinstolpern in die Pandemie wird sich, zumindest zu meinen Lebzeiten, nicht wiederholen. Im Augenblick kann ich noch nicht einmal die Firma meines Hauptkunden betreten, ohne Maskenpflicht und Aufenthaltsprotokoll. Es ist wie die Arbeit unter Hochsicherheit. Die Empfehlung lautet, so weit das möglich ist, in Homeoffice zu bleiben, dessen IT sich stabilisiert hat. Vor zwei Monaten hatte da noch keiner einen Plan.

  4. Avatar

    Mnyoa

    23. Mai 2020 15:33 at 15:33

    Das Corona Virus scheint rassistisch zu sein. Impfstoff… jetzt erst recht!

    • Avatar

      erst.nachdenken

      24. Mai 2020 19:08 at 19:08

      …und für dich zuerst! (Dann werden noch diejenigen getroffen, die verfehlt wurden.)

  5. Avatar

    erst.nachdenken

    24. Mai 2020 17:53 at 17:53

    Zu statistischen Zahlen in dieser Sache: Italien hat den Krebs besiegt. Die haben keinerlei Krebstote mehr. Da muss erst ein Virus angeschi**en kommen, damit jemand etwas in Rekordgeschwindigkeit gegen Krebs findet – wir sollten die mal fragen, wie die das gemacht haben. Die könnten der ganzen Welt helfen. Wahnsinn.

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Gastronomie-Krise: Harte Fakten, weniger Insolvenzen, großes Problem

Claudio Kummerfeld

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am

Umgedrehtes Glas

Es ist kein Geheimnis. Die Gastronomie ist zusammen mit anderen Branchen wie Reisebüros, Airlines, Solo-Selbständigen uvm von der Coronakrise brutal getroffen worden, frontal und mit voller Wucht. Für den Zeitraum März bis August hat das Statistische Bundesamt heute harte Fakten für die Gastronomie geliefert. Der Umsatz der Branche lag im Vergleich zu März bis August 2019 um 40,5 Prozent tiefer. Man überlege sich das Mal. 40 Prozent weniger Umsatz in so einem großen Vergleichszeitraum. Das kann doch eigentlich kein Unternehmer überleben.

Hinzu kommt, was inzwischen auch kein Geheimnis mehr ist, dass die Insolvenzen in Deutschland in den letzten Monaten deutlich geringer ausfielen als im Vorjahr. Dies lag einerseits an Finanzhilfen des Staates und am Kurzarbeitergeld. Aber vor allem lag es an der großen staatlich genehmigten Insolvenzverschleppung. Bis vor Kurzem war die Insolvenzantragspflicht nämlich seit März ausgesetzt. Nun aber dürften ab Oktober und ab Januar die Insolvenzzahlen vermutlich deutlich ansteigen. Zitat von den Statistikern:

Von März bis Juli 2020 meldeten in dieser Branche 753 Unternehmen Insolvenz an – das waren 126 weniger als im Vorjahreszeitraum und 135 weniger als von März bis Juli 2018. Ein Grund dafür ist, dass die Insolvenzantragspflicht für Unternehmen zum 1. März 2020 ausgesetzt wurde, was über alle Wirtschaftszweige hinweg zu einem Rückgang der Insolvenzen führte. Im Juli 2020 beantragten bundesweit 146 Gastronomie-Unternehmen Insolvenz, das waren 16,1 % weniger als im Juli 2019. Dieser Rückgang entspricht der Gesamtentwicklung: Insgesamt wurden im Juli 2020 in Deutschland 16,7 % weniger Insolvenzen angemeldet als im Vorjahresmonat.

Grafik zeigt Umsätze in der Gastronomie in der Coronakrise

Unsere Meinung dazu: Die Charts zeigen eine spürbare Erholung in der Gastronomie. Der größte Teil des Tals ist für einige Bereiche der Branche demnach durchschritten. Selbst wenn man annehmen würde, dass von nun an die Umsätze in der Gastronomie wieder laufen wie früher, ist für die breite Öffentlichkeit unsichtbar ein Riesenproblem für die Branche entstanden. Oft wurden Bankkredite und Ladenmieten gestundet. Sie müssen nun zusätzlich zu den wieder aufgenommenen monatlichen Zahlungen nachgezahlt werden. Und im Zuge der Krise haben viele Unternehmer Kredite in aufgenommen. Das bedeutet: Selbst wenn die Umsätze wieder laufen sollten, wäre die monatliche Kostenbelastung für viele Betriebe deutlich höher als vor der Krise, und für viele Unternehmer ist das wohl dauerhaft nicht tragbar. Eine auf mehrere Quartale ausgedehnte Pleitewelle könnte folgen, und das nicht nur in der Gastronomie.

Weitere Details zu Umsatzrückgängen in der Gastronomie von den Statistikern im Wortlaut:

Innerhalb der Gastronomie besonders stark betroffen waren all jene Lokale, die ihr Geld mit dem Ausschank von Getränken verdienen: In dieser Sparte fiel der Umsatz von März bis August 2020 um 45,5 % geringer aus als im Vorjahreszeitraum. Dagegen konnten Restaurants, Gaststätten und Imbisslokale offenbar mit Lieferdiensten und Ab-Haus-Verkäufen einen Teil des Gästeschwunds kompensieren: Hier lagen die Umsätze von März bis August 2020 um 29,3 % unter denen des Vorjahreszeitraums (Caterer: -42,1 %).

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Wie die Entwicklungsländer versuchen die Krise zu überleben

Hannes Zipfel

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Coronakrise sorgt in Entwicklungsländern für immense Probleme

Viele Schwellenländer standen bereits vor dem Ausbruch der Pandemie vor großen finanziellen Problemen. Einige von ihnen waren bereits unmittelbar vom Staatsbankrott bedroht. Wie gehen die Entwicklungsländer mit der Zusatzbelastung durch die Corona-Krise um, trotz bereits zum Teil überbordender Schuldenstände und weniger effizienter Staatsstrukturen und Sozialsysteme? Können sie die Krise finanziell überhaupt überleben oder lösen sie eine globale Pleitewelle bei Staaten aus?

Lage der Entwicklungsländer spitzt sich zu

Momentan schauen in Zeiten der Pandemie die westlichen Ökonomen vor allem auf die Entwicklungen vor der eigenen Haustür. Doch gerade das stark vom Export abhängige Deutschland sollte auch die Entwicklungen jenseits der Hauptabsatzmärkte Europa und USA im Auge behalten. Der Wachstumsbeitrag der Entwicklungsländer für die Weltwirtschaft betrug bislang immerhin drei Viertel des globalen Gesamtwachstums. Dieser Trend soll sich laut dem Analysehaus Ashmore und dem IWF auch in Zukunft fortsetzen (Daten aus 2019). Doch dazu müssen die Schwellenländer zunächst die Pandemie ökonomisch und gesellschaftlich überleben.

Grafik zeigt globalen Wachstumsbeitrag der Entwicklungsländer

Wuchsen die Ökonomien der als Schwellenländer eingestuften Staaten in den letzten 20 Jahren durchschnittlich um 5,9 Prozent pro Jahr, so droht ihnen im Jahr 2020 die erste Rezession mit einer wirtschaftlichen Kontraktion in Höhe von durchschnittlich 3,3 Prozent. Davon geht der Internationale Währungsfonds (IWF) in seiner aktuellen Publikation „Emerging And Frontier Markets: Policy Tools In Times Of Financial Stress“ aus. Doch es könnte noch viel schlimmer kommen, wenn sich die Konjunkturlage im Zuge wirtschaftlicher Einschränkungen durch die Pandemie nochmals verschlechtert und bereits jetzt stark geschwächte Länder weitere Belastungen verkraften müssen.

Besonders Staaten wie Venezuela, Argentinien, Pakistan, die Türkei, Chile, Indien etc. haben jetzt schon massive wirtschaftliche Probleme bis hin zu Währungskrisen und der teilweisen Zahlungsunfähigkeit zu meistern. Am Anfang der Pandemie hatte eine beispiellose Kapitalflucht eingesetzt, bei der innerhalb kürzester Zeit über 100 Milliarden US-Dollar von internationalen Investoren aus Schwellenländern abgezogen wurden. Die Situation war von der Dimension her damit bereits im Frühling 2020 dramatischer als während der Weltfinanzkrise. Länder wie Argentinien, die Ukraine und Chile gerieten an den Rand des Staatsbankrotts. Und so könnte die sich mit der Pandemie weiter ausbreitende Rezession lediglich der Vorbote einer neuen Schwellenländerkrise sein.

Ein globales Problem

Die Budgets und logistischen Möglichkeiten zur Stützung der heimischen Wirtschaft, zur Gesundheitsversorgung und zur Aufrechterhaltung sozialer Mindeststandards sind im Gegensatz zu den entwickelten Volkswirtschaften in den Schwellenländern deutlich geringer ausgeprägt und damit anfälliger für Krisen. Selbst der Kollaps einzelner Entwicklungsländer ist nicht mehr auszuschließen (Failed States).

Wird diese Entwicklung zum Massenphänomen, bekommen auch die Industrieländer ernste Probleme. Dabei geht es nicht nur um die finanzielle Kosten, die über die Anteile der Industriestaaten an der Weltbank und dem IWF in Form von Nothilfen oder Kreditstundungen gewährt werden, sondern auch um massive Migrationsbewegungen, die sich längst in Gang gesetzt haben und zu gesellschaftliche Spannungen führen können. So sind allein wegen der sich weiter zuspitzenden humanitären Katastrophe in Venezuela ca. 4,8 Millionen Menschen oder 15,6 Prozent der Gesamtbevölkerung seit 2016 aus dem Land geflohen. Diese Massenbewegung, auch bekannt als Bolivarian diaspora, wirkt sich auch auf die Aufnahmeländer belastend aus.

Dabei ist Venezuela alles andere als ein Einzelfall: Laut der UNO Flüchtlingshilfe waren noch nie so viele Menschen wie heute auf der Flucht vor Armut und bewaffneten Konflikten. Ende 2019 lag die Zahl der Menschen, die weltweit auf der Flucht waren, bei knapp 80 Millionen – mehr als ein Prozent der Weltbevölkerung. Im Vergleich zum Vorjahr waren das fast neun Millionen Menschen mehr. Seit 2010 hat sich die Zahl der Menschen auf der Flucht verdoppelt. Für das kommende Jahr wird mit einer deutlichen Intensivierung der globalen Fluchtbewegung in Folge steigender Armut gerechnet. Für die Entwicklungsländer und vor allem für ehemalige Kriegsgebiete wie Syrien bedeutet dies, dass für den Wiederaufbau und für die Erwirtschaftung von Wohlstand und Steuereinnahmen dringend benötigte Menschen dauerhaft verloren gehen.

Maßnahmen gegen den Kontrollverlust in den Entwicklungsländern

Der IWF und die Weltbank haben bereits im April Mittel mobilisiert, um die Corona-Folgen für die Entwicklungsländer abzufedern. Dadurch sind zunächst die akuten Zahlungsbilanzprobleme vieler ärmerer Länder abgemildert worden. Doch das war lange vor der zweiten Corona-Welle. Im Sommer war es durch Notkredite des IWF in Höhe von 100 Milliarden US-Dollar, die in Rekordgeschwindigkeit ausgezahlt wurden, noch gelungen, den sofortigen finanziellen Kollaps der Entwicklungsländer abzuwenden.

Zusätzlich zu den Notfallmaßnahmen des IWF hatten die G20-Staaten ein Schuldenmoratorium für die ärmsten 43 Entwicklungsländer beschlossen. Laut Weltbank sorgt diese Maßnahme in den betroffenen Staaten für eine Entlastung beim Schuldendienst von 11,5 Milliarden US-Dollar in diesem Jahr. Nun ist in Anbetracht der zweiten Corona-Welle bei den G-20-Staaten bereits eine Verlängerung des Schuldenmoratoriums bis Mitte 2021 im Gespräch. Doch auch das könnte nicht reichen, wenn die Pandemie und deren ökonomische Folgen den nach wie vor recht optimistischen Prognosen der IWF-Ökonomen folgen.

Geld spielt keine Rolle

Auch der am 27. Dezember 1945 gegründeten IWF war in seiner 75-jährigen Geschichte bisher noch nie mit einer derartigen Krise globalen Ausmaßes konfrontiert. Und so fordert die Direktorin dieser supranationalen Institution, Kristalina Georgieva, das Vermögen des Fonds von einer Billion Euro auf 2 Billionen Euro zu verdoppeln, da andernfalls im Zuge einer zweiten oder sogar dritten Corona-Welle dem Fonds die Mittel auszugehen drohen.

Doch woher kommt das Geld des Internationalen Währungsfonds (IWF)? Zum einen kann der IWF sogenannte Sonderziehungsrechte vergeben, die nichts anderes als Buchkredite der Institution an seine Mitglieder darstellen. Zum anderen kommt Geld (und Gold) über Quotenregelungen direkt von den Mitgliedsstaaten, die zu den Nettozahlern gehören, wie z B. Deutschland oder die USA. Diese Staaten müssen sich gleichwohl für die Zahlung dieser gigantischen Summen selbst zusätzlich verschulden. Da der private Kapitalmarkt diese Schuldenmassen zu für die Schuldner tragfähigen Zinsen nicht mehr schultern kann, springen die Notenbanken ein und drucken das Geld (digital).

Nichts anderes tun aktuell auch die Zentralbanken vieler Entwicklungsländer, um ihre Staaten flüssig zu halten. Da dies bei Staaten mit ohnehin schwachen Währungen gleichwohl gefährlich ist und schnell zu einem Kollaps des Außenwertes der Währung führen kann, müssen die Geldpolitiker der Schwellen- und Entwicklungsländer andere Wege zur Unterstützung der Wirtschaft und des Staates gehen.

Nahezu alle Zentralbanken senkten daher zunächst die Zinssätze. Die größten Notenbanken intervenierten an den Devisenmärkten, entweder mit eigenen Reserven oder mit Geldern des IWF bzw. US-Dollar-SWAP-Linien der US-Notenbank Fed. Etwa die Hälfte der Institute senkte die Mindestreserveanforderungen für Banken, um das Finanzsystem liquide zu halten und die Kreditbedingungen zu lockert. Rund 20 Zentralbanken der Entwicklungsländer haben zum ersten Mal überhaupt quantitative Lockerungen vorgenommen (Geldmengenausweitung), um Staats- und Privatschulden am Sekundärmarkt zu erwerben, die sonst keine Käufer mehr fanden.

Die Folgende Grafik zeigt sehr anschaulich, dass anders als in den Industrieländern mit vermeintlich starken Währungen die Notenbanken der Entwicklungsländer primär über qualitative Maßnahmen agierten. Aber nicht aus purer Vernunft, sondern weil ihnen schlicht und einfach das Privileg der momentan noch konsequenzlosen Gelddruckens in beliebiger Höhe verwehrt ist. Daher ist es nur fair, dass Staaten wie die USA oder Länder der Eurozone ihre Geldschöpfungsprivilege im Interesse der durch die Pandemie in Existenznöte geratenen Entwicklungsländer einsetzen.

Grafik zeigt Unterstützung der Notenbanken

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Bundesbank: Erholung der Industrie läuft, Dienstleistungen problematisch

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Deutschland Flagge

Die Bundesbank hat heute ihren Monatsbericht für Oktober veröffentlicht. Demnach verliert der wirtschaftliche Aufschwung deutlich an Schwung. Die Wirtschaftsleistung in Deutschland dürfte im dritten Vierteljahr 2020 stark angestiegen sein. Gemessen am vierteljährlichen Bruttoinlandsprodukt könnte die deutsche Wirtschaft damit bereits etwas mehr als die Hälfte des drastischen Einbruchs im ersten Halbjahr wieder wettgemacht haben. Trotzdem dürften noch etwa 5 Prozent im Vergleich zum Vorkrisenniveau vom letzten Vierteljahr 2019 fehlen.

Aus heutiger Perspektive dürfte sich die wirtschaftliche Erholung im laufenden Vierteljahr zwar fortsetzen, dabei jedoch eine erheblich langsamere Gangart einlegen. Die Industrie ist gemäß der Bundesbank-Aussagen nicht das Problem, sondern der Bereich Dienstleistungen, der ja von erneuten Corona-Restriktionen direkt betroffen ist. Die deutsche Exportindustrie profitiert derweil zum Beispiel durch die wieder gut laufende Konjunktur in China. Hier die Bundesbank mit ihrer Headline-Aussage zur Industrie:

Dem Monatsbericht zufolge hat die Industrie nach dem besonders starken Einbruch im Frühjahr bis Juli bemerkenswert aufgeholt. Im August habe die Erholung zwar eine Verschnaufpause eingelegt, im Mittel der Monate Juli und August sei die Industrieproduktion dennoch gegenüber dem stark gedrückten Frühjahrsquartal kräftig angestiegen (+13,5 %). Gleichwohl verfehlte sie das Vorkrisenniveau aus dem vierten Quartal 2019 immer noch um gut ein Zehntel. Die Auftragseingänge hätten jedoch weiter zugenommen und beinahe wieder das Vorkrisenniveau erreicht.

Und hier die Headline-Aussagen zum Dienstleistungssektor:

Während sich die Stimmung bei den Industrieunternehmen laut Umfrage des ifo Instituts etwas aufhellte, trübte sie sich bei den Dienstleistungsunternehmen im September zum ersten Mal seit dem Frühjahr wieder etwas ein, schreibt die Bundesbank. Insbesondere Branchen wie das Gastgewerbe dürften durch die zuletzt stark gestiegenen Infektionszahlen und die deshalb in einigen Regionen ausgeweiteten Eindämmungsmaßnahmen belastet werden. Die Fachleute gehen davon aus, dass die Wirtschaftsleistung im laufenden Vierteljahr wohl nur noch vergleichsweise wenig steigen wird.

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