Anleihen

Anleihe-Guru Gundlach: Fed-Zinsanhebung unwahrscheinlich

Von Markus Fugmann

Jeff Gundlach von DoubleLine Capital, der vermutlich beste Trader von Anleihen der Welt, sieht eine geringe Wahrscheinlichkeit, dass die Fed im September oder Dezember die Zinsen anheben wird. Der Hauptgrund: die Löhne steigen in den USA kaum, daher bestehe kein Inflationsdruck, sodass die Fed mit Zinsanhebungen warten werde. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed im Dezember die Zinsen anheben werde, liege unter 50%, so Gundlach bei einem webcast. Erst wenn die Löhne im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 1,5% stiegen, sei die Fed bereit, die Zinsen anzuheben. Und das sei derzeit nicht der Fall.

Damit steht Gundlach, der als einer der ganz wenigen Beobachter im letzten Jahr richtig prognostiziert hatte, dass die Anleiherenditen in den USA fallen würden, wieder einmal fast alleine auf weiter Flur. Aber Gundlachs Prognosequalität gilt an der Wall Street als legendär, sein Wort hat enormes Gewicht. Schon im Vorjahr hatte Gundlach aufgrund der niedrigen Inflation auf sinkende Renditen spekuliert – und Recht behalten. Sein damaliges Argument der fehlenden Inflation bringt ihn also erneut zu dem Schluß, dass die Fed die Zinsen nicht anheben wird.

In den letzten Tagen hatten mehrere Fed-Mitglieder betont, dass die Wahrscheinlichkeit für baldige Zinaanhebungen hoch seien, nachdem die US-Arbeitsmarktdaten am letzten Freitag deutlich über den Erwartungen ausgefallen waren. Während sich jedoch viele Analysten auf die reine Zahl der neuen Stellen in den USA fokussieren, blickt Gundlach vorwiegend auf die Entwicklung der Stundenlöhne, die gemeinsam mit den US-Arbeitsmarktdaten veröffentlicht werden. Und der Anstieg der Stundenlöhne sei beim US-Arbeitsmarktbericht nur sehr gering ausgefallen, der Inflationsdruck damit niedrig, so Gundlach.

Gundlach hatte ebenso wie der ehemalige PIMCO-Chef Bill Gross Short-Positionen auf deutsche Staatsanleihen empfohlen – und lag damit goldrichtig. Aber während PIMCO große Teile seiner US-Staatsanleihen in Erwartung einer Zinsanhebung durch die Fed kürzlich abgestoßen hat, geht Gundlach offenkundig die Gegenwette ein. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch – das zeigt der Blick in die Vergangenheit – dass Gundlach auch diesmal recht behalten wird.



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1 Kommentar

  1. Andererseits ist die Produktivitätskennziffer in letzter Zeit öfter schwächer ausgefallen, was darauf hindeutet, daß eher Über- als Unterbeschäftigung herrscht – solange nicht überproportionale Stellenkürzungen anfielen.

    Daraus kann gefolgert werden, daß mehr als nötig Beschäftigung und daher auch Lohnzahlung anfällt, womit die Inflationsgefahr auch eher stiege als fiele – und Gundlach falsch läge.

    Jedenfalls scheint seine Kalkulation aufgegangen zu sein – die Märkte stiegen.
    Weiß der Teufel, warum sie es sollten.
    So sind es wieder mal die drei: Glaube, Liebe, Hoffnung, welche die Welt bewegen.

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