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Altersarmut nur eine gefühlte Einbildung? Dann lesen Sie mal diese Zahl

Redaktion

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Die Altersarmut, das ist doch nur ein Märchen von Populisten, um dem schlecht informierten Bürger Angst zu machen, nicht wahr? Unterstützen tun diese Sichtweise aktuelle Presseartikel bei Welt und SZ, die nahe legen, dass es um die Renten gar nicht so schlecht bestellt ist. Und vor allem zeigen sie auf, dass die Politik just in diesen Monaten daran arbeitet das Rentenniveau zu stabilisieren, und dafür zu sorgen, dass es ein Mindestrentenniveau geben wird. Also ist doch alles gut, stimmt´s? Also ist die Altersarmut nur eine gefühlte Einbildung verursacht durch Angstmacherei?

Offenbar doch nicht. Denn wie laut „HAZ“ das Bundesarbeitsministerium auf Anfrage den Linken mitgeteilt hat, liegt aktuell fast jede zweite Altersrente (48%) in Deutschland bei weniger als 800 Euro pro Monat. Und das ist die Zahl nach Sozialversicherungsbeiträgen, aber noch vor dem Abzug von Steuern! Wir möchten erwähnen, dass es eigentlich eine Lachnummer beziehungsweise ein Skandal ist, dass Renten noch versteuert werden müssen, wo doch das einst erwirtschaftete Einkommen eh schon versteuert wurde. Aber egal. Diese Zahl von weniger als 800 Euro betrifft 8,6 Millionen Menschen und bezieht sich auf den Stand von Ende 2016. Neuere Daten gab es noch nicht.

Das Bundesarbeitsministerium legt Wert darauf, dass in dieser Zahl von weniger als 800 Euro Zusatzeinnahmen nicht berücksichtigt seien. Ach so. Der Niedrigstlohnempfänger wird es also geschafft haben nebenbei noch Immobilien, Goldbarren und Häuser anzuschaffen für das Alter? Wir meinen: Da muss man sich mal überlegen, wie die Situation in 10 oder 20 Jahren aussieht, wenn die Lage schon heute so dramatisch ist! Die Altersarmut rollt nicht nur mit voller Wucht an, sie ist schon längst vorhanden!

Die Politik bemüht sich derzeit wie gesagt um eine Mindestrente. Das ist zunächst einmal natürlich löblich. Denn Geld herbeizaubern kann man nicht, es sei denn man ist die EZB. Laut Bundesarbeitsminister Heil will man erreichen, dass wer mindestens 35 Beitragsjahre oder Zeiten der Pflege und Kindererziehung erreicht hat, und dennoch auf Grundsicherung im Alter angewiesen ist, eine Aufstockung seiner Rente um 10% erhalten soll.

Wie gesagt: Das klingt besser als nichts, wäre aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Altersarmut bleibt Altersarmut, auch wenn noch ein paar Krümel an Euros oben drauf kommen werden. Man bastelt also offenbar ein Konstrukt, damit zukünftige Rentner gerade so leicht über dem Hartz 4-Satz liegen werden. Dann kann die Politik nämlich zukünftig sagen: Schaut her, ihr Rentner erhaltet doch mehr Geld als Hartz 4-Empfänger. Was wäre die Lösung? Bevor man eine Lösung sucht, sollte man der Bevölkerung erstmal klar machen, dass es massive Altersarmut für breite Bevölkerungsschichten geben wird. Erst wenn diese Erkenntnis vorhanden ist, kann man mal langsam anfangen grundsätzlich über Änderungen nachzudenken. Andere Rentensysteme gibt es ja (Skandinavien, Österreich etc).

Altersarmut
Foto: Candida Performa – It’s all about love (CC BY 2.0)

11 Kommentare

11 Comments

  1. Avatar

    Gixxer

    12. Juli 2018 16:01 at 16:01

    Vielen Dank für diesen Beitrag. Es scheint sogar schlimmer zu sein als ich die ganze Zeit gedacht habe.

  2. Avatar

    Blacky

    12. Juli 2018 17:20 at 17:20

    Es gibt noch ein anderes Rentensysyem, in Italien, dort betraegt die Durchschnittsrente 2.400,- Euro.
    Also es geht doch!!!

    • Avatar

      Columbo

      12. Juli 2018 18:01 at 18:01

      @Blacky
      Da würden die Italiener aber jubeln, stimmt aber leider nicht.
      Die Durchnittsrente in Italien beträgt 1039 Euro im Monat.

  3. Avatar

    oscar

    12. Juli 2018 22:13 at 22:13

    NUn denn, deshalb machen sich doch hereingelenkt und hergebetene millionen Fachkräfte auf den Weg, um unsere Renten noch sicherer als die Norbet Blühmsche zu machen …jau, dafür nimmts dann kräftig aus der Rentenkasse als Versicherungsfremde Leistung, das, was der devote Michel gern als Steuer vorsorglich spendet, und legts gestohlen mal schnell in fremde Hände. Klar nur vorübergehend. Das kommt zwanzigfach zurück. Polit Ehrenwort ! Mal keinen rechten populismus hier ja! War eigentlich mal Volksvermögen. Aber ein Volk solls ja nicht mehr geben. öhm warum? ah ja…, naja hauptsache gut sein.. Was sagen ehrliche Ökonomen z.b. Prof. Dr. Sinn…465,000,- € kostet ein Bereicherer im Lauf des Lebens den deutschen Staat..ähm das ist übrigens der Steuerzahler. Niemand anderes. Usw und sofort.

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    Thomas Mitters

    14. Juli 2018 14:30 at 14:30

    Leider ist die Politik zum grossen Teil von Pensionsempfängern durchsetzt. Denen ist das egal. Ein normaler Lehrer Besoldungsgruppe A14 erhält 4000 Euro Pension. Da gibt es keine Gefahr der Altersarmut.

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    Stefan Gunkel

    27. Juli 2018 01:05 at 01:05

    Ja wirklich beeindruckend wie die Beamtenpensionen tot geschwiegen werden. 73% vom Besoldungsniveau. Der Angestellte und Arbeiter soll sich mit seinen 45% mal nicht so haben. Und die Zweiklassenmedizin sei ja auch nur ein Märchen… Ganz offen gesagt, ich fürchte das wird Republik in naher Zukunft durch Unruhen zerreißen, denn die kritische Masse der Betroffenen steigt von Tag zu Tat an.

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      Beamter

      27. Juli 2018 13:37 at 13:37

      Sehr geehrter Kommentator,

      Ihre Art der Darstellung was Beamtenpensionen betrifft ist meiner Ansicht nach eine billige Art des Sozialneides, dessen Schürung tatsächlich, wie Sie es ausführen, geeignet ist, eines Tages Unruhen zu provozieren. Vielleicht sollten Sie sich mal zuerst mit der Materie vertraut machen. Die Masse der Beamten bezieht Gehälter, die deutlich unter denen von Arbeitern und Angestellten liegen, zumindest im Westteil der Republik, politische Beamte und die verhältniswenigen Beamten der oberen Gehaltsstufen ausgenommen, und dies bei kaum vorhandenen Arbeitnehmerrechten (z.B. Arbeitskampf). Darüberhinaus bleiben Beamte auch über die Zeit ihrer Pensionierung hinaus ihrem Dienstherr verpflichtet, was sogar soweit gehen kann, dass sie wieder in den Dienst berufen werden können (was im Zuge der Flüchtlingswelle z.B. auch praktiziert wurde und im Krisenfall praktiziert werden wird). Im Falle eines finanziellen Staatskrise werden Beamte diejenigen sein, denen man zuerst die Gehälter kürzt, die aber trotzdem ihrer Pflicht nachkommen müssen. Das Beamtenwesen hat sich über die Jahrzehnte bewährt, ist es doch daseinzige, worauf sich der Staat in kleinen und großen Krisen verlassen kann. Diese „Leibeigenschaft“?? wird durch eine beachtliche Pension im Alter alimentiert, und das zurecht, wie ich finde.

      Falls sie jetzt argumentieren, die Beamten hätten sich das ja selbst ausgesucht, halte ich dagegen, dass Sie, geehrter Kommentator, wie jeder andere auch nach seiner Befähigung ja hätten Beamter werden können.

      Ich stelle hier ausdrücklich nicht in Abrede, dass hinsichtlich der Höhe der Rentenabsicherung und überhaupt der „sozialen“ Systeme der Bundesrepublik einiges im argen liegt, was schnellstmöglich korregiert gehört.
      Die Beamten, und übrigens auch andere Bevölkerungsgruppen, zu Sündenböcken für Altersarmut der Arbeiter und Angestellten machen zu wollen, ist aber Stammtischgeschwätz.

      • Avatar

        numbcold

        26. August 2018 17:09 at 17:09

        Leistungsbezogen vergütet, müsste man die Gehälter von Beamten um mindestens 25-30% kürzen – vor allem in den oberen Gehaltsklassen.

        Ein Abzug von mindestens dieser Größenordnung müsste auch an den Pensionen vorgenommen werden, aus demselben Grund.

        Wenn man die Leistung von Beamten nach einer „Jammerquote“ berechnen würde, würden Sie allerdings noch deutlich besser wegkommen als heutzutage.

        Übrigens: Welche Befähigung? Jene in ineffizientem Denken, Planen und Handeln?

        Ausnahmen bestätigen die Regel! Aber: Warum sich anstrengen, wenn es doch gar nicht nötig ist. Dienst nach Vorschrift reicht völlig. Und wenn das auch zu viel ist reißt man eben ein paar Blaue. Who the f..k cares?

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        Michael

        27. August 2018 22:52 at 22:52

        @Beamter, Die Masse der Beamten bezieht Gehälter, die deutlich unter denen von Arbeitern und Angestellten liegen, zumindest im Westteil der Republik, politische Beamte und die verhältniswenigen Beamten der oberen Gehaltsstufen ausgenommen…
        Woher beziehen Sie denn diese Weisheit? Und welche Gehaltsstufen vergleichen Sie mit was bei den Arbeitern und Angestellten? Mit den „offiziellen“ Traum-Tariflöhnen bei unseren paar DAX-Konzernen oder mit der massenhaften Realität am Rande der Mindestlöhne?

        Darüberhinaus bleiben Beamte auch über die Zeit ihrer Pensionierung hinaus ihrem Dienstherr verpflichtet, was sogar soweit gehen kann, dass sie wieder in den Dienst berufen werden können…
        Das klingt nach Reservist und potenziell statistisch denkbaren Szenarien zu Zeiten, die jedoch noch nie seit etwa 70 Jahren über einen ansatzweise nennenswerten Zeitraum praktiziert wurden. Und schon gar nicht bei einer irgendwie nennenswerten Anzahl von Beamten…

        Das Beamtenwesen hat sich über die Jahrzehnte bewährt, ist es doch daseinzige, worauf sich der Staat in kleinen und großen Krisen verlassen kann.
        Für wen hat es sich bewährt? Der Staat (= Beamtenwesen + Politiker + mächtige Lobby – andere Bürger) kann sich natürlich darauf verlassen, die „normalen“ Menschen leiden ständig darunter, im Großen wie im Kleinen, ob Krise oder nicht. Eine Krise, in der sich das Beamtenwesen als brauchbar etablieren konnte, gab es seit dem 2. Weltkrieg noch nicht.

        Ihr gesamter Kommentar ist ein theoretisches Manifest, das seit etwa 70 Jahren keiner empirischen Validation unterzogen worden musste und wurde.

  6. Avatar

    Unfriedens– Forscher

    27. Juli 2018 07:43 at 07:43

    Das Auseinanderdriften der Schere wird zu sozialen Spannungen u.Unruhen führen.Die Gutmenschen, die Vielen etwas geben u.Vielen viel wegnehmen was sie erarbeitet haben ,werden die Schuldigen sein.
    Der letzte Schub soeben in den USA mit den Steuersenkungen.Gemäss eines Berichts geht der grösste Teil nicht in Investitionen u.Arbeitsplätze ,sondern kommt in Form von Aktienrückkäufen u.Dividenden direkt den oberen 10– 15% zugute. Zudem drücken dort vor allem die grossen Superstar Firmen die Löne der Mittel u.Unterschicht.
    Einer hat es gesagt, dank der Angst vor dem Atomkrieg wird es eher keinen Weltkrieg mehr geben, aber es wird Bürgerkriege geben. Wenn die Politk u. die dominierenden Grossfirmen nicht bald reagieren ,
    wird es ungemütlich.

    • Avatar

      Finanza

      28. August 2018 10:37 at 10:37

      Bis dorthin dürfte es aber noch eine Weile sein, zum Glück für dieses Problem gibt es andere Prioritäten, die einen Konflikt auslösen können oder dies ja auch schon machen. Ich sehe das Potenzial ja auch durchaus gegeben und schließe mich da der Meinung an, das Problem hat aber nicht die höchste Priorität zurzeit. Sollte das erste Problem gelöst sein oder verschwinden dann ist durchaus dieses Problem an der Reihe. Mal schauen wie lange es dauert.

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Lockdown: Was läuft falsch bei den Corona-Maßnahmen?

Markus Fugmann

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Heute dürften in Deutschland und Frankreich neue Beschränkungen und Corona-Maßnahmen bis hin zum Lockdown verkündet werden. Im Grunde reagieren die durch die starken Anstiege alarmierten Regierungen in Europa alle ähnlich. Nach Informationen des Informations-Mediums für Intellektuelle, also bild.de, dürfen ab 04.November in Deutschland sich maxiximal zehn Menschen treffen, die wiederum maximal aus zwei Haushalten stammen dürfen.

Lockdown, Corona-Maßnahmen und Anreizkonflikte

Viele Menschen gehen davon aus, dass die Corona-Maßnahmen schon gerechtfertigt seien – auf der anderen Seite gibt es jene, die das Coronavirus und die damit verbundenen Maßnahmen latent verharmlosen – und nicht selten eine Verschwörung der Eliten vermuten zur Entmündigung der Bürger. Symbol dafür ist ihnen der Lockdown.

Nun müssen die Regierungen die Bevölkerung schützen – aber sind die getroffenen Maßnahmen gerechtfertigt? Professor Christian Rieck macht auf zwei zentrale Probleme der Maßnahmen deutlich, die häufig entweder zu „Überreaktionen“ oder zu „Unterreaktionen führen.  Es gebe viele „Anreizkonflikte“, die zu problematischen Reaktionen der Betroffenen führen, so Rieck.

In folgendem Video erklärt er, was er damit meint:

 

Lockdown und Corona-Maßnahmen - sind sie gerechtfertigt?

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Daniel Stelter: Die Zeitbombe tickt für Deutschland! Was jetzt passieren muß

Markus Fugmann

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Daniel Stelter zählt fraglos zu den besten Köpfen in Deutschland: Er zeigt immer wieder, dass das scheinbar so reiche Land in Wirklichkeit gar nicht so reich ist – und vor allem ab dem Jahr 2030, wenn die Babybommer in Rente gehen, die demografischen Probleme faktisch zu einer Unfinanzierbarkeit der Rentenversprechen führen.

Daniel Stelter über die tickende Zeitbombe Deutschlands

Was also tun? Als Pionier das Klima retten, wie Bundesregierung und EU propgaieren durch eine „Klimaplanwirtschaft„? Überall mehr Staat angesichts der massiven Einbrüche der Wirtschaft in der Coronakrise? Daniel Stelter plädiert für das Gegenteil: für einen funktionierenden Kapitalismus – denn die weiter ausgreifenden Versuche des Staates, die Wirtschaft zu lenken, wird die Wirtschaftstätigkeit bremsen statt zu beschleunigen.

Kürzlich hat Thorsten Polleit in seinem Buch  „Der Antikapitalist: Ein Weltverbesserer der keiner ist“ genau darauf aufmerksam gemacht: der Kapitalismus ist nicht unser Problem, sondern die Lösung – wenn man ihn denn funktionieren lassen würde. Aber der Ruf nach staatlicher Lenkung wird gerade in der Coronakrise immer lauter, immer tiefer mischt sich die „Obrigkeit“ in die Wirtschaft ein (etwa indem man die Insolvantragspflicht aussetzt und damit Zombie-Firmen weiter durchschleppt). Man kauft Zeit durch staatliche Rettungsmaßnahmen, ohne diese Zeit für Reformen zu nutzen. Alle reden „vom Verteilen und Besteuern“, statt die Wohlstandmehrung im Fokus zu haben – so formuliert es Daniel Stelter.

Fakt ist: „Die Lasten steigen, während unsere Wirtschaftskraft sinkt“, so der Ökonom. Also müsste die Struktur geändert werden – etwa bei der tickende Zeitbombe, der Rente. Hier schlägt Daniel Stelter einen Staatsfonds im Stile Norwegens vor, bei dem der Staat jedem Bürger unter 65 Jahren 25.000 Euro schenkt, die dann in die Finanzmärkte investiert werden. Auch in der EU müsste sich einiges ändern – und hier hat Stelter einen ungewöhnlichen Vorschlag: Deutschland und die andere Euro-Länder sollten sich auf Kosten der EZB entschulden können!

In folgendem Video fasst Stelter das zusammen, was für Deutschland und die Lösung seiner Probleme jetzt zwingend notwendig wäre:

 

Daniel Stelter über die tickende Zeitbombe in Deutschland

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Der Stimulus kommt garantiert!

Hannes Zipfel

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USA Flagge

Ohne die massiven Geldzuflüsse der letzten Monate an die westlichen Finanzmärkte, allen voran in den USA, wären die Kursstände heute ganz andere. Bricht dieser Zustrom an frischem Geld mangels neuem Stimulus ab oder das Kapital flieht aus Angst vor neuen Lockdowns in Cash, dann folgt der nächste Corona-Crash. Daher wird es einen Stimulus geben. Die Frage ist nur: von wem?

Der Stimulus ist systemrelevant

Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet in seinem jüngsten „World Economic Outloook“ mit einem Rückgang der globalen Wirtschaftsleistung in diesem Jahr in Höhe von 4,4 Prozent (Seite 29). Für die größten acht Industrienationen (G-8) sogar mit einer Kontraktion in Höhe von 5,8 Prozent.

Demgegenüber stehen fiskalische COVID-19-Hilfen in durchschnittlich zweistelliger prozentualer Höhe des jeweiligen Bruttoinlandsprodukts (BIP). Im Falle Deutschlands würde dies gemäß der aktuellen Schätzung des IWF zum deutschen BIP-Wachstum in 2020 bedeuten, dass ohne finanzpolitische Hilfen unsere Wirtschaft in diesem Jahr um 14,9 Prozent einbrechen würde. Die der USA um 17,5 Prozent und das Bruttoinlandsprodukt Japans würde ohne fiskalische COVID-19 Stimuli gar um -26,4 Prozent kollabieren.

Grafik zeigt Stimulus je nach Land

Sollte es also, wie es sich nun in den weltweiten Statistiken abzeichnet, zu einer erneuten Covod-19-Welle kommen, wären sowohl die Projektionen des IWF hinfällig als auch die exorbitanten Hilfsgelder nicht ausreichend, um eine ökonomische Katastrophe zu verhindern. Dieser Tatsache sind sich die Regierungen aller betroffenen Staaten sicher bewusst. Daher ist entsprechend den wirtschaftlichen Belastungen in Folge erneuter signifikanter Einschränkungen des öffentlichen Lebens mit neuen Finanzhilfen zu rechnen. Es wäre jedenfalls politisch sehr nachteilig für die Verantwortlichen, einen solchen fiskalischen Stimulus abzulehnen. Die ökonomischen und gesellschaftlichen Folgen wären unabsehbar.

Der Ausgang der US-Wahlen ist für den Stimulus nicht entscheidend

Momentan schauen die Marktteilnehmer sehr genau auf die Umfragewerte zu den US-Wahlen am 3. November sowie den Äußerungen der politischen Führer beider Lager (Demokraten und Republikaner) zum Thema neuer Stimulus.

Dabei ist es grundsätzlich für neue Finanzhilfen völlig unerheblich, wer die Wahlen Anfang November gewinnt, sofern es ein Ergebnis gibt. Als im März dieses Jahres der „Coronavirus Aid, Relief, and Economic Security Act“ (CARES) unterzeichnet wurde, gab es weder einen Präsidenten Joseph Biden, auf den viele Marktteilnehmer aktuell in Sachen Stimulus die größeren Hoffnungen setzen, noch einen einheitlich dominierten Kongress. Dennoch initiierten sowohl das Weiße Haus als auch die beiden Kammern des Kongresses, also der republikanisch dominierte Senat, als auch das demokratisch dominierte Abgeordnetenhaus seit dem 3. März insgesamt vier Hilfsprogramme, die bis heute eine Dimension von insgesamt 2,8 Billionen US-Dollar angenommen haben.

Das Staatsdefizit spielte dabei selbst für die größten Gegner staatlicher Verschuldung keine Rolle. Warum sollte das im Falle einer Wiederholung einer solchen ökonomischen Notlage anders sein? Die Finanzierung ist auf jeden Fall über die US-Notenbank Fed sichergestellt.

Die Fed positioniert sich bereits

Sollte es jedoch zu keinem Wahlergebnis kommen bzw. für eine längere Zeit kein Wahlsieger feststehen, könnte immer noch ein Notkompromiss zwischen den Parteien von einer neuerlichen akuten Notlage erzwungen werden. Und selbst wenn aus unbekannten Gründen tatsächlich kein neuer fiskalpolitischer Stimulus kommen sollte, stünde immer noch die Geldpolitik bereit um einzuspringen. Verbal haben sich die US-Notenbanker längst positioniert: Sie fordern permanent neue fiskalpolitische Stimuli und haben sich selbst zusätzlich dem Ziel verschrieben, auch mithilfe der Geldpolitik die soziale Schere in den USA zu schließen.

Auch ganz praktisch war die US-Notenbank Fed in die Stützung der größten Volkswirtschaft der Welt involviert: Seit Beginn der Epidemie im Februar dieses Jahres hat die Fed ihre Bilanz durch den Ankauf von Schuldpapieren um 3 Billionen US-Dollar aufgestockt. Mit in dieser Summe enthalten sind Kreditfazilitäten für größere Unternehmen.

Um eine Kaskade an Insolvenzen zu verhindern, nahm die Fed seit Mitte Juni dieses Jahres Anleihen von Unternehmen mit weniger als 15.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von unter 5 Milliarden US-Dollar mit auf ihre Bilanz. Die eigens hierfür gestartete „Main Street Lending Facility“ ist mit einer Staatsgarantie abgesichert. Damit schließt die Fed eine Finanzierungslücke, kommen doch für staatliche Hilfen aus dem Paycheck Protection Program (PPP) ausschließlich nur Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern in Frage.

Das Besondere an diesen Kreditfazilitäten ist die Tatsache, dass die Fed erstmals direkt als Kreditgeber auftrat, ohne den Umweg über das US-Finanzministerium zu gehen. Zählt man nun diesen Tabubruch, die permanente Forderung nach neuen Stimuli und das selbst gesteckte Ziel der Schließung der sozialen Schere in den USA zusammen, dann ist der Schritt hin zu Finanzhilfen für weite Teile der US-Unternehmen, Selbstständigen und Privathaushalte direkt aus der Notenpresse nicht mehr weit. Zumindest ist es eine Art Rückversicherung für einen Stimulus in den USA im Falle einer nicht handlungsfähigen Regierung. Dies gilt übrigens auch für die anderen großen Notenbanken dieser Welt, die zum Teil mit direkten Aktienkäufen in Sachen Tabubruch in diesem Fall schon weiter sind als die US-Notenbank Fed.

Das Timing-Problem

Selbst im Falle der Entwicklung eines marktreifen Impfstoffs wird es wohl noch bis weit ins Jahr 2021 dauern, bis die Pandemie durch Impfungen und Therapien weltweit eingedämmt werden kann. Bis dahin bleiben aus Sicht der Politik v. a. Präventionsmaßnahmen die einzige effektive Möglichkeit. Dies wiederum bedeutet anhaltende wirtschaftliche Schäden bis hin zum de facto Entzug der Existenzgrundlage für ganze Branchen.

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Börsen auch in den USA dies verstehen. Bereits bei der ersten Pandemiewelle fiel der sprichwörtliche Groschen an den US-Märkten recht spät, dann aber sehr schnell und sehr heftig. Erst Ende Februar realisierte die Wallstreet, dass die Pandemie keinen Bogen um Amerika macht.

Ob die Amerikaner im Zuge der aktuellen Datenlage in Sachen COVID-19-Pandemie schneller schalten, ist ungewiss. Daher bleibt für Anleger das Timing-Problem die eigentliche Herausforderung. Auch deshalb, weil der Druck auf die Institutionen einen neuen Stimulus zu liefern erst dann zu Handlungen führt, wenn die Börsenkurse als Krisenbarometer hellrot aufleuchten.

Fazit und Strategieansatz

Nach wie vor ist Timing an der Börse eher eine Kunst als eine Wissenschaft und oft vom Glück begleitet. Wolfgang Müller schrieb dazu vor Kurzem einen interessanten Artikel mit dem Titel: „Aktienmärkte: Buy and Hold – nach wie vor im Vorteil?“.
In Anbetracht der Tatsache, dass ein Stimulus im Falle einer erneuten deutlichen wirtschaftlichen Abschwächung systemrelevant und damit so gut wie sicher ist, besteht wenig Grund, Vermögenswerte zu veräußern, die man mittelfristig halten möchte.

Für Trader bietet sich eine simpel anmutende Strategie an, die bereits im Frühjahr dies Jahres sehr profitabel war: Zunächst jetzt etwas Pulver trocken halten. Kommt es im Zuge sich wieder verschlechternder Konjunktur- und Unternehmenszahlen zu einem nochmaligen heftigen Rücksetzer an den Aktienmärkten, kann man in mehreren Tranchen ab dem Unterschreiten der einfachen gleitenden 200-Tage-Durchschnittslinie, z. B. beim S&P 500, in den Markt einsteigen und abwarten, bis der neue Stimulus kommt und die Märkte wieder nach oben zieht.

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