Anleihen

Alles ruhig? Spaniens Rekordverschuldung, Nervosität wegen Portugal steigt

FMW-Redaktion

Man liest wenig in den Medien derzeit über die Probleme der Euro-Peripherie – mit Ausnahme der Schwierigkeiten im italienischen Banken-Sektor. Aber Spaniens Schulden steigen und steigen und erreichen nun 101,9% des BIP – von 100,5% im März, als die Verschuldung erstmals die 100% zum BIP überstiegen hatte. Damit ist Spanien in Relation zum BIP des Landes so hoch verschuldet wie seit dem Jahr 1909 nicht mehr. Vor gut einem Jahrhundert hatte die Verschuldung 102% des BIP betragen.

Insgesamt hat Spanien aktuell nach einem Schulden-Zuwachs von zuletzt 18,549 Milliarden Euro nun Schulden von 1,107 Billionen Euro. Der dramatische Anstieg der Schulden Spaniens wird deutlich, wenn man bedenkt, dass im Jahr 2008 die Verschuldung noch lediglich 39,4% des BIP betragen hatte. 2009 stieg der Wert dann auf 52,7% des BIP, 2013 wurde dann die 90%-Marke überschritten. Zur Ausgabendisziplin nicht unbedingt beigetragen hat die Tatsache, dass Spanien nach zwei Wahlen nach wie vor von einer Übergangsregierung unter Rajoy geführt wird.

Spanien verstößt derzeit klar gegen die Maastricht-Kriterien, wurde dafür durch die Europäische Kommission nicht mit konkreten Strafmaßnahmen bedacht – entgegen der Regularien. Spaniens Übergangsregierung beharrt auf der Tragfähigkeit der Verschuldung, weil die zu zahlenden Zinsen niedrig seien. Bis Ende diesen Jahres will die Übergangs-Regierung die Verschuldung auf 99,1% zum BIP senken. Die EU-Kommission hat daran jedoch offenkundig Zweifel: sie geht von einem Stand von 100,3% am Jahresende aus.

Die enorme Verschuldung Spaniens erregt am Anleihemarkt jedoch scheinbar wenig Besorgnis: die Renditen (sprich Risikoprämien) für die 10-jährige spanische Anleihe fällt wie alle anderen Anleiherenditen der Eurozone- sie liegt aktuell bei 0,92% und damit in der Nähe eines Allzeittiefs, während die Verschuldung absolut auf einem Allzeithoch ist, in Relation zum BIP ganz nahe am Allzeithoch.

Während Europas Anleiherenditen weiter purzeln, macht ein Land die Ausnahme: Portugal. Mehr und mehr wird das kleine Land zum Problem-Kandidaten, die Renditen für Portugals Anleihen steigen als einzige heute – und damit den dritten Tag in Folge. Am morgigen Freitag wird Fitch eine neue Einschätzung zu Portugal vornehmen – die Agentur ratet das Land wie die beiden anderen großen Agenturen, S&P und Moody´s, das Land als „non investment grade“.

Dass die EZB überhaupt noch Anleihen Portugals kaufen darf, liegt an der Einschätzung der eigentlich unbedeutenden kanadischen Ratingagentur DBRS, die das Land auf der untersten Stufe von investment grade führt, in einer Analyse jedoch kürzlich die Abwärtsrisiken betont hatte. Das wurde dann jedoch gemildert durch Aussagen des Geschäftsführers von DBRS, der versicherte, er fühle sich derzeit „komfortabel“ mit der aktuellen Einschätzung Portugals durch seine Agentur.



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1 Kommentar

  1. Sowohl Spanien als auch Portugal brauchen sich doch nur Griechenland anzuschauen. Dann müsste doch klar sein, dass es mit dem Euro keine Verbesserung der Situation geben wird. Wenn erst mal die „Troika“ eingerückt ist, dann droht dieses Szenario, http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/08/16/griechenland-bereitet-offenbar-zwangsabgabe-fuer-alle-vermoegen-vor/

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