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Altersarmut nur eine gefühlte Einbildung? Dann lesen Sie mal diese Zahl

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Die Altersarmut, das ist doch nur ein Märchen von Populisten, um dem schlecht informierten Bürger Angst zu machen, nicht wahr? Unterstützen tun diese Sichtweise aktuelle Presseartikel bei Welt und SZ, die nahe legen, dass es um die Renten gar nicht so schlecht bestellt ist. Und vor allem zeigen sie auf, dass die Politik just in diesen Monaten daran arbeitet das Rentenniveau zu stabilisieren, und dafür zu sorgen, dass es ein Mindestrentenniveau geben wird. Also ist doch alles gut, stimmt´s? Also ist die Altersarmut nur eine gefühlte Einbildung verursacht durch Angstmacherei?

Offenbar doch nicht. Denn wie laut “HAZ” das Bundesarbeitsministerium auf Anfrage den Linken mitgeteilt hat, liegt aktuell fast jede zweite Altersrente (48%) in Deutschland bei weniger als 800 Euro pro Monat. Und das ist die Zahl nach Sozialversicherungsbeiträgen, aber noch vor dem Abzug von Steuern! Wir möchten erwähnen, dass es eigentlich eine Lachnummer beziehungsweise ein Skandal ist, dass Renten noch versteuert werden müssen, wo doch das einst erwirtschaftete Einkommen eh schon versteuert wurde. Aber egal. Diese Zahl von weniger als 800 Euro betrifft 8,6 Millionen Menschen und bezieht sich auf den Stand von Ende 2016. Neuere Daten gab es noch nicht.

Das Bundesarbeitsministerium legt Wert darauf, dass in dieser Zahl von weniger als 800 Euro Zusatzeinnahmen nicht berücksichtigt seien. Ach so. Der Niedrigstlohnempfänger wird es also geschafft haben nebenbei noch Immobilien, Goldbarren und Häuser anzuschaffen für das Alter? Wir meinen: Da muss man sich mal überlegen, wie die Situation in 10 oder 20 Jahren aussieht, wenn die Lage schon heute so dramatisch ist! Die Altersarmut rollt nicht nur mit voller Wucht an, sie ist schon längst vorhanden!

Die Politik bemüht sich derzeit wie gesagt um eine Mindestrente. Das ist zunächst einmal natürlich löblich. Denn Geld herbeizaubern kann man nicht, es sei denn man ist die EZB. Laut Bundesarbeitsminister Heil will man erreichen, dass wer mindestens 35 Beitragsjahre oder Zeiten der Pflege und Kindererziehung erreicht hat, und dennoch auf Grundsicherung im Alter angewiesen ist, eine Aufstockung seiner Rente um 10% erhalten soll.

Wie gesagt: Das klingt besser als nichts, wäre aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Altersarmut bleibt Altersarmut, auch wenn noch ein paar Krümel an Euros oben drauf kommen werden. Man bastelt also offenbar ein Konstrukt, damit zukünftige Rentner gerade so leicht über dem Hartz 4-Satz liegen werden. Dann kann die Politik nämlich zukünftig sagen: Schaut her, ihr Rentner erhaltet doch mehr Geld als Hartz 4-Empfänger. Was wäre die Lösung? Bevor man eine Lösung sucht, sollte man der Bevölkerung erstmal klar machen, dass es massive Altersarmut für breite Bevölkerungsschichten geben wird. Erst wenn diese Erkenntnis vorhanden ist, kann man mal langsam anfangen grundsätzlich über Änderungen nachzudenken. Andere Rentensysteme gibt es ja (Skandinavien, Österreich etc).

Altersarmut
Foto: Candida Performa – It’s all about love (CC BY 2.0)

11 Kommentare

11 Comments

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    Gixxer

    12. Juli 2018 16:01 at 16:01

    Vielen Dank für diesen Beitrag. Es scheint sogar schlimmer zu sein als ich die ganze Zeit gedacht habe.

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    Blacky

    12. Juli 2018 17:20 at 17:20

    Es gibt noch ein anderes Rentensysyem, in Italien, dort betraegt die Durchschnittsrente 2.400,- Euro.
    Also es geht doch!!!

    • Avatar

      Columbo

      12. Juli 2018 18:01 at 18:01

      @Blacky
      Da würden die Italiener aber jubeln, stimmt aber leider nicht.
      Die Durchnittsrente in Italien beträgt 1039 Euro im Monat.

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    oscar

    12. Juli 2018 22:13 at 22:13

    NUn denn, deshalb machen sich doch hereingelenkt und hergebetene millionen Fachkräfte auf den Weg, um unsere Renten noch sicherer als die Norbet Blühmsche zu machen …jau, dafür nimmts dann kräftig aus der Rentenkasse als Versicherungsfremde Leistung, das, was der devote Michel gern als Steuer vorsorglich spendet, und legts gestohlen mal schnell in fremde Hände. Klar nur vorübergehend. Das kommt zwanzigfach zurück. Polit Ehrenwort ! Mal keinen rechten populismus hier ja! War eigentlich mal Volksvermögen. Aber ein Volk solls ja nicht mehr geben. öhm warum? ah ja…, naja hauptsache gut sein.. Was sagen ehrliche Ökonomen z.b. Prof. Dr. Sinn…465,000,- € kostet ein Bereicherer im Lauf des Lebens den deutschen Staat..ähm das ist übrigens der Steuerzahler. Niemand anderes. Usw und sofort.

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    Thomas Mitters

    14. Juli 2018 14:30 at 14:30

    Leider ist die Politik zum grossen Teil von Pensionsempfängern durchsetzt. Denen ist das egal. Ein normaler Lehrer Besoldungsgruppe A14 erhält 4000 Euro Pension. Da gibt es keine Gefahr der Altersarmut.

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    Stefan Gunkel

    27. Juli 2018 01:05 at 01:05

    Ja wirklich beeindruckend wie die Beamtenpensionen tot geschwiegen werden. 73% vom Besoldungsniveau. Der Angestellte und Arbeiter soll sich mit seinen 45% mal nicht so haben. Und die Zweiklassenmedizin sei ja auch nur ein Märchen… Ganz offen gesagt, ich fürchte das wird Republik in naher Zukunft durch Unruhen zerreißen, denn die kritische Masse der Betroffenen steigt von Tag zu Tat an.

    • Avatar

      Beamter

      27. Juli 2018 13:37 at 13:37

      Sehr geehrter Kommentator,

      Ihre Art der Darstellung was Beamtenpensionen betrifft ist meiner Ansicht nach eine billige Art des Sozialneides, dessen Schürung tatsächlich, wie Sie es ausführen, geeignet ist, eines Tages Unruhen zu provozieren. Vielleicht sollten Sie sich mal zuerst mit der Materie vertraut machen. Die Masse der Beamten bezieht Gehälter, die deutlich unter denen von Arbeitern und Angestellten liegen, zumindest im Westteil der Republik, politische Beamte und die verhältniswenigen Beamten der oberen Gehaltsstufen ausgenommen, und dies bei kaum vorhandenen Arbeitnehmerrechten (z.B. Arbeitskampf). Darüberhinaus bleiben Beamte auch über die Zeit ihrer Pensionierung hinaus ihrem Dienstherr verpflichtet, was sogar soweit gehen kann, dass sie wieder in den Dienst berufen werden können (was im Zuge der Flüchtlingswelle z.B. auch praktiziert wurde und im Krisenfall praktiziert werden wird). Im Falle eines finanziellen Staatskrise werden Beamte diejenigen sein, denen man zuerst die Gehälter kürzt, die aber trotzdem ihrer Pflicht nachkommen müssen. Das Beamtenwesen hat sich über die Jahrzehnte bewährt, ist es doch daseinzige, worauf sich der Staat in kleinen und großen Krisen verlassen kann. Diese “Leibeigenschaft”?? wird durch eine beachtliche Pension im Alter alimentiert, und das zurecht, wie ich finde.

      Falls sie jetzt argumentieren, die Beamten hätten sich das ja selbst ausgesucht, halte ich dagegen, dass Sie, geehrter Kommentator, wie jeder andere auch nach seiner Befähigung ja hätten Beamter werden können.

      Ich stelle hier ausdrücklich nicht in Abrede, dass hinsichtlich der Höhe der Rentenabsicherung und überhaupt der “sozialen” Systeme der Bundesrepublik einiges im argen liegt, was schnellstmöglich korregiert gehört.
      Die Beamten, und übrigens auch andere Bevölkerungsgruppen, zu Sündenböcken für Altersarmut der Arbeiter und Angestellten machen zu wollen, ist aber Stammtischgeschwätz.

      • Avatar

        numbcold

        26. August 2018 17:09 at 17:09

        Leistungsbezogen vergütet, müsste man die Gehälter von Beamten um mindestens 25-30% kürzen – vor allem in den oberen Gehaltsklassen.

        Ein Abzug von mindestens dieser Größenordnung müsste auch an den Pensionen vorgenommen werden, aus demselben Grund.

        Wenn man die Leistung von Beamten nach einer “Jammerquote” berechnen würde, würden Sie allerdings noch deutlich besser wegkommen als heutzutage.

        Übrigens: Welche Befähigung? Jene in ineffizientem Denken, Planen und Handeln?

        Ausnahmen bestätigen die Regel! Aber: Warum sich anstrengen, wenn es doch gar nicht nötig ist. Dienst nach Vorschrift reicht völlig. Und wenn das auch zu viel ist reißt man eben ein paar Blaue. Who the f..k cares?

      • Avatar

        Michael

        27. August 2018 22:52 at 22:52

        @Beamter, Die Masse der Beamten bezieht Gehälter, die deutlich unter denen von Arbeitern und Angestellten liegen, zumindest im Westteil der Republik, politische Beamte und die verhältniswenigen Beamten der oberen Gehaltsstufen ausgenommen…
        Woher beziehen Sie denn diese Weisheit? Und welche Gehaltsstufen vergleichen Sie mit was bei den Arbeitern und Angestellten? Mit den “offiziellen” Traum-Tariflöhnen bei unseren paar DAX-Konzernen oder mit der massenhaften Realität am Rande der Mindestlöhne?

        Darüberhinaus bleiben Beamte auch über die Zeit ihrer Pensionierung hinaus ihrem Dienstherr verpflichtet, was sogar soweit gehen kann, dass sie wieder in den Dienst berufen werden können…
        Das klingt nach Reservist und potenziell statistisch denkbaren Szenarien zu Zeiten, die jedoch noch nie seit etwa 70 Jahren über einen ansatzweise nennenswerten Zeitraum praktiziert wurden. Und schon gar nicht bei einer irgendwie nennenswerten Anzahl von Beamten…

        Das Beamtenwesen hat sich über die Jahrzehnte bewährt, ist es doch daseinzige, worauf sich der Staat in kleinen und großen Krisen verlassen kann.
        Für wen hat es sich bewährt? Der Staat (= Beamtenwesen + Politiker + mächtige Lobby – andere Bürger) kann sich natürlich darauf verlassen, die “normalen” Menschen leiden ständig darunter, im Großen wie im Kleinen, ob Krise oder nicht. Eine Krise, in der sich das Beamtenwesen als brauchbar etablieren konnte, gab es seit dem 2. Weltkrieg noch nicht.

        Ihr gesamter Kommentar ist ein theoretisches Manifest, das seit etwa 70 Jahren keiner empirischen Validation unterzogen worden musste und wurde.

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    Unfriedens– Forscher

    27. Juli 2018 07:43 at 07:43

    Das Auseinanderdriften der Schere wird zu sozialen Spannungen u.Unruhen führen.Die Gutmenschen, die Vielen etwas geben u.Vielen viel wegnehmen was sie erarbeitet haben ,werden die Schuldigen sein.
    Der letzte Schub soeben in den USA mit den Steuersenkungen.Gemäss eines Berichts geht der grösste Teil nicht in Investitionen u.Arbeitsplätze ,sondern kommt in Form von Aktienrückkäufen u.Dividenden direkt den oberen 10– 15% zugute. Zudem drücken dort vor allem die grossen Superstar Firmen die Löne der Mittel u.Unterschicht.
    Einer hat es gesagt, dank der Angst vor dem Atomkrieg wird es eher keinen Weltkrieg mehr geben, aber es wird Bürgerkriege geben. Wenn die Politk u. die dominierenden Grossfirmen nicht bald reagieren ,
    wird es ungemütlich.

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      Finanza

      28. August 2018 10:37 at 10:37

      Bis dorthin dürfte es aber noch eine Weile sein, zum Glück für dieses Problem gibt es andere Prioritäten, die einen Konflikt auslösen können oder dies ja auch schon machen. Ich sehe das Potenzial ja auch durchaus gegeben und schließe mich da der Meinung an, das Problem hat aber nicht die höchste Priorität zurzeit. Sollte das erste Problem gelöst sein oder verschwinden dann ist durchaus dieses Problem an der Reihe. Mal schauen wie lange es dauert.

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Insolvenz-Welle ab Oktober? Politik plant Verschiebung auf Januar

Claudio Kummerfeld

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Das Thema Insolvenz könnte erstmal verschoben werden

Wird das Wort “Insolvenz” das große Thema im Herbst? Oder womöglich überhaupt nicht? Denn der deutsche Staat verschiebt die tatsächliche Wirtschaftskrise noch weiter in die Zukunft. Jüngst sank die Zahl der Insolvenzen sogar! Das hat einen Grund. Aber erstmal zur aktuellen großen Rettung der Volkswirtschaft. Dazu gehören abgesehen von den gigantischen Zuschüssen und Krediten zwei Maßnahmen, die von der breiten Öffentlichkeit nicht wahrgenommen werden. Da wäre zum einem eine tolle Ausnahmeregel für die Banken. Kreditraten, die sie ihren Kunden wegen Corona derzeit stunden, müssen sie nicht als Kreditausfall in ihren Büchern vermerken.

Also keine Milliarden-Abschreibungen, und die Quartalszahlen der Banken sehen super aus. Normalerweise müssen Kredite bei Nicht-Zahlung der Raten aus Ausfall abgeschrieben werden, wodurch Verluste entstehen. Derzeit aber nicht. Und weil der Staat die finanzielle Staatsraison hoch hält (alles muss immer total in Ordnung aussehen in der Bankenbranche), wurde diese Ausnahmeregel für die Banken, die Ende Juni endete, bis Ende September verlängert. Aber man kann mutmaßen, dass sie im September erneut bis Ende Dezember verlängert wird?

Keine Anmeldung zur Insolvenz notwendig

Und die zweite essenziell wichtige Maßnahme der Bundesregierung, mit der man das Ausmaß der Wirtschaftskrise verdeckt, ist die Aussetzung der Verpflichtung für Unternehmen, Insolvenz anmelden zu müssen. Ist ein Betrieb pleite, sind Geschäftsführer normalerweise verpflichtet Insolvenz anzumelden, sonst machen sie sich der Insolvenzverschleppung strafbar. Aber diese aktuelle Ausnahme lässt derzeit zu, dass diese Unternehmen, die längst pleite sind, einfach weiter machen können, und dass die Geschäftsführer sich nicht strafbar machen. Bis Ende September gilt diese Insolvenz-Sonderregel.

Es ist natürlich verständlich, warum der Gesetzgeber das macht. Die Corona-Delle versucht man zu durchstehen, in der Hoffnung, dass die Masse der Unternehmen in den Folgemonaten wieder gut Geschäft macht, und dann mit mehr Cash in der Tasche doch weiter machen kann – obwohl man zwischendurch monatelang schon faktisch insolvent war. Wir bei FMW haben darauf schon oft hingewiesen, und oft auch Experten wie Markus Krall erwähnt. Die Zombie-Lawine wird immer größer, je länger der Staat kaputten Unternehmen die Chance gewährt, nicht in die Insolvenz gehen zu müssen. Die als solche bezeichneten Zombieunternehmen machen nicht mal genug Geld um Kreditkosten zahlen zu können. Aber dank quasi Nullzinsen für Kredite leben sie seit Jahren weiter. Und jetzt müssen sie dank der deutschen Sonderregel nicht mal offiziell die Insolvenz anmelden. Dadurch wird das Problem nur noch weiter aufsummiert, und am Ende wird der gesamtwirtschaftliche Absturz vermutlich nur noch größer werden.

Politik verschiebt die große Krise auf Ende Dezember?

Also, bislang gilt diese Sonderregel für das Thema Insolvenz bis Ende September. Was wir bei FMW aber schon vermutet hatten, scheint nun Realität zu werden. Berichte zeigen, dass vor allem aus Reihen der SPD Stimmen laut werden, dass diese Aussetzung der Insolvenzpflicht von Ende September bis Ende Dezember verlängert werden müsse. Denn Unternehmen, die sich bis hierhin durchgekämpft haben, sollen auch nach September noch Licht am Horizont sehen dürfen, so der rechtspolitische Sprecher der SPD, Johannes Fechner in einem Interview.

Und siehe da, auch die CDU/CSU-Fraktion zeige sich offen dafür die Aussetzung länger gelten zu lassen. Es gehe darum Unternehmen “nicht ohne Not in die Insolvenz zu treiben”. Das Bundesjustizministerium kommentierte dazu gegenüber dem “WirtschaftsKurier”, dass die Entscheidung noch in der Schwebe sei. Die Anhörung aller Beteiligten laufe noch. Aber mal ehrlich. Wer in der deutschen Politik kann (abgesehen von der Opposition) schon eine brutale Insolvenz-Welle ab Oktober gebrauchen? Und da die zweite Corona-Welle ja offenbar eh gerade startet, dürfte es der GroKo nicht all zu schwer fallen, diese Sonderregel bis Ende Dezember zu verlängern.

Was wäre die Alternative?

Diese anstehende Hinauszögerung der Insolvenz-Welle mag gut und nett gemeint sein. Aber der Berg an Problemen wird damit nur noch größer. Der Absturz danach wird dann um so schwerwiegender sein, so möchten wir es anmerken. Nun zügig ein intelligenteres Insolvenzrecht verabschieden und zahlreichen Unternehmern einen Neustart ermöglichen, das wäre doch wohl deutlich sinnvoller, als dass man vielen Unternehmen die Chance gewährt weiter in einem Status der Überschuldung und Starre zu verharren. Lesen Sie beim Klick an dieser Stelle die jüngsten Aussagen von Markus Krall über die bald kippenden Zombieunternehmen. Wird ihm der deutsche Staat dieses Szenario kurzfristig “kaputt machen” durch eine weitere dreimonatige Verzögerung?

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Staatsbankrott: Was passiert da eigentlich? Argentinien zeigt es!

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Wenn ein Staat seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann, ist das eine Katastrophe für seine Bürger, die Unternehmen im Land und natürlich auch für die Gläubiger, die auf einen Großteil ihres Geldes verzichten müssen. Doch wie genau ist der Ablauf eines Staatsbankrotts? Da Argentinien gerade wieder zahlungsunfähig ist (schon im Februar forderte der IWF einen Schuldenschnitt) und sich in Verhandlungen mit seinen Gläubigern befindet, können wir an diesem Beispiel lernen, wie der Vorgang abläuft!

Die Insolvenz eines Staates ist ein häufiges Ereignis. In den vergangenen 200 Jahren kam es statistisch gesehen zu mehr als einem Staatsbankrott pro Jahr weltweit. Seit der Abschaffung der Golddeckung und der weitgehend unregulierten Schöpfung ungedeckten Fiatgeldes nahm die Frequenz der Staatsbankrotte sogar deutlich zu. So gab es zwischen 1980 und 2010 pro Jahr durchschnittlich drei insolvente Staaten auf der Erde.

Es gibt kein gesetzlich geregeltes Insolvenzverfahren für den Staatsbankrott

Umso interessanter ist es, dass es zwar gesetzliche Regelungen für den Fall eines Staatsbankrottes gibt, die aber im Falle zum Beispiel der Bundesrepublik Deutschland eine Insolvenz, genauer gesagt ein Insolvenzverfahren, explizit NICHT vorsehen. Doch Papier ist geduldig. Wenn Deutschland seine Schulden nicht mehr bedienen kann, ist das Land insolvent – Gesetz hin oder her.keine gesetzlichen Regelungen für den Fall eines Staatsbankrotts gibt. Zwar mag es dann kein Insolvenzverfahren wie bei Unternehmen oder Privatpersonen geben. Doch eine Art von Insolvenzverfahren findet dennoch statt: die Verhandlung mit den Gläubigern. Zwar kann ein Staat die Zahlungen an seine Gläubiger einstellen. Doch bis es keine Einigung mit diesen gab, wird das Land auch keine neuen Kredite bekommen. Zumindest keine Auslandskredite. Kredite in der heimischen Währung könnte sich ein Staat theoretisch über die Zentralbank selbst geben, wie es zum Beispiel in den USA und der Eurozone schon seit geraumer Zeit nur wenig versteckt stattfindet.

Kann ein Staat keine Devisen mehr beschaffen, leidet darunter die heimische Bevölkerung und die Unternehmen. Importe sind dann nur noch in dem Umfang möglich, in dem Devisen mittels Exporten erwirtschaftet werden. Um einen Ausgleich zwischen Importen und Exporten herzustellen, muss die Währung gegenüber den ausländischen Währungen abwerten. Die dann in der Regel herrschende Devisenknappheit zwingt die Menschen dazu, ihre Ersparnisse in der heimischen Währung zu halten, die im Falle eines Staatsbankrotts jedoch zu hoher Inflation neigt. Die Währungsabwertung heizt die Inflation zusätzlich an, da Importwaren teurer werden. Haben die Menschen und Unternehmen Zahlungsverpflichtungen in Fremdwährung, sind zahlreiche Privat- und Unternehmensinsolvenzen zu erwarten. Selbst wenn die Schuldner in der Lage wären, Devisen zu beschaffen, wären die Kredite durch die Währungsabwertung deutlich teurer als zum Zeitpunkt der Kreditaufnahme.

Gläubiger müssen auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten, bekommen aber teils noch Geld zurück

Eine Einigung mit den Gläubigern und der daraufhin wieder mögliche Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten ist daher ein vordringliches Ziel der Regierung nach einem Staatsbankrott. Den meisten Gläubigern ist bewusst, dass eine vollständige Rückzahlung ihrer Forderungen unwahrscheinlich ist. In der Regel kauften die Gläubiger die Schuldtitel bereits mit deutlichen Preisabschlägen an der Börse und kassierten hohe Zinsen bis zum Zeitpunkt der Zahlungseinstellung. Eine Einigung, die in der Regel einen teilweisen Schuldenerlass, niedrigere Zinsen und gestreckte Zahlungsziele beinhaltet, wird daher relativ schnell gefunden. Interessant ist, dass die Insolvenzquoten bei Staatsbankrotten oft relativ hoch sind. Bei Unternehmens- und Privatinsolvenzen ist in der Regel für die Gläubiger ein Totalverlust anzunehmen. Bei Staatsbankrotten sind 30% oder auch fast 50% Rückzahlungsquoten möglich. Das Beispiel Argentinien zeigt jedoch, dass sich inzwischen auch einige Hedgefonds darauf spezialisierten, die Anleihen praktisch bankrotter Staaten zu Schnäppchenpreisen aufzukaufen und dann auf vollständige Tilgung des Nennwerts zu pochen.

Bis es zu einer Einigung mit den Gläubigern kommt, können diese auch den Besitz des säumigen Staates im Ausland beschlagnahmen lassen. So ließ ein US-Hedgefonds ein argentinisches Marineschiff beschlagnahmen, weil Argentinien sich weigerte, die vom Hedgefonds gehaltenen Anleihen zum vollen Nennwert zu tilgen.

Beispiel Argentinien: Bankrott seit Ende Januar

Argentinien erklärte am 29. Januar 2020, dass es plane, den Gläubigern ein Programm zur Schuldenrestrukturierung zu präsentieren. Mit anderen Worten: Argentinien könnte zwar seine Schulden noch bedienen, weigert sich aber, es zu tun. Am 19. Februar bestätigten Prüfer des Internationalen Währungsfonds, dass die Staatsschulden Argentiniens in der Tat nicht mehr tragbar seien. Am 21. April präsentierte Argentinien schließlich seinen Plan zur Restrukturierung von 69 Milliarden US-Dollar Auslandsschulden und setzte den Gläubigern eine Frist bis zum 8. Mai, um diesen Plan zu akzeptieren.

Die dachten natürlich nicht daran, den Plan einfach durchzuwinken. In persönlichen Treffen und Videokonferenzen versuchte Argentinien, die größten Gläubiger zu überzeugen. Schließlich musste jedoch am 7. Mai verkündet werden, dass man für Gegenvorschläge der Gläubiger offen sei. Die Frist zur Annahme des Restrukturierungsangebots wird in den kommenden Wochen mehrfach verlängert. In der Zwischenzeit wurden auch die ersten Zinszahlungen fällig, die Argentinien nicht bezahlte. Das Land ist damit offiziell zahlungsunfähig und hat damit bereits den neunten Staatsbankrott seiner Geschichte erklärt.

Nach Wochen des Wartens präsentieren erste große Gläubiger ihre Vorschläge zur Restrukturierung der Schulden. Sie bieten einen Schuldenerlass von rund 45% an, was Argentinien zu wenig ist. Schließlich einigt sich Argentinien am 2. August doch noch auf einen Schuldenerlass von 45,2% mit dem Großteil seiner Gläubiger.

Im Endeffekt dauerte der Staatsbankrott also nur rund ein halbes Jahr. Für Argentinien wird es nach der Einigung noch nicht sofort so sein wie vor der Erklärung der Zahlungsunfähigkeit. Investoren werden noch eine Weile merkliche Risikoaufschläge für neue Kredite verlangen. Und vermutlich wird es auch wieder den einen oder anderen Gläubiger geben, der auf vollständige Tilgung seiner Anleihen besteht. Der Wechselkurs des argentinischen Peso wird sich aller Voraussicht nach auch nicht erholen, solange Argentinien nicht das grundlegende Problem der negativen Zahlungsbilanz löst. Der teilweise Schuldenerlass gab dem Land nur eine Atempause.

Der Obelisco als Smybol für Argentinien - Staatsbankrott lähmt das Land
Der Obelisco in Buenos Aires. Foto: Gobierno de la Ciudad Autónoma de Buenos Aires CC BY 2.5 ar

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Coronavirus und die Aktienmärkte in Ost und West

Beschleunigt das Coronavirus den ökonomischen Aufstieg des Ostens? Die Börsenentwicklungen deuten schon darauf hin!

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Das Coronavirus wandert um die Welt: Ausgehend von China hat sich eine Pandemie entwickelt, die nahezu alle Länder der Welt betrifft, mit gesundheitlichen aber auch wirtschaftlichen Folgen. Einige Länder in Fernost haben die Eindämmung von des Coronavirus bisher gut gemeistert, ablesbar an Wirtschaftszahlen und Börseninidizes. Beschleunigt Corona den ökonomischen Aufstieg des Ostens?

Die Wirtschaftsdaten

Nachdem China den ersten ganz großen Lockdown in Wuhan schon ab 23. Januar vollzogen hat, war klar, dass dort auch die Konjunkturdaten im ersten Quartal so richtig in den Keller rauschen, während man im Westen die Sache noch als regionale Angelegenheit einstufte.

Chinas Wirtschaft war im ersten Quartal um 9,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal eingebrochen, das Bruttoinlandsprodukt im Jahresvergleich um 6,8 Prozent gesunken. Doch bereits in den folgenden drei Monaten betrug der Anstieg 11,5 Prozent, das gesamte Halbjahr war kaum mehr im negativen Terrain. China wird damit wahrscheinlich die einzige große Nation sein, die 2020 ein positives Wachstum erzielen kann. Aber auch in Südkorea oder in Taiwan lag man im zweiten Quartal nur wenig im Minus gegenüber den Vorjahreswerten.

Anders in den westlichen Nationen, wo die BIP-Daten für Q2 in der letzten Woche veröffentlicht wurden und die von minus 9,8 Prozent (USA) bis minus 18,5 Prozent (Spanien) richtige Horrorzahlen brachten. Hier wird es noch mindestens bis 2021 oder noch länger dauern bis der Einbruch ausgeglichen werden kann.

China hat „offiziell“ den Weg einer V-förmigen Erholung bisher erfolgreich bestritten, andere Länder aus der Region könnten folgen.

Das alles immer unter dem Vorbehalt staatlich administrierter Datenvorgaben.

Coronavirus: Die Zahlen

Obwohl die Infektionszahlen mit dem Coronavirus in vielen Ländern, in der so genannten zweiten Welle, nach oben gehen, herrscht doch ein himmelweiter Unterschied zwischen Ost und West (ausgenommen Indien). Denn von den bisher registrierten 18,5 Millionen Infektionen mit dem Coronavirus fallen mehr als die Hälfte auf drei Nationen: USA, Brasilien und Indien. Ebenso sieht das Verhältnis aus, wenn man die aktiven Fälle von gut sechs Millionen „active cases“ heranzieht, auch hier ähneln sich die offiziellen Zahlen in ihren Proportionen.

China, Japan, Südkorea, Singapur, Taiwan, Vietnam und weitere asiatische Volkswirtschaften findet man erst sehr viel weiter unten in der Tabelle der John-Hopkins-Universität.

Damit scheint in diesen Regionen die Eindämmung des Coronavirus schon sehr viel besser gelungen zu sein, vor allem im Vergleich zu Nord- und Südamerika. Die Wirtschaftsdaten geben auch ein Zeugnis darüber.

Die Entwicklung der Börsen

Beim ständigen Blick auf den US-Technologie-Index Nasdaq mit seinen BiG Five ist es etwas untergegangen: Der CSI 300 Index, der die Börsen von Shanghai und Shenzhen einschließt, liegt seit Jahresbeginn bereits 17 Prozent im Plus. Damit ist er der stärkste nationale Index.

Der US-Leitindex S&P 500 hat gerade die Pluszone erreicht, allerdings auch nur getrieben von seinen viel zitierten Highflyern. Dies gilt natürlich erst recht für Nasdaq oder Nasdaq 100.

Aber auch die Indizes in Taiwan und Südkorea sind schon im Positiven gelandet: Der TAIEX in Taipei mit 5,9 Prozent, der Kospi in Seoul noch mit 3,2 Prozent. Andere westliche Aktienmärkte sind noch deutlich im Minus, wie zum Beispiel der DAX (- 5 Prozent), der CAC 40 (-18 Prozent) oder der FTSE 100 (-20 Prozent). Wie erwähnt verdankt der amerikanische Leitindex seine positive Bilanz nur den IT- und Internettiteln, der große Rest läge noch weit im Minus.

Die Veränderung der Wirtschaft in China

Auch ohne das Coronavirus entwickelt sich das Reich der Mitte bei zukunftsträchtigen Branchen weiter. Früher die Werkbank der Welt bei der Herstellung von Massenartikeln, so geht es im Bereich der Hightech-Industrie oder auch in der Pharmaindustrie voran. Auch erkennbar am Wettlauf um den begehrten Impfstoff gegen Covid-19 oder an der Zahl an Patentanmeldungen, die stark an westliche Dimensionen herankommen.

Die große Dominanz der USA in den Weltindizes

Zwar ist Chinas Gewichtung im MSCI Emerging Markets bereits angehoben worden, aber dennoch ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt (mit Abstand) nicht im Weltindex MSCI World vertreten. Daher erscheint der hohe Anteil der USA mit 63 Prozent trotz einer Wirtschaftsleistung von gut 15 Prozent am Weltsozialprodukt schon ziemlich merkwürdig. Klar ist dies der Marktkapitalisierung geschuldet, bei der die großen US-Brocken so richtig schwer ins Gewicht fallen. Aber gibt es in China nicht auch Schwergewichte wie Alibaba, Tencent oder Huawei? Und wieso befinden sich Wirtschaftsnationen wie China, Taiwan oder Südkorea überhaupt in einem Index für Schwellenländer? Sind das Länder, die die Chance haben, sich in den nächsten Jahren zu Industriestaaten zu entwickeln – Südkorea, mit seinen Weltfirmen?

Im globalen Aktienindex MSCI All Country World Index beträgt Chinas Anteil gerade einmal 4 Prozent aus, obwohl das Land laut Schätzungen des Internationalen Währungsfonds 28 Prozent zum globalen Wirtschaftswachstum beitrug.

Aber die Entwicklung der Finanzmärkte schreitet voran. Nicht nur im MSCI Emerging Markets beträgt Chinas Anteil schon 40 Prozent, auch im Aktienindex MSCI Asien – ohne Japan – hat China schon ein Gewicht von 44 Prozent.

Investmentbanken wie J.P. Morgan erwarten deshalb in den nächsten Jahren eine deutliche Outperformance von China gegenüber den westlichen Aktienmärkten. Schon komisch: Haben nicht Umfragen der Bank of America, Aussagen von BlackRock oder Goldman Sachs in letzter Zeit für Aktienanlagen in Europa und die Emerging Markets geworben – die USA untergewichtet? Es scheint fast so, als dass US-Großanleger kein allzu großes Vertrauen in die allgemeine Aktienentwicklung der USA haben, GAFAM einmal ausgenommen.

Man muss auch immer wieder darauf hinweisen: Wo lagen Nasdaq und S&P 500 im Tief der Finanzkrise 2009?

Der Nasdaq bei 1265 Punkten – der S&P 500 bei 676 Punkten, und gestern hatte der Technologieindex bereits die 11.000-Punkte-Marke überschritten, der große Leitindex S&P 500 endete bei 3327 Zählern. Was kann da das laufende Jahrzehnt bringen?

Fazit: Das Coronavirus und die endende Dominanz der US-Aktienmärkte

Der Kampf um die wirtschaftliche, technologische und militärische Vorherrschaft war (und ist) das große Thema hinter dem Handelsstreit zwischen den USA und China, der Nummer eins gegen die Nummer zwei. Wahrscheinlich ist, dass die Pandemie durch das Coronavirus in ökonomischer Hinsicht sogar noch zu einem Beschleuniger heranreift. Die Börsenentwicklungen deuten schon etwas darauf hin und die USA haben in punkto Geldpolitik, Zinsangebot, Währungsstärke u.w. schon sehr viel Pulver verschossen. Natürlich werden sich die USA – unter welchem Präsidenten auch immer – dies nicht gefallen lassen. Disruptionen an den Kapitalmärkten sind damit vorprogrammiert. Die asiatischen Länder mit ihren weit über drei Milliarden Konsumenten, ihrer demographischen Struktur und ihren Wachstumsraten könnten durchaus dafür sorgen, dass der Anteil der USA im All Country World Index (ACWI) in der nächsten Dekade keine 60 Prozent mehr betragen wird.

Das Coronavirus und die Entwicklung der Weltbörsen

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